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Vor allem in den Anfangsjahren ist der Umgang mit den nuklearen Testsprengungen nur allzu sorglos - eine Tänzerin vor einem Atompilz.
1960 folgen die Franzosen. Ihre ersten Versuche unternehmen sie in der Sahara-Wüste Algeriens. Später finden die Tests auf den französisch-polynesischen Inseln im Südpazifik statt (Foto vom ersten Atomtest auf dem Fangataufa-Atoll 1968), ...
... darunter das Mururoa-Atoll, von dem später noch zu reden sein wird. Der auf dem Foto zu sehende Versuch ist einer von nahezu 200, die Frankreich insgesamt vorgenommen hat.
1964 schließlich komplettiert China das Quintett der "alten" Atommächte, die heute auch die Vetomächte im Weltsicherheitsrat stellen. Das chinesische Testgelände, auf dem insgesamt 45 nukleare Explosionen herbeigeführt wurden, befindet sich in Lop Nor im Westen der Volksrepublik.
Doch nur zehn Jahre später gibt es noch einen sechsten Staat, der über "die Bombe" verfügt: Indien.
Der Test findet in Pokaran in der Rajasthan Wüste statt. Das Bild zeigt die damalige indische Premierministerin Indira Gandhi beim Besuch des Areals.
Ihre Regierung argumentiert, der Versuch habe "friedlichen" Zwecken gedient. Dennoch liefert der Atommachtsstatus Indiens, den das Land mit erneuten Tests 1998 noch einmal zementiert, Pakistan die Motivation, ebenfalls Nuklearwaffen anzustreben.
Im Mai 1998 - nur knapp zwei Wochen nach den erneuten indischen Atomversuchen - ist es soweit: Hunderte Menschen ziehen jubelnd durch Karachi.
Was sie feiern, ist die erste und bisher einzige erfolgreiche Zündung von zwei Atombomben in der Region Chagai im Südwesten Pakistans.
Damit ist das Land auch die siebte und vorerst letzte offizielle Atommacht (im Bild: das pakistanische Institut für Nuklearwissenschaft und -technologie in Islamabad). Dass auch Israel über Nuklearwaffen verfügt, ist jedoch ein seit Jahren offenes Geheimnis.
Die dritte Atommacht ist seit 1952 Großbritannien. Bis 1991 führen die Briten etwa 45 Nukleartests durch. Der erste erfolgt im australischen Maralinga.
Bei dieser Explosion in Semipalatinsk am 29. Juli 2000 handelt es sich indes nicht um eine Atombombe. 100 Tonnen TNT bringen die letzten unterirdischen Tunnel auf dem Areal zum Einsturz und beenden die Ära der sowjetischen Atomtests hier endgültig.
Bis 1990 bringen die Sowjets mehr als 700 Atombomben zur Explosion. Die dabei insgesamt freigesetzte Explosivkraft liegt noch über der der US-Tests.
Manche der Tests finden in Sichtweite des Spielerparadieses Las Vegas statt. Tausende Soldaten befinden sich auch bei überirdisch durchgeführten Tests in nur wenigen Kilometern Entfernung.
In diesem Bild säubern sich Soldaten, die eine Explosion beobachtet haben, mit Besen vom Staub.
Die Militärführung spielt die Gefahren durch die atomare Strahlung herunter.
Schließlich sollen auch Dinge wie die Folgen des Atomblitzes für die Augen oder die Wirksamkeit von Schutzanzügen untersucht werden.
Nach Berechnungen der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs (IPPNW) starben in Folge der Atomtests weltweit bis zum Jahr 2000 mindestens 430.000 Menschen an Krebs.
Die Annahmen der US-Regierung fallen naturgemäß niedriger aus. Aber immerhin rechnet auch sie damit, dass allein in der Umgebung des Testgeländes in Nevada auf Grund der Versuche 15.000 Menschen an Krebs starben und 20.000 weitere erkrankten.
