John McCain ist ein amerikanischer Held. Er ist Senator aus Arizona und will Präsident der Vereinigten Staaten werden. Soweit herrscht Einigkeit.Bild 1 von 70 Alles weitere hängt vom Standpunkt des Betrachters ab. Die einen halten McCain für einen aufrechten Politiker, der Prinzipien über Parteidisziplin stellt.Bild 2 von 70 Andere sagen ihm nach, er sei kein Querkopf, sondern ein Querulant, jähzornig dazu.Bild 3 von 70 Selbst seine Prinzipientreue wird in Zweifel gezogen. Konservative Republikaner warfen McCain im Vorwahlkampf vor, er sei ein Wendehals. Vielleicht hängt das auch damit zusammen, ...Bild 4 von 70 ... dass McCain die religiöse Rechte einst als "Agenten der Intoleranz" bezeichnet hatte.Bild 5 von 70 Den Vorwurf, ein Wendehals zu sein, hat er geschickt entkräftet: "Ich bin ein konservativer Republikaner und stolz darauf", sagte McCain im Oktober 2007 auf einem "Value Voters Summit" - dem Treffen einer Lobby-Gruppe der christlichen Rechten.Bild 6 von 70 Und er fügte hinzu: "Ich weiß, Sie stimmen nicht in jedem Punkt mit mir überein, aber ich hoffe, Sie wissen, dass ich Sie nicht anlügen werde. ...Bild 7 von 70 ... Eins der wichtigsten Dinge im Leben ist unsere Selbstachtung. Ich erwarte nicht, dass Sie Ihre gegen leere Versprechen eintauschen. Und ich werde meine nicht für irgendeine Stimme tauschen."Bild 8 von 70 So spricht kein Wendehals. Auch andere republikanische Bewerber durften sich den "value voters" präsentieren. Die meisten redeten dem Publikum nach dem Mund - keiner so extrem wie Mitt Romney.Bild 9 von 70 Anschließend gab es eine Testwahl. Romney kam auf den ersten, McCain auf den sechsten Platz.Bild 10 von 70 Die Vorwahlen hat er dennoch gewonnen. Die "sozialen Konservativen", wie sie sich selbst nennen, sind jedoch verunsichert. Eine Minderheit wollte McCain verhindern und liebäugelte sogar mit einem eigenen Kandidaten.Bild 11 von 70 Das mochte in einigen Fällen lediglich als Signal an McCain gemeint sein, die Ziele der christlichen Rechten nicht aus den Augen zu verlieren.Bild 12 von 70 Angesichts der drohenden Alternative ...Bild 13 von 70 ... haben sich die weitaus meisten Konservativen am Ende zähneknirschend mit McCain arrangiert. Die liberalen Republikaner tun es ohnehin.Bild 14 von 70 Gouverneur Arnold Schwarzenegger unterstützt McCain, "weil ich an einer großartigen Zukunft interessiert bin". McCain sei ein "großer amerikanischer Held und ein außergewöhnlicher Führer".Bild 15 von 70 Das Stichwort "American hero" verweist auf McCains militärische Laufbahn. Sein Vater (im Bild rechts) und sein Großvater waren Navy-Admirale, er selbst absolvierte ebenfalls die Marineakademie (allerdings mit mäßigem Abschluss).Bild 16 von 70 Anschließend dient er als Marinepilot.Bild 17 von 70 1965 heiratet er die geschiedene Frau eines Mitschülers aus der Marineakademie und adoptiert ihre beiden Kinder. Ein Jahr später meldet er sich zum Kriegseinsatz.Bild 18 von 70 "Er folgte der McCain-Tradition des Dienstes am Vaterland", heißt es auf seiner Website, "als er darum bat, im Vietnam-Krieg Dienst zu leisten."Bild 19 von 70 Im Juli 1967 überlebt McCain knapp die Forrestal-Katastrophe: Auf dem Flugzeugträger "USS Forrestal" im Golf von Tonkin setzt eine fehlgezündete Rakete sein Flugzeug in Brand.Bild 20 von 70 Munition und weitere Flugzeuge fangen Feuer. Erst nach Stunden kann der Großbrand gelöscht werden. 