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Politik

Ein Mann, ein Wort: Hugo Chavez, der Verstaatlicher

 
Ein Mann, ein Wort: Hugo Chavez, der Verstaatlicher

Er ist charmant, ...

... sportlich und ...

... zupackend.

Vor allem Frauen mögen ihn.

Fehlende optische Hingucker macht Hugo Chávez ...

... mit seinem rhetorischen Talent locker wett.

Der Ölreichtum seines Landes macht den venezolanischen Staatspräsidenten ...

... zu einem Global Player in der Politik.

Sein Land ist fünftgrößter Ölproduzent der Welt und wichtiger Lieferant für die USA.

Chávez, der grandiose Selbstdarsteller, Populist und Hobby-Sänger, ...

... ist in den langen Jahren seiner politischen Arbeit zum Schwergewicht in Südamerika geworden.

Er träumt von einem vereinten Südamerika. (Im Bild: Die Staatschefs der südamerikanischen Länder. Chávez steht natürlich ganz links.)

Sein Motto dabei: "Sozialismus oder Tod".

Seine Doktrin: Die "Revolución Bolivariana", die bolivarische Revolution.

Basierend auf den Vorstellungen des Unabhängigkeitskämpfers Simón Bolívar ist das ein Prozess, der die Gesellschaft gegen den um sich greifenden Neoliberalismus wappnen soll und sie dabei grundlegend verändert.

Vor allem in den Ohren europäischer Entscheider klingt das nach DDR und Sowjetunion. Und so steht man ihm mit einer Mischung aus Verwunderung und Ängstlichkeit gegenüber.

Doch angesichts des wackelig gewordenen Kapitalismus, der auch in reicheren Ländern die Gerechtigkeitsfrage aufwirft, erfreut sich Chávez auch unter den europäischen Linken wachsender Beliebtheit.

Ein Präsident, der sich während seiner stundenlangen Fernseh-Show "Allo Presidente" vor eine Rinderherde setzt und seine Errungenschaften preist, zielt mit seinem Handeln vor allem auf die einfachen Menschen ab.

Und von denen hat Venezuela viele. Und viele, die ihn mögen. Mit den üppigen Einnahmen aus den Ölgeschäften finanziert Chávez Hilfsprogramme, so genannte "Sozialmissionen". Ökonomen sehen das kritisch, werfen ihm Verschwendung vor.

Und tatsächlich ist Venezuela im Inneren ein armes Land. Hohe Arbeitslosigkeit, sinkende Einkommen und nicht zuletzt ...

... die Repressalien gegenüber den freien Medien treiben immer wieder die Oppositionellen auf die Straße.

Und zwar tausende. Viele der Oppositionellen stammen aus den bürgerlichen Reihen. Sie fürchten um Positionen, Macht und Geld.

Nicht immer bleiben diese Proteste friedlich.

In den letzten Jahren gab es auch immer wieder Tote und Verletzte.

Doch Stehaufmännchen Chávez hat sich bislang gegen alle Nadelstiche verteidigen können. Und mehr als das.

Der Castro-Freund überstand mehrere Versuche, ihn abzusetzen.

2002 missglückt ein Putsch, dann schlägt 2003 ein Generalstreik fehl, der das Land ins wirtschaftliche Chaos führt.

Und im August 2004 scheitert ein Referendum, das Chávez auf verfassungsgemäßem Weg aus dem Amt treiben soll.

Inzwischen arbeitet Chávez, hier mit dem brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio "Lula" da Silva, daran, die Verfassung so zu ändern, dass er, sofern er gewählt wird, ewig im Amt bleiben könnte.

Chávez kommt aus dem venezolanischen Militär. Nachdem er die Militärschule besucht und Politikwissenschaft und Geschichte studiert hat, schlägt er eine Laufbahn als Offizier ein.

Als Oberst der Fallschirmspringer zettelt er 1992 einen Putsch gegen Präsident Carlos Andrés Pérez an, der jedoch scheitert.

Chávez wird inhaftiert - und zwei Jahre später begnadigt.

1998 führt er das Parteienbündnis "Patriotischer Pol" an die Macht.

Mit seinem Amtsantritt beendet Chávez die jahrzehntelange Vorherrschaft der etablierten Parteien. Im Jahr 2000 wird er mit deutlicher Mehrheit im Amt bestätigt.

Auch 2006 gewinnt Chávez gegen den Oppositionsführer Manuel Rosales deutlich. Der Präsident erhält 62,8 Prozent der Stimmen, sein Konkurrent nur 36,9 Prozent.

Nicht erst seitdem schürt der 1954 in Sabaneta geborene "Commandante" ...

... vor allem den Anti-Amerikanismus.

Mit Erfolg.

Zwar gibt es die bereits erwähnte starke und ideenreiche Opposition, aber ...

... noch ist die Masse der Chávez-Anhänger üppig.

Eine Tatsache, die auch durch die Parteitage der Sozialistischen Partei unterstrichen wird.

Dem verbalen Anti-Amerikanismus lässt der Präsident gerne auch symbolträchtige Taten folgen. So benutzen russische Bomber seit einiger Zeit venezolanische Militärflughäfen.

Und auch auf eine Stärkung der eigenen Armee ...

... wird sorgfältig geachtet.

Chávez macht weltweit vor allem aber durch seine Verstaatlichungspolitik auf sich aufmerksam.

Wo immer ein Unternehmen damit droht, Mitarbeiter zu entlassen, tritt der Präsident auf den Plan - und enteignet den Besitzer.

Ebenso verfährt Chávez mit den Öl-Produzenten.

Dafür erhält er meist großen Jubel seiner Anhänger.

Das wirtschaftliche Umfeld, das er damit schafft, wird jedoch zunehmend ausgedünnt. Andere sozialistische oder kommunistische Führer können ein Lied davon singen. Die Unternehmen stoppen ihre Investitionen.

So ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Wirtschaft, die unter staatlicher Herrschaft maximal korrumpierbar ist, erstarrt.

Bis dahin zumindest wird Chávez, der gerne malt ...

... und auf der politischen Bühne oft den Mund recht voll nimmt, ...

... fest im Präsidenten-Sattel sitzen. (Alle Bilder: dpa, AP, Reuters / Text: Jochen Müter)

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