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"Ich möchte Bundespräsident aller Deutschen sein, …
… und ein Präsident für alle Menschen, die hier leben", …
… hatte Horst Köhler vor sechs Jahren bei seiner ersten Wahl verkündet.
Folgte man den Umfragen zur Beliebtheit von Politikern, konnte er das Versprechen einlösen.
Und dem ehemaligen Banker wurde darum mit großer Rückendeckung der Bürger vor einem Jahr durch die 13. Bundesversammlung in Berlin erneut das Vertrauen ausgesprochen …
… und er für eine weitere Amtszeit im Schloss Bellevue wiedergewählt.
2004 kam Köhler erstmals als Nicht-Politiker ins höchste Staatsamt.
Anders als seine Vorgänger war er nicht in ein politisches Netzwerk eingebunden.
Dies ließ ihn oft auch unabhängiger agieren.
Der 1981 in die CDU eingetretene Köhler war nie Parteimensch.
"Parteipolitische Konstellationen spielen für mich keine große Rolle."
Auch wenn es für seine Kritiker den Anschein hatte, agierte er im Schloss Bellevue nicht als Statthalter der Union.
Mit öffentlichen Einlassungen zur Tagespolitik, …
… und wenn er, was zweimal geschah, Gesetze nicht unterschrieb, …
… verärgerte er auch Unions- Politiker.
Dass der jetzt 67-Jährige, der mit seiner Frau Eva Luise zwei Kinder hat, …
… einmal erster Mann im Staate werden würde, war nicht abzusehen.
Köhler wurde am 22. Februar 1943 im damals von deutschen Truppen besetzten polnischen Skierbieszow geboren. (Vor Fotos der Stadt Markkleeberg, wo er von 1945 bis 1953 lebte)
Die Familie floh vor der Roten Armee, kam ins schwäbische Ludwigsburg.
In Tübingen studierte Köhler Wirtschaft, promovierte, ging nach Bonn und stieg im Bundesfinanzministerium auf bis zum Staatssekretär.
1992 wechselte er an die Spitze des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, …
… später zur Osteuropabank in London …
… und im Mai 2000 als Direktor zum Internationalen Währungsfonds (IWF) nach Washington.
Dass er 2004 nominiert wurde, war Teil eines strategischen Plans.
Bei Bundespräsidentenwahlen geht es immer auch um die politische Macht im Lande.
Als die Vorsitzenden von CDU und FDP, Angela Merkel und Guido Westerwelle, den damals weithin unbekannten Köhler nominierten, …
… spekulierten sie auf eine schwarz-gelbe Koalition nach der Bundestagswahl.
Köhler kam ins Amt, aber die Koalitionspläne gingen 2005 nicht auf.
Auch 2009 stand das bürgerliche Lager hinter Köhler - Union, FDP und Freie Wahler aus Bayern.
Das reichte zur Wiederwahl.
Jetzt tritt Köhler überraschend zurück. Hintergrund sei die Kritik an seinen umstrittenen Afghanistan-Äußerungen, sagte er.
Die Unterstellung, er habe einen grundgesetzwidrigen Einsatz der Bundeswehr zur Sicherung von Wirtschaftsinteressen befürwortet, entbehre jeder Rechtfertigung.
Das lasse den notwendigen Respekt vor dem höchsten Staatsamt vermissen.
Köhler hatte besonders mit der Äußerung, militärische Einsätze könnten auch den wirtschaftlichen Interessen Deutschlands dienen, für Empörung gesorgt. Er hatte allerdings später darauf hingewiesen, er sei missverstanden worden.
Köhler informierte bereits Bundesratspräsident Jens Böhrnsen (SPD) über seinen Schritt. Böhrnsen übernimmt vorübergehend die Amtsgeschäfte.
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