
| DI | -6° / 1° |
| MI | -0° / 5° |
Das ist Gregor Gysi.
Gysi ist so etwas wie der rote Joschka Fischer.
Der Übervater seiner Partei, ...
... der ihr ganz gern mal ordentlich ins Gewissen redet.
Aber die Zeiten, wo Gysi alleine viel reden durfte, sind vorbei.
Jetzt muss er auch mal zuhören: Wo Gysi ist, da ist auch Lafontaine.
Gemeinsam haben sie vor einem Jahr eine neue Partei gegründet.
Am 16. Juni 2007 wurde "Die Linke" ins Leben gerufen.
Die Partei ist ein Zusammenschluss aus der Linkspartei.PDS, ?
? ehemals nur PDS, ?
? und der westdeutschen Gewerkschaftsbewegung "Arbeit und soziale Gerechtigkeit - Die Wahlalternative" (WASG).
"Von denen bekommen wir wieder einen Lebensstoß, bevor wir einschlafen", hatte Gysi nach der Fusion zu n-tv.de gesagt.
Vorangetrieben haben den Zusammenschluss diese drei hier: Oskar Lafontaine, Gregor Gysi und Lothar Bisky (von links).
Sie haben auch - zum Unmut einiger Frauen in ihren Parteien - die wichtigsten Ämter unter sich aufgeteilt. Zwei von ihnen wurden Parteichefs, ...
... und zwei übernahmen den Fraktionsvorsitz im Bundestag.
Okay, einer will gleich doppelt zuschlagen und ...
... bei der Landtagswahl 2009 im Saarland auch noch Ministerpräsident werden.
Ein Jahr nach Gründung der Partei treffen sich die Mitglieder der Linken zu ihrem ersten gemeinsamen Bundesparteitag in Cottbus.
Die erste Gelegenheit, sich um die grundsätzliche Richtung der Partei zu streiten.
Beobachter erwarten auch einen Kampf um Posten und Ämter.
Immerhin konnte der Streit um Sahra Wagenknecht von der kommunistischen Plattform entschärft werden. Sie will nun nicht mehr als stellvertretende Parteivorsitzende kandidieren.
Auf jeden Fall werden auch die deutschen Schlapphüte dort sein. Der Verfassungsschutz hat die Bundestagspartei noch immer im Visier.
Wegen ihr? Nein, Katja Kipping ist zweifellos links, steht aber auf dem Boden des Grundgesetzes.
Wegen ihm? Nein, auch nicht. Kritiker werfen ihm nicht ein unklares Verhältnis zu Verfassung, sondern zu seiner Vergangenheit vor.
Grund für die Beobachtung durch den Verfassungsschutz ist laut Innenminister Schäuble, dass "die Linke nach ihrer Programmatik die herrschende Staats- und Gesellschaftsform überwinden will". Es gebe offene extremistische Gruppierungen in der Partei.
DKP-Mitglied Christel Wegner, die für die Linke in den niedersächsischen Landtag einzog, verteidigte etwa nach 47 Jahren noch den Bau der Mauer und wollte die Stasi in der Bundesrepublik einführen.
Für solche Aussagen ist aber kein Platz in der neuen Linken, wurde ihr mitgeteilt. Wegner musste die Fraktion verlassen und sitzt seitdem allein im Landtag.
Vor allem viele westdeutsche und konservative Politiker sehen in der Linken aber noch immer die Wurzeln der alten DDR-Staatspartei SED, aus der die "Partei des demokratischen Sozialismus" (PDS) 1990 hervorging.
Ein Mann der ersten Stunde in der PDS: Rechtsanwalt Gregor Gysi (rechts neben ihm Schriftsteller Stefan Heym und Lothar Bisky). Gysi setzte zusammen mit Bisky die schrittweise "Abkehr vom Stalinismus als System" durch.
Die alte SED-Führung um den ehemaligen Generalsekretär Egon Krenz wurde aus der Partei ausgeschlossen.
Die PDS zog 1990 mit 17 Abgeordneten in den Bundestag ein, obwohl sie nur 2,4 Prozent erhielt. Möglich machte das eine Klausel des Einigungsvertrages. 1994 erhielten die Sozialisten 4,4 Prozent. Jetzt fiel die Sperrklausel wegen vier gewonnener Direktmandate weg.
Innerparteilich kam es in den 90er Jahren zu heftigen Auseinandersetzungen um den Kurs der Partei. Kritiker wie Sahra Wagenknecht wehrten sich gegen die rasante Abkehr vom ganz linken Rand.
Doch Stratege Gysi konnte den Reformkurs der Partei letztlich durchsetzen. Er trieb auch die Ausdehnung der PDS in den Westen der Bundesrepublik voran.
Dort traf die Partei allerdings auf erbitterten Widerstand, vor allem von der CDU, die das Verhältnis von SPD und PDS stets dankbar aufgriff.
Die Union schürte in den Wahlkämpfen 1994 und 1998 die Angst vor den Sozialisten aus dem Osten, die sich auf roten Socken in die Bundesrepublik schleichen würden.
Die FDP sprang 2005 auf den Zug auf, ...
... und Roland Koch nahm sich des Themas noch 2008 ausführlich an.
Ganz so, als sei der Kalte Krieg noch nicht vorbei.
