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Verschätzt, verzockt, verloren: Merkels gefallene Männer

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Norbert Röttgen hat die NRW-Wahl verloren. Von einem Desaster ist die Rede. Schnell stand fest, dass er sich von seinen Ambitionen in der Bundes-CDU verabschieden kann. (Foto: dapd)

Norbert Röttgen hat die NRW-Wahl verloren. Von einem Desaster ist die Rede. Schnell stand fest, dass er sich von seinen Ambitionen in der Bundes-CDU verabschieden kann.

Norbert Röttgen hat die NRW-Wahl verloren. Von einem Desaster ist die Rede. Schnell stand fest, dass er sich von seinen Ambitionen in der Bundes-CDU verabschieden kann.

Nur drei Tage nach der Wahl weht ein eiskalter Hauch der Macht durch das Kanzleramt, als Merkel ihren Musterschüler rauswirft.

Aber nicht nur Röttgen fühlt sich verlassen, auch Merkel steht zunehmend alleine da. Die CDU-Decke der möglichen Merkel-Nachfolger dünnt sich bedrohlich aus.

Dabei war "Musterschüler Röttgen" schon als möglicher Nachfolger der Kanzlerin gehandelt worden und hatte sich bereits in Position gebracht, als er stolperte und fiel.

Auffällig ist, dass er nicht der erste talentierte, aufstrebende Unions-Politiker ist, dem es so geht.

Unter Angela Merkel scheint es eine gläserne Decke zu geben - oder zumindest viele Stolperfallen. Die Liste der Gefallenen ist lang.

Friedrich Merz: Der Wirtschaftsexperte galt einst als großer Hoffnungsträger der Union. Im Jahr 2000 übernahm er den Fraktionsvorsitz der Union im Bundestag, ...

... zwei Jahre später verlor er das Amt. Der Grund: Nach der Bundestagswahl 2002 sicherte sich Parteichefin Merkel den Fraktionsvorsitz. Merz zog sich nach der Bundestagswahl 2009 aus der Politik zurück. Er arbeitet heute als Anwalt.

Roland Koch: Im Mai 2010 kündigte Hessens Ministerpräsident überraschend seinen Rückzug von allen politischen Ämtern an. Koch war zeitweilig sogar als möglicher Kanzlerkandidat der Union gehandelt worden.

Nach dem Ende seiner politischen Karriere zog es ihn in die Wirtschaft: Koch ist mittlerweile Chef des Baukonzerns Bilfinger Berger.

Jürgen Rüttgers: Wie Bundesumweltminister Röttgen musste der frühere NRW-Ministerpräsident eine schwere Wahlniederlage einstecken. Als sich nach der Wahl 2010 in Düsseldorf eine rot-grüne Minