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Von Schumacher bis Steinbrück: Die gescheiterten Kanzlerkandidaten

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Sie oder er? Das ist die Frage im Wahlkampf 2013. Peer Steinbrück ist Kanzlerkandidat, Merkel ist Kanzlerin. Zurzeit sind beide in aller Munde. Doch im Rückblick erinnert man sich fast nur an die Wahlsieger. Doch auch unter den gescheiterten Kandidaten gibt es viele denkwürdige Persönlichkeiten. Der erste ... (Foto: dpa)

Sie oder er? Das ist die Frage im Wahlkampf 2013. Peer Steinbrück ist Kanzlerkandidat, Merkel ist Kanzlerin. Zurzeit sind beide in aller Munde. Doch im Rückblick erinnert man sich fast nur an die Wahlsieger. Doch auch unter den gescheiterten Kandidaten gibt es viele denkwürdige Persönlichkeiten. Der erste ...

Sie oder er? Das ist die Frage im Wahlkampf 2013. Peer Steinbrück ist Kanzlerkandidat, Merkel ist Kanzlerin. Zurzeit sind beide in aller Munde. Doch im Rückblick erinnert man sich fast nur an die Wahlsieger. Doch auch unter den gescheiterten Kandidaten gibt es viele denkwürdige Persönlichkeiten. Der erste ...

... hieß Kurt Schumacher.

Der SPD-Vorsitzende der Frühphase der Republik wurde selbst zur Legende, eigene Briefmarke inklusive.

Bei der Bundestagswahl am 14. August 1949 stimmten 29,2 Prozent für seine SPD - knapp zwei Prozent weniger als für die CDU, die auf 31 Prozent kam. Schumacher gab, gestützt auf seine Sekretärin und Vertraute Annemarie Renger, seine Stimme in Hannover ab.

Trotz seiner Niederlage war er eine Eminenz in der SPD. Neun Jahre hatte er in Konzentrationslagern der Nazis für seine Überzeugungen gesessen. 1952 starb Schumacher an den Spätfolgen seiner KZ-Haft.

Bei den nächsten beiden Wahlen 1953 und 1957 versuchte der neue SPD-Vorsitzende Erich Ollenhauer sein Glück als Kanzlerkandidat. Wie sein Vorgänger kritisierte er den strikten pro-westlichen Kurs Adenauers. Er unterlag mit 28,8 und 31,8 Prozent.

Willy Brandt ist eine der prägenden Figuren der Bundesrepublik. Von 1969 bis 1974 war er Bundeskanzler - doch zuvor nahm er zweimal vergeblich Anlauf aufs Kanzleramt. Den ersten Versuch machte er 1961 als Regierender Bürgermeister Berlins - und verlor wie seine Vorgänger gegen Konrad Adenauer. Wenn er auch deutlich mehr Stimmen holte als zuvor.

Vier Jahre später unterlag er wieder - diesmal Ludwig Erhard, der "keine Experimente" machen wollte. Daran änderte auch der Beistand des Hamburger Innensenators Helmut Schmidt (r.) nichts. Nach Erhards Rücktritt 1966 wurde Brandt dann Vizekanzler und Außenminister der ersten Großen Koalition - anschließend wurde er Bundeskanzler in einer sozial-liberalen Koalition.

Auch dieser junge Mann wollte Bundeskanzler werden: Rainer Barzel (Bild: um 1965). Unter Adenauer war der gebürtige Ostpreuße Minister für Gesamtdeutsche Fragen.

Als CDU-Fraktionsvorsitzender versuchte er im April 1972, Bundeskanzler Willy Brandt mit einem konstruktiven Misstrauensvotum zu stürzen. Doch der Versuch misslang.

Brandt blieb Kanzler. Auch bei den nachfolgenden Bundestagswahlen unterlag Barzel dem SPD-Mann.

Zwei Bundeskanzler? Ja, aber nicht, als dieses Bild entstand. 1976 war Helmut Kohl noch Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz. Er wollte Kanzler Helmut Schmidt im Amt ablösen, der zwei Jahre zuvor das Amt von Brandt übernommen hatte.

Kohl zog im Wahlkampf über die Marktplätze der Republik, wie hier im westfälischen Werne, ...

... und präsentierte idyllische Bilder seiner angeblich glücklichen Familie. Doch es nützte nichts. Kohl blieb (zunächst) ein gescheiterter Kandidat.

1980 schickte die Union diesen Mann ins Rennen gegen Helmut Schmidt: Franz-Josef Strauß, bayerischer Ministerpräsident, nach einer Grubenfahrt in Castrop-Rauxel.

