Tibet im Frühjahr 2008: Drama auf dem Dach der Welt
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Tibet - das "Dach der Welt" - steht wieder im Zentrum der Weltöffentlichkeit.Bild 1 von 65 Buddhistische Mönche und Zivilisten protestieren gegen die chinesische Besatzung und die Zerstörung der tibetischen Kultur.Bild 2 von 65 Die chinesische Regierung geht mit militärischen Mitteln gegen die Aufstände in verschiedenen Städten vor.Bild 3 von 65 Dutzende Menschen sterben bei den Auseinandersetzungen. Exiltibetische Organisationen beziffern die Anzahl der Toten auf über 100.Bild 4 von 65 Hunderte werden inhaftiert.Bild 5 von 65 Erst nach Tagen gibt die chinesische Regierung zu, dass auch Schusswaffen eingesetzt wurden. Und dass die Unruhen auf benachbarte Provinzen übergegangen sind.Bild 6 von 65 Weltweit demonstrieren Menschen gegen die Gewalt und für ein Ende der tibetischen Unterdrückung.Bild 7 von 65 Vor allem in angrenzenden Ländern wie Indien und Nepal kommt es zu Demonstrationen ...Bild 8 von 65 ... und, wie hier in Nepal, zu Auseinanderstzungen mit der Polizei.Bild 9 von 65 Die Demonstranten fordern Freiheit und Souveränität für Tibet und einen Boykott der Olympischen Spiele 2008 in Peking.Bild 10 von 65 Doch die meisten Staaten lehnen einen Boykott ab - einige drohen aber damit, der Eröffnungsfeier fern zu bleiben.Bild 11 von 65 Selbst bei der Entzündung des olympischen Feuers an historischer Stätte in Griechenland kommt es zu einem pro-tibetischen Protest.Bild 12 von 65 Die internationale Gemeinschaft fordert China auf, der Gewalt in Tibet ein Ende zu setzen.Bild 13 von 65 Vor allem jedoch fordert sie Klarheit über die Lage in Tibet.Bild 14 von 65 Denn nach der Ausweisung ausländischer Touristen und Journalisten wird nur wenig über die wirkliche Lage auf dem Hochplateau bekannt.Bild 15 von 65 Organisationen im Exil sprechen nach dem Aufmarsch chinesischer Truppen von einer zugespitzten Lage.Bild 16 von 65 Die Regierung in Peking beschuldigt unterdessen wiederholt den Dalai Lama, für die Proteste verantwortlich zu sein und Olympia als Druckmittel zu missbrauchen. (Im Bild: Chinas Premier Wen Jiabao)Bild 17 von 65 Dabei kündigt das spirituelle und politische Oberhaupt der Tibeter sogar seinen Rücktritt an, sollte die Gewalt weiterhin eskalieren.Bild 18 von 65 Stattdessen ruft er zu friedfertigen Protesten auf.Bild 19 von 65 Unterstützt wird er von ausländischen Politikern, wie hier der Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi. Auch andere Politiker kündigen Treffen mit ihm an.Bild 20 von 65 Doch China lehnt jegliche Verhandlungen mit dem Dalai Lama und auch eine Einmischung des Westens ab.Bild 21 von 65 Kurz zuvor hatte das tibetische Oberhaupt im Exil von einem "kulturellen Völkermord" in Tibet gesprochen.Bild 22 von 65 Denn seit über 50 Jahren ist das Hochplateau im Himalaya, einer der abgeschiedensten Orte der Erde, von China besetzt.Bild 23 von 65 Die Regierung in Peking sieht das Land als Teil seines Reiches. Doch diese Auffassung ist umstritten.Bild 24 von 65 Bis in das 18. Jahrhundert hat das Hochplateau keine festen Grenzen. Die widrigen Umweltbedingungen, die dünne Besiedlung, die Armut an Rohstoffen und Waren bieten wenig Anreize, das Land zu besuchen oder gar zu erobern.Bild 25 von 65 Nach dem Ende des Königtums im 10. Jahrhundert entwickelt sich Tibet zu einem Feudalsystem unter Herrschaft der Lamas. Der Dalai Lama wird als Gottkönig verehrt.Bild 26 von 65 Der inneren Autonomie steht immer wieder eine äußere Schutzbedürftigkeit gegenüber, die im Laufe der Geschichte durch Mongolen, Chinesen oder Briten gewährleistet wird. (Im Bild: die Stadt Lhasa 1927)Bild 27 von 65 Anfang des 20. Jahrhunderts wird Tibet unter die Vorherrschaft des chinesischen Kaisertums gestellt. Erst nach dessen Ende kehrt der nach Indien geflohene Dalai Lama zurück und ruft 1913 die Unabhängigkeit aus, die China nie anerkennt.Bild 28 von 65 Doch erst nach der Machtübernahme durch die Kommunisten 1949 versucht China, seinen Anspruch mit Gewalt durchzusetzen. Offiziell wollen die Chinesen das tibetische Volk von der feudalen Herrschaft des Dalai Lamas befreien.Bild 29 von 65 Nach dem Einmarsch der Chinesen wird Tibet 1951 annektiert. Teile des Hochlandes werden bestehenden chinesischen Provinzen angegliedert, das damals bestehende Tibet wird damit zerrissen.Bild 30 von 65 Das 1,2 Quadratkilometer große Kerngebiet mit der Hauptstadt Lhasa wird zum Autonomen Gebiet Tibet erklärt und ebenfalls in die Verwaltungsstruktur Chinas eingegliedert. (Lhasa 1939)Bild 31 von 65 Nach Besetzung und Annexion muss der Dalai Lama ein 17-Punkte-Abkommen unterzeichnen. Darin wird Tibet zunächst religiöse, kulturelle