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Beschaffungsdesaster der Bundeswehr: Euro Hawk und andere Bruchlandungen

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Wie ein gigantischer Datenstaubsauger sollte der Euro Hawk für die Bundeswehr aus 20.000 Metern Höhe den Funkverkehr belauschen. (Foto: picture alliance / dpa)

Wie ein gigantischer Datenstaubsauger sollte der Euro Hawk für die Bundeswehr aus 20.000 Metern Höhe den Funkverkehr belauschen.

Wie ein gigantischer Datenstaubsauger sollte der Euro Hawk für die Bundeswehr aus 20.000 Metern Höhe den Funkverkehr belauschen.

Dafür sollten fünf Global-Hawk-Drohnen des US-Konzerns Northrop Grumman umgebaut und mit Sensoren der EADS-Tochter Cassidian ausgestattet werden. Kostenpunkt: 1,2 Milliarden Euro.

Anfang der 2000er Jahre wurde das Projekt von der rot-grünen Bundesregierung angeschoben, den Vertrag schloss 2007 in der Großen Koalition Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU).

Vor wenigen Tagen zog das Verteidigungsministerium die Reißleine und beendete das Projekt - weil eine Zulassung kaum mehr erreichbar schien.

Schätzungen zufolge wurden bis dahin bis zu 600 Millionen Euro Steuergelder verbrannt. Damit erobert sich das ehrgeizige Projekt einen Spitzenplatz unter den großen Wehrbeschaffungsdesastern der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Die Verschwendung von Steuermitteln hat Tradition: Schon die erste große Rüstungsbeschaffungsmaßnahme Mitte der 50er Jahre entwickelte sich zum Skandal. Die neu aufgestellte Bundeswehr sollte mit vollmechanisierten Kampffahrzeugen ausgestattet werden. Verteidigungsminister Franz Josef Strauß orderte ...

... 4472 Schützenpanzer HS 30 bei der Schweizer Firma Hispano-Suiza, die zwar eine lange Tradition in der Herstellung von Maschinenkanonen hatte, aber keinerlei Erfahrungen mit Panzerfahrzeugen. Dennoch wurde der Panzer übereilt in Serienbau gegeben.

Im Truppenbetrieb stellte sich schnell heraus, dass das Fahrzeug den Anforderungen an einen echten Schützenpanzer nicht standhielt. Ende der 1960er Jahre wurden Gerüchte um Schmiergeldzahlungen laut. Bei der Auftragsvergabe sollen Bestechungsgelder in Millionenhöhe geflossen sein.

Ein Untersuchungsausschuss des Bundestages konnte die Vorwürfe nicht bestätigen, aber auch nicht entkräften. Nach Aussagen eines Zeugen soll die CDU im Zusammenhang mit der HS-30-Beschaffung 50 Millionen DM für die Finanzierung des Bundestagswahlkampfes 1957 entgegengenommen haben.

Auch der nächste fragwürdige Fall, der sogenannte Starfighter-Skandal, stammt aus der Ära Strauß: 1958 entschied der damalige Verteidigungsminister, die Bundesluftwaffe mit dem Starfighter F104 des US-Konzerns Lockheed auszurüsten.

Lockheed-Repräsentant war Ernest Hauser, ein Freund des Ministers. Noch bevor der auf deutsche Bedürfnisse umgerüstete Prototyp getestet wurde, orderte Strauß 700 Maschinen.

Viele Starfighter stürzten ab, das Wort vom "Witwenmacher" ging um. Der Bundesrechnungshof kritisierte Strauß wegen der Verschleuderung von Milliarden. Der Verdacht von Korruption und Schmiergeldzahlungen wurde nie ausgeräumt.

Um die Jahrtausendwende kam die Bundeswehr auf den Gedanken, die Computertechnik zu modernisieren und den Auftrag an externe Unternehmen auszulagern. Das ehrgeizigste IT-Projekt in der Geschichte der Bundeswehr namens "Herkules" war geboren.

Doch auch diese Beschaffungsmaßnahme drohte zu einem Fiasko zu werden. Aus den zunächst geplanten Kosten in Höhe von 6,8 Milliarden Euro wurden schnell 7,1 Milliarden. Nach Angaben des Steuerzahlerbundes belaufen sich die Ausgaben derzeit auf 7,8 Milliarden. Immerhin: "Herkules" ging 2006 an den Start und wird mittlerweile flächendeckend angewendet - eben nur viel, viel teurer als gedacht.

