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"Eine der beeindruckendsten Frauen": Freya von Moltke

 
"Eine der beeindruckendsten Frauen": Freya von Moltke

Sie war eine außergewöhnliche Frau, eine der letzten Zeugen der Widerstandskämpfer des Kreisauer Kreises und eine unermüdliche Verfechterin für die Versöhnung mit Polen: Freya Gräfin von Moltke.

Nun ist Freya von Moltke im Alter von 98 Jahren gestorben.

Ihr Leben war geprägt von ihrer Ehe mit dem Nazi-Widerstandskämpfer Helmuth James Graf von Moltke.

Die gebürtige Kölnerin lernt ihn im August 1929 im Alter von 18 Jahren kennen. "Ich sah ihn und mein Herz stand still", erzählt sie später dem Autor Jochen Köhler. 1931 heiratet sie Helmuth von Moltke und zieht auf dessen Familiengut Kreisau in Niederschlesien.

"Helmuth war das Zentrum meines Lebens", so die promovierte Juristin.

Helmuth von Moltke ist ein Gegner des nationalsozialistischen Staates. Dieser erscheint ihm, wie er kurz vor seinem Tod schreibt, als Ausdruck "der Enge und der Gewalt, der Überheblichkeit, der Intoleranz und des Absoluten, erbarmungslos Konsequenten".

Als Anwalt hilft Moltke Juden bei der Ausreise.

Kurz nach Kriegsbeginn wird er Sachverständiger für Kriegs- und Völkerrecht im Amt Ausland/Abwehr im Oberkommando der Wehrmacht.

In den besetzten Gebieten versucht er Geiselerschießungen zu verhindern und kämpft für eine menschliche Behandlung von Kriegsgefangenen.

Er knüpft ein Netz des Widerstandes, das Protestanten und Katholiken, Konservative und Sozialdemokraten umfasst.

Auf ihrem Gut in Kreisau organisieren die Moltkes in den Jahren 1942 und 1943 drei Treffen von Freunden, Bekannten und Vertrauten.

Unter ihnen sind Männer wie Julius Leber, Adolf Reichwein, Peter Yorck Graf von Wartenburg und Theodor Steltzer. Als einer der wenigen versucht Moltke, die traditionellen politischen Lager zu einem Widerstand zu vereinigen.

"Wir hatten die Überzeugung, auf der richtigen Seite zu stehen...

... Wir waren vollkommen überzeugt davon, dass wir das Richtige taten, dann mussten wir auch die Folgen tragen. Dieses Niveau des Lebens habe ich später nie wieder erreicht", erinnert sich später Freya von Moltke.

Der "Kreisauer Kreis", wie die Gestapo die Gruppe nach der Entdeckung nennt, entwirft Pläne für ein demokratisches Deutschland nach dem verlorenen Krieg.

Doch das Kriegsende kommt nicht früh genug. Im Januar 1944 wird James von Moltke verhaftet, nachdem er einen Freund vor der Gestapo gewarnt hat.

Ein Jahr lang bangt Freya von Moltke, inzwischen Mutter zweier Söhne, um das Leben ihres Mannes.

Mitte Juli erfährt Moltke, dass er in Kürze entlassen würde "gegen die Verpflichtung, Industriearbeiter zu werden". Doch nach dem 20. Juli, ...

... nach dem gescheiterten Attentat von Claus Schenk Graf von Stauffenberg auf Adolf Hitler, zerschlägt sich diese Hoffnung.

Freya von Moltke tut, was sie kann. Sie geht für ihren Mann zu Roland Freisler, dem berüchtigten Strafrichter am Volksgerichtshof. Und sie geht zur Gestapo.

Vergebens. Am 29. November 1944 darf sie noch einmal ihren Mann im Gefängnis besuchen, ein befreundeter Pfarrer gibt ihnen das letzte gemeinsame Abendmahl.

"Er hat mich auf den Tod hin verheiratet", sagt Freya von Moltke später.

Im Dezember schreibt James von Moltke an seine Frau: "Der Tod ist so ein Begleiter des ganzen Jahres geworden."

Am 23. Januar 1945, mit 37 Jahren, wird er hingerichtet, seine Asche auf den Rieselfeldern von Berlin verstreut. Eine Beteiligung an den Umsturzplänen sowie die meisten seiner Widerstandsaktivitäten können ihm nicht nachgewiesen werden. Freya von Moltke ist gerade 33 Jahre alt.

Sie kann nicht lange trauern. Die Front rückt näher, sie muss mit ihren zwei Söhnen Caspar und Konrad und den vielen Familien, die bei ihr in Kreisau Schutz gefunden hatten, fliehen.

Schon bald nach dem Krieg zieht Freya aus Deutschland fort, nach Südafrika, in die Heimat ihrer verstorbenen Schwiegermutter. Hier arbeitet sie als Sozialarbeiterin und setzt sich gegen hier waltendes Unrecht ein.

Erst Ende der 50er Jahre kehrt sie noch einmal nach Deutschland zurück, 1960 siedelt sie nach Vermont in den USA über. Mehr und mehr wird sie in dieser Zeit zur Chronistin des Widerstands - unter anderem durch ihre Herausgabe der Briefe ihres Mannes ...

... und durch ihre "Erinnerungen an Kreisau". Sie macht es sich zur Aufgabe, das Schweigen in einer von Verdrängung geprägten Gesellschaft zu brechen.

In Vorträgen und Publikationen hält sie die Erinnerung an den Widerstand im Dritten Reich wach.

1989 wird auf dem früheren Gutshof der Familie, im heute polnischen Krzyzowa, ein Versöhnungsgottesdienst zwischen der deutschen und polnischen Regierung gefeiert.

In den folgenden Jahren wird der Hof aufwändig renoviert.

Innerhalb weniger Jahre entsteht hier ein Begegnungszentrum und internationaler Tagungsort.

Im Wohnhaus der Familie von Moltke, dem nahegelegenen Berghaus, wird eine Gedenkstätte zur Erinnerung an den Kreisauer Kreis eingerichtet.

Freya von Moltke setzt sich unermüdlich für die Versöhnung mit Polen ein und verfolgt bis zuletzt aufmerksam die Aktivitäten in ihrer ehemaligen Heimat.

2004 gibt sie ihren Namen der "Freya von Moltke-Stiftung für das Neue Kreisau", ...

... deren Ziel es ist, die Begegnungsstätte langfristig zu erhalten.

Schirmherr der Stiftung ist Bundespräsident Horst Köhler, der 2004 Freya von Moltke als "eine der beeindruckendsten Frauen unserer Zeit" würdigt.

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