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Dienstag, 06. Januar 2015

Der Kim-Clan: Diese Familie beherrscht Nordkorea

Von Johannes Graf

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Nordkorea ist ein Land, um das sich viele Legenden ranken. Rigide abgeschottet vom Rest der Welt, … (Foto: REUTERS)

Nordkorea ist ein Land, um das sich viele Legenden ranken. Rigide abgeschottet vom Rest der Welt, …

Nordkorea ist ein Land, um das sich viele Legenden ranken. Rigide abgeschottet vom Rest der Welt, …

… kursieren allerhand Schauergeschichten über den rückständigen Staat, …

… seine unterdrückten Bürger und natürlich die Elite des Landes.

Während die Menschen im Land hungern, schwelgt die Führung in Pjöngjang im Überfluss.

Vieles, was über Nordkorea nach außen dringt, mutet komisch an. Über den Körperumfang Kim Jong-Uns ist schon so ziemlich jede Zote gerissen worden.

Viele der Geschichten sind übertrieben - von westlichen Medien und Geheimdiensten spannender gemacht, als sie eigentlich sind. Auch über die teils schrullige Verwandtschaft des Diktators ist viel zu lesen. Tatsächlich …

… bietet diese Stoff für ganze Romane. Denn wo Macht ist, ist die Intrige nicht fern. So ist es auch bei den Kims.

Und doch ist es eben die Familienzugehörigkeit oder die Nähe zu den Kims, die über Fall und Aufstieg in Nordkorea bestimmen.

Der noch junge Kim Jong-Un ist nur deshalb Führer seines Landes geworden, weil er in direkter Linie von Staatsgründer Kim Il-Sung abstammt.

Und dennoch muss er sich von Anfang an gegen Widersacher an der Staatsspitze behaupten. Trost spendet da wohl nur …

… Ri Sol-Ju, die Gattin des jungen Herrschers. Sie ist 1989 geboren und angeblich schon seit 2010 die Frau an seiner Seite.

Erst 2012 wurde die Verbindung öffentlich, seither ist sie immer wieder zusammen mit Kim Jong-Un zu sehen.

Dass Ri Sol-Ju zwischenzeitlich einige Wochen von der Bildfläche verschwand, animierte zu allerhand Spekulationen.

Hat Kim sie abserviert? Gar beseitigen lassen? Die Wahrheit ist vermutlich etwas schlichter und weniger blutig.

Ri Sol-Ju war wohl schwanger, mittlerweile sollen die beiden eine Tochter haben. Das erzählt zumindest Kims Freund, der US-Basketballstar Dennis Rodman.

Damit wäre die Familiennachfolge gesichert - auch wenn im patriarchalischen Nordkorea natürlich eigentlich ein Sohn hermüsste.

Derer hatte Kims Vater, Kim Jong-Il, mindestens drei - von angeblichen unehelichen Nachkommen ganz zu schweigen. Dazu kommen noch Töchter - aber sortieren wir die Verhältnisse einmal. Ein Überblick über den Kim-Clan:

Kim Jong-Il übte nach dem Tod Kim Il-Sungs 1994 bis zu seinem eigenen Ableben 2011 die Herrschaft aus.

Er ist nach offizieller nordkoreanischer Erzählung im Jahr 1942 am Fuße des heiligen Bergs Paektu im Norden des Landes geboren worden.

Tatsächlich erblickte er ein Jahr zuvor in Wjatskoje in der damaligen Sowjetunion das Licht der Welt und trug zunächst den Namen Juri Irsenowitsch Kim.

Kim Jong-Il war für seinen Hang zu Luxus, Alkohol und Frauen berühmt.

Die Beziehungen zu vier Frauen sind bekannt, ebenfalls sind fünf Nachkommen nachweisbar. Es wird aber wie gesagt angenommen, dass es mehr Frauen und Kinder gab und gibt.

