Suche
hier klicken, um den Ort für die Startseite festzulegen
Berlin
17
SA 9° / 23°
SO 12° / 22°
Politik

2006: Kriege und schwere Konflikte

 
Auch jenseits des Irak-Krieges ist unsere Welt kein friedlicher Ort.

Auch jenseits des Irak-Krieges ist unsere Welt kein friedlicher Ort.

Das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung benennt für 2006 insgesamt 278 politische Konflikte.

Sechs davon werden als Kriege eingestuft, 2005 waren es noch zwei.

Die genannten Kriegsregionen 2006: Darfur, Irak, Afghanistan, Somalia, Sri Lanka und der Libanon.

Ein weitere Auseinandersetzung, noch nicht von den Konfliktforschern erwähnt, kommt Ende 2006 hinzu: Der äthiopisch-somalische Krieg.

Bereits seit drei Jahren dauern die Kriege in Darfur und im Irak an - und die Gewalt nimmt weiter zu.

Tag für Tag kommt es im Irak zu blutigen Anschlägen. Schätzungen gehen von Zehntausenden von Zivilisten aus, die seit Beginn des Irak-Kriegs im Jahr 2003 ums Leben gekommen sind. Nach Berechnungen von Wissenschaftlern der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore sind schätzungsweise rund 650.000 Menschen durch Kriegsfolgen gestorben.

Der Konflikt zwischen Schiiten und Sunniten, unterschiedlichen islamischen Glaubensgruppen, verschärft sich 2006 weiter.

Täglich sterben bei Anschlägen auf Rekrutierungszentren, Moscheen, Märkte und Regierungsgebäude Dutzende Menschen - die meisten von ihnen Zivilisten.

Der Irak wird zudem durch die mit El Kaida verbundene Zarkawi-Gruppe bedroht. Diese ist auch nach der Tötung von Terrorchef Musab al Zarkawi weiterhin aktiv.

Auch in der westsudanesischen Region Darfur leidet die Zivilbevölkerung unter dem anhaltenden Konflikt. Seit 2003 wurden hier mehr als 200.000 Menschen ermordet. Zumeist arabischstämmige Reitermilizen vertreiben ethnische Gruppen afrikanischer Herkunft.

Inzwischen bekämpfen sich die verschiedenen arabischen Milizen auch untereinander und greifen verstärkt humanitäre Helfer an.

Afghanistan erlebt die blutigste Zeit seit dem Sturz der Taliban 2002.

Seit Dezember 2005 sind mehr als 3.700 Menschen in dem "Nun-wieder-Krieg" zwischen den wiedererstarkten Taliban und der Regierung von Hamid Karsai gestorben.

Der Konflikt zwischen Israel und der von Libanon aus operierenden Hisbollah eskaliert im Sommer 2006. Israel startet gegen die Raketenangriffe aus dem Nachbarland eine Luft-, Wasser- und Bodenoffensive.

Israels Luftwaffe fliegt nach eigenen Angaben während der Kampfhandlungen 15.500 Einsätze über dem Libanon und greift dabei 7.000 Ziele an. Die israelische Marine nimmt 2.500 Ziele entlang der libanesischen Küste ins Feuer.

Hunderte Menschen sterben, Hunderttausende fliehen vor den Kämpfen. Nach 34 Tagen und langem diplomatischen Tauziehen kommt ein Waffenstillstand zu Stande.

Der Waffenstillstand wird seitdem weitgehend eingehalten und die israelischen Truppen ziehen sich stufenweise aus dem Libanon zurück. Gleichzeitig haben Einheiten der libanesischen Armee und der UNIFIL Stellungen im südlichen Libanon bezogen.

Die Konflikte in Somalia und Sri Lanka, die sich zwischenzeitlich beruhigt hatten, brechen im Jahr 2006 mit neuer Gewalt aus.

Im Juli 2006 erklärt ein Anführer der Tamilen-Rebellen in Sri Lanka den Waffenstillstand für nichtig, nachdem bei einem Anschlag auf einen Reisebus mehr als 60 Menschen ums Leben gekommen waren.

Nach Schätzungen des Roten Kreuzes flüchten Anfang August bis zu 30.000 Menschen aus der überwiegend von Moslems bewohnten Stadt Mutur, wo der Bürgerkrieg wieder aufflammt. Im August verschärfen sich die Gefechte massiv.

Alleine am 12. August werden weit über 200 Menschen getötet, darunter ein ranghoher Vermittler im Friedensprozess.