Doch wie Gysi im Gespräch mit n-tv.de feststellte: "Wir haben die deutsche Einheit seit 1990, da kommt keiner drum herum, auch wir nicht - und das ist auch in Ordnung so."
Aber vor allem konservative Kritiker ließen der PDS keine Ruhe. Sie wollten etwa den Verbleib des alten SED-Vermögens klären. Das hat die PDS nach eigenen Angaben an den Staat voll zurückgezahlt. Manche bezweifeln das.
Aufhalten konnte aber auch das die neue - oder alte, je nach Perspektive - Partei nicht: 1998 bekam die PDS bei der Bundestagswahl 5,1 Prozent der Stimmen und zog mit 36 Abgeordneten in Fraktionsstärke ins deutsche Parlament ein.
Gysi war zwar 1997 aus dem Parteivorstand ausgeschieden, Fraktionschef wurde er aber trotzdem.
2001 versuchte er sich dann in der Landespolitik Berlins und wurde Wirtschaftssenator in der rot-roten Landesregierung unter Klaus Wowereit.
An der PDS-Spitze hatte inzwischen eine Verjüngungskur stattgefunden. Roland Claus wurde 2000 Gysis Nachfolger als Fraktionschef, Gabi Zimmer löste Lothar Bisky an der Parteispitze ab.
Das personelle Zwischenspiel währte allerding nicht allzu lange. In der Parteispitze war man sich einfach nicht einig über den richtigen Kurs, ...
... so dass Parteichefin Zimmer nach der Wahlschlappe 2002 und wegen der ständigen Flügelkämpfe schließlich im Mai 2003 entnervt hinschmiss.
Ihr Nachfolger wurde ihr Vorgänger: PDS-Urgestein Lothar Bisky konnte als Parteichef die Zersplitterung der Partei verhindern und ein neues Parteiprogramm durchsetzen.
Dieser Mann machte dann der PDS 2004 das bislang schönste Wahlgeschenk.
Die nach Peter Hartz benannten Arbeitsmarktreformen der rot-grünen Regierung sorgten für ziemlichen Ärger in der Bevölkerung. Ganz besonders die unter dem Titel "Hartz IV" beschlossene Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe.
Die PDS stellte sich auf die Seite der Montags-Demonstranten und anderen Hartz-IV-Gegner.
Gysi natürlich auch.
Das brachte der PDS Sympathien und Stimmen, ...
... der SPD mächtig viel Ärger ...
... und Deutschland eine neue Partei ...
... mit einem, der von der Politik einfach nicht lassen kann.
Schon vor der Fusion benannte sich die PDS in Linkspartei.PDS - ein genialer Trick; viele Wähler dachten bei der Bundestagswahl 2005, die Partei habe sich schon mit der WASG vereinigt.
Und Gysi erklärte seine Bereitschaft, als Spitzendkandidat für die Bundestagswahl 2005 zu kandidieren, ...
... nachdem er in der Berliner Landespolitik nicht weit gekommen war: Schon nach einem halben Jahr im Amt trat er 2002 wegen einer Bonusmeilen-Affäre zurück. Für diesen Rücktritt musste er mehr Prügel einstecken als für die Bonusmeilen: Er sei ein Drückeberger, hieß es.
Bei der Bundestagswahl 2005 öffnete die Linkspartei ihre Listen, so dass Mitglieder der WASG auf ihnen kandidieren konnten.
Die Linkspartei zog mit 8,7 Prozent in den Bundestag ein (im Bild die Parlamentarische Geschäftsführerin Dagmar Enkelmann und Parteichef Bisky).
Nachdem dann sowohl WASG als auch "Linke.PDS" einer gemeisamen Fusion zugestimmt hatten, entstand am 16. Juni 2007 die neue Partei, die sich so nannte, wie ihr ostdeutscher Teil zur Hälfte schon hieß: "Die Linke".
Mehr als zwei Drittel ihrer Mitglieder sind übrigens über 60, ?
... aber bei der Linken sind viel mehr Frauen aktiv als in anderen Parteien.
Fast die Hälfte der Mitglieder ist weiblich.
Nur die ehemalige Vorzeige-Linke Angela Marquardt hat die Partei verlassen. Sie sagte über ihre alte Partei, ...
... es gebe dort "nationalistische und fremdenfeindliche Töne sowie soziale und friedenspolitische Forderungen, die nicht der Realität entsprechen". Marquardt arbeitet nun für die SPD-Linke Andrea Nahles und ist SPD-Mitglied geworden.
Und heute? Die Linke hat über 71.000 Mitglieder und sitzt in allen ostdeutschen Ländern sowie in Hessen, Niedersachsen (Foto), Bremen und Hamburg im Landtag.
Und Gregor Gysi genießt als geschickter Politiker und begnadeter Redner selbst bei Anhängern anderer Parteien großen Respekt.
Zu n-tv.de sagte er auf die Frage, ob er nach der Gründung der Linkspartei jetzt ans Aufhören denke: "Na, nun werden Sie mal nicht komisch und hören Sie mal zu. Ich bin noch nicht einmal sechzig. Hier ist nichts abgeschlossen." (Fotos: AP/dpa, Text: Till Schwarze)
Die Daten werden nur zum Versenden der Nachricht benutzt und nicht gespeichert.
Bitte überprüfen Sie Ihre Angaben.