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Ingrid Betancourt ist frei.
Wir erleben das Ende einer jahrelangen Geiselhaft im Dschungel ...
... und den darauf folgenden begeisterten Empfang der früheren kolumbianischen Präsidentschaftskandidatin.
Vor allem ihre spektakuläre Befreiung aus der Gewalt von FARC-Rebellen sorgt für Aufsehen.
Der Schweizer Radiosender RSR hatte berichtet, die Freilassung Betancourts und 14 weiterer Geiseln, darunter drei Amerikaner, sei gegen die Zahlung eines Lösegeldes erfolgt und die spektakuläre Befreiungsaktion nach einer Täuschung der Rebellen frei erfunden.
Deshalb zeigte Kolumbiens oberster Militär, General Mario Montoya, dramatische Videoaufnahmen von der Aktion "Jaque" (Schach) von der Befreiung am Mittwoch.
Soldaten hatten sich als Mitglieder einer regierungsunabhängigen Organisation sowie als Rebellen ausgegeben ...
... und waren in einem Hubschrauber zu einem vermeintlichen Treffen mit einer internationalen Kommission geflogen.
Die mitfliegenden zwei Rebellen wurden dann in der Luft überwältigt, die Geiseln waren frei.
Die bei der Befreiungsaktion gemachten Aufnahmen stammten von einem Kamerateam, das aus Mitgliedern der kolumbianischen Sicherheitsdienste zusammengesetzt war, die sich als Journalisten ausgegeben hatten.
Betancourt selbst sagte: "Das, was ich miterlebt habe, kann keine Inszenierung gewesen sein."
Auf den Videoaufnahmen werden die mit Plastikbändern gefesselten Geiseln, darunter auch Betancourt, gezeigt, wie sie zu einem wartenden weißen Hubschrauber ohne Kennzeichen geführt werden.
Eine weitere Szene zeigt die Ungläubigkeit, Überraschung und dann das Lachen der Geiseln, als ihnen in dem bereits fliegenden Hubschrauber nach der Überwältigung der zwei mitreisenden Rebellen eröffnet wird, dass sie gerade befreit worden sind.
Betancourt weint vor Erleichterung und eine der kolumbianischen Geiseln schreit immer wieder: "Zehn Jahre Warten, zehn Jahre Warten".
Für die 46-jährige Betancourt (hier mit ihrer Mutter) waren es fast sieben Jahre Gefangenschaft.
Sie flog nach ihrer Befreiung nach Paris. "Ich verdanke Euch alles, ich verdanke Euch mein Leben", sagte Betancourt im Élysée-Palast, ?
? wo sie vom französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, seiner Frau Carla und zahlreichen Unterstützern begeistert empfangen wurde.
Betancourt bedankte sich vor allem auch bei den Menschen der Initiative, die bis zuletzt für ihre Befreiung gekämpft hatten.
Nach einem begeisterten Empfang im Élysée-Palast nahm Betancourt eigenhändig ihr Porträt vom Pariser Rathaus ab.
Paris hatte sie wie zahlreiche andere Städte in Frankreich zur Ehrenbürgerin erklärt.
Seit langem hing ein Porträt von ihr am Rathaus, auf dem die Tage ihrer Geiselhaft gezählt wurden. Der Zähler war am Mittwoch bei 2321 Tagen stehengeblieben.
Die franko-kolumbianische Politikerin Ingrid Betancourt hat ihre knapp sechseinhalb Jahre dauernde Geiselhaft im Dschungel Kolumbiens gesundheitlich überraschend gut überstanden.
"Ich hatte große Angst, mir etwas Schlimmes einzufangen, jetzt ist die Freude umso größer", sagte Betancourt nach einer ärztlichen Untersuchung.
Das öffentliche Interesse an der befreiten Geisel und ihrer Geschichte ist enorm.
Die Befreiung stellt nach Einschätzung politischer Beobachter in Bogotá eine schwere Demütigung für die bereits geschwächte Rebellengruppe FARC dar und ist der bisher größte Triumph für den konservativen Präsidenten Alvaro Uribe.