134 Soldaten kommen ums Leben, hunderte werden verletzt. McCain überlebt.Bild 21 von 70 Einem Reporter der "New York Times" sagt er kurz nach dem Unglück, jetzt, wo er gesehen habe, "was die Bomben und das Napalm mit den Leuten auf unserem Schiff gemacht haben, ...Bild 22 von 70 ... bin ich nicht so sicher, dass ich noch mehr von dem Zeug auf Nord-Vietnam werfen möchte."Bild 23 von 70 Ein Ausscheiden aus der Navy kommt für ihn natürlich dennoch nicht infrage. Am 26. Oktober 1967 wird McCain bei einem Einsatz über Vietnam abgeschossen.Bild 24 von 70 Er kann sein Flugzeug mit dem Schleudersitz verlassen, bricht sich dabei jedoch ein Bein und beide Arme, stürzt in einen See und ertrinkt beinahe.Bild 25 von 70 Medizinische Versorgung bekommt er erst, als die Nordvietnamesen herausfinden, ...Bild 26 von 70 ... dass sein Vater ein Vier-Sterne-Admiral ist. Fünfeinhalb Jahre bleibt McCain in nordvietnamesischer Kriegsgefangenschaft, wo er verhört und geschlagen, später auch schwer gefoltert wird.Bild 27 von 70 Jahre später, als US-Senator, legt er sich im Streit um Verhörtechniken und das Lager Guantánamo mit Präsident Bush an: Folter lehnt McCain kategorisch ab. Er würde Guantánamo schließen, kündigt er an.Bild 28 von 70 Als der US-Senat im Februar 2008 jedoch einen Gesetzentwurf verabschiedet, der den US-Geheimdiensten die Anwendung von Folter verbieten soll, ...Bild 29 von 70 ... stimmt er dagegen. Der "New York Times" sagt er, der CIA müssten "besondere Maßnahmen" erlaubt sein - eine Abkehr von seiner bisherigen Position will McCain darin nicht erkennen.Bild 30 von 70 Den größten Teil seiner Kriegsgefangenschaft verbringt McCain im berüchtigten "Hanoi Hilton" - so nennen die US-Soldaten das Gefängnis Hòa Lò.Bild 31 von 70 Als ihm im Juli 1968 die Freilassung angeboten wird, lehnt McCain ab. Er will keine Vorzugsbehandlung. Erst im März 1973 kehrt er in die USA zurück.Bild 32 von 70 McCain bleibt in der Navy, zuletzt (von 1976 bis 1981) als Verbindungsoffizier zum US-Senat in Washington.Bild 33 von 70 1980 lässt er sich von seiner ersten Frau Carol scheiden und heiratet Cindy Lou Hensley (Bild), mit der er noch heute verheiratet ist.Bild 34 von 70 1982 wird er in Arizona ins US-Repräsentantenhaus gewählt. Im Wahlkampf helfen ihm seine Kontakte in Washington und das Geld seiner Frau. Es ist der Startschuss für seine politische Karriere.Bild 35 von 70 1986 schafft er den Sprung in den Senat. In den späten achtziger Jahren ist McCain in einen Finanz- und Spendenskandal verwickelt. Er übersteht die Affäre ...Bild 36 von 70 ... und macht saubere Wahlkampfgelder zu einem seiner Schwerpunktthemen. Ist er ein Opportunist? Oder einer, der aus Fehlern lernt? Die Wähler von Arizona halten zu ihm.Bild 37 von 70 Seit 1986 vertritt McCain seine Wahlheimat ohne Unterbrechung im Senat. Zuletzt wurde er Ende 2004 wiedergewählt - mit einer Zustimmung von knapp 77 Prozent.Bild 38 von 70 1999 kündigt McCain seine Bewerbung um das republikanische Ticket für die Präsidentschaftswahl im Jahr 2000 an. Favorit ist allerdings nicht McCain, sondern ein gewisser ...Bild 39 von 70 ... George W. Bush, gleichermaßen Kandidat des republikanischen Establishments und der religiösen Rechten.Bild 40 von 70 Doch nach einem engagierten Wahlkampf schlägt McCain Bush bei der Vorwahl in New Hampshire.Bild 41 von 70 Daraufhin beginnt eine beispiellose Schmutzkampagne gegen McCain. Diverse Gerüchte werden in die Welt gesetzt. Er sei homosexuell, er habe eine uneheliche Tochter aus einem Verhältnis mit einer Schwarzen.Bild 42 von 70 Wahrer Hintergrund des Gerüchts: McCain und seine Frau Cindy haben ein Mädchen aus Bangladesch adoptiert, Bridget.Bild 43 von 70 Doch die Methode funktioniert: Bush gewinnt South Carolina, McCain nach Arizona nur noch die Nordstaaten Michigan, Connecticut, Massachusetts, Rhode Island und Vermont.Bild 44 von 70 Kurz nach seiner Niederlage in den Vorwahlen lässt McCain einen Fleck im Gesicht untersuchen. Hautkrebs. Die Operation hinterlässt eine Narbe.Bild 45 von 70 Im Vorfeld der Präsidentschaftsvorwahlen von 2008 gilt McCain als Favorit. Im Sommer 2007 brechen jedoch seine Spenden ein. Er ist so gut wie pleite, in den Umfragen ist er im freien Fall.Bild 46 von 70 Als ein Grund für das drohende Aus im Sommer 2007 gilt eine Initiative in der Einwanderungspolitik gemeinsam mit Senator Edward Kennedy - für Republikaner die Verkörperung des Gottseibeiuns.Bild 47 von 70 McCain steigt um: Vom Flugzeug auf den Bus - auf den "Straight Talk Express", mit dem