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Politik

War das schön!: G8 in Heiligendamm

 
Vielen Dank, Frau Merkel, für diesen tollen Gipfel. Allen Unkenrufen zum Trotz waren das drei wirklich schöne Tage an der Ostsee. Die Menschen lachten herzhaft, die Sonne knallte mächtig und alle waren richtig ausgelassen - ein Hauch von WM-Stimmung umgab den Tagungsort.

Vielen Dank, Frau Merkel, für diesen tollen Gipfel. Allen Unkenrufen zum Trotz waren das drei wirklich schöne Tage an der Ostsee. Die Menschen lachten herzhaft, die Sonne knallte mächtig und alle waren richtig ausgelassen - ein Hauch von WM-Stimmung umgab den Tagungsort.

Der selbst natürlich maßgeblich dazu beigetragen hat. Heiligendamm als Stätte des G8-Treffens hatte übrigens Ex-Kanzler Schröder bereits 2004 ins Spiel gebracht.

Und mal ehrlich: Natürlich strahlten die weißen Wände und das altehrwürdige Ambiente des Ostseebades eine ganz andere, positivere Stimmung aus, als dies beispielsweise auf einem Flugzeugträger der Fall gewesen wäre.

US-Präsident Bush kam bereits einen Tag zu früh. Was er den ganzen Mittwoch bis zum Eröffnungsdinner gemacht hat, blieb sein Geheimnis. Wichtig: Alle G8-Teilnehmer waren bestens gelaunt. Und die Nummer 9 auf dem Foto auch: EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso (r).

Ganz wichtig fürs Gelingen zudem: Persönliche Beziehungen. Nicht alle Staaten sind so schlau und wählen eine Frau an die Regierungsspitze.

Denn Ex-Ex-Kanzler Kohls "Mädchen" gelang es, all die adretten Herrn mit einer Charme-Offensive um den Finger zu wickeln. Frankreichs Präsident Sarkozy, dessen hübsche Frau leider schnell wieder nach Paris eilte, fasste beherzt zu.

Großbritanniens Premier Blair, dessen hübsche Frau noch da war, schien das mit den persönlichen Beziehungen etwas übertreiben zu wollen, ...

... kriegte dann aber doch noch die Kurve. Gut möglich, dass Merkels bessere Hälfte die aufkommende Eifersucht nur schwer unterdrücken konnte.

Joachim Sauer revanchierte sich jedenfalls mit einem für ihn doch eher untypischen Flirt mit Cherie Blair.

Auch die anderen setzten auf Harmonie: Egal ob Bush und Sarkozy, die sinnierend am Strand flanierten, ...

... oder Bush und Putin. Letzterer, dieses Schlitzohr, lud Bush spontan zur gemeinsamen Sache bei der Raketenabwehr ein. Da sich Bush selbst für ein Schlitzohr hält, die zugegebenermaßen gewagte Prognose: Der Beginn einer wunderbaren Männerfreundschaft.

Auch gelungene Dreier gab es. Was bleibt einem übrig bei einer Frau und zwei Männern?

Aber nicht, dass Sie denken, die 100 Millionen Euro, die der Gipfel kostete, seien am Strand von Heiligendamm in den Sand gesetzt worden. Es wurde auch ernsthaft getagt.

Auch wenn die Sitzungseinheiten in der Regel auf 90 Minuten begrenzt waren, kann das bei der Konzentration ermüdend wirken. Da hilft erfahrungsgemäß ein Kaffee oder Tee, aber auch ...

... sich die Jugend an den Tisch zu holen. Gleich wird die Stimmung lockerer, die Herren machen Witze und wirken insgesamt etwas engagierter.

Zwischen den Sitzungen gab es - nicht nur bei den Staats- und Regierungschefs von Deutschland, England, Frankreich, Italien, Kanada, den USA, Japan und Russland - gutes Essen.

Den Verdauungsspaziergang zum Strand konnte man anschließend auch für einen Sprung ins kalte Wasser nutzen. Wahlweise ...

... sich aber auch einfach nur den auf dem Wasser gebotenen Ablenkungsversuchungen hingeben.

Und wenn die Gipfelteilnehmer dann doch mal ganz genau in die Ferne blickten, erspähten sie vielleicht ein paar Zaungäste. Aber Angst musste man vor der bunten Schar in der Regel nicht haben.

Im Gegenteil: Viele Anti-G8-Demonstranten zeigten sich von ihrer besten Seite.

Denn auch auf der anderen Seite des 12,5 Kilometer langen Zauns war die Stimmung prächtig, auch hier kam man sich näher. "Ernsthaft in Betracht ziehen"? HIER wurden gleich Nägel mit Köpfen gemacht.

Ja, ein Hauch von Woodstock lag über Rostock ...

... und angesichts der Hitze wurden von manchen die unfreiwilligen Duschen zur willkommenen Abkühlung genutzt.

Stimmung beim Gipfel: Super. Stimmung in den Protest-Camps: Super. Und die Stimmung beim Partnerprogramm (Achtung, bloß nicht Damenprogramm sagen ...)?

Naja...

Aber darauf kam es ja auch nicht an. Hauptsache die Mächtigen der Welt fühlen sich am Abend eines anstrengenden Gipfel-Tages beim Gruppenfoto im eigens für sie angefertigten Strandkorb wohl.

Dann hieß es: Frisch gemacht, Krawatte weg, raus.

In der Abendsonne stolzierte man gemeinsam über die 200 Meter in die Ostsee ragende Seebrücke. Unschätzbarer Kommunikationsvorteil: Putin spricht fließend Deutsch, Merkel sehr gut Russisch.

Und nach dem letzten Foto für die Journalisten hatten es alle beinahe geschafft.

Nur der gemütliche, ja fast intime Teil des Gipfels stand noch aus. Auf der Terrasse ...

... konnte man mal über etwas anderes reden - nicht immer nur Klimakatastrophe, Schuldenerlass, Hungersnot, HIV-Epidemie und Raketenabwehr.

Von ganz weit weg drangen zuweilen Liedfetzen zur Abendgesellschaft durch: "Kinder an die Macht". Oder "Zeit, dass sich was dreht".

Bush schenkte sich ein - natürlich alkoholfreies - Bier ein ...

... war aber dennoch, tja, unheimlich ausgelassen. Am Freitagmorgen litt er übrigens unter einer - zum Glück nicht ernsthaften - Magenverstimmung.

Merkel hat alles erreicht: Bis 2050 denkt man ernsthaft über das Klima nach. Außerdem will man die bereits 2005 gemachten Entwicklungshilfe-Zusagen nun auch wirklich einhalten. Und 60 Milliarden Dollar für den Kampf gegen Aids, Malaria und Tuberkulose aufbringen, versprochen.

Leider ist der Gipfel nun vorbei. Am Abend sind sie alle wieder abgereist. Wissen Sie noch, wie es Ihnen nach dem WM-Endspiel ging? Dieses Loch, das Sie gespürt haben? Da müssen wir nun alle gemeinsam durch.

Wie bitte, Frau Merkel? Wie Sie das gemacht haben? Weiter so, wir sind begeistert.

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