Seit 2004 ist der Eurofighter im Einsatz. Ursprünglich als Luftüberlegenheitsjäger gegen die Bedrohung des Warschauer Paktes entwickelt, wurde das Flugzeug nach dem Ende des Kalten Krieges an seine neue Aufgabe als Mehrzweckkampfflugzeug angepasst.

Die Stückkosten stiegen im Projektverlauf von 65 Millionen D-Mark im Jahr 1988 auf 138,5 Millionen Euro im Jahr 2012. Wegen dieser enormen Kostensteigerungen wird momentan darüber nachgedacht, die Beschaffung von 177 auf 140 Stück zu reduzieren. Die Kosten pro Flugstunde haben sich durch Nachrüstungen ebenfalls mehr als verdoppelt - auf fast 90.000 Euro.

Stolz blickt Bundesverteidigungsminister Thomas de Maiziere aus dem Cockpit eines Airbus A400M. Noch - denn auch dieses Projekt ist nicht von ungetrübtem Erfolg gekrönt.

Der Militärtransporter soll die alte Transall der Bundeswehr ablösen. Die neue Maschine kann mehr Truppen und größere Mengen an Material transportieren - auch gepanzerte Fahrzeuge und ganze Hubschrauber.

Das erste Exemplar sollte im Oktober 2009 fertig sein. Das zumindest war die Planung im Jahr 2003. Doch der Auslieferungstermin wurde mehrfach verschoben, dass Projekt liegt deutlich hinter seinem Zeitplan. Eine Erstauslieferung an Deutschland wird nach Angaben des Steuerzahlerbundes im Herbst 2014 erwartet - wenn alles klappt.

Und der Ausliefertermin ist längst nicht das einzige Problem. Ein permanenter Kostenanstieg hat die Ursprungsplanung von 20 Milliarden Euro längst gesprengt. Derzeit wird mit Kosten von rund 27 Milliarden Euro geplant.

Der Tiger aus der Produktion der deutsch-französischen EADS-Tochter Eurocopter ist für die Bundeswehr "der modernste zurzeit auf dem Weltmarkt erhältliche Kampfhubschrauber". Aber auch hier gibt es Komplikationen: ...

... Der Hubschrauber wird nicht nur deutlich teurer als geplant - er leistet zudem auch noch viel weniger als erwartet. Die ursprüngliche Lieferung von 80 Stück wurde deshalb bereits auf 57 reduziert.

Auch das Raketenabwehrsystem MEADS reiht sich in die Liste verfehlter Großprojekte ein: Es sollte das veraltete Raketenabwehrsystem Patriot ersetzen sowie als erstes Waffensystem gleichzeitig Flugzeuge, Hubschrauber und Marschflugkörper bekämpfen können, insbesondere aber auch taktische, ballistische Raketen mit einer Reichweite von 1000 Kilometern sicher abwehren. Starttermin war 2005!

Doch schon ab der ersten Projektphase gab es bei MEADS große Verzögerungen, die einhergingen mit astronomischen Kosten: Bis Anfang 2013 beliefen sich die Entwicklungskosten auf rund 1,1 Milliarden Euro - zu viel für die US-Amerikaner. Die haben dem Projekt jetzt den Rücken gekehrt. Die Anschlussverwendung der Ergebnisse bleibt weiter fraglich.

Für 4,6 Milliarden Euro wollte die Bundeswehr 122 Mehrzweckhubschrauber vom Typ NH 90 anschaffen. Aber auch dieser Plan ging gründlich daneben, denn der Helikopter weist erhebliche Mängel auf.

Das Ergebnis einer vertraulichen Untersuchung von Experten des Heeres klingt vernichtend: "Wann immer möglich, sind alternative Luftfahrzeuge zu nutzen", heißt es in einem 103-seitigen Bericht über den NH 90. Die Experten kritisieren unter anderem, dass der Helikopter über zu wenig Bodenfreiheit verfüge.

Soldaten könnten nur ein- und aussteigen, wenn der NH 90 auf befestigtem Untergrund stehe und es dort keine Hindernisse gebe, die höher als 16 Zentimeter sind. Die Sitze könnten nur Soldaten tragen, die mit Ausstattung 110 Kilogramm wiegen - allerdings wiege allein die Ausrüstung schon 25 Kilogramm.

Kein Wunder also, dass de Maiziere die Stückzahl von ursprünglich 122 Hubschraubern auf jetzt 82 reduziert hat. Als offizieller Grund muss übrigens die Neuausrichtung der Streitkräfte herhalten.

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