er bereits acht Jahre zuvor durch die USA gefahren war. Er führt jetzt den Feldzug des Außenseiters, der gut zu seinem Image passt.Bild 48 von 70 Und er schafft das Comeback. "Mac is back" skandieren seine Anhänger nach jedem Vorwahl-Sieg. Der mittlerweile 71-Jährige profitiert von den Defiziten seiner Mitbewerber:Bild 49 von 70 Mike Huckabee wirkt nicht seriös genug, Rudy Giuliani scheitert an einer völlig verkorksten Wahlkampfstrategie, Mitt Romney ist Mormone.Bild 50 von 70 Im Vergleich dazu fällt McCains hohes Alter - in der Geschichte der USA gab es noch keinen Präsidenten, der mit 72 Jahren ins Amt kam - kaum ins Gewicht.Bild 51 von 70 Das Altersargument kontert McCain mit einem spaßigen Verweis auf seine Mutter. Die sei 95 - "und wir nehmen sie überall hin mit".Bild 52 von 70 Im Wahlkampf setzt McCain auf seine militärische Vergangenheit ...Bild 53 von 70 ... sowie auf sein Image als prinzipienfester, aber moderater Konservativer. Er nennt sich "common sense conservative", einen vernünftigen Konservativen, ?Bild 54 von 70 ? der an eine "starke nationale Verteidigung" und eine kleinere Regierung glaubt, "an Wirtschaftswachstum und Chancen, an die Würde des Lebens und traditionelle Werte".Bild 55 von 70 Mittlerweile vertritt McCain beim Thema Einwanderung die Auffassung seiner Partei: zuerst die Grenzen sichern - die Eingliederung der Migranten, die schon da sind, kommt erst an zweiter Stelle.Bild 56 von 70 "Ready to lead on day one" heißt es auf seiner Website. McCain war für den Irak-Krieg und unterstützte die Truppen-Aufstockung auch gegen die öffentliche Meinung.Bild 57 von 70 Fortschritte im Irak kann er damit auch als seinen persönlichen Erfolg verkaufen.Bild 58 von 70 Im Irak kommt für ihn nur ein "Sieg" infrage - zur Not müssten die US-Truppen eben "100 Jahre" bleiben. Den Demokraten wirft er vor, sie würden den Irak dem Chaos überlassen.Bild 59 von 70 Als guter Republikaner will er die Steuersenkungspolitik fortsetzen - obwohl er im Senat gegen entsprechende Initiativen der Regierung Bush gestimmt hatte.Bild 60 von 70 Weniger typisch für einen Republikaner ist seine Haltung zum Klimawandel: Den hält er für eine Tatsache. Dass dies in den USA noch immer keine Selbstverständlichkeit ist, zeigt schon ein kurzer Blick auf die Websites der anderen republikanischen Bewerber.Bild 61 von 70 Wichtiger ist für ihn mittlerweile allerdings das Thema Energiesicherheit. Und hier setzt McCain vor allem auf Atomkraft.Bild 62 von 70 Die Kaukasus-Krise und die neue Konfrontation mit Russland helfen ihm. Unmittelbar vor dem Nominierungsparteitag der Demokraten holt er in den Umfragen auf.Bild 63 von 70 Mehr Wähler setzen offenbar auf den erfahrenen Außenpolitiker, der Russland gegenüber gern scharfe Töne anschlägt.Bild 64 von 70 Dies wäre ein Gebiet, auf dem Europa mit einem Präsidenten McCain Probleme haben könnte: McCains schroffer Umgang mit Russland wäre für europäische Regierungen ein Problem.Bild 65 von 70 Wenn der Schwerpunkt im Wahlkampf auf der Außenpolitik bleibt, hat McCain gute Chancen, ins Weiße Haus einzuziehen - obwohl er "älter als Dreck" ist, wie er selbst über sich sagt.Bild 66 von 70 Dennoch wäre sein Sieg eine Überraschung: Seine Reden sind uninspiriert und mit ungezählten "My friends" gespickt. Möglicherweise liegt gerade darin sein Erfolg: Er ist zwar so reich, dass er spontan nicht auf die Frage antworten konnte, wie viele Häuser er hat, ...Bild 67 von 70 ... doch er wirkt wie ein ganz normaler Typ von nebenan. Obama, der nicht schon seit Jahrzehnten zum Establishment gehört, wird von McCain erfolgreich als abgehoben dargestellt.Bild 68 von 70 McCains Wahlkampfteam macht sich in Fernsehspots über Obama lustig. Als "biggest celebrity in the world" stehe er auf einer Stufe mit Paris Hilton und Britney Spears.Bild 69 von 70 Mit einer ähnlichen Strategie war bereits Bush gegen den angeblich elitären John Kerry erfolgreich. (Text: Hubertus Volmer)Bild 70 von 70