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30 Jahre Kampf um die Falklands: Erinnerungen an einen seltsamen Krieg

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30 Jahre nach dem Krieg um die Falkland-Inseln sind die sprichwörtlichen Fronten verhärtet wie eh und je. (Foto: John Leonard/AP/dapd)

30 Jahre nach dem Krieg um die Falkland-Inseln sind die sprichwörtlichen Fronten verhärtet wie eh und je.

30 Jahre nach dem Krieg um die Falkland-Inseln sind die sprichwörtlichen Fronten verhärtet wie eh und je.

Selbst das lange geplante Militärtraining des britischen Prinzen William auf den Falklands geriet Anfang des Jahres zur Provokation.

Mittlerweile ist William wieder daheim bei seiner Kate. Doch die Aufregung hält an.

Ende März forderten sechs Friedensnobelpreisträger die britische Regierung auf, Gespräche mit Argentinien über den Status der Inseln aufzunehmen.

Der Streit geht zurück auf das Jahr 1833. Damals übernahm Großbritannien die Kontrolle über die einst spanischen Falkland-Inseln.

Zwar erhob auch Argentinien Anspruch auf die "Islas Malvinas", wie die Inselgruppe auf Spanisch heißt. Doch schwelte der Konflikt weitgehend unbeachtet vor sich hin.

Selbst der Gemahl der britischen Premierministerin, Denis Thatcher, hatte vor der argentinischen Invasion keine Ahnung, wo die Falklands lagen.

Am 2. April 1982 erhalten Sir Denis und der Rest der Welt Gelegenheit, eine Bildungslücke zu schließen: Rund 5000 argentinische Soldaten landen auf den Falklands und besetzen die Hauptstadt Port Stanley.

Auf den Falklands ist lediglich eine Mini-Armee von etwa 80 Mann stationiert. Nach kurzem Kampf kapitulieren die Briten.

Für die argentinische Militärdiktatur bietet die Invasion die Gelegenheit, von innenpolitischen Problemen abzulenken.

Der Plan scheint zunächst aufzugehen: Hunderttausende Argentinier jubeln in Buenos Aires dem Chef der Militärjunta, General Leopoldo Fortunato Galtieri, zu. Mit einem Schlag sind die Verbrechen der Diktatur und die Wirtschaftskrise vergessen.

"Wenn sie (die Briten) kommen wollen, nur zu, wir werden uns ihnen in der Schlacht stellen", prahlt Galtieri. Die Menge bricht in frenetischen Beifall aus.

Es kommt anders. Entgegen allen Erwartungen schickt die britische Premierministerin Margaret Thatcher ein Expeditionsheer, das kurzen und blutigen Prozess mit den argentinischen Soldaten macht.

In Argentinien schlägt der nationale Überschwang in Depression und Selbstmitleid um. Nun schwimmt Großbritannien auf einer Welle des Nationalismus.

Doch der Reihe nach. Am 3. April fordert der UN-Sicherheitsrat den sofortigen Abzug Argentiniens. Drei Tage später setzt Thatcher eine Flotte von zunächst 36 Kriegsschiffen mit 5000 Mann in Marsch.

Vermittlungsversuche der USA und der Vereinten Nationen scheitern. Der Krieg beginnt mit einem militärischen Erfolg der Briten: ...

... Am 25. April wird die ebenfalls von Argentinien besetzte Inselgruppe Süd-Georgien zurückerobert.

Am 1. Mai landen mehrere Spezialeinheiten auf den Falklands. Der Flughafen von Port Stanley wird bombardiert.

Am 2. Mai wird der argentinische Kreuzer "General Belgrano" von einem britischen Atom-U-Boot versenkt. Dabei kommen 323 Besatzungsmitglieder ums Leben.

Das Schiff wurde angegriffen, obwohl es außerhalb einer von den Briten eingerichteten Sperrzone patrouilliert hatte.

Zwei Tage später wird der britische Zerstörer "HMS Sheffield" von einer argentinischen Rakete getroffen. 20 Seeleute sterben. Das ausgebrannte Schiff sinkt am 10. Mai. (Das Bild zeigt den Untergang eines weiteren Schiffes, der "HMS Antelope", am 25. Mai.)

Am 28. Mai erobern britische Fallschirmjäger die Siedlung Goose Green sowie Port Darwin und zwei weitere Ortschaften. Am 11. Juni beginnen die Kämpfe um Port Stanley.

Drei Tage später, 74 Tage nach Beginn der argentinischen Invasion, unterzeichnet der argentinische General Mario Menendez die Kapitulationsurkunde.

Vor Goose Greene liegen die Helme argentinischer Soldaten auf dem Boden verstreut.

