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Dienstag, 06. September 2016

Das Drama von Calais: Franzosen protestieren gegen den "Dschungel"

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Die Wut bricht sich Bahn im Norden Frankreichs. (Foto: dpa)

Die Wut bricht sich Bahn im Norden Frankreichs.

Die Wut bricht sich Bahn im Norden Frankreichs.

Landwirte, Lastwagenfahrer und Anwohner protestieren in Calais gegen das Flüchtlingslager, das inzwischen als "Dschungel" zweifelhafte Berühmtheit erlangt hat.

Zu Wochenbeginn fahren die Lkw und Trecker von zwei Städten aus extra langsam in Richtung Calais.

Stundenlange Staus sind die Folge.

Auch Hunderte Demonstranten, Ladenbesitzer, Hafenarbeiter und andere Bewohner der Region, schließen sich dem Protest an.

Sie tragen T-Shirts "Ich liebe Calais" ...

... und Plakate mit Slogans wie "Die Bewohner von Calais sind eingesperrt, die Flüchtlinge sind frei!" oder "Wir sind Trucker und keine Schleuser".

Der Grund für ihre Wut: ...

... Das Flüchtlingslager von Calais und seine Bewohner.

Behörden zufolge leben in dem Camp fast 7000 Flüchtlinge - und damit so viele wie nie zuvor seit der Entstehung des Lagers.

Hilfsorganisationen sprechen sogar von mehr als 9000 Bewohnern.

In Calais sammeln sich seit Jahren Menschen, die illegal nach Großbritannien gelangen wollen.

Sie leben unter Bedingungen, die an Slums erinnern.

Erst im Frühjahr kam es zu gewaltsamen Protesten, als Teile des Landes geräumt werden sollten.

Die Flüchtlinge von Calais sollen seit Langem schon in Aufnahmezentren in andere Landesteile gebracht werden.

Viele von ihnen wollen den "Dschungel" allerdings nicht verlassen.

Sie hoffen, von dort aus mit Fähren über den Ärmelkanal oder durch den Eurotunnel nach Großbritannien zu gelangen, wo sie sich bessere Chancen versprechen.

Dabei versuchen sie, sich auf Lastwagen, die nach Großbritannien fahren, zu verstecken. Für die Lkw-Fahrer ist das ein Alptraum: ...

... "Wir fragen uns jeden Morgen, ob unser Arbeitstag verdorben wird, ob ein Flüchtling eine Lkw-Plane aufschlitzt", sagt der Chef eines Transportunternehmens, Nicolas Lotin.

"Wenn die Ladung beschädigt wird, dann müssen wir wieder ganz von vorne anfangen."

Lkw-Fahrer berichten, dass die Flüchtlinge ihre Wagen mit Steinen und Ästen bewerfen, damit sie anhalten ...

... und sie sich dann zwischen den Achsen oder der Fracht verstecken können.

Viele Unternehmen sind, wie sie berichten, bereits verschuldet, weil sie wegen der Flüchtlinge ihre Sicherheitsvorkehrungen verstärken müssen.

"Wir sind keine Rassisten und wir sind nicht der Front National", sagt Jean-Pierre Clipet von der Gewerkschaft der Bauern FDSEA.

Man verstehe, dass es sich um eine humanitäre Frage handele, aber die Menschen in der Region lebten mit einem wachsenden Gefühl der Unsicherheit.

Am Montagabend beenden die Lastwagenfahrer und Landwirte ihre Blockade vorerst.

Zuvor hat die Regierung eingelenkt und erklärt, dass das Lager "in einem Schwung" komplett aufgelöst wird.

Wann dies sein wird, ist allerdings noch unklar.

Auch soll den betroffenen Unternehmen finanziell unter die Arme gegriffen und 230 zusätzliche Sicherheitskräfte eingesetzt werden.

Schon jetzt kündigen die Demonstranten an: ...

... Sollte sich nicht schnell etwas ändern, werden sie ihren Protest wieder fortsetzen.

Daran dürfte der französischen Regierung, die im Frühjahr nächsten Jahres vor Präsidentschaftswahlen steht, wenig gelegen sein.

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