Für Kim Jong-Uns Leben entscheidend ist die Beziehung seines Vaters zu seiner Mutter Kim Yong-Hui. Sie ist eine der späten Liebschaften von Kim Jong-Il. Die 1953 geborene Tänzerin übernahm in den späteren Jahren der Herrschaft Kim Jong-Ils die Rolle der First Lady, bis sie 2004 - vermutlich an Krebs - starb.

Ihre Vita ist im Land unter Verschluss, da sie heikel ist: Kim Yong-Hui ist im Feindesland Japan geboren, ihr Vater soll in einer Fabrik gearbeitet haben, die Waffen für die Armee herstellte. Damit stünde sie im Songbun, dem nordkoreanischen gesellschaftlichen Klassifizierungssystem, eigentlich ganz unten.

Kim Jong-Un hat zwei leibliche Geschwister: einen Bruder und eine Schwester. Kim Jong-Chol ist zwei oder drei Jahre älter als Kim Jong-Un - je nachdem, auf welches Jahr man den Geburtstag des Herrschers datiert. Damit wäre er in der Machtnachfolge noch vor Kim Jong-Un dran gewesen. Doch angeblich hielt ihn der Vater für zu weibisch, um das Land zu regieren.

Um das Jahr 2010 soll dann die endgültige Entscheidung gefallen sein, Kim Jong-Chol zu übergehen. Ebenso wie sein Bruder hatte er einen Teil seiner Kindheit in der Schweiz verbracht. Über seinen heutigen Verbleib weiß man wenig, auch ob er im Machtapparat eine Rolle spielt. Er soll 2011 bei einem Eric-Clapton-Konzert in Singapur gesehen worden sein - daher stammen auch die Fotos.

Kim Jong-Uns Schwester Kim Yo-Jong legte dagegen eine rasante Parteikarriere in Pjöngjang hin. Dabei trat sie lange Zeit gar nicht offiziell in Erscheinung - allenfalls als rätselhaftes Mädchen an der Seite ihres Vaters.

Als Kim Jong-Un im Oktober 2014 einige Wochen wegen einer Fußverletzung ausfiel, soll sie Teile seiner Pflichten übernommen haben.

Kim Jong-Uns Vater hatte wie bereits erwähnt mehrere Frauen: Sung Hae-rin (1937-2002) war die Langzeitgeliebte des Diktators. Sie war eine beliebte nordkoreanische Schauspielerin und begann 1970 eine Liaison mit Kim Jong-Il. Damals war sie noch mit einem anderen Mann verheiratet, wurde später gezwungen, sich scheiden zu lassen. Später entfremdete sie sich von dem Herrscher und starb 2002 in Moskau.

Die Beziehung wurde lange geheim gehalten - ebenso wie der 1971 geborene Halbbruder Kim Jong-Uns, Kim Jong-Nam. Der wiederum wäre als erstgeborener Sohn Kim Jong-Ils der natürliche Nachfolger im Reich.

Doch er fiel wiederholt als undiszipliniert auf und produzierte für Pjöngjang unschöne Schlagzeilen. Er wurde 2001 dabei erwischt, wie er mit einem gefälschten dominikanischen Pass versuchte, ins Feindesland Japan einzureisen - angeblich wollte er das Disneyland in Tokio besuchen.

Um 2009 begann angeblich eine Verhaftungswelle gegen Leute aus seinem Umfeld, weshalb Kim Jong-Nam floh und Asyl in Macao beantragte. Dort und in Peking lebt er seither.

Kim Yong-Suk ist die Ehefrau Kim Jong-Ils, die sein Vater für ihn ausgesucht hat. Doch die Favoritin des Herrschers wurde sie nie. Die beiden entfremdeten sich bald, die Pflichten der First Lady gab Kim Yong-Suk an ihre Rivalin Sung Hae-rin ab. Fotos von ihr sind nicht aufzutreiben.

