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Mittwoch, 15. Februar 2017

Raketen, Atomwaffen, Nordkorea: Kim Jong Un testet Donald Trump

Von Markus Lippold

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Das Regime scheint vor wenigen Tagen aber nicht nur eine ballistische Rakete getestet zu haben - sondern auch die Reaktion des neuen US-Präsidenten Donald Trump. (Foto: REUTERS)

Das Regime scheint vor wenigen Tagen aber nicht nur eine ballistische Rakete getestet zu haben - sondern auch die Reaktion des neuen US-Präsidenten Donald Trump.

Wieder einmal macht Nordkorea von sich reden.

Das Regime scheint vor wenigen Tagen aber nicht nur eine ballistische Rakete getestet zu haben - sondern auch die Reaktion des neuen US-Präsidenten Donald Trump.

Der freilich hielt sich auffällig zurück und schickte zunächst seinen Gast, Japans Premier Shinzo Abe vor, um den Test scharf zu verurteilen.

"Nordkorea ist ein großes, großes Problem. Wir werden uns sehr nachhaltig darum kümmern", sagt Trump erst Tage später.

Auch der UN-Sicherheitsrat verurteilt den Raketentest einstimmig als "ernsthafte Verletzung" von UN-Resolutionen - und droht "weitere bedeutende Maßnahmen" an. Selbst China stimmt diesem Text zu.

Bei dem nun getesteten Geschoss, das nach Angaben aus Pjöngjang erfolgreich ins Japanische Meer gefeuert wurde, handelt es sich um eine Pukguksong-2, eine "ballistische Mittel-Langstrecken-Rakete".

Demnach handelt es sich um einen neuen Typ eines strategischen Waffensystems - das auch mit atomaren Sprengköpfen bestückt werden kann und erstmals mit einem Festbrennstoff angetrieben wird, was die Vorbereitungszeit vor einem Raketenstart drastisch verkürzt.

Kein Wunder, dass Diktator Kim Jong Un höchstselbst den Verlauf des Tests überwacht, wie Propagandafotos zeigen sollen. Er habe mit "großer Zufriedenheit" reagiert.

Die Volksarmee könne ihre strategischen Pflichten jetzt "präziser und schneller an jedem Ort ausführen: unter Wasser oder auf dem Land", sagt Kim laut offizieller Darstellung.

Aus Südkorea heißt es, Tests wie dieser dienten der Weiterentwicklung ballistischer Interkontinentalraketen, die mit einem Atomsprengkopf auch eine Gefahr für die USA werden könnten.

Unklar ist aber, wie nah Nordkorea seinem Ziel bereits ist - denn es braucht dazu nicht nur funktionierende Langstreckenraketen, sondern auch passende Atomsprengköpfe.

In den USA glaubt man, dass das Land inzwischen zumindest atomar bestückte Mittelstreckenraketen erfolgreich abfeuern kann, ...

... weshalb in Japan nach dem jüngsten Test das Raketenabwehrsystem MIM-104 Patriot in Stellung ging (hier vor dem Verteidigungsministerium).

Südkorea entwickelt derweil mit den USA eine eigenes Abwehrsystem gegen die Bedrohung aus dem Norden.

Die nun von Pjöngjang gestartete Rakete soll eine "verbesserte Version" der Mittelstreckenrakete Musudan sein, heißt es aus Seoul.

Mit einer Reichweite von 2500 bis 4000 Kilometern ist die BM25 Musudan, die auf der russischen R-27-Rakete basiert, freilich keine Gefahr für Amerika.

Trotzdem dürfte der Raketentest nur ein Vorgeschmack auf das sein, was Trump in der Nordkorea-Frage bevorsteht.

Denn weder internationale Drohungen, noch Resolutionen des UN-Sicherheitsrates oder Sanktionen gegen das bitterarme Land haben Pjöngjang bisher von Tests neuer Raketen oder Atombomben abgehalten.

