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Montag, 16. Juni 2014

Mit wehender Mähne in die Freiheit?: Iranische Frauen rebellieren auf Facebook

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Hübsche Frauen ... (Foto: Facebook)

Hübsche Frauen ...

Hübsche Frauen ...

... vor malerischer Kulisse: ...

... Unter normalen Umständen würde man solche Bilder vielleicht in einem dieser Themenkalender vermuten, die es seit einigen Jahren wie Sand am Meer gibt.

Motto diesmal: Bring deinen Lieblingsschal mit, egal ob um den Hals oder in den Händen.

Nur, dass der Schal im Fall dieser Frauen genau das Gegenteil eines Lieblingskleidungsstückes ist.

Sie alle sind Iranerinnen und per Gesetz dazu verpflichtet, ihren Kopf und vor allem die Haare mit dem Hidschab genannten Schal zu bedecken.

Wie kaum ein zweites islamisches Land ist der Iran hin- und hergerissen zwischen einer selbstbewussten, aufgeklärten und säkularen Jugend und einer bisweilen ultrareligiösen Führung.

Zu sehen bekommt man das moderne persische Gesicht im Westen zwar eher selten. Wenn, dann aber geballt - wie hier während der "Grünen Revolution" nach den Präsidentschaftswahlen 2009, als Hunderttausende Iraner gegen Wahlbetrug auf die Straße gingen.

Danach wurde es für lange Zeit zumindest an der Oberfläche ruhig. Doch tief unter dem Hidschab hat der Wille nach Selbstbestimmung längst Wurzeln geschlagen.

Die iranische Exil-Journalistin Masih Alinejad wusste die Zeichen der Zeit richtig zu deuten. Nachdem dieses in London aufgenommene Foto von ihren in der Heimat gebliebenen Freundinnen sehnsüchtig kommentiert wurde und später sogar gewaltige Wellen in der iranischen Facebook-Community schlug, war Alinejad überzeugt: "Ich bin nicht alleine mit meinem Wunsch nach Freiheit. Da draußen muss es noch andere geben." Sie postet ein Foto aus ihrer Teheraner Zeit, das sie barhäuptig am Steuer zeigt und fordert andere Frauen auf, es ihr gleichzutun.

Die Resonanz ist gewaltig: Nur einen guten Monat nach ihrem Start hat die Facebook-Seite #MyStealthyFreedom bereits 450.000 Likes gesammelt.

Aber dabei bleibt es nicht: Immer mehr Frauen folgen Alinejads Aufforderung und posten Fotos von sich - ohne Hidschab.

Manche von ihnen tun es im Schutz der Anonymität, ...

... manche verstecken zumindest ihr Gesicht hinter einer Sonnenbrille, ...

... immer mehr geben aber ganz bewusst ihre wahre Identität preis.

Und alle von ihnen haben eine Botschaft: Diese junge Frau hat sich ihres Hidschabs vor Persepolis entledigt. Die altpersische Residenzstadt steht mit ihrem "Tor aller Länder" symbolisch für Toleranz.

"Ich will die Freiheit der Wahl haben und nicht ein Stück Stoff, das mich einengt! Ich werfe es weg und seht her: Ich sehe immer noch wie ein Mensch aus", schreibt diese Iranerin unter ihr Foto.

Eine Einschätzung, die diese extrem verschleierten Frauen nicht teilen. Sie fordern die strafrechtliche Verfolgung der Aktivistinnen, obwohl sogar Irans Präsident Hassan Ruhani die Polizei dazu aufforderte, sensibel mit dem Thema umzugehen.

Was der Sicherheitsapparat anscheinend auch größtenteils tut: "Wir haben das Foto in der Anwesenheit von zwei Beamten gemacht. Die hatten ein gutes Herz und sind nur mit einem Lächeln an uns vorbeigegangen", schreibt dieses Pärchen.

Dass #MyStealthyFreedom sich quer durch alle Schichten zieht, zeigt dieses Bild: Mutter, Bruder und Schwester haben kein Problem mit ihrem unverschleierten Familienmitglied - "nur Vater darf davon nichts erfahren. Gut, dass er mit dem Internet nichts anfangen kann!"

Und auch diese Frauen zeigen, dass es ihnen gar nicht um ein Verbot der traditionellen Kopfbedeckung geht. Nur eine Wahl, die würden sie gerne haben.

Diese Frau bringt die Enttäuschung der Jugend über die Führer der Islamischen Revolution, die Ayatollahs Chomeini und Chamene'i, vor deren Bildnis auf den Punkt: "Was wir und unsere Eltern damals von euch wollten, ist genau das hier: Dass Frauen wie ich an einer Universität studieren dürfen - und zwar so, wie wir es möchten. Am Ende habt ihr uns das genaue Gegenteil gegeben."

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