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Bereits kurz nach den Anschlägen vom 11. September 2001 drängen die so genannten Neokonservativen in der US-Regierung auf einen Krieg gegen den Irak.
Pläne für einen solchen Krieg liegen längst in der Schublade des neokonservativen Think-Tanks "PNAC".
Zahlreiche PNAC-Mitglieder gehören der Bush-Regierung an. Die bekanntesten sind Donald Rumsfeld (Verteidigungsminister), Richard Cheney (Vizepräsident), Richard Armitage (damals Vize-Außenminister), Paul Wolfowitz (Vize-Außenminister, heute Präsident der Weltbank).
Doch erstes Ziel im nun erklärten weltweiten "Krieg gegen den Terrorismus" wird Afghanistan. Dort, nicht im Irak, hatte das Terrornetzwerk El Kaida sein Hauptquartier.
29. Januar 2002: Gut vier Monate nach den Anschlägen vom 11. September bezeichnet Bush Iran, Nordkorea und Irak als "Achse des Bösen".
In den Reden von Mitgliedern der US-Regierung wird die Verknüpfung "11. September", "El Kaida" und "Irak" Teil des rhetorischen Standardrepertoires. Mit Erfolg: Zu Beginn des Irak-Kriegs ist die Mehrheit der Amerikaner überzeugt, die Attentäter vom 11. September seien Iraker gewesen.
Tatsächlich waren die meisten aus Saudi-Arabien. Ein Iraker war nicht dabei.
Auch gab es nie einen Beleg für eine Verbindung zwischen Saddam Hussein und El Kaida.
Der Weg in den Irak-Krieg führt zunächst über die UN. Präsident Bush drängt die Vereinten Nationen, den Irak zur Abrüstung zu zwingen. Anderenfalls werde es einen militärischen Alleingang der USA geben, droht er am 12. September 2002.
24. September 2002: Die britische Regierung legt ein Dossier zu den angeblichen irakischen Massenvernichtungswaffen vor. Der Bericht ist falsch: Bis heute wurde kein Hinweis auf die Existenz dieser Waffen gefunden.
10. Oktober 2002: Der US-Kongress ermächtigt Präsident Bush, einen Militärschlag gegen den Irak zu führen.
8. November 2002: Der UN-Sicherheitsrat beschließt die Resolution 1441. Darin werden dem Irak "ernste Konsequenzen" angedroht, wenn er seine Waffenprogramme nicht vollständigt offenlegt.
13. November 2002: Der Irak akzeptiert die UN-Resolution 1441. Die Regierung von Saddam Hussein sichert zu, mit den UN-Waffeninspekteuren zusammenzuarbeiten.
18. November 2002: Die UN-Inspektoren schicken ein Erkundungsteam nach Bagdad. Chef der Waffeninspektoren ist der Schwede Hans Blix. Am 27. November beginnen die Kontrollen.
7. Dezember 2002: Die irakische Regierung übergibt der UNO eine 12.000 Seiten starke Erklärung, in der die irakischen Bestände an ABC-Waffen aufgeführt sind.
22. Januar 2003: US-Verteidigungsminister Rumsfeld bezeichnet die erklärten Kriegsgegner Deutschland und Frankreich als "altes Europa". Das "neue Europa" sind die anderen.
27. Januar 2003: Die UN-Chefinspektoren Blix und El Baradei werfen Bagdad Versäumnisse bei der Aufdeckung seiner Rüstungsprogramme vor. Zugleich fordern sie mehr Zeit.
31. Januar 2002: US-Präsident Bush sagt bei einem Treffen mit dem britischen Premier Blair, für eine diplomatische Lösung bliebe noch eine Frist von Wochen, nicht Monaten.
5. Februar 2003: In einer öffentlichen Sitzung des UN-Sicherheitsrates belastet US-Außenminister Powell den Irak mit einer Power-Point-Präsentation von angeblichem Geheimdienstmaterial.
Powell, der sogar ein Röhrchen mitbringt, das angeblich Anthrax enthält, will beweisen, dass der Irak die Waffeninspektoren hinters Licht führt.
Später wird Powell diesen Auftritt einen "Schandfleck" in seiner politischen Laufbahn nennen.
14. Februar 2003: Blix berichtet dem UN-Sicherheitsrat, seine Inspektoren hätten Raketen des Typs Al-Samud-2 gefunden, die die erlaubte Reichweite von 150 Kilometern überschreiten würden.
23. Februar 2003: Saddam Hussein gestattet den Einsatz von Aufklärungsflugzeugen über dem Irak.
24. Februar 2003: Die USA, Großbritannien und Spanien legen dem Sicherheitsrat einen Entwurf für eine neue Irak-Resolution vor. Frankreich, Russland und Deutschland lehnen die Vorlage ab.
1. März 2003: Der Irak beginnt mit der Zerstörung seiner Al-Samud-2-Raketen.
7. März 2003: Chefinspektor Blix lobt die Fortschritte, die der Irak bei der Entwaffnung macht. Die begonnene Zerstörung der Al-Samud-Raketen sei eine "substanzielle Abrüstungsmaßnahme".