Etwa seit der Jahrtausendwende arbeitet Nordkorea - noch unter Machthaber Kim Jong Il - verstärkt an neuen Raketen und Atomwaffen.

1998 hatte erstmals eine Rakete vom Typ Taepodong-1 Japan überflogen - angeblich wurde so erfolgreich ein Satellit ins All gebracht, was international aber angezweifelt wurde.

Im Februar 2005 gab das Land bekannt, über einsatzfähige Kernwaffen zu verfügen und diese testen zu wollen, nachdem es jahrelang auch an Atomanlagen gebaut hatte.

Einen ersten Versuch führte das Land 2006 durch - internationale Experten konnten jedoch nur eine Detonation bestätigen, ob diese atomaren oder konventionellen Ursprungs war, blieb unklar.

Ohnehin handelte es sich demnach um eine Bombe mit eher geringer Sprengkraft.

Der Test rief, wie auch ein weiterer Versuch drei Jahre später, scharfe internationale Kritik, eine UN-Resolution und Sanktionen nach sich - südkoreanische Experten besichtigen hier 2009 die nordkoreanische Atomanlage in Youngbyon.

Alle Proteste brachten aber nicht viel: Obwohl Pjöngjang 2012 - nun unter Kim Jong Un - ein Moratorium für die Anreicherung von Uran unterzeichnete, …

… bezeichnete es sich noch im selben Jahr als Atommacht und zündete 2013 wohl erneut eine Atombombe.

Gleichzeitig testete das Land neue Interkontinentalraketen des Typs Taepodong-2. Sie können mit Atomsprengköpfen ausgestattet werden - und sollen inzwischen sogar die US-Westküste erreichen können.

Nordkorea freilich behauptet, die ballistische Rakete diene wissenschaftlichen Zwecken.

Mehrfach sollen mit einer Taepodong-2 - unter den Namen Unha-2 oder Unha-3 - Satelliten ins All gebracht worden sein.

Als international bestätigt gelten zumindest ein Fehlversuch im April 2012, aber auch erfolgreiche Raketenstarts im Dezember 2012 (Bild) und im Februar 2016.

Jener letzte Test fiel in eine besonders angespannte Zeit. Kurz zuvor, am 5. Januar 2016, testete Nordkorea nach eigenen Angaben erfolgreich eine Wasserstoffbombe.

Im April des Jahres folgte der Test einer Hilfsrakete für die Interkontinentalrakete KN-14.

Schließlich startete das Land noch im selben Monat erfolgreich eine ballistische Rakete von einem U-Boot aus.

Im September folgte ein weiterer Atombombentest - es soll der insgesamt fünfte gewesen sein.

Internationale Drohungen dagegen verliefen im Sand. Mehr als zwanzig Raketentests und zwei Atomtests soll Nordkorea allein 2016 durchgeführt haben.

Wie real die - meist im Staatssender verkündeten - Angaben aus Pjöngjang sind, ist allerdings höchst unklar, selbst unter ausgewiesenen Experten.

Immerhin: Die staatliche Nachrichtenagentur KCNA untermauert die Erfolgsgeschichten regelmäßig mit spektakulären Bildern, …

… auf denen sich nicht selten Machthaber Kim als Herr der Lage zeigt.

Hinzu kommen seine wiederkehrenden Drohungen, mal die USA, mal Südkorea dem Erdboden gleichzumachen.

Noch in seiner Neujahrsansprache kündigte Kim an, demnächst eine atomar bestückbare Interkontinentalrakete testen zu wollen.

Trump - damals noch nicht vereidigt - reagierte wie so oft auf Twitter: "Das wird nicht passieren", schrieb er.

Wie er das verhindern will ist nun aber eine ganz andere Frage.

Er wäre nicht der erste, dessen Kritik und Drohungen in Pjöngjang schlichtweg ignoriert werden.

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