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Seit der Präsidentschaftswahl am 12. Juni 2009 nimmt die Gewalt im Iran kein Ende.
Hunderttausende Iraner protestieren in den Straßen ihrer Hauptstadt gegen den Wahlsieg von Amtsinhaber Ahmadinedschad.
Das Lager des angeblich unterlegenen Präsidentschaftskandidaten Mir Hussein Mussawi, der bei der Abstimmung lediglich knapp 34 Prozent erreicht hatte, wirft Ahmadinedschad massiven Wahlbetrug vor. Beobachter hatten vor der Abstimmung im Iran ein Kopf-an-Kopf-Rennen erwartet.
Die Teilnehmer der Proteste kündigten an, sie würden weitermachen, solange Ahmadinedschad an der Macht sei.
Das Regime reagiert mit nackter Gewalt.
Sicherheitskräfte machen Jagd auf die protestierenden Massen, ...
... und setzen Tränengas und Wasserwerfer ein, ...
... um die Menschen zu vertreiben.
Die Regierung sieht sich mit der größten Protestwelle seit der Islamischen Revolution vor 30 Jahren konfrontiert.
Nachdem bei den ersten Protesten nach der Wahl sieben Menschen ums Leben gekommen sein sollen, ...
... hat sich die Lage in Teheran am Wochenende weiter zugespitzt.
Trotz eines landesweiten Demonstrationsverbotes versammelten sich erneut Tausende in den Straßen der Hauptstadt.
Zwar konnten die massiv aufgebotenen Sicherheitskräfte eine Kundgebung auf dem zentralen Enkelab-Platz verhindern, ...
... trotzdem kam es an verschiedenen Stellen der Stadt zu Massenansammlungen.
Vor der Universität waren bis zu zweitausend Anhänger Mussawis zusammengekommen.
Am Rande der Proteste wurde bekannt, dass sich nahe des Mausoleums für den Revolutionsführer Khomeini ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt hat. Er selbst starb, drei Menschen wurden verletzt.
Insgesamt seien bei den Protesten 13 Menschen ums Leben gekommen, mehr als hundert weitere wurden verletzt, behauptet das iranische Staatsfernsehen.
Die offiziellen Fernsehanstalten machten "mit Schusswaffen und Sprengsätzen bewaffnete Terroristen" für die Unruhen verantwortlich.
Vizepolizei-Chef Ahmad Resa Radan erklärte, "eingeschleuste Randalierer und Agenten" hätten die Massen aufgestachelt.
Wie das Staatsfernsehen mitteilt, hätten Demonstranten mehrere Gebäude, darunter eine Moschee, angezündet. Dabei seien mehrere Menschen ums Leben gekommen.
Eine Überprüfung dieser Angaben ist kaum möglich. Ausländischen Medien im Iran wurde ein strenges Berichterstattungsverbot über die Demonstrationen der Mussawi-Anhänger auferlegt.
Das Regime in Teheran will damit verhindern, dass Bilder prügelnder Milizen um die Welt gehen - erfolglos, wie sich zeigt.
Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" spricht von mehreren festgenommenen Journalisten. Ein BBC-Reporter wurde bereits des Landes verwiesen. Er habe nicht objektiv berichtet und die Demonstranten unterstützt, heißt es.
Die Oppositionsanhänger behelfen sich, indem sie ihre eigene Zeitung herstellen und in den Straßen Teherans verteilen.
Die Regierung versucht derweil, alle Kommunikationswege zu behindern. So wird das Mobilfunknetz immer wieder abgeschaltet.
Deswegen wird das Internet für die Kommunikation immer wichtiger. Vor allem über den Kurzmitteilungsdienst Twitter werden Informationen ausgetauscht.
Derzeit spricht trotz der Repressionen wenig dafür, dass es dem Regime gelingen kann, die mobilisierte Opposition zum Schweigen zu bringen.
Obwohl der Wächterrat sich bereit erklärt hat, zehn Prozent der Stimmen neu auszuzählen ...
... besteht der in der Präsidentschaftswahl unterlegene Oppositionsführer Mussawi auf eine Annulierung der Wahl.
Er kritisierte in ungwohnter Offenheit den Religionsführer des Iran, Ayatollah Chamenei, ...
... der beim Freitagsgebet die Wahlen als legitim und ein "Bekenntnis zur Islamischen Republik" bezeichnet hatte.
