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Das Zentrum von Athen war am Abend des 8. Dezembers 2008 ein Flammenmeer.
Gewaltbereite, autonome Demonstranten hatten ihre zerstörerische Wut an Bauten, Geschäften und Autos ausgelassen.
Sie warfen Molotow-Cocktails, plünderten und brandschatzten.
Verängstigte Passanten flohen, Ladenbesitzer eilten mit Tränen in den Augen vergebens um Hilfe.
Resignierte Feuerwehrleute entgegneten am Telefon auf die Frage, wo es brennt: "Fragen Sie uns lieber, wo es nicht brennt!".
Alle Feuerwehrkräfte der Hauptstadt seien im Einsatz, sagte ein Sprecher, die Zwischenfälle könnten nicht mehr gezählt werden.
Dutzende Menschen wurden verletzt. "Hier herrscht Krieg. Holt uns hier raus", riefen verzweifelte Bewohner aus dem Zentrum Athens telefonisch um Hilfe.
48 Stunden nach dem Tod eines 15-jährigen Schülers in Athen war die Gewalt in Griechenland völlig außer Kontrolle geraten.
Andreas Grigoropoulos war am Samstagabend in Athen bei Zusammenstößen linksextremer Gruppen und der Polizei erschossen worden.
Die genauen Umstände sind noch unklar. Nach ersten Polizeiangaben hatte der Jugendliche im Athener Stadtviertel Exarchia mit etwa dreißig anderen Autonomen einen Polizeiwagen mit Steinen beworfen.
Ein Polizist stieg demnach aus dem Auto, um die Jugendlichen aufzuhalten, und traf den 15-Jährigen tödlich in die Brust.
Der 37 Jahre alte Polizist, der den Schuss abgegeben haben soll, sagte aus, er habe drei Warnschüsse abgefeuert. Einer davon habe den Jugendlichen als Querschläger getroffen.
Nach Darstellung von Augenzeugen soll es jedoch nur zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen den Autonomen und der Besatzung des Polizeiwagens gekommen sein.
Anschließend habe der Polizist direkt in die Richtung des Jungen geschossen. "Es war kaltblütiger Mord", meinte ein Augenzeuge im Radio.
Der griechische Staatspräsident Karolos Papoulias übte indirekt Kritik an dem Vorgehen der Polizei. Die Rechtstaatlichkeit sei durch diese Ereignisse verletzt worden.
Mittlerweile sitzen zwei Polizisten wegen der tödlichen Schüsse in Untersuchungshaft. Dem Schützen wird vorsätzliche Tötung, einem weiteren Beamten Mittäterschaft vorgeworfen.
Der Fall ruft Erinnerungen an den Tod von Michalis Kaltezas wach, der 1985 als 15-Jähriger ebenfalls im Viertel Exarchia während einer Demonstration von einem Polizisten erschossen worden war. Sein Tod war über mehrere Jahre hinweg immer wieder Anlass für Krawalle.
"In meiner mehr als 30-jährigen Karriere habe ich keine derartigen Verwüstungen gesehen", meinte der Präsident des griechischen Journalistenverbandes, Panos Sombolos, im Fernsehen.
Am Montagmorgen ebbten die Ausschreitungen in Athen und anderen Städten nur kurzfristig ab.
Aus Protest blieben am Montag alle Schulen geschlossen. "Viele Schüler haben die Gebäude besetzt. Wir Lehrer streiken für drei Tage", sagte der Präsident der Lehrergewerkschaft, Dimitris Bratis.
In einigen Straßenzügen in Athen und im nordgriechischen Thessaloniki sah es bereits am Montag aus wie in einem Bürgerkrieg. Mehr als 500 Angestellte der Stadt versuchten, die Autowracks aus den Straßen zu entfernen.
Doch es half nicht: Am Montag eskalierte die Situation erneut. Nach friedlichen Protesten von rund 10.000 Demonstranten kommt es im Zentrum der griechischen Hauptstadt zu schweren Krawallen.
Rund 4000 gewaltbereite Autonome zerstörten, was ihnen in den Weg kam.
"In meiner mehr als 30-jährigen Karriere habe ich keine derartigen Verwüstungen gesehen", meinte der Präsident des griechischen Journalistenverbandes, Panos Sombolos, im Fernsehen.
Die Polizei setzte massiv Tränengas ein, was aber ohne merkbare Wirkung auf die Randalierer blieb.
Schlimm war die Situation auch in der Hafenstadt Thessaloniki. Auch dort plünderten Autonome Banken, Geschäfte und steckten Autos in Brand
Krawalle wurden auch von der Mittelmeerinsel Kreta sowie aus Patras, Larissa, Piräus (Foto) und anderen Städten des Landes gemeldet.
In Athen brannte selbst der 20 Meter hohe Weihnachtsbaum der Stadtverwaltung lichterloh.
"Es gibt keine Staatsmacht mehr. Es ist schlimm", kommentierten Reporter aus dem Athener Stadtzentrum.
Einige Tausend "Vandalen" hätten den griechischen Staat praktisch ausgeschaltet, hieß es. "Das griechische Lumpenproletariat hat heute Nacht die Bühne betreten", bewerteten es andere Kommentatoren.
Schon seit Jahrzehnten verüben Autonome in der griechischen Hauptstadt fast jede Nacht Brandanschläge. Ihre Attacken richten sich gezielt gegen Banken, Vertretungen multinationaler Unternehmen und Polizeistationen, ...
... dagegen verschonen sie in der Regel die Geschäfte der "kleinen Leute" wie Kneipen oder Imbissbuden. Mit ihren Anschlägen "kommentieren" sie das nationale wie internationale politische Geschehen.
Die Autonomen kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten. Der 15-Jährige, der am Samstagabend Opfer der tödlichen Polizeikugel wurde, war der Sohn eines bekannten Athener Schmuckhändlers.
Die griechische Autonomenbewegung sieht ihre Ursprünge in der Zeit des Widerstandes gegen die Obristenjunta (1967-1974). Vor allem der Stadtteil Exarchia im Zentrum Athens ist seit Jahren eine Art "verbotene Stadt" für die Sicherheitskräfte.
"Am späten Samstagabend lief alles schief", meint Alexis Papahelas, Chef der konservativen Athener Zeitung "Kathimerini". "Und das zwingt uns hier und jetzt, die Antwort auf die Frage zu finden, wie lange wir noch die Gesetzlosigkeit in diesem Stadtteil dulden."
Innenminister Prokopis Pavlopoulos steht vor einer schwierigen Aufgabe. Auf keinen Fall will er mit der Brechstange der Staatsgewalt vorgehen: "Wir müssen die Menschenrechte achten und den Chaoten das Handwerk legen. Das ist nicht so leicht." (Fotos: AP, rts, dpa)
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