Auch Somalia ist weit entfernt vom Frieden. Seit 1991 existiert hier keine funktionierende Regierung mehr. Konflikte entzünden sich häufig zwischen der Minderheit sesshafter Ackerbauern und der nomadisch lebenden Mehrheit um knappes Wasser und Land.

Der persönliche Machthunger von Clanführern und Kriegsherren fordert zudem mehrere hundert Opfer. Friedensbemühungen der Arabischen Liga und der Afrikanischen Union sind bislang ergebnislos geblieben.

Ende Dezember kommt es zwischen Äthiopien und islamistischen Verbänden, die Mogadischu und andere Teile Somalias kontrollieren, zu einem Krieg. Innerhalb weniger Tage fordert er rund 1.000 Tote.

Äthiopien und Somalia gelten als Erzfeinde. Äthiopien hat bereits mehrfach Truppen in das Nachbarland geschickt, um islamistische Gruppen zu bekämpfen.

Dahinter steckt die Furcht, dass die Islamisten aus Somalia ihren Einflussbereich auch auf äthiopisches Gebiet ausdehnen könnten.

Die Sorge ist nicht unbegründet: Bereits im Herbst 2006 ruft Scheich Mukhtar Robow Ali, auch bekannt als Abu Mansour, in Mogadischu zum Heiligen Krieg gegen Äthiopien auf.

Äthiopien ist aber noch in einen weiteren bilateralen Konflikt verwickelt.

So gibt es mit Eritrea Uneinigkeiten über den Grenzverlauf im Nordwesten der Provinz Tigray, die bereits 1998 zum Eritrea-Äthiopien-Krieg geführt haben.

Insgesamt, so die Feststellung der Konfliktforscher, nehmen in Schwarzafrika die Spannungen im Jahr 2006 weiter zu. Wurden 2005 hier noch neun schwere Krisen gezählt, so sind es im Jahr 2006 bereits 15. Ein Grund für die Eskalation: Die regionalen Konflikte verschärfen sich weiter.

Der Krieg in Darfur greift auf das Nachbarland Tschad über. Die arabischstämmigen Reitermilizen setzen den Flüchtlingen aus Darfur nach und bringen auch im Tschad Tod und Zerstörung mit sich.

Verschiedene Clans streiten unter anderem um Bodenschätze und den Zugang zur knappen Ressource Wasser.

Das von Dürre geprägte Land gibt für die sesshafte Bevölkerung, die Nomaden und die Flüchtlinge aus dem Sudan nicht genug her. Auch das schürt den Dauerkonflikt zwischen Sudan und Tschad.

Im Tschad kämpfen verschiedene Rebellengruppen zudem gegen die Regierung von Präsident Idriss Deby.

In der angrenzenden Zentralafrikanischen Republik spitzt sich indes der Konflikt zwischen Rebellen und der Regierung von Francois Bozizé zu.

Die Kämpfe konzentrieren sich in den nördlichen Präfekturen Ouham, Ouham-Pende und Vakaga, an der Grenze zum Tschad. Zehntausende sind auf der Flucht.

Auch die an Bodenschätzen reiche Demokratische Republik Kongo, ehemals Zaire, ist von schweren Krisen erschüttert. Aufgrund seiner Instabilität gilt das Land als "zerfallener" Staat. Nach UN-Schätzungen werden jeden Tag 1.000 Menschen Opfer von Gewalttaten.

Durch Misswirtschaft, Bürgerkrieg und Korruption gibt es kaum mehr eine Verwaltung und ordentliche Infrastruktur. Das Sozialsystem des Landes zählt zu den schlechtesten der Welt. Zwischen 1992 und 2000 lag der Anteil der Staatsausgaben für Gesundheit und Bildung bei null Prozent, für das Militär bei 18 Prozent.

Im Osten flammen 2006 die Kämpfe wieder auf. Die territoriale Integrität des Landes ist hier kaum mehr gegeben. Die Nachbarn Uganda, Ruanda und Burundi fachen durch Besetzung der östlichen Provinzen der Bürgerkrieg immer wieder an. Grund für die Einmischung: Gold, Diamanten, Kobalt und viele andere Bodenschätze.

In einem Bericht des UN-Generalsekretärs heißt es: "Die Ausbeutung der natürlichen Reichtümer des Kongo durch ausländische Armeen ist zum System geworden ... Die kriminellen Zusammenschlüsse verfügen über Verzweigungen und Verbindungen auf der ganzen Welt und sie stellen für die Sicherheit der Region ein überaus ernstes Problem dar."

