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Mit "Ivy Mike" beginnt das Umdenken: Erste H-Bombe vor 60 Jahren

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Am 1. November 1952 um 7.15 Uhr geht auf der Insel Elugelab, irgendwo im Nirgendwo des Pazifiks, die Welt unter. (Foto: picture alliance / dpa)

Am 1. November 1952 um 7.15 Uhr geht auf der Insel Elugelab, irgendwo im Nirgendwo des Pazifiks, die Welt unter.

Am 1. November 1952 um 7.15 Uhr geht auf der Insel Elugelab, irgendwo im Nirgendwo des Pazifiks, die Welt unter.

"Ivy Mike", die erste Wasserstoffbombe, die jemals getestet worden ist, geht hoch und hinterlässt absolute Verwüstung.

Der Erfolg des US-Projekts zur Entwicklung einer Wasserstoffbombe markiert einen der Höhepunkte des Kalten Krieges und des damit verbundenen atomaren Wettrüstens.

Nach Hiroshima und Nagasaki ist nicht nur klar, wie furchtbar die Auswirkungen eines nuklearen Erstschlags sein können.

Der erste Einsatz der Atombomben zeigt auch: Wer die beste und größte Bombe als erstes hat, der gewinnt militärisch im Widerstreit der politischen Systeme die Oberhand.

Als 1949 die Russen ebenfalls eine eigene Atombombe erfolgreich testen, ist für die USA klar: Der Westen muss nachlegen.

Präsident Harry Truman befiehlt der Atomic Energy Commission (AEC), die Wasserstoffbombe zu entwickeln. Damals wurde sie auch - reichlich unkritisch angesichts der immensen Zerstörungskraft - "The Super" genannt.

Zentrum der US-Forschung für nukleare Bewaffnung ist das Los Alamos Laboratory im Bundesstaat New Mexico.

Hier haben Forscher in den 1940er Jahren schon im "Manhattan-Projekt" die erste A-Bombe entwickelt, damals unter der Leitung des Physikers Robert Oppenheimer.

Oppenheimer, mittlerweile führender Berater der AEC, rät vom Bau einer Wasserstoffbombe dringend ab.

Das sieht eine andere Fraktion innerhalb der US-Forschung ganz anders. Unter ihnen ist auch Edward Teller.

Ihm gelingt gemeinsam mit seinem Kollegen Stanislaw Ulam der Durchbruch. Physikalisch ist die Wasserstoffbombe eine Fortentwicklung der Atombombentechnik.

Für die Menschheit bedeutet sie dagegen viel mehr. Die Zerstörungskraft von "Ivy Mike" ist unvorstellbar: Sie entspricht der Sprengkraft von 10,4 Megatonnen TNT.

Sie ist damit die damals stärkste, heute viertstärkste jemals getestete Kernwaffe. Der Feuerball, den sie erzeugt, ist 5 Kilometer groß. In Hiroshima waren es gerade einmal 150 Meter.

Der Atompilz von "Ivy Mike" steigt 43 Kilometer hoch und hat eine Ausdehnung von 150 Kilometern.

Das Inselchen Elugelab - hier in einer Luftaufnahme links zu sehen - ist …

… vollkommen ausradiert.

Doch damit nicht genug. Die Menschheit setzt ihr selbstzerstörerisches Treiben fort. 1961 zünden die Russen auf der entlegenen Insel Nowaja Semlja AN602 – auch "Zar-Bombe" genannt. Schöpfer der Megawaffe ist der spätere Dissident Andrej Sacharow.

Die "Zar-Bombe" ist fast sechs Mal so wuchtig wie "Ivy Mike". Die Druckwelle, die sie verursacht, ist so heftig, dass sie die Erde drei Mal umrundet (Bild: Atomtest in den USA).

Doch ganz spurlos geht das Wettrüsten nicht am Bewusstsein der Menschen vorüber. Immer mehr Menschen wird klar, dass diese Entwicklung in den Abgrund führt. (Bild: Hiroshima nach dem Atombombenangriff durch die USA im August 1945)

Unter ihnen sind auch prominente Namen aus der Wissenschaft. So wird neben Andrej Sacharow auch Robert Oppenheimer einer der führenden Atomwaffengegner – eine in den USA der 50er Jahre umstrittene Haltung.

In der McCarthy-Ära wird Oppenheimer als kommunistischer Spion denunziert. Dass er gegen die Wasserstoffbombe argumentiert, schädige die Interessen der Vereinigten Staaten.

Oppenheimer wird aus geheimen Regierungsprojekten ausgeschlossen.

Edward Teller dagegen wird mit nationalen Ehren überhäuft.

Dennoch: Immer mehr Menschen erkennen, wie furchtbar der erneute Einsatz von Kernwaffen wäre.

Mit der Kubakrise 1962 verfestigt sich dieses Bild in den Köpfen: Als Russland und die USA am Rande eines Atomkriegs stehen, geht auch dem Letzten auf, was auf dem Spiel steht.

Weltpolitisch beginnt die Phase der Entspannung. Zumindest will es keine der beiden Großmächte mehr auf einen Nuklearkrieg anlegen.

Ende 1962 testen sowohl die USA als auch die UdSSR zum letzten Mal Atomwaffen.

Doch der Dämon lässt sich nicht mehr richtig einfangen. So drohen Staaten wie Nordkorea und der Iran zu Atommächten zu werden.

Und auch der Westen ist weiter nuklear bewaffnet. Auch auf deutschem Boden sollen Kernwaffen lagern.

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