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Der Irak steht am Rande eines Bürgerkriegs.
Seit dem Anschlag auf den Schrein von Samarra am 22. Februar ...
...nehmen die irakischen Schiiten Rache.
Überall im Lande kommt es zu Angriffen, ...
Selbstmordanschlägen, ...
Erschießungen.
Niemand bleibt verschont.
Auslöser der neuen Welle von Gewalt ist der Anschlag auf eine der wichtigsten schiitischen Stätten im Irak, den al-Askari-Schrein in Samarra.
Der Schrein ist einer der vier großen schiitischen Schreine im Irak. Mit 72.000 goldenen Platten verkleidet, war er einer der größten Kuppelbauten in der islamischen Welt.
Hier liegen zwei Imame aus dem neunten Jahrhundert begraben, die den Schiiten als Nachfolger Mohammeds gelten.
Die Attentäter legten ihre Sprengsätze so, dass die mit Gold verkleidete Kuppel bei der Explosion einstürzte.
Die Zerstörung des Heiligtums gilt als eine gezielte Provokation.
Der iranische Präsident, Mahmud Ahmadineschad, nannte bereits unmittelbar nach dem Anschlag die Schuldigen: Israel und die USA.
Ähnlich sehen es einige Demonstranten im Irak. Sie geben den USA die Schuld und fordern den Abzug ihrer Soldaten.
Im Internet wirft eine Dachorganisation sunnitischer Rebellen, darunter der irakischen El Kaida, den Schiiten vor, den Anschlag auf den Schrein selbst begangen zu haben.
Damit wolle die Gemeinschaft ihre Angriffe auf die Sunniten rechtfertigen, heißt es in der Erklärung des "Rats der Mudschaheddin".
Darauf werde es "eine schockierende Reaktion" geben.
Die irakischen Schiiten selbst reagieren mit Entsetzen auf die Zerstörung ihres Heiligtums.
Das geistliche Oberhaupt der Gemeinschaft im Irak, Groß-Ajatollah Ali al-Sistani, ruft zu Demonstrationen auf.
Er erklärt eine Trauerzeit von sieben Tagen.
Zugleich verlangt er aber ausdrücklich Zurückhaltung von seinen Anhängern ...
... und fordert, sunnitische Moscheen nicht anzugreifen.
Trotz dieser Worte kommt es seit dem Anschlag von Samarra zu zahlreichen Anschlägen.
Immer wieder greifen aufgebrachte Schiiten sunnitische Moscheen an ...
.... und bringen Sunniten - aber auch andere Gläubige - um.
Allein bei einer vorgetäuschten Straßensperre im Süden von Bagdad töten Extremisten einen Tag nach der Zerstörung des Schreins von Samarra 47 Menschen.
Dabei ist es ihnen gleichgültig, dass es sich bei den Opfern sowohl um Sunniten als auch Schiiten handelt.
Diese hatten zuvor gemeinsam gegen den Anschlag auf den Schrein protestiert.
Seit langem schon schwelt der Konflikt zwischen Schiiten, die im Irak die Mehrheit der Bevölkerung stellen, und den Sunniten.
Die Sunniten saßen während der Herrschaft von Saddam Hussein an den Schalthebeln der Macht.
Nur wenige Schiiten schafften damals den Aufstieg in die oberen Ränge der Gesellschaft.
Eine schiitische Revolte im Süden des Landes schlug Saddam 1991 blutig nieder.
Mittlerweile haben sich die Verhältnisse umgekehrt. Seit den Wahlen am 30. Januar haben Kurden und Schiiten die Mehrheit im Parlament und stellen die Regierung.
Sunnitische Extremisten, darunter Anhänger des jordansichen El-Kaida-Teroristen Abu Mussab al-Sarkawi, können sich damit nicht abfinden.
Schon seit Mitte 2003 haben sie immer wieder verheerende Selbstmordanschläge verübt.
Opfer sind oft schiitische Geistliche und Gläubige, ...
Rekrutierungsbüros oder von Schiiten besuchte Marktplätze.
Die im Gegenzug verübten Morde an sunnitischen Persönlichkeiten durch schiitische Todesschwadrone sind oft weniger spektakulär.
Dennoch bringen sie die Sunniten im Irak nicht weniger auf.
Nach dem Anschlag auf den schiitischen Schrein warnt Präsident Dschalal Talabani, ein Kurde, eindringlich vor einer Eskalation der Gewalt: "Dieses abscheuliche Verbrechen warnt uns vor einer Verschwörung gegen das irakische Volk, die das Ziel hat, Krieg unter Brüdern anzustiften."
Dieser Krieg aber hat längst angefangen.
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