Bilderserie
Donnerstag, 10. Oktober 2013

Mögliche Friedensnobelpreisträger 2013: Ein großer Preis für ein kleines Mädchen?

Bild 23 von 23
Im vergangenen Jahr vermuteten viele, die Arabische Revolution könnte ausgezeichnet werden. Sie führte dazu, dass die undemokratischen Regime von Tunesien, Ägypten, Libyen und Jemen abdanken. Doch mittlerweile hat sich Ernüchterung breitgemacht. So hat es etwa in Ägypten Wahlen gegeben, doch das Militär setzte den ersten frei gewählten Präsidenten des Landes wieder ab. (Foto: REUTERS)

Im vergangenen Jahr vermuteten viele, die Arabische Revolution könnte ausgezeichnet werden. Sie führte dazu, dass die undemokratischen Regime von Tunesien, Ägypten, Libyen und Jemen abdanken. Doch mittlerweile hat sich Ernüchterung breitgemacht. So hat es etwa in Ägypten Wahlen gegeben, doch das Militär setzte den ersten frei gewählten Präsidenten des Landes wieder ab.

Selten gab es vor der Verleihung des Friedensnobelpreises so einen klaren Favoriten wie in diesem Jahr, wo unter den Nominierten eine Person besonders hervorsticht.

Es handelt sich um die pakistanische Jugendliche Malala Yousafzai.

Sie kommt aus dem pakistanischen Swat-Tal, das seit einigen Jahren von Taliban kontrolliert wird. Die Islamisten verboten Mädchen den Schulbesuch, doch Malala hielt sich nicht daran und bloggte gegen die Unterdrückung.

Vor einem Jahr stoppten die Taliban den Schulbus, in dem die 15-jährige Malala saß, und schossen ihr in den Kopf. Mit einer Notoperation retteten Ärzte ihr Leben.

Nun erzählt Malala ihre Geschichte wieder und wieder und macht damit darauf aufmerksam, dass Millionen von Kindern das Recht auf Bildung verwehrt wird. Der Preis käme ihr gelegen, gerade bewirbt sie ihr Buch "Ich bin Malala". Darin schreibt sie: "Ein Kind, ein Lehrer, ein Buch und ein Stift können die Welt verändern."

Sollte es mit dem Friedensnobelpreis doch nicht klappen, hat Malala dennoch schon eine wichtige Auszeichnung sicher.

Am 10. Oktober gab das EU-Parlament in Straßburg bekannt, dass es Malala mit dem Sacharow-Preis für geistige Freiheit auszeichnet. In der Begründung heißt es, Malala sei eine "beispielhaft mutige Person in einem Land, in dem Mädchen Freiwild sind".

Doch häufiger überrascht das Nobel-Komitee die Beobachter, als dass es ihre Erwartungen erfüllt. Eine offizielle Liste mit Nominierten gibt es nicht. Hunderte Politiker, Wissenschaftler und Leiter von Organisationen sind berechtigt, Vorschläge zu machen. Nur wenige machen öffentlich, wen sie benannt haben.

Weit oben auf der Liste möglicher Preisträger steht in diesem Jahr auch der kongolesische Arzt Dennis Mukwege, der in seiner Heimat Frauen behandelt, die im Bürgerkrieg sexuell vergewaltigt wurden. Er setzt sich außerdem dafür ein, dass die Vergewaltiger vor Gericht kommen. Seine Gegner versuchten im vergangenen Jahr, ihn zu ermorden, dabei starb einer seiner Mitarbeiter.

Eine gewagte Wahl wäre es, Thein Sein auszuzeichnen, den Präsidenten Myanmars. Das Land ist eine Militärdiktatur, wandelt sich aber gerade zu einer Demokratie. Thein Sein öffnete dazu das Parlament für frei gewählte Abgeordnete und veranlasste die Freilassung der Menschenrechtsaktivistin Aung San Suu Kyi, die den Preis 1991 bekam. Erst 21 Jahre später konnte sie nach Oslo reisen, wie es andere Preisträger tun. Das Regime hatte ihre Ausreise jahrelang verhindert – Thein Sein hatte daran mitgewirkt.

Oft genannt wird auch Bradley Manning, der sich selbst mittlerweile Chelsea Manning nennt. Er brachte Informationen über Kriegsverbrechen im Irakkrieg an die Öffentlichkeit. Besonders bekannt wurde das Video aus einem Kampfhubschrauber, auf dem zu sehen ist, wie US-Soldaten Zivilisten töten. Allerdings ging Manning sehr unbedacht vor, als er riesige Mengen geheimen E-Mail-Verkehrs von US-Botschaften veröffentlichte. Damit brachte er auch Unschuldige in Gefahr. Dass er den Nobelpreis bekommt, ist höchst unwahrscheinlich.

