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Samstag, 10. März 2007

Gegner des NS-Staates: Helmuth James von Moltke

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Zuletzt schrieb Helmuth James von Moltke seine Briefe mit gefesselten Händen und einem Bleistiftstummel.

Zuletzt schrieb Helmuth James von Moltke seine Briefe mit gefesselten Händen und einem Bleistiftstummel.

Zuletzt schrieb Helmuth James von Moltke seine Briefe mit gefesselten Händen und einem Bleistiftstummel.

Das Licht in seiner Gefängniszelle in Berlin-Tegel brannte rund um die Uhr.

Immer wieder hörte er die Sirenen, die die Luftangriffe ankündigten.

Moltke war eine der führenden Persönlichkeiten des deutschen Widerstandes ...

... und Mitbegründer des "Kreisauer Kreises".

Helmuth James von Moltke, geboren am 11. März 1907, stammte aus einer alten mecklenburgischen Adelsfamilie.

Sein Urgroßonkel, Generalfeldmarschall Helmuth Karl Bernhard von Moltke, galt als militärischer Schmied der Einigung des Deutschen Reiches von 1871 (im Bild: der erste Kanzler des Deutschen Reiches, Otto von Bismarck).

Helmuth James dagegen war von seinen pazifistischen Eltern geprägt.

Der Sohn einer Britin aus Südafrika entsprach auch sonst nicht dem Bild des preußischen Junkers.

Er galt als eloquent, charmant und offen, ein gutaussehender, großer Mann.

Er war ein freiheitlich denkender Mensch, der den autoritären Staat ablehnte.

In wirtschaftlichen Fragen dachte der Besitzer des Familiengutes im niederschlesischen Kreisau eher sozialdemokratisch.

Helmuth von Moltke war von vornherein ein Gegner des nationalsozialistischen Staates, der ihm als Ausdruck "der Enge und der Gewalt, der Überheblichkeit, der Intoleranz und des Absoluten, erbarmungslos Konsequenten" erschien, wie er kurz vor seinem Tod schrieb.

Als Anwalt half Moltke Juden bei der Ausreise.

Kurz nach Kriegsbeginn wurde er Sachverständiger für Kriegs- und Völkerrecht im Amt Ausland/Abwehr im Oberkommando der Wehrmacht.

Er versuchte, in den besetzten Gebieten Geiselerschießungen zu verhindern und kämpfte für eine menschliche Behandlung von Kriegsgefangenen.

"Unter den Dingen, die er nicht abwehren konnte, litt er", sagt der Zeitgeschichtler und Moltke-Biograf Günter Brakelmann.

Die Gewalt und die Verhöhnung des Rechts waren Moltke zuwider.

Menschlichkeit trieb ihn zum Handeln, und auch sein Glaube wurde ein immer wichtigeres Motiv.

Moltke knüpfte ein Netz des Widerstandes, das Protestanten und Katholiken, Konservative und Sozialdemokraten umfasste.

Unter ihnen waren Männer wie Julius Leber, Adolf Reichwein, Peter Yorck Graf von Wartenburg und Theodor Steltzer. "Moltke hat als einer der wenigen versucht, die traditionellen politischen Lager zu einem Widerstand zu vereinigen", sagt Brakelmann.

Im "Kreisauer Kreis", wie die Gestapo die Gruppe nach der Entdeckung nannte, entwarfen die Freunde Pläne für ein demokratisches Deutschland nach dem verlorenen Krieg.

Ein Attentat auf Hitler, wie es der militärische Widerstand um Claus Schenk Graf von Stauffenberg plante und am 20. Juli 1944 ausführte, lehnte Moltke zunächst ab.

Er, der Christ, wollte das System von Gewalt und Mord nicht durch einen weiteren Mord beenden.

Außerdem fürchtete er eine neue Dolchstoßlegende: Die Ermordung Hitlers würde für die Niederlage Deutschlands verantwortlich gemacht.

Erst Ende 1943 schien er seine Haltung zu ändern. Zu einem ganz klaren "Ja" habe er sich aber wohl nicht durchringen können, sagt Brakelmann.

Moltke wurde im Januar 1944, ein halbes Jahr vor dem Attentat, verhaftet, nachdem er einen Freund vor der Gestapo gewarnt hatte.

Ein Jahr lang saß der Vater zweier Söhne in Haft, die Hoffnung auf eine Entlassung zerschlug sich nach dem 20. Juli.

"Der Tod ist so ein Begleiter des ganzen Jahres geworden", schrieb er seiner Frau Freya im Dezember 1944 kurz vor dem Prozess in einem seiner zahllosen Briefe, die heute zu den wichtigsten Dokumenten des Widerstandes gehören.

Eine Beteiligung an den Umsturzplänen sowie die meisten seiner Widerstandsaktivitäten konnten Moltke nicht nachgewiesen werden.

Dennoch wurde er am 23. Januar 1945 mit 37 Jahren hingerichtet.

Das frühere Kreisau, der Ort wichtiger Treffen der deutschen Widerstandsgruppe Kreisauer Kreis, liegt heute in Polen und heißt Krzyzowa.

Der frühere Gutshof der Familie von Moltke wurde zu Beginn der 1990er Jahre aufwändig restauriert.

Er beherbergt heute die Internationale Jugendbegegnungsstätte und die Europäische Akademie Kreisau.

Im Wohnhaus der Familie von Moltke, dem nahegelegenen Berghaus, wurde eine Gedenkstätte zur Erinnerung an den Kreisauer Kreis eingerichtet.

Träger dieser Projekte in Krzyzowa ist die Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung.

Innerhalb weniger Jahre entstand in dem kleinen Dorf das "Neue Kreisau" als lebendiges Begegnungszentrum und internationaler Tagungsort.

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