Mit insgesamt mehr als 1.000 Explosionen haben die USA so viele Atomtests durchgeführt wie kein anderes Land auf dieser Erde. Doch die Vereinigten Staaten sind nicht allein.
Ein Grund, weshalb die von den USA vorgenommenen Versuche in dieser Bilderserie überproportional vertreten sind, ist auch, dass das Land am offensten mit dem Thema umgeht. Bilder von den von anderen Staaten durchgeführten Tests indes sind kaum frei verfügbar.
Tatsächlich steigt die Sowjetunion schon im August 1949 zur zweiten Atommacht neben den USA auf. Ihre erste Nuklearbombe zündet sie auf dem Testgelände Semipalatinsk im heutigen Kasachstan.
Am ersten Jahrestag des geglückten Tests finden sich in Islamabad Gläubige zu Dankesgebeten zusammen. Während in Ländern wie Pakistan ...
... oder Indien (im Bild: Proteste gegen von den USA verhängte Sanktionen nach den Atomtests 1998 in Neu-Delhi) der "Mutter aller Bomben" gehuldigt wird ...
Alle Tests erfolgen unterirdisch.
Auch China nimmt bis 1996 noch Versuche vor - und erntet dafür internationale Kritik.
Im September 1996 stimmt die UN-Vollversammlung für einen Vertrag über einen weltweiten Atomteststopp. Nur drei Länder (Indien, Libyen und Buthan) votieren dagegen, fünf enthalten sich.
Auch der damalige US-Präsident Clinton unterzeichnet den Vertrag. Der amerikanische Senat lehnt die Ratifizierung jedoch ab - bis heute. Da insgesamt zehn Staaten - darunter auch die De-facto-Atommächte China, Indien, Israel und Pakistan - sich ebenfalls weigern, ist das Abkommen nach wie vor nicht in Kraft.
Dennoch: Das Moratorium hatte bislang gehalten, auch wenn Atomversuche in den vergangenen Jahren noch immer stattfanden - als Simulation im Computer (im Bild: Das Rechenzentrum der französischen Armee südlich von Paris).
Mit dem Test in Nordkorea, den nicht nur Messungen in Japan bestätigten, ist eine neue Situation eingekehrt.
Auch wenn die Demonstranten in Südkorea es nicht wahrhaben wollen - möglicherweise steht Asien vor einem nuklearen Wettrüsten.
Und nicht nur das: Auch der Iran könnte nach Ansicht vieler Beobachter bald über Möglichkeiten zum Bau von Atombomben verfügen (im Bild: iranische Atomanlage in Buschehr).
Die Krater in der Wüste von Nevada könnten nicht die letzten sein, die durch Atombomben gerissen wurden.
... als auch auf dem Fangataufa-Atoll durchgeführt.
Die Versuche werden sowohl auf dem Mururoa- ...
Am 5. September 1995 findet der erste in einer Reihe von sechs französischen Atomtests statt.
... hat sich vor allem in westlichen Staaten längst breiter Protest gegen die Versuche mit der Massenvernichtungswaffe formiert.
Tatsächlich hat der Widerstand gegen die atomaren Muskelspiele eine lange Tradition, wenngleich sich dieser nicht immer gegen die eigenen Regierungen richtete.
Diese Demonstranten in den USA machen sich im September 1961 eher um sowjetische Atombombentests Sorgen als um die der eigenen Regierung.
Doch als Greenpeace im Juni 1998 mit diesem Heißluftballon vor dem Taj Mahal in Indien auftaucht, ...
... hat der Westen bereits eine breite Protestwelle gegen die Fortdauer der Atomtests hinter sich.
Der Grund: Während sich die Nachfolgestaaten der Sowjetunion (Teststopp 1990), Großbritannien (1991) und die USA (1992) einem Versuchsmoratorium anschlossen, kündigt Frankreichs frisch gekürter Präsident Chirac 1995 neue Atomtests an.
