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Schröder, Niebel, Pofalla & Co.: Ex-Politiker im Dienste der Wirtschaft

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Zeit für etwas Neues: Katherina Reiche wechselt von der Politik in die Wirtschaft. Die Parlamentarische Staatssekretärin im Verkehrsministerium wird künftig Geschäftsführerin des Verbandes Kommunaler Unternehmen. (Foto: imago/Metodi Popow)

Zeit für etwas Neues: Katherina Reiche wechselt von der Politik in die Wirtschaft. Die Parlamentarische Staatssekretärin im Verkehrsministerium wird künftig Geschäftsführerin des Verbandes Kommunaler Unternehmen.

Zeit für etwas Neues: Katherina Reiche wechselt von der Politik in die Wirtschaft. Die Parlamentarische Staatssekretärin im Verkehrsministerium wird künftig Geschäftsführerin des Verbandes Kommunaler Unternehmen.

Dort soll Reiche ab dem 1. September 2015 mehr als 50.000 Euro im Monat verdienen. Für ihren Wechsel und die kurze Karenzzeit von nur sieben Monaten steht die 41-Jährige in der Kritik - wie so viele vor ihr, die einen lukrativen Job in der Wirtschaft vorzogen.

Zum Beispiel Dirk Niebel. Der frühere Entwicklungsminister ...

... sicherte sich einen Posten beim Rüstungskonzern Rheinmetall, wo er heute als Lobbyist tätig ist.

Und dann war da noch der Fall Ronald Pofalla. "Mehr Zeit für die Familie" wollte der Ex-Kanzleramtsminister haben, als er verkündete, der neuen Bundesregierung nicht mehr angehören zu wollen; er wolle nur sein Bundestagsmandat behalten.

Doch tatsächlich gönnt sich der CDU-Mann keine lange Auszeit. Er wechselte zum 1. Januar 2015 zur Deutschen Bahn, steigt nach zwei Jahren in den Vorstand auf. Bei der Bahn soll Pofalla ausgerechnet die Kontakte des Staatskonzerns zur Politik in Berlin und Brüssel pflegen.

Die Bahn ist ohnehin ein beliebtes Auffangbecken für ehemalige Abgeordnete und Regierungsmitglieder. Otto Wiesheu von der CSU ist so ein Beispiel. In Bayern war er zwölf Jahre lang Verkehrsminister, ehe er 2006 in den Vorstand der Bahn wechselte. Wie nun Pofalla wurde er damals Cheflobbyist.

Auch die SPD "entsandte" einst einen ihrer Leute in den Staatskonzern. Reinhard Klimmt, 1999 und 2000 für ein Jahr Bundesverkehrsminister, gelangte als Beauftragter des Bahn-Vorstands für Kontakte nach Brüssel und Paris auf die Gehaltsliste der Bahn. Die Liste ließe sich fortführen, mehrere Landesverkehrsminister stellten ihr Knowhow nach Politkarriereende in den Dienst des Konzerns.

Doch zurück zu jüngeren Fällen. Eckart von Klaeden war bis zuletzt noch Staatsminister im Kanzleramt und damit enger Vertrauter von Angela Merkel. Zum Ende der Legislaturperiode ließ sie ihn ziehen.

Der CDU-Politiker wird nun vom schwäbischen Autobauer Daimler - vermutlich ganz gut - bezahlt. Dafür wird er als "Leiter Politik und Außenbeziehungen", also als Cheflobbyist, die Fäden ziehen.

Im Sommer 2010 sagte Roland Koch: "Politik ist nicht mein Leben." Und begründete damit seinen Rücktritt als Ministerpräsident Hessens. Dass er in seiner Partei, der CDU, durch die Machtposition Angela Merkels an eine gläserne Decke stieß, erwähnte er nicht. Sehr wohl gab er aber bekannt, was er künftig machen würde.

Und zwar einen Baukonzern leiten: Im Sommer 2011 wurde Roland Koch Vorstandschef des Baukonzerns Bilfinger. Nachdem ihm schwere Managementfehler vorgeworfen worden waren, gab Koch im August 2014 sein Amt auf.

Eine Menge Wut zogen sich die Granden der ersten rot-grünen Bundesregierung zu, als sie nach dem Ende ihrer Zeit an der Macht im Jahr 2005 reihenweise lukrativen Lockrufen der Wirtschaft folgten.

Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder etwa ließ nur wenig Zeit verstreichen, bevor er Aufsichtsratschef von NGEP wurde. Das Konsortium baut Gaspipelines. Größtes Projekt: die Ostsee-Verbindung von Russland nach Deutschland. Als Kanzler hatte er das Geschäft kurz zuvor noch eingefädelt, ein später Dank also?