Mehr als 900 Menschen kommen in dem Krieg ums Leben: 255 Briten und 648 Argentinier.

Die argentinische Militärdiktatur ist mit der Niederlage am Ende. 1983 wird Raúl Alfonsín zum Präsidenten gewählt.

Drei Jahre später wandert Ex-Diktator Galtieri ins Gefängnis: Wegen Fehlern im Krieg - nicht wegen des Krieges selbst - wird er zu zwölf Jahren Haft verurteilt.

Fehler konnte man der Junta tatsächlich vorwerfen. Die Generäle glaubten ernsthaft, dass US-Präsident Ronald Reagan sich aus Dankbarkeit für argentinische Hilfe in den schmutzigen Kriegen Mittelamerikas nun auf ihre Seite stellen würde.

Auch militärische Fehler wurden gemacht. Das etwa 12.000 Mann starke Expeditionsheer bestand meist aus jungen Wehrpflichtigen, die veraltete oder unbrauchbare Waffen dabei hatten.

Schon drei Tage nach der Besetzung drohten die argentinischen Soldaten zu verdursten, da niemand an Anlagen zur Aufbereitung von Trinkwasser gedacht hatte. Dafür hatten viele Offiziere Angelzeug dabei, als ob sie auf einem Ausflug seien.

Für die britische Regierung dagegen ist der Krieg ein Erfolg. Bei den Unterhauswahlen am 9. Juni 1983 fährt Thatchers konservative Partei einen historischen Sieg ein. (Das Bild zeigt Thatcher bei einem Besuch auf den Falklands im Januar 1983.

Der Streit um die Falklands kehrt nun zurück. Kurz vor Weihnachten 2011 sperren die Mitgliedsstaaten der südamerikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Mercosur ihre Seehäfen für Schiffe, die unter der Flagge der Falkland-Inseln fahren.

Die Handelsunion, der Argentinien, Brasilien, Uruguay und Paraguay angehören, beschließt auf Antrag Argentiniens, "alle erforderlichen Maßnahmen" zu ergreifen, um die Ankunft von Schiffen mit der "illegalen Flagge der Malvinas" in ihren Häfen zu verhindern.

Das Außenministerium in London erklärt daraufhin, es sollte keine Zweifel an der britischen Entschlossenheit bestehen, "das Recht der Falklands-Bewohner zu schützen, ihre eigene politische Zukunft zu bestimmen".

Doch darum geht es nicht allein. Seit April 2010 laufen vor den Inseln Probebohrungen. Nach Angaben der Explorationsfirma Rockhopper werden "drei Ölquellen, drei Gasquellen und eine ganze Reihe weiterer potenzieller Vorkommen entdeckt".

Ende 2011 schafft das Thema es gar in die Weihnachtsansprache von Premierminister David Cameron.

Er betont, Verhandlungen über die Falkland-Inseln werde es nur geben, wenn die Bewohner dies wünschten. Davon ist kaum auszugehen, ...

... die weitaus meisten Falklander sind Briten.

Im neuen Jahr geht das Säbelrasseln weiter. Cameron beruft sein Sicherheitskabinett ein, um "sicherzustellen, dass unsere Verteidigung und alles andere in Ordnung ist".

Im Unterhaus wirft er Argentinien vor, "weit mehr als Kolonialismus" zu betreiben, weil die Falkländer "britisch bleiben wollen, und die Argentinier wollen, dass sie etwas anderes tun".

Argentiniens Außenminister Héctor Timerman entgegnet Cameron, es falle auf, "dass Großbritannien von Kolonialismus spricht, während das Land doch ein Synonym für Kolonialismus ist". Argentinien sei vielmehr Opfer einer "kolonialen Situation".

Ende Januar schickt London eines seiner neuesten und modernsten Kriegsschiffe, die "HMS Dauntless" zu den Falklandinseln. Dies, betont das Verteidigungsministerium, sei seit langem geplant.

Und dann auch noch dies: Prinz William (l.) kommt Anfang Februar auf den Falkland-Inseln an, um dort sechs Wochen lang seine Fähigkeiten als Militär-Hubschrauberpilot zu trainieren. Auch dies lange geplant - und dennoch eine Provokation für Argentinien, ...

... wo man sich noch gut daran erinnert, dass sein Onkel Prinz Andrew im Krieg als Hubschrauberpilot im Einsatz war.

Alles wie immer? Einen Unterschied gibt es: Bei aller nationalen Rhetorik scheint die argentinische Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner von einem Krieg nicht viel zu halten: "Keine Initiative der Diktatur, auch wenn sie von manipulierten Bürgern unterstützt wurde, kann nachträglich gerechtfertigt werden", sagt sie über den Krieg um die Malvinas.

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