"Fuck Chirac" wird zu einem geflügelten Begriff, in Frankreich ...
... wie im Südpazifik.
Doch der Protest, dem sich sogar die Schweizer Fußball-Nationalmannschaft anschließt, ist vergebens.
Es ist eine Geschichte, die noch lange nicht beendet scheint.
In den ausgetrockneten Seen "Frenchman Flat" und "Yucca Flat" hinterlassen die Explosionen tiefe Krater.
Es ist eine Geschichte, von der man hoffte, dass sie überwunden sei.
Als Oppenheimer (l.) den Ort der Explosion wenig später besucht, ist von dem Stahlgerüst, an dem die Bombe hing, so gut wie nichts mehr übrig. Stattdessen ist hier nun ein drei Meter tiefer und mehr als 300 Meter breiter Krater. Das Bild stammt vom 9. September 1945.
Zu diesem Zeitpunkt hat die Welt bereits zwei weitere Atombombenexplosionen erlebt. Diesmal jedoch nicht auf einem Testgelände, sondern über bewohntem Gebiet. Die Bombe "Little Boy" (Kleiner Junge) ...
... explodiert am 6. August 1945 um 8.16 Uhr Ortszeit über der japanischen Stadt Hiroshima.
Abgeworfen wird sie vom US-Bomber "Enola Gay". Die Crew posiert einen Tag vor dem Abwurf vor ihrer Maschine vom Typ B-29.
Die Auswirkungen des Atombombeneinsatzes sind verheerend. Zehntausende Menschen kommen unmittelbar ums Leben.
Zudem fordern die nukleare Verseuchung, ...
... Verbrennungen und Verletzungen in der Folgezeit viele weitere Opfer.
Nur drei Tage später wird die dritte Atombombe gezündet. Nicht minder zynisch als "Little Boy" wird sie von den US-Militärs "Fat Man" (Fetter Mann) genannt.
Ihr Ziel ist die japanische Hafenstadt Nagasaki. Der Abwurf erfolgt am 9. August 1945 um 11.02 Uhr Ortszeit.
Selbst in fast 300 Kilometern Entfernung ist die Detonation noch zu sehen.
Der charakteristische Atompilz aus Staub, Feuer und Asche türmt sich etwa zwölf Kilometer in den Himmel auf.
Die Sprengkraft der Bombe entspricht der von rund 20.000 Tonnen TNT.
Doch Nordkorea hat das Thema Nuklearwaffentests wieder auf die Agenda gesetzt - und damit die Angst vor dem atomaren Grauen.
Die Menschheit scheint seit der ersten Atombombenexplosion ...
... und den wenig darauf folgenden Bombenabwürfen auf die japanischen Städte Hiroshima ...
... und Nagasaki nur wenig dazugelernt zu haben.
Die Vorbereitungen auf den ersten Atomtest überhaupt finden hier, im Los Alamos National Laboratory im US-Staat New Mexico statt.
Das seit 1942 von den USA betriebene Programm zur Entwicklung der Atombombe wird später unter dem Namen "Manhattan-Projekt" zusammengefasst.
Die wissenschaftliche Leitung hat der Physiker Julius Robert Oppenheimer inne. Er wird später als "Vater der Atombombe" gelten.
Am frühen Morgen des 16. Juli 1945 ist es soweit: Unter dem Codenamen "Trinity" (Dreifaltigkeit) wird im ebenfalls in New Mexico gelegenen Alamogordo die erste Atombombe gezündet. Befestigt wird sie ...
... an einem etwa 30 Meter hohen Stahlgerüst.
Auch hier sterben zehntausende Menschen während und in Folge der Explosion. Die Gesamtzahl der Opfer durch die beiden Atombomben wird heute auf mehr als 240.000 geschätzt.
Mit dem Nuklearwaffeneinsatz erzwingen die USA die Kapitulation Japans und das Ende des Zweiten Weltkriegs. Bis heute sind die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki die einzigen, die je auf besiedeltem Gebiet gezündet wurden.