Der Kampf um Rohstoffe ist auch ein Grund für den Konflikt in Niger.

Im Niger-Delta kommt es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen Mitarbeitern von Ölfirmen und der Bewegung für die Emanzipation des Niger Delta (MEND).

Regelmäßig werden Ölleitungen attackiert, Mitarbeiter der Olfirmen entführt oder getötet.

Insbesondere nach dem Ende der Militärdiktatur 1999 haben sich in Nigeria zahlreiche Bürgerwehren, Schutztruppen, Milizen, Geheimbünde und Gangs formiert. Diese verstehen sich teils als ethnische, teils als religiöse, teils als politische Bewegungen.

Seit 2004 sind mehr als 1.000 Menschen bei Zusammenstößen zwischen Muslims und Christen getötet worden.

Rund 200.000 Menschen werden vertrieben.

Einen größeren Konflikt gibt es auch im Senegal. Nach einem Waffenstillstand von 2005, der einen 24-jährigen Konflikt beenden sollte, steigen 2006 die Spannungen wieder.

Einige Mitglieder der Rebellenbewegung "Bewegung der Demokratischen Kräfte von Casamance" (MFDC) unter Salif Sadio weigern sich, den Friedensvertrag anzuerkennen.

In der Grenz-Region zum Nachbarland Guinea-Bissau kommt es zu Kämpfen. In Guinea-Bissau werden etliche Dörfer zerstört, 7.500 Menschen fliehen. In Casamance, an der Grenze zu Gambia, gibt es ebenfalls Gefechte, im Herbst startet die Regierung eine Gegenoffensive. Tausende fliehen.

Nördlich der Sahara, in den Maghreb-Staaten, verzeichnen die Konfliktforscher ebenfalls schwere Krisen. Besonders tut sich in Algerien die Salafisten-Gruppe für Predigt und Kampf (GSPC) hervor. Sie ist eine islamistische Gruppierung, offenbar mit Verbindungen zum Terrornetzwerk Al-Kaida.

Seit Oktober 2006 verstärkt sie ihren Kampf und greift in Algier zwei Polizeistationen an. Dies sind die ersten Angriffe auf Polizeistationen seit fünf Jahren.

Ebenfalls von Konflikten erschüttert: Der Jemen. 2006 kommt es verstärkt zu Rebellenangriffen unter Badr al-Din al-Houthi mit Dutzenden Toten.

Der Nahe Osten ist ein Dauer-Krisenherd. 2006 gibt es hier weltweit die meisten Kriege. Und auch die Konfliktrate ist pro Land am höchsten.

Der Konflikt Israels mit den Palästinensern steht dabei besonders im Blickfeld der Weltöffentlichkeit.

Seit Jahren verüben radikale Palästinenser immer wieder Selbstmordanschläge, ...

... die israelische Soldaten trotz militärischer Überlegenheit nur begrenzt verhindern können.

Allein im Sommer 2006 sterben bei der israelischen Offensive im Gazastreifen rund 300 Palästinenser. Die israelische Menschenrechtsgruppe B'Zelem zählt für das Jahr 2006 insgesamt 660 durch den Konflikt getötete Palästinener - mehr als drei Mal so viel wie im Jahr zuvor. Auf israelischer Seite gibt es 23 Tote.

Weniger im Blickpunkt der Öffentlichkeit steht der Kurden-Konflikt in der Türkei.

In den Städten Mamaris, Istanbul und Diyarbakir werden bei Bombenanschlägen 2006 zahlreiche Menschen verwundet und getötet.

Nordöstlich von der Türkei schwelt seit 1989 der Tschetschenien-Konflikt.

Bewaffnete Zusammenstöße, Attentate, Entführungen sind an der Tagesordnung. Das ursprüngliche Ziel der tschetschenischen Aufständischen, die Unabhängigkeit ihrer Republik, vermischt sich zunehmend mit religiös-fundamentalistischen Zielen.

Im Juli 2006 stirbt der tschetschenische Rebellenführer Schamil Bassajew in Inguschetien. Russland zufolge wird er während einer Spezialoperation getötet, tschetschenische Rebellen sprechen von einem Unfall.

Mehr und mehr verlagert sich der Konflikt inzwischen in die angrenzenden nördlichen Kaukasusrepubliken.

Asien und Ozeanien ist in absoluten Zahlen die Region mit den meisten Konflikten. 90 politische Konflikte werden hier gezählt. Insgesamt steigt die Gewalt in der gesamten Region an.