Am selben Tag legt der britische Außenminister Straw einen neuen Resolutionsentwurf vor. Der Irak müsse bis zum 17. März seine bedingungslose und aktive Kooperation unter Beweis stellen, heißt es darin.
10. März 2003: Trotz intensiver Bemühungen bekommen die USA und Großbritannien keine Mehrheit für ihre Irak-Resolution zusammen. Nachdem Frankreich sein Veto ankündigt, wird die Abstimmung verschoben.
16. März 2003: Azoren-Gipfel von Bush, Blair und dem damaligen spanischen Regierungschef Aznar. Bush fordert vom UN-Sicherheitsrat, bis zum morgigen Tag über eine Irak-Resolution zu entscheiden. Frankreich und Russland kündigen ihr Veto an.
17. März 2003: Angesichts des anhaltenden Widerstands im Sicherheitsrat erklären die USA nicht ihre, sondern die Politik der Vereinten Nationen für gescheitert. UN-Generalsekretär Annan beschließt, die Waffenkontrolleure und alle UN-Mitarbeiter aus dem Irak abzuziehen.
18. März 2003: US-Präsident Bush fordert Saddam Hussein und dessen Söhne auf, den Irak binnen 48 Stunden zu verlassen. Andernfalls würden die USA das Land angreifen. Ein Sprecher des US-Präsidenten sagt am selben Tag, die USA würden den Irak auch dann angreifen, wenn Saddam Hussein ins Exil gehe.
Am 19. März 2003 (in Deutschland ist es 2.00 Uhr morgens) kündigt US-Präsident Bush in einer Fernsehansprache den Beginn der Operation "Iraqi Freedom" an.
20. März 2003: Kurz nach Ablauf des US-Ultimatums beginnen Luftangriffe auf Bagdad.
In zwei Panzerkeilen dringen US-Truppen und ihre Verbündeten in den Irak vor.
21. März 2003: Während die nächtlichen Bombardierungen in Bagdad andauern, ...
... nähern sich alliierte Bodentruppen der südirakischen Stadt Umm Kasr und bewegen sich auf Basra vor.
24. März 2003: Britische "Wüstenratten" feiern die Einnahme von Basra.
25. März 2003: Die Schlacht um Bagdad beginnt. Sandstürme machen den US-Truppen zu schaffen.
26. März 2003: Auf den Sandsturm folgen schwere Regenfälle. Bei Nasirija im Süden des Iraks wachen US-Marines mitten im Schlamm auf.
27. März 2003: Rund 1.000 US-Fallschirmjäger landen im kurdisch kontrollierten Nordirak.
28. März 2003: Die US-Armee verstärkt die Luftangriffe auf Bagdad. Bei der Explosion auf einem Markt in Bagdad sterben mehr als 50 Menschen.
29. März 2003: Vier US-Soldaten sterben bei einem Selbstmordanschlag in Nadschaf. Die irakische Regierung droht mit weiteren Selbstmordanschlägen.
31. März 2003: Wegen des raschen Vormarsches auf Bagdad treten bei den US-Truppen Versorgungsprobleme auf.
2. April 2003: US-Soldaten stürmen ein irakisches Krankenhaus, in dem die Soldatin Jessica Lynch liegt. Später kommt heraus: Die spektakuläre "Befreiung" ist nur eine Inszenierung. Lynch wird zur Heldin des Krieges aufgebauscht.
4. April 2003: US-Truppen erobern den internationalen Flughafen von Bagdad. Erstmals kommt es im Stadtzentrum zu Schießereien.
7. April 2003: US-Truppen stoßen ins Zentrum von Bagdad vor.
8. April 2003: Beim Angriff auf das Hotel Palestine in Bagdad sterben zwei Journalisten.
9. April 2003: US-Truppen besetzen die wichtigsten Punkte in Bagdad. Die irakische Hauptstadt ist in den Händen der US-Armee.
Unter dem Jubel von Irakern stürzen US-Soldaten eine Statue von Saddam Hussein. Die Aktion, die vor dem Hotel Palestine stattfindet, wird live in alle Welt übertragen.
In diesen Tagen beginnen die Plünderungen: Paläste von Saddam Hussein, Regierungsgebäude, die deutsche Botschaft, aber auch Kliniken und Museen werden geplündert. Unschätzbare kulturhistorische Zeugnisse verschwinden oder werden zerstört. US-Soldaten greifen nicht ein.
13. April 2003: Alle wichtigen irakischen Städte mit Ausnahme von Tikrit sind in der Hand der US-Truppen und ihrer Verbündeter.
1. Mai 2003: Nach einer filmreifen Landung auf einem Flugzeugträger verkündet Präsident Bush das Ende der Hauptkampfhandlungen. Bis zu diesem Tag sind im Irak 138 amerikanische Soldaten ums Leben gekommen - aus heutiger Sicht: "nur" 138 Soldaten.
15. November 2003: Die von den USA eingesetzte Übergangsregierung und die US-Zivilverwaltung unter Paul Bremer einigen sich darauf, dass die US-Besatzung im Juni 2004 enden soll.