... "Ivy Mike" indes ist die erste Wasserstoffbombe. Sie entwickelt ihre zerstörerische Wirkung nicht durch Kernspaltung, sondern durch Kernfusion.
Die Sprengkraft von "Ivy Mike" ist etwa 500 mal stärker als die der Atombombe auf Nagasaki.
Auch die Wasserstoffbombe hat einen "Vater": Edward Teller. Der Physiker war bereits in das "Manhattan-Projekt" während des Zweiten Weltkriegs involviert.
Die Folgen der Kernwaffentests auf dem Eniwetok-Atoll werden nicht nur auf Grund der Strahlenbelastung noch jahrzehntelang wahrnehmbar sein. Diese Luftaufnahme stammt aus dem Jahr 1978. Die Lagune rechts im Bild wurde ebenso bei einem Atombombentest (1956) in die Inselgruppe gerissen ...
... wie diese beiden Krater (1956 und 1958).
Auch in den sechziger Jahren finden noch Atombombentests der USA im Pazifik statt, auf der heute zu Kiribati gehörenden Weihnachtsinsel ebenso ...
... wie auf dem noch immer unter US-Verwaltung stehenden Johnston-Atoll (Foto der zu dem Atoll gehörenden Johnston-Insel von 1998).
Doch schon zu Beginn der fünfziger Jahre hatten die USA auch im Kernland zu Hause die Atomversuche wieder aufgenommen.
Zum Haupt-Testgelände wird nun die Wüste im US-Bundesstaat Nevada.
Das Eniwetok-Atoll ist 1952 auch Austragungsort der Operation "Ivy". Sie umfasst zwei Explosionen: Bei "Ivy King" handelt es sich um eine konventionelle Atombombe mit ungeheurer Schlagkraft, ...
Bei diversen Testreihen werden hier insgesamt mehr als 40 atomare Sprengkörper gezündet - ob unter Wasser, unter oder über der Erde.
... wird dabei das Eniwetok-Atoll von Nuklearbomben erschüttert.
Doch das nukleare Wettrüsten - und damit die Geschichte der Atomtests - hat gerade erst begonnen. Unter dem Namen "Crossroads" setzen die USA im Sommer 1946 ihre Versuche fort.
Diesmal jedoch nicht in einer heimischen Wüste, sondern weit entfernt im Südpazifik - auf dem zu den Marshall-Inseln gehörenden Bikini-Atoll.
Das zuvor unter japanischer Verwaltung stehende Atoll hatten die USA im Krieg erobert. Die 167 Ureinwohner werden nach dem Beschluss, die Inselgruppe zu Atomtestzwecken zu verwenden, evakuiert.
Ihre neue Heimat und die ihrer Nachfahren ist die Insel Kili - und das bis heute. Zwar ist das bei Tauchern beliebte Bikini-Atoll inzwischen kein Sperrgebiet mehr - eine dauerhafte Besiedlung kommt aber frühestens wieder ab 2010 in Frage.
Der Bikini hat seinen Namen übrigens im Zusammenhang mit den Atomversuchen erhalten. Als der Zweiteiler 1946 seinen Siegeszug antrat, waren die amerikanischen Bombentests auf dem Atoll gerade in aller Munde und inspirierten so Bikini-Erfinder Louis Rard.
Das Unternehmen "Crossroads" umfasst zwei Durchläufe.
Beim ersten wird eine frei fallende Bombe in einer Höhe von 160 Metern gezündet.
Beim zweiten findet die Explosion 60 Meter unter der Wasseroberfläche statt.
Die Marshall-Inseln bleiben bis Ende der 50er Jahre ein beliebtes Experimentier- und Beobachtungsfeld der USA. Noch häufiger als das Bikini-Atoll ...
Bis 1992 werden hier mehr als 900 Atombomben gezündet.
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