Mit der Teilung Britisch-Indiens 1947 wurde Kaschmir zu einem potenziellen Konfliktherd. Seit 1986 kämpfen verschiedene Gruppierungen im mehrheitlich muslimischen Kaschmir für die Unabhängigkeit ihres Landes oder den Anschluss an Pakistan.

Fast täglich kommt es im indischen Teil Kaschmirs, im Bundesstaat Jammu und Kashmir, zu Zusammenstößen von militanten Kaschmiris und Pakistanis mit indischen Sicherheitskräften. Wöchentlich werden Zivilisten von Separatisten entführt oder getötet. Die Regierung beschuldigt die Separatisten, El-Kaida-Verbindungen zu haben.

Auch in anderen Teilen Indiens gibt es Anschläge, die kaschmirische Separatisten, islamistische Terrororisten oder Maoisten verübt haben sollen.

In Indiens Nachbarland Myanmar, ehemals Birma, eskaliert seit November 2005 der Konflikt zwischen Rebellen und der Militärjunta.

In den Bergregionen kämpfen Separatisten für einen unabhängigen Karenstaat. Mit Zwangsumsiedlungen will das Militär Kontrolle über Rückzugsgebiete der Rebellen gewinnen. Bis zu 20.000 Menschen müssen ihre Heimat verlassen.

Der Konflikt im pakistanischen Belutschistan schwelt seit der Unabhängigkeit des Landes. Rebellen aus den belutschischen Stämmen kämpfen für die Unabhängigkeit der Region an der Grenze zu Afghanistan.

2006 eskaliert der Konflikt, nachdem die pakistanische Armee im Dezember 2005 eine größere Operation gegen die Aufständischen gestartet hatte.

Am 26. August wird der einflussreiche Stammesführer Nawab Akbar Khan bei Gefechten getötet. Hunderte von Anhängern werden bei den folgenden Protesten festgenommen.

Ebenfalls in Pakistan liegt Waziristan. Auch hier verläuft der Konflikt zwischen lokalen Stämmen und der Zentralregierung.

Die Regierung wirft den paschtunischen Stämmen vor, die Taliban und El Kaida zu unterstützen. Schlagzeilen macht dieser Konflikt, wenn Gerüchte über US-Luftangriffe auf mutmaßliche Terror-Stützpunkte verbreitet werden.

Häufiger sind jedoch Anschläge und Gefechte. Am 5. September wird ein Waffenstillstand vereinbart, der nicht hält. 500 Menschen sollen dem Konflikt 2006 zum Opfer gefallen sein.

Auf den Philippinen hält der Konflikt zwischen der Terrorgruppe Abu Sayyaf und Regierungstruppen seit Anfang der 1990er Jahre an. Die El-Kaida-nahe Gruppe fordert einen separaten, islamischen Staat im Süden der Philippinen.

Abu Sayyaf kämpft mit Anschlägen, Entführungen und Überfällen. Immer wieder kommt es auch zu militärischen Zusammenstößen zwischen Armee und Rebellengruppen.

In den südlichen Provinzen Thailands eskaliert der Konflikt zwischen muslimischen Separatisten und der Regierung. Bei Anschlägen sterben mindestens 700 Personen.

Auch nach dem Militärputsch im September 2006 dauert das Morden an. Vergeblich bemüht sich Premierminister Sarayud Chulanont um Friedensgespräche.

Auf dem amerikanischen Kontinent machen die Konfliktforscher nur einen schweren Konflikt aus: In Kolumbien. Das Land leidet seit Jahrzehnten unter bewaffneten Konflikten. Der mit Abstand blutigste ist der zwischen Militär und der kommunistischen FARC-Guerilla.

Gegen die FARC und andere linksgerichtete Gruppen kämpfen allerdings auch rechte Paramilitärs. Die Zivilbevölkerung leidet unter Kämpfen und Anschlägen, die sowohl von Guerillagruppen als auch von Paramilitärs verübt werden. Entführungen und politische Morde sind an der Tagesordnung.

Teile des Landes werden von den Guerillagruppen kontrolliert. Seit 1964 sind in dem Konflikt rund 200.000 Menschen ums Leben gekommen.

Bilderserie versenden
Empfänger
Ihre Informationen
Persönliche Mitteilung

Die Daten werden nur zum Versenden der Nachricht benutzt und nicht gespeichert.

Bitte überprüfen Sie Ihre Angaben.