und politische Autonomie zugebilligt. (Der Dalai Lama und Mao Zedong 1954 in Peking.)Bild 32 von 65 Doch der Schein trügt: Autonomie genießen die Tibeter nicht. Die zugesicherten Freiheiten werden bereits in den 50er Jahren von der Unterdrückung der tibetischen Kultur abgelöst.Bild 33 von 65 Auch das Land wird wirtschaftlich ausgebeutet. Durch eine Landreform und Zwangskollektivierungen wird die gesellschaftliche und wirtschaftliche Grundlage Tibets zerstört.Bild 34 von 65 Gerüchte über die Entführung des Dalai Lama nach Peking führen 1959 zu einem Volksaufstand.Bild 35 von 65 Die Revolte wird blutig niedergeschlagen. Politischen Säuberungen fallen tausende Tibeter zum Opfer.Bild 36 von 65 Der Dalai Lama und mit ihm tausende Anhänger fliehen auf einem beschwerlichen Weg über die Pässe des Himalaya ...Bild 37 von 65 ... nach Indien, Nepal und Bhutan.Bild 38 von 65 In Indien erhält der Dalai Lama Asyl ...Bild 39 von 65 ... und bildet eine Exilregierung, die seither für die Interessen Tibets eintritt.Bild 40 von 65 Die Chinesen verstärken unterdessen die Unterdrückung der tibetischen Kultur. Der Buddhismus wird behindert. Verheerend wirkt sich die chinesische Kulturrevolution der 60er Jahre aus. Tausende Klöster werden geplündert und zerstört.Bild 41 von 65 Mönche und Nonnen werden gefoltert und getötet. Über eine Million Tibeter fallen der Kulturrevolution Maos zum Opfer.Bild 42 von 65 Erst in den 70er Jahren kommt es zu einer wirtschaftlichen Liberalisierung. Von der langsamen Öffnung Chinas profitiert auch Tibet.Bild 43 von 65 Einzelne Klöster werden für den Massentourismus wieder aufgebaut und restauriert. Doch das sind Ausnahmen.Bild 44 von 65 Denn die Unterdrückung hält an. So kommt es in den 80er Jahren erneut zu Protesten gegen die chinesischen Besatzer, die mit Waffengewalt niedergeschlagen werden.Bild 45 von 65 Die Tibeter befürchten den schleichenden Verlust der eigenen Kultur ...Bild 46 von 65 ... und vor allem der religiösen Traditionen des tibetischen Buddhismus.Bild 47 von 65 Mit gezielten Umsiedlungsprogrammen versucht die chinesische Regierung, den Einfluss der Tibeter im eigenen Land zurückzudrängen, indem Chinesen langfristig die Bevölkerungsmehrheit bilden.Bild 48 von 65 Für die Exil-Tibeter ist dies ein schleichender Völkermord. Die Zugezogenen verfügen meist über eine bessere Bildung und besetzen Schlüsselpositionen in Tibet. Die Tibeter selbst sind oft verarmt.Bild 49 von 65 Der Zerfall der tibetischen Kultur schreitet voran. Vor allem die Religionsausübung wird streng überwacht und reglementiert.Bild 50 von 65 Die Anzahl der Mönche und Nonnen wird von der Regierung in Peking bestimmt.Bild 51 von 65 Als der in Tibet verbliebene Panchen Lama (hier 1964), ein weiterer hoher Vertreter des tibetischen Buddhismus, 1989 stirbt, beginnt die Suche nach einem Nachfolger.Bild 52 von 65 Der vom Dalai Lama anerkannte Panchen Lama verschwindet jedoch spurlos. Die chinesische Regierung präsentiert dagegen einen anderen Nachfolger.Bild 53 von 65 Seine Anerkennung ist bis heute umstritten und wird von Exil-Tibetern abgelehnt.Bild 54 von 65 Doch ein weiteres Problem bedroht die Traditionen: Indem der Kommunismus zur Staatsdoktrin wird, weitet sich der Säkularismus aus. Kinder und Jugendliche lernen die tibetische Kultur und ihre Vertreter kaum noch kennen.Bild 55 von 65 Denn der Dalai Lama lebt seit fast 50 Jahren im indischen Exil. Seine Portraits sind, wie auch die Flagge der Exil-Tibeter, strengstens verboten.Bild 56 von 65 Nur international ist der Dalai Lama ein anerkannter Kämpfer für den Frieden, erhält 1989 den Friedensnobelpreis.Bild 57 von 65 Die chinesische Regierung versucht indes nach Jahrzehnten der Vernachlässigung, Tibet stärker an den Staat zu binden.Bild 58 von 65 Zum Beispiel durch den Bau der Lhasa-Bahn soll der Austausch von Waren, aber auch der Zuzug von Chinesen verstärkt werden.Bild 59 von 65 Die subtile Methode der Pekinger Regierung: Tibet soll langsam chinesisch werden.Bild 60 von 65 Doch obwohl die Zerstörung der tibetischen Kultur und die Unterdrückung der tibetischen Bevölkerung international immer wieder bemängelt und angeklagt werden, wird die Besatzung nicht als solche angesehen.Bild 61 von 65 Meist bleibt es bei Protesten von Exil-Tibetern, Menschenrechtlern ...Bild 62 von 65 ... oder engagierten Prominenten wie Richard Gere.Bild 63 von 65 Konzerte für die Freiheit Tibets (hier die Beastie Boys) erregen zwar Aufmerksamkeit, der politische Nutzen ist aber begrenzt.Bild 64 von 65 Tibet und seine bedrohte Kultur bleiben somit weitestgehend auf sich selbst gestellt - auf dem "Dach der Welt". (Text: Markus Lippold / Alle Bilder: AP, dpa)Bild 65 von 65