Chamenei versuche, dem Volk eine Regierung aufzuzwingen, so Mussawi. Es gehe dem Ayatollah darum, dem Land ein "neues politisches Leben" zu verordnen.
Er selbst sei bereit, als Märtyrer für seine Politik zu sterben, falls nötig.
Wenn er ums Leben komme, sollten seine Anhänger auf die Straße gehen und weiter demonstrieren, so Mussawi.
Unterstützung findet der 67-Jährige nicht nur im Inland. Wie hier in Genf ...
... protestieren Exil-Iraner in aller Welt gegen das Wahlergebnis und die Gewalt gegen die Opposition.
Auch in Deutschland sind tausende Menschen auf die Straße gegangen.
In Frankfurt kamen am Dienstagabend mehr als 1000 Exil-Iraner auf den Römerberg, um gegen Polizeiwillkür, Medienzensur und Wahlfälschung in ihrem Heimatland zu demonstrieren.
In Berlin zogen nach Polizeiangaben etwa 1100 Demonstranten friedlich über den Kurfürstendamm zur Gedächtniskirche. Zu dem Protestzug hatte unter anderem die iranische Studentengemeinde in Berlin aufgerufen.
Zwei bekannte iranische Künstler haben sich dem dem Protest angeschlossen. Sie werfen dem iranischen Präsidenten vor, sich die Macht mit einem Militärputsch gesichert zu haben.
"Was sich im Iran ereignet, ist keine Wahlfälschung, es ist ein Staatsstreich", sagten die Zeichnerin Marjane Satrapi, Autorin des weltweit erfolgreichen Comics und Kinofilms "Persepolis", und der Filmemacher Mohsen Makhmalbaf am Dienstag in Brüssel.
Zum Beweis zitierte Satrapi aus einem Dokument, das aus dem Teheraner Innenministerium stammen soll. Danach ist Präsidentschaftskandidat Mussawi mit gut 19 Millionen Stimmen als eigentlicher Sieger aus der Wahl hervorgegangen. Der offiziell zum Gewinner erklärte Ahmadinedschad landete der Zeichnerin zufolge mit rund 5,7 Millionen Stimmen nur auf Platz drei.
Die internationale Gemeinschaft stellt sich ebenfalls hinter die Opposition: "So sollten Regierungen nicht mit ihrem Volk umgehen", sagte US-Präsident Obama.
Zwar erwartet Obama unabhängig vom Ausgang des Machtkampfes keine großen Änderungen in der Politik der Islamischen Republik. Die Unterschiede zwischen dem Amtsinhaber Ahmadinedschad und seinem Herausforderer Mussawi seien "vielleicht nicht so groß wie behauptet".
"So oder so werden wir es mit einem iranischen Regime zu tun haben, das geschichtlich gesehen den USA feindlich gegenüber gestanden hat", sagte der Präsident im US-Fernsehen.
Trotzdem sei es jetzt wichtig, dass die Regierung jegliche Gewaltakte unterlasse und die Versammlungs- und Meinungsfreiheit achte.
Ebenso deutlich äußert sich die Bundeskanzlerin, die eine Neuauszählung der Wahlstimmen fordert. "Deutschland steht auf Seiten der Menschen im Iran, die ihr Recht auf freie Meinung ausüben wolllen.", so Merkel.
Entsprechend gereizt reagiert Präsident Ahmadinedschad. Er fordert besonders Großbritannien und die USA auf, sich aus inneren Angelegenheiten des Irans herauszuhalten.
Mit "übereilten Aussagen" mache sich der Westen im Iran keine Freunde, so der offizielle Wahlsieger.
Außenminister Mottaki sprach im Staatsfernsehen gar von britischen Geheimdienstagenten, die im Vorfeld der Wahlen angereist seien, um die Abstimmung zu manipulieren.
Parlamentspräsident Laridschani hat bereits einen Ausschuss eingesetzt, der überprüfen soll, ob die Beziehungen zu Frankreich, Deutschland und Großbritannien abgebrochen werden müssen.
Die Reaktion auf die Kritik im Inland wie im Ausland zeigt, wie nervös die Machthaber im Iran angesichts des Widerstandes gegen ihr Regime geworden sind.
Mit ihrer Politik der harten Hand riskieren sie eine Spaltung der iranischen Gesellschaft, die letzlich nicht mehr zu kitten sein könnte.
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