Aus der Ehe ist die 1974 geborene Tochter Kim Sol-Song entstanden. Im Gegensatz zu ihrer Mutter war sie der angebliche Liebling ihres Vaters und hatte verschiedene Positionen in dessen Machtapparat inne. So koordinierte sie zeitweise seine Termine und begleitete ihn auf Reisen. Angeblich soll sie nach seinem Tod in Paris studiert haben. Was sie heute macht, ist nicht klar. Auch ihre Mutter Kim Yong-Suk soll noch leben. Fotos gibt es von ihr keine.

Die vierte bekannte Liaison Kim Jong-Ils war jene zu Kim Ok, seiner langjährigen Sekretärin. Nach dem Tod von Kim Yong-Hui trat sie an der Seite Kim Jong-Ils auf. Es ist aber wahrscheinlich, dass sie schon vorher die Geliebte des Herrschers war.

Kim Jong-Un hat einen leiblichen Onkel, Kim Man-Il, der jedoch als kleines Kind bei einem Badeunfall unter mysteriösen Umständen ums Leben kam. Mehr Wirkung in der nordkoreanischen Geschichte entfaltete Kim Kyong-hui, die Tante von Kim Jong-Un (rechts, mit Kim Il-Sung, Mitte).

Sie galt zu Lebzeiten Kim Jong-Ils als die mächtigste Frau im Staat, die hinter den Kulissen die Strippen zog.

Doch ihr Leben verlief alles andere als glücklich. Von Alkohol- und Eheproblemen ist die Rede, …

… die noch durch den Suizid ihrer Tochter Jang Kum Song verstärkt wurden. Im Alter von 29 Jahren nahm diese sich in Paris das Leben - in Europa hatte sie eine Liebschaft mit einem Mann begonnen, den ihre Eltern nicht guthießen.

Ob Kim Kyong-hui noch lebt, ist ungewiss. Berichten zufolge soll sie sich das Leben genommen oder einen Herzinfarkt erlitten haben, nachdem ihr Mann Jang Song-Thaek (r., im braunen Mantel) hingerichtet worden war.

Jang wiederum soll nach dem Tod Kim Jong-Ils und vor der Machtübernahme von Kim Jong-Un de facto die Fäden in der Hand gehalten haben. In den ersten Tagen an der Spitze setzte Kim Jong-Un noch auf Jang.

Doch dann fiel er in Ungnade und wurde öffentlich verhaftet und abgeführt. Berichte, nach denen Kim Bluthunde auf ihn gehetzt haben soll, gelten als widerlegt.

Kims Großvater war der noch heute wie ein Heiliger verehrte Staatsgründer Kim Il-Sung.

Einen gottgleichen Status genießt auch Kims Großmutter Kim Jong-Suk.

Dass der Partisanenkämpfer schon vor und auch nach ihrem frühen Tod - sie starb an den Folgen einer Fehlgeburt - noch eine zweite Frau hatte, wird gerne verschwiegen.

Mit Kim Song-Ae (links) hatte Kim Il-Sung drei Kinder: eine Tochter, Kim Kyong-Jin, und zwei Söhne, Kim Yong-Il ..

… und Kim Pyong-il, den heutigen Botschafter in Polen.

Kim Il-Sung hatte drei Geschwister: Großonkel und Großtanten von Kim Jong-Un sind der schon früh verstorbene Kim Chol-Jul, …

… der heutige Ehrenvizepräsident der Obersten Volksversammlung, Kim Yong-ju sowie die weitgehend unbekannte Kim Densuk.

Sie alle sind Kinder des Unabhängigkeitsaktivisten und protestantischen Missionars Kim Hyong-Jik …

… und seiner Gattin Kang Pan-Sok. Dass die beiden gläubige Christen waren, wird im Nordkorea von heute eisern verschwiegen.

Die staatliche Propaganda, fest in den Händen des Kim-Clans, kontrollierte jede Information, die veröffentlicht wird.

Und so ist die Geschichte der Familie, wie der Westen sie kennt, verzerrt. Licht in die wahren Verhältnisse würde nur eine radikale Öffnung des Landes bringen.

Doch die scheint in weiter Ferne - zumindest so lange die Kims an der Macht sind.

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