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Berichterstattung über Nordkorea ist zu großen Teilen Kaffeesatzleserei: Meldungen über das abgeschottete Land kommen selten aus Nordkorea selbst, sondern aus Südkorea, Japan, China oder den USA.
Nun sind es Gerüchte um den Tod des Diktators. Vor kurzem erst wollte der südkoreanische Geheimdienst erfahren haben, dass der nordkoreanische Diktator Kim Jong Il sich wegen eines Schlaganfalls einer Hirnoperation unterziehen musste.
Bereits Mitte August 2008 sei Kim zusammengebrochen; Spezialisten aus China und Frankreich seien sofort nach Nordkorea gerufen worden, berichten südkoreanische Zeitungen. Die ausländischen Ärzte hätten die Hirnoperation ausgeführt.
In den letzten Monaten soll sich Kim auf dem Weg der Besserung befunden haben - angeblich. Während jedoch die südkoreanische Zeitung "Dong-a Ilbo" damals meldete, Kims Zustand sei nicht kritisch und es gebe keine Zeichen eines Machtkampfes in Pjöngjang, ...
... berichtete die Zeitung "Chosun Ilbo", dass Kim als Folge des Hirnschlags Lähmungserscheinungen zeige. Die südkoreanische Regierung berät bereits über mögliche Folgen eines Führungswechsels. Man wolle "vorbereitet sein, ...
... um auf jede Situation ohne Durcheinander reagieren zu können", sagte ein Sprecher des südkoreanischen Präsidenten schon vor Wochen.
International wurde registriert, dass Kim Jong Il bei den offiziellen Feiern zum 60. Gründungstag seines Staates fehlte.
Pompös inszenierte Militärparaden hatte er in den vergangenen Jahren stets gern als Bühne genutzt, um sich öffentlich zu zeigen.
An der Parade auf dem Kim Il Sung-Platz im Zentrum der Stadt nahmen keine regulären Streitkräfte teil.
Über die 75.000 Quadratmeter große Granitfläche marschierte Nordkoreas "Zivilarmee" - militärisch ausgebildete Arbeiter- und Bauernverbände.
Seit Mitte August 2008 gab es keinen öffentlichen Auftritt des "geliebten Führers", wie der offizielle Titel des Machthabers ist.
Neben Paraden sind Besuche in Schulen, Fabriken und Militärstützpunkten die einzigen Gelegenheiten, bei denen sich der öffentlichkeitsscheue Herrscher zeigt.
Wie es wirklich um Kims Gesundheit steht, ist unklar. Der nach offiziellen Angaben 66 Jahre alte Kim soll an einer Herzschwäche und an Diabetes leiden. Doch Berichte über Krankheiten des exzentrischen Diktators werden von Nordkorea als "Verschwörung" zurückgewiesen.
In Nordkorea ist alles Propaganda. Selbst Kims Geburtstag ist vermutlich gefälscht. Nach offiziellen Angaben kam er am 16. Februar 1942 im japanisch besetzten Norden Koreas zur Welt. Seine Geburt ist Teil der Heilsgeschichte, deren vorläufiger Höhepunkt Kim ist:
Eine Schwalbe habe seine Geburt angekündigt, über den Bergen sei ein doppelter Regenbogen und im Himmel ein neuer Stern erschienen. Die Wahrheit ist vermutlich profaner: Kim soll 1941 in einem Trainingslager der Roten Armee in Sibirien geboren worden sein.
Die Verehrung des Volkes muss Kim Jong Il auch 14 Jahre nach dem Tod von Kim Il Sung mit seinem Vater teilen: Offiziell ist Kim Il Sung der "Ewige Präsident" des Landes.
Riesige Statuen ...
... und ein gigantisches Mausoleum sorgen dafür, dass der bizarre Kult um Kim Il Sung nicht erlischt.
Präsident ist Kim Jong Il zwar nicht, die Macht hat er dennoch: Kim junior ist Generalsekretär der "Partei der Arbeit Koreas", Oberbefehlshaber der Streitkräfte und Vorsitzender des Nationalen Verteidigungskomitees.
Zahlreiche Skurrilitäten und Monstrositäten kursieren über Kim: Er soll tausende Hollywood-Filme gesammelt haben und ein großer Film-Fan sein. 1978 ließ er die südkoreanische Schauspielerin Choi Eun-hee (Bild) ...
