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Donnerstag, 26. Februar 2015

Neue Slogans für Nordkorea: Kims sozialistisches Märchenland

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Vieles, was in westlichen Medien über Nordkorea zu lesen ist, ist unfreiwillig komisch. (Foto: REUTERS)

Vieles, was in westlichen Medien über Nordkorea zu lesen ist, ist unfreiwillig komisch.

Vieles, was in westlichen Medien über Nordkorea zu lesen ist, ist unfreiwillig komisch.

Kim Jong Un in seiner "Air Force Un" - wenn sich der füllige Machthaber von der Halbinsel in Szene setzt, erntet er dafür häufig Hohn und Spott.

Auch seine Angewohnheit, sich Tag für Tag vor Ort über den Fortgang der heimischen Produktion zu informieren, …

… inspiriert Beobachter im Westen zu Scherzen.

Jüngste Quelle für hämische Kommentare sind 310 neue Propagandaslogans.

Kommerzielle Werbung ist im erzkommunistischen Nordkorea verboten, die einzigen Plakate, die aufgehängt werden dürfen, stammen von der Regierung selbst.

Gezeichnete Parolen, die die Überlegenheit des eigenen Systems und des eigenen Volks beschwören, sollen die rund 25 Millionen Nordkoreaner auf Parteilinie halten.

Vieles von dem, was das Regime zum 70. Jubiläum der Staatsgründung propagiert, ist reichlich bizarr. Eine kleine Auswahl:

"Lasst uns durch vereinten Einsatz das ganze Land in ein sozialistisches Märchenreich verwandeln."

Märchenhaft geht es hier allerdings nicht zu. Bittere Armut, Hunger, Kälte, mangelhafte Stromversorgung - das ist die Lebenswirklichkeit der meisten Menschen. Und wer sich beklagt, wird ins Lager gesperrt. Nur die wenigsten verlassen es lebend.

Anspruch und Realität klaffen in Nordkorea weit auseinander. Tatsächlich besteht in dem Land eines der letzten sozialistischen Systeme auf der Welt.

Am meisten leiden die Nordkoreaner unter Hunger. Gleich mehrere Slogans befassen sich daher mit der Nahrungssituation in dem Land.

"Lasst Früchte herabregnen und ihr süßes Aroma die Luft über dem Meer von Apfelbäumen am Fuß des Chol-Passes erfüllen!" Was nach paradiesischen Zuständen klingt, zielt weit an der Lebenswirklichkeit der Menschen vorbei.

Auf den gemeinschaftlich bepflanzten Flächen wird zu wenig produziert, um die Bevölkerung zu ernähren (im Bild: Arbeiterinnen auf einer Obstplantage vor den Toren Pjöngjangs).

Das Regime verfolgt daher eine Industrialisierung der Produktion. "Lasst den heftigen Wind der Fischzucht über das Land wehen", fordert der Propaganda-Apparat. Und: …

"Pflanzt großflächig Gemüse in Gewächshäusern an!" Die Ideen sind schlüssig. Doch tatsächlich fehlt es vielerorts an allem, um sie umzusetzen.

Vieles mutet geradezu ulkig an. "Lasst uns das Land in ein Land der Pilze verwandeln", lautet einer der Sprüche. Und zwar durch einen "wissenschaftlichen, intensiven und industrialisierten Anbau".

Pilze sind tatsächlich ein wichtiger Bestandteil der koreanischen Küche. Der Führer soll sie lieben.

Doch in die Kochtöpfe des Volkes gelangen sie nicht. Millionen Menschen hungern in Kims Reich. Privilegiert sind einzig die Eliten des Landes und …

… Angehörige des Militärs. Überhaupt ist das Wohl der Soldaten in Nordkorea von größter Bedeutung.

"Lasst die Ehefrauen der Offiziere verlässliche Helfer ihrer Gatten sein", heißt ein weiterer Propagandaslogan.

Dabei müssen Frauen ebenso wie Männer arbeiten und zum Militär.

In der nordkoreanischen Gesellschaft sind Frauen - entgegen der offiziellen Staatsdoktrin - aber nicht gleichberechtigt. Der Slogan stellt das noch einmal unter Beweis.

An oberster Stelle steht für Nordkoreas Propaganda die Konkurrenz zum Klassenfeind - technologisch, wirtschaftlich und militärisch.

"Produziert mehr qualitativ hochwertige Konsumgüter, die besser sind als die der Konkurrenz auf dem Weltmarkt!" Das klingt markig, doch …

… in keiner Branche ist "Made in North Korea" ein Kennzeichen für Qualität. Die Außenhandelsbilanz ist deutlich negativ, Exportländer sind fast ausschließlich Südkorea, China und Japan.

Viele Slogans unterstellen Angriffspläne des Südens und der USA. "Sollte es der Feind wagen, in unser Land einzumarschieren, vernichtet ihn bis auf den letzten Mann." Tatsächlich steckt Nordkorea große Summen des Staatshaushalts in die Rüstung.

Mit 1,2 Millionen aktiven Soldaten und rund 4,7 Millionen Reservisten gehört die Volksarmee zu den größten der Welt.

Allerdings besticht sie eher durch Masse als durch Klasse. Mangelernährung und schlechte Ausrüstung schmälern die Kampfkraft.

Die Lösung könnte körperliche Ertüchtigung sein, denken sich die Propagandaoffiziere und texten: "Treibt Sport auf eine aggressive Art!" Auch, um bei internationalen Sportereignissen Erfolge zu feiern.

Tatsächlich sind Sportler aus Nordkorea selten in den Medaillenrängen, wenn sich die Welt etwa bei Olympischen Spielen misst. Bei Olympia 2012 in London gab es gerade einmal sechs Medaillen - allesamt im Gewichtheben und beim Judo.

Trotz aller Unstimmigkeiten: In Nordkorea glauben viele Menschen den Parolen des Regimes. Es fehlt schlicht an unabhängigen Informationen. (jog)

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