Dem FARC-Kommandanten "César", der für die Bewachung der Geiseln zuständig war, konnten die Soldaten überlisten, wie auch das Video zeigt.
Betancourt war fast sechseinhalb Jahren in der Gewalt der kolumbianischen FARC-Rebellen (hier mit ihrem Ehemann).
Die frühere Präsidentschaftskandidatin war damit zum Symbol für das Geisel-Drama in dem südamerikanischen Land geworden.
Die marxistische Rebellengruppe "Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens" (FARC) wollte sie und etwa noch 40 weitere Politiker, Militärs und Polizisten gegen etwa 900 inhaftierte Rebellen austauschen.
Weltweit bildeten sich Initiativen, die sich für ihre Freilassung einsetzten.
Seit Betancourt am 23. Februar 2002 im Südwesten des Landes verschleppt wurde, gab es kaum Nachrichten von ihr.
Die neueste stammte von Ende vergangenen Jahres. Stumm und verzweifelt wirkte die früher vor Vitalität sprühende Frau auf dem Video ihrer Entführer.
Davor hatte der nach mehr als achtjähriger Geiselhaft bei den FARC geflohene Polizist Jhon Frank Pinchao von ihr berichtet.
Die zierliche Frau habe fünf Fluchtversuche unternommen, erzählte er. Mit Gymnastik versuche sie, sich fit zu halten, mache sich Aufzeichnungen und schneide Artikel aus Zeitungen aus.
Betancourts Mann, Juan Carlos Lecompte, klagte nach einem Gespräch mit Pinchao, seine Frau sei zwar bei guter Gesundheit, müsse aber am Hals angekettet schlafen und werde "wie ein Tier" gehalten.
Die Grünen-Politikerin Betancourt hat sich vor allem als Kämpferin gegen die Korruption einen Namen gemacht.
Ihr Buch "Wut in meinem Herzen", das kurz vor der Entführung erschien, wurde inzwischen in zahlreiche Sprachen übersetzt und weltweit weit über eine halbe Million mal verkauft.
Auf mehr als 250 Seiten schildert sie ihren Kampf gegen eine politische Kaste, die sich hinter den Kulissen am Staatseigentum bedient und jede Veränderung über Parteigrenzen hinweg zu verhindern weiß.
Nach dem Studium der Politologie in Frankreich und dem Ende ihrer Ehe mit einem französischen Diplomaten (rechts, mit ihrem Sohn), aus der zwei Kinder stammen, kehrte sie 1990 nach Kolumbien zurück.
1994 wurde sie ins Parlament gewählt und gründete 1998 die Partei "Verde Oxígeno" (Grüner Sauerstoff).
Vier Jahre später errang sie ein Mandat für den Senat, das sie 2002 niederlegte, um sich um die Präsidentschaft zu bewerben. Wenig später wurde sie dann entführt.
Nun, nach ihrer Befreiung, appellierte Betancourt an den französischen Staatschef, sich für die verbleibenden Geiseln einzusetzen.
Sarkozy bekräftigte, dass er dies tun wolle. Frankreich sei außerdem bereit, FARC-Rebellen aufzunehmen, die ihre Waffen abgeben wollten.
Betancourt will zunächst viel Zeit mit ihrer Familie verbringen.
Sie sei froh, dass sie einen leeren Terminplan habe, den sie "mit Glück füllen" werde, sagte die ehemalige kolumbianische Präsidentschaftskandidatin.
Betancourt will sich aber auch für die 700 Geiseln einsetzen, die sich noch immer in den Händen der Farc befinden. Dem kolumbianischen Sender Caracol, der Nachrichten von Familienangehörigen der Geiseln ausstrahlt, sagte sie:
"Ich werde keinen Moment aufhören, für eure Freiheit zu kämpfen und Gesprächswege zu den FARC und den Ländern zu suchen, die uns helfen können." (Bilder: AP / dpa)
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