... und ihren Ehemann, den Regisseur Shin Sang-ok, entführen; die beiden sollten eine nordkoreanische Filmindustrie aufbauen helfen. Acht Jahre später gelang ihnen die Flucht.
Aus Angst vor Anschlägen soll Kim mehrere Doppelgänger engagiert haben, die bei offiziellen Anlässen an seiner Stelle auftreten.
Ein japanischer Nordkorea-Experte behauptet gar, Kim sei schon 2003 an Diabetes gestorben. Die "Sunday Times" schreibt, südkoreanische Experten, die an zwei Gipfeln mit Kim teilgenommen hätten - eins vor, eins nach seinem angeblichen Tod -, hätten berichtet, ...
... dass Kim sich tatsächlich verändert habe. Das liege jedoch daran, dass er Gewicht verloren habe, aufgehört habe zu rauchen und statt Cognac nur noch Bordeaux trinke.
Kim soll hunderte Luxus-Autos besitzen, er toupiert seine Haare, ...
... trägt Schuhe mit Plateausohlen (er ist 157 cm groß) ...
... und groteske Sonnenbrillen.
Er soll eine Vorliebe für Schauspielerinnen und Tänzerinnen haben, ...
... hat Flugangst und benutzt daher für seine wenigen Auslandsreisen einen gepanzerten Zug ...
... und kann eigentlich alles.
Er ist jedoch alles andere als eine Witzfigur. Westliche Experten sehen in dem Staatschef einen ebenso geschickten wie rücksichtlosen politischen Überlebenskünstler, der eisern an der Macht festhält.
Noch zu Lebzeiten seines Vaters soll Kim Jong Il für diverse Anschläge verantwortlich gewesen sein. So soll er das Bombenattentat auf Südkoreaner 1983 in Rangun geplant haben, bei dem 17 südkoreanische Regierungsmitglieder getötet wurden.
Auch für den Anschlag auf ein südkoreanisches Flugzeug im November 1987, bei dem 115 Menschen starben, wird er verantwortlich gemacht. Die nordkoreanische Agentin Kim Hyon-hui (Bild) wurde wegen des Anschlags zum Tode verurteilt, später jedoch begnadigt.
Andrej Lankow, ein russischer Nordkorea-Experte, formuliert es so: Das Geheimnis von Kims Ausdauer sei seine "auffallende Gleichgültigkeit gegenüber dem Leiden des Volkes".
Die Zahl der politischen Gefangenen in Nordkorea wird auf 200.000 geschätzt.
Das Regime versammelt immer wieder Menschenmassen, um den Führer zu bejubeln.
Schätzungen zufolge verhungerten in den neunziger Jahren in Nordkorea bis zu 3,5 Millionen Menschen.
Das UN-Welternährungsprogramm (das auch dieses Foto veröffentlichte) sieht das Land nach den verheerenden Überschwemmungen 2007 erneut am Rande einer neuen Hungersnot.
Ausgaben für das Militär haben stets Vorrang. 2002 zählte US-Präsident Bush Nordkorea zur "Achse des Bösen". Drei Jahre später verkündete Pjöngjang, man besitze Atomwaffen. Im Oktober 2006 fand ein erster Atomwaffentest statt.
2007 sagte Nordkorea dann aber zu, sein Atomprogramm offenzulegen und eine Liste seiner nuklearen Aktivitäten vorzulegen. Dafür soll es umfangreiche Wirtschafts- und Energiehilfen bekommen.
Ende Juni 2008 sprengte Nordkorea zwar den Kühlturm seines Atomreaktors in Yongbyon. Doch dabei handelte es sich eher um eine symbolische Geste; die Umsetzung des Abrüstungsprogramms ist ins Stocken geraten.
Anders als sein Vater hat Kim bislang offenbar keinen Nachfolger erkoren - vermutlich könnte er dies auch nicht gegen die mächtigen Militärs durchsetzen. Es gilt als wahrscheinlich, dass nach Kims Tod eine Militärjunta die Macht übernehmen wird.
Von Kim sind drei Söhne bekannt. Der älteste davon, Kim Jong Nam (37), im Bild vorne rechts im Jahr 1981, soll bei seinem Vater in Ungnade gefallen sein, ...
... nachdem er vor einigen Jahren mit einem falschen Pass in Japan aufgefallen war (Bild). Die anderen beiden Söhne, Jong Chol (27) und Jong Un (24), dürften beide noch zu jung sein, um als Nachfolger angekündigt zu werden. (Bilder: AP, rts, dpa)
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