Schließlich übernahm die Bundesrepublik zur Finanzierung des Projekts eine Bürgschaft in Höhe von 1 Milliarde Euro für die Gazprom-Tochter.

Auch der grüne Ex-Außenminister hat nach seiner Zeit in der Regierung ein ganz angenehmes Auskommen gefunden. Als Berater lässt er Konzerne wie Siemens, RWE und BMW an seinem Erfahrungsschatz teilhaben.

Er sorgte bei ehemaligen Weggefährten für Unmut, als er sich für einen Werbeclip für den BMW i3 einspannen ließ.

In der Ära Schröder war Wolfgang Clement "Superminister" für Arbeit und Wirtschaft. Nach seiner Zeit im Kabinett arbeitete er beim Kraftwerksbetreiber RWE Powers, beim Personaldienstleister Adecco und beim Verlag DuMont Schauberg.

Clements Vorgänger als Wirtschaftsminister war der parteilose Werner Müller. Er sorgte mit dafür, dass Ruhrgas durch Eon übernommen werden durfte. Eon gehörte zu RAG (heute Evonik), wo Müller später als Vorstandschef anheuerte. Ein Schelm, wer Böses denkt.

Kurt Bodewig von der SPD war nur zwei Jahre lang - zwischen 2000 und 2002 - Bundesverkehrsminister. Genug Zeit allerdings, sich für die LKW-Maut stark zu machen und den Vertrag mit Toll Collect zu schließen.

Nach seiner Zeit im Kabinett blieb Bodewig gefragt und arbeitete für die Beratungsfirma KPMG.

Als Bundesinnenminister machte sich der Ex-Grüne Anwalt Otto Schily als harter Hund einen Namen. Eines seiner Projekte war zwischen 1998 und 2005 die Einführung von Reisepässen mit biometrischen Merkmalen.

Zwei Hersteller solcher Lösungen, SAFE ID Solutions und Byometric Systems, haben das nicht vergessen und beriefen ihn nach seiner Regierungszeit in ihren Aufsichtsrat.

Heftig umstritten ist auch das postpolitische Treiben von Rezzo Schlauch. Er leitete vier Jahre lang die Regierungsfraktion der Grünen, verdingte sich dann als parlamentarischer Staatssekretär im Wirtschaftsministerium. Als Rot-Grün abgewählt wurde, sicherte er sich einen Sitz im Beirat von EnBW - ausgerechnet in einem Unternehmen, das Atomkraftwerke betreibt.

Der hessische Grünen-Politiker Matthias Berninger entschied sich nach Rot-Grün auch für ein Leben abseits der Politik - wenn auch seine Kontakte ihm bei der Jobsuche geholfen haben könnten. Er war Parlamentarischer Staatssekretär im Verbraucherschutz-, Ernährungs- und Landwirtschaftsministerium. Seit 2007 ist er Lobbyist für den Süßwaren- und Nahrungsmittelkonzern Mars.

Bayerns Ex-Ministerpräsident und Ex-Unionskanzlerkandidat Edmund Stoiber berät nicht nur die Europäische Union in Sachen Bürokratieabbau.

Stoiber ist auch in allerhand wirtschaftlichen Dingen aktiv: als Beiratsvorsitzender von ProSiebenSat.1 etwa oder als Vorsitzender des Verwaltungsbeirats des FC Bayern München.

Als Ministerpräsident von Thüringen geriet CDU-Politiker Dieter Althaus im Zusammenhang mit den Problemen des Autokonzerns Opel mit dem Zulieferer Magna in Kontakt.

Nach seinem Rücktritt im Herbst 2009 hat er diesen Kontakt noch einmal aktiviert - und sich damit eine Stelle als Manager bei dem kanadisch-österreichischen Unternehmen gesichert.

Die Steuererklärung auf dem Bierdeckel gilt als seine Erfindung: In der CDU galt Friedrich Merz lange Zeit als Hoffnungsträger mit wirtschaftlichem Sachverstand.

Doch der Aufsteiger geriet mit Kanzlerin Merkel in Konflikt und kehrte der Politik den Rücken. Sein Knowhow machten sich dann andere zu Nutze: die Bank HSBC Trinkaus etwa, in deren Verwaltungsrat er einzog.

Ein nettes Pöstchen hat sich auch der ehemalige Verkehrsminister aus der Ära Kohl, Matthias Wissmann, gesichert. 2007 warf er als Bundestagsabgeordneter hin und stellte sich in den Dienst der Autoindustrie.

Er ist seither Präsident des Verbands der Automobilindustrie.

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