Auf diesem Wahlplakat ließ er seine Tochter Monika mit ihm posieren.

Beratung bekam der Kanzlerkandidat Strauß vom "blonden Fallbeil" Edmund Stoiber. Der kandidierte mehr als 20 Jahre später ebenfalls.

Doch am Ende reichte es nicht fürs Kanzleramt. Einen Bayern in Bonn konnten sich die Bürger nicht so recht vorstellen. Die CDU/CSU verlor sogar gut vier Prozentpunkte, ...

... während die SPD mit Helmut Schmidt leicht zulegen konnte.

Schmidt war erst politisch am Ende, als die CDU ihn zwei Jahre darauf mit einem konstruktiven Misstrauensvotum zu Fall brachte. Der einstige Kandidat Kohl wurde Kanzler - für 16 Jahre.

Reihenweise scheiterten die SPD-Kandidaten in den folgenden Jahren an dem Schwergewicht aus der Pfalz. Bei den darauffolgenden Wahlen im März 1983 kandidierte Hans-Jochen Vogel. Der einstige Oberbürgermeister Münchens war auch Minister unter Brandt und Schmidt.

Doch Kohl überzeugte die Wähler offenbar. Die CDU holte fast 49 Prozent der Stimmen, die SPD rutschte auf gut 38 Prozent ab.

Der SPD-Vorsitzende und Ex-Kanzler Willy Brandt brachte als nächstes den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Johannes Rau gegen Helmut Kohl in Stellung.

Unter dem Motto "Versöhnen statt spalten" ging "Skatbruder Johannes", so sein Spitzname, 1987 auf Stimmenfang.

Rau holte 37 Prozent - zu wenig. Kohl blieb im Amt. Doch auf den Herausforderer warteten höhere Weihen. 1999 wurde er zum Bundespräsidenten gewählt.

Nach der Wiedervereinigung 1990 war die erste gesamtdeutsche Bundestagswahl für den Amtsinhaber beinahe ein Selbstläufer. Oskar Lafontaine trat für die SPD an.

Der saarländische Ministerpräsident bekam Schützenhilfe von einem gewissen Gerhard Schröder, seines Zeichens SPD-Vorsitzender in Niedersachsen.

Am 25. April 1990 stach dann eine psychisch kranke Arzthelferin Lafontaine bei einer Wahlkampfveranstaltung in der Stadthalle von Köln-Mühlheim mit einem Messer nieder. Der Kandidat überlebte schwerverletzt. Die Attentäterin ist seither in der Psychiatrie untergebracht. Lafontaine holte am Ende 33,5 Prozent, Kohl setzte die schwarz-gelbe Koalition fort.

Dem rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Rudolf Scharping (M.) wurden echte Chancen zugetraut, die Bundestagswahlen 1994 zu gewinnen. Gerhard Schröder (l.) und Oskar Lafontaine drückten ihm die Daumen.

Doch der oft dröge wirkende Scharping schaffte es nicht. Kohl schleppte sich in seine vierte und letzte Amtszeit. Erst Schröder schaffte es vier Jahre später, den CDU-Dinosaurier zu besiegen.

Während der rot-grünen Jahre formierte sich die CDU neu. Die Frage kam auf: Wer soll Schröder herausfordern? CDU-Chefin Angela Merkel oder der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber?

Stoiber machte das unionsinterne Rennen. Rückendeckung bekam er von Fraktionsschef Friedrich Merz (l.).

Fußball-Einlagen gehören im Wahlkampf ebenso dazu wie...

... Begegnungen mit dem Amtsinhaber. Doch der machte den drohenden Irak-Krieg zum Wahlkampfthema und rettete sich mit hauchdünnem Vorsprung in seine zweite Amtszeit. Die währte jedoch nur drei Jahre. Angela Merkel wurde 2005 die neue Kanzlerin.

In der zweiten Großen Koalition der Bundesrepublik wurde Frank-Walter Steinmeier Außenminister - und Merkels Herausforderer bei der Wahl 2009.

Vier Jahre arbeiteten die beiden harmonisch zusammen, der Wahlkampf fiel entsprechend zahm aus. Das half vor allem Merkel.

Trotz prominenter Wahlkampfunterstützung wie von Peter Maffay holte Steinmeier das schlechteste Ergebnis der Parteigeschichte. 23 Prozent standen am Ende zu Buche.

Peer Steinbrück ist der nächste Herausforderer, aber auch er unterliegt der Union. (vpe)

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