Auch die Leistung von Edward Snowden wird wohl nicht ausreichen. Der ehemalige Mitarbeiter des US-Geheimdienstes NSA deckte auf, dass die USA in großem Stil private Daten aus dem Internet mitlesen und wie bei einer Rasterfahndung nach auffälligem Verhalten forschen. Ob er damit aber wesentlich zur "Verbrüderung der Völker" beigetragen hat, wie es in den Nobelpreis-Statuten heißt?

Konkretere Auswirkungen hat etwa die Arbeit der Generalstaatsanwältin Claudia Paz y Paz. Der Job würde in Deutschland kaum jemanden zum Nobelpreisanwärter machen, aber Paz y Paz räumt seit drei Jahren in ihrer Heimat Guatemala mit Korruption und verschleppten Gerichtsverfahren auf. Endlich stehen auch Armeeangehörige vor Gericht, die Menschenrechtsverbrechen begangen haben sollen.

Einige Personen und Organisationen gehören seit Jahren zu den Favoriten. Angie Zelter (3. v. l.) erhielt für ihre Arbeit bereits 2001 den "Right Livelihood Award", der auch als "Alternativer Nobelpreis" bezeichnet wird. Nun geht es um den echten Friedensnobelpreis. Die von Zelter gegründete Organisation "Trident Ploughshares" setzt sich gegen Nuklearwaffen ein. Regelmäßig demonstriert die Gruppe am schottischen Hafen Faslane-on-Clyde, in dem mit Atomraketen bestückte U-Boote der britischen Marine liegen.

Ljudmila Alexejewa gilt als die "Grande Dame" der russischen Menschenrechtsbewegung. Schon in den 1970er Jahren legte sie sich mit der Führung der Sowjetunion an und muss schließlich das Land verlassen. Auch zum Pussy-Riot-Prozess bezog sie immer wieder Position. Sie ist Mitglied im russischen Menschenrechtsrat.

Dort war einst Swetlana Gannuschkina ihre Kollegin. Gannuschkina setzt sich in Russland für Flüchtlinge ein, von denen es in dem Land einige gibt. Im Menschenrechtsrat fühlte sie sich jedoch von Wladimir Putin als Feigenblatt missbraucht. Aus Protest gegen seine Politik gab sie ihren Posten auf.

Mit ihren hehren Zielen gescheitert ist auch die Ukrainerin Julia Timoschenko. Sie war das Gesicht der Orangen Revolution 2004 und schaffte es bis zur Ministerpräsidentin. Doch ihr Bündnis mit Präsident Wiktor Juschtschenko zerbrach und die alte, russlandtreue Führung übernahm wieder die Regierung. Seit über einem Jahr sitzt Timoschenko in Haft. Ihr wird vorgeworfen, ihr Amt als Ministerpräsidentin missbraucht zu haben. Westliche Staaten vermuten, dass Timoschenko eher aus politischen Gründen weggesperrt wurde.

Erfolgreicher war die kirgisische Präsidentin Rosa Otunbajewa. Sie war in ihrem Land Oppositionelle und am Sturz der Regierung beteiligt. Dass Kirgisien nun eine frei gewählte Regierung hat, die zwischen den sehr unterschiedlichen Volksgruppen vermittelt, ist auch ihr Verdienst.

Im Schatten der prominenten Ehemänner stand lange die kubanische Bewegung der "Damen in Weiß". Die Gruppe wurde von Frauen gegründet, deren Männer als Dissidenten verhaftet wurden. Doch auch nachdem 2010 und 2011 viele dieser Oppositionellen frei gelassen wurden, löste sie sich nicht auf und ist heute eine der aktivsten Oppositionsgruppen Kubas.

Ganz in Weiß demonstriert auch Anna Hazare für mehr Gerechtigkeit. Durch einen Hungerstreik scharte er Tausende Anhänger um sich, die gemeinsam ein Gesetz gegen Korruption forderten. Die indische Regierung unterschätzte den Mann lange und steckte ihn sogar ins Gefängnis. Doch die Massen protestierten und erreichten schließlich, dass das geforderte Gesetz auf den Weg gebracht wurde.

Nicht fehlen dürfen in der Reihe der Nominierten große Staatsmänner. In diesem Jahr ist auch Bill Clinton nominiert, der als US-Präsident unter anderem im Nahostkonflikt vermittelte.

Ebenfalls zum wiederholten Mal dabei ist Helmut Kohl für seine Verdienste um die europäische Einigung und die deutsche Wiedervereinigung.

Im vergangenen Jahr vermuteten viele, die Arabische Revolution könnte ausgezeichnet werden. Sie führte dazu, dass die undemokratischen Regime von Tunesien, Ägypten, Libyen und Jemen abdanken. Doch mittlerweile hat sich Ernüchterung breitgemacht. So hat es etwa in Ägypten Wahlen gegeben, doch das Militär setzte den ersten frei gewählten Präsidenten des Landes wieder ab.

weitere Bilderserien