27. November 2003: Zu Thanksgiving besucht Präsident Bush die US-Truppen in Bagdad. Später heißt es, der von ihm präsentierte Truthahn sei aus Gummi gewesen.
14. Dezember 2003: Saddam Hussein wird von US-Truppen nahe Tikrit gefasst.
Drei Jahre nach Beginn des Irak-Krieges ist die Bilanz deprimierend. Nach der Zählung der Website www.iraqbodycount.net starben im Irak zwischen 33.000 und 38.000 Zivilisten.
Auch für die USA ist der Krieg noch längst nicht vorbei. Mehr als 2.300 US-Soldaten verloren ihr Leben im Irak, die meisten durch Anschläge.
Außerdem starben mehr als 100 britische Soldaten, 27 italienische Soldaten, 18 Soldaten aus der Ukraine, 17 aus Polen, 13 aus Bulgarien, elf aus Spanien sowie drei aus der Slowakei.
Jeweils zwei Soldaten aus Dänemark, El Salvador, Estland, den Niederlanden und Thailand wurde getötet. Aus Ungarn, Kasachstan, Lettland starb jeweils ein Soldat.
Trotz zahlreicher Großoffensiven sind die Aufständischen noch immer nicht besiegt. In einem BBC-Interview aus Anlass des Jahrestages sagte der frühere irakische Übergangsregierungschef Ijad Allawi, im Irak herrsche bereits Bürgerkrieg.
"Jeden Tag gibt es 50 bis 60 Tote, wenn das kein Bürgerkrieg ist, dann weiß Gott allein, was ein Bürgerkrieg ist", so Allawi. Vielleicht habe der Irak noch nicht den Punkt erreicht, von dem es kein zurück mehr gebe. "Aber wir nähern uns diesem Punkt."
US-Vizepräsident Cheney bleibt dagegen seiner Linie treu, nach der nicht sein kann, was nicht sein darf. "Die Terroristen versuchen, einen Bürgerkrieg anzufachen, aber ich finde nicht, dass sie sehr erfolgreich sind", so Cheney. "Sie haben die Stufe völliger Verzweiflung erreicht."
Die Terroristen versuchten mit allen Mitteln, die demokratische Regierungsbildung zu verhindern, weil ihre Niederlage damit besiegelt werde. Das werde ihnen aber nicht gelingen. Die Iraker marschierten unbeirrt auf dem Weg der Demokratisierung. Sie hätten alle Fristen zur Regierungsbildung eingehalten.
Das liegt natürlich daran, dass die Fristen immer wieder verlängert wurden. Noch immer gibt es im Irak keine Regierung, die Parteien der Sunniten auf der einen und die der Schiiten und Kurden auf der anderen Seite sind zerstritten wie nie.
Die Gewalt zwischen den Anhängern islamischer Glaubensrichtungen im Irak hatte insbesondere nach einem Anschlag auf ein Heiligtum der Schiiten in der Stadt Samarra Ende Februar zugenommen.
Dazu kommen zahlreiche Berichte über Menschenrechtsverletzungen von US-Soldaten im Irak, die aus Sicht der amerikanischen Regierung zumindest ein PR-Desaster sind.
Am 19. März berichtete die "New York Times", dass Gefangene in einem Geheimgefängnis am Flughafen von Bagdad geschlagen und bespuckt worden seien. Ausdrücklich weist das Blatt daraufhin, dass die Darstellung der Regierung, wonach Misshandlungen nur Einzelfälle seien, widerlegt sei.
Das Geheimgefängnis am Flughafen von Bagdad sei von der US-Eliteeinheit "Task Force 26" übernommen worden. Bereits in den Zeiten der Saddam-Diktatur sei dort ein Foltergefängnis gewesen. (Dieses und das folgende Bild zeigen nicht das Flughafengefängnis, sondern Abu Ghoreib.)
"Es gab dort keine Gesetze", sagte ein Pentagon-Mitarbeiter de "New York Times". "Wenn die Gefangenen nicht bluten, kann Dich keiner anklagen", sei das Motto der Task Force gewesen.
Der Menschenrechtsskandal ist gleichzeitig eine politische Dummheit. Solche Berichte tragen dazu bei, dass eine Mehrheit der Amerikaner den Irak-Krieg mittlerweile ablehnt. Nur noch 38 Prozent der Bürger meinen, dass der Krieg "die Sache wert war", 60 Prozent sind der Auffassung, "dass es im Irak schlecht läuft".
Ein Rückzug der Truppen kommt natürlich nicht in Frage. "Dem Nachkriegsirak den Rücken zu kehren wäre so, als hätten wir Nachkriegsdeutschland wieder den Nazis überlassen", sagt Verteidigungsminister Rumsfeld zu Recht.
Ähnlich äußert sich der Präsident. Angesichts von Gewalt und Chaos sei die Versuchung für einige groß, dem Irak den Rücken zu kehren. "Ein Rückzug bringt aber keinen Frieden, keine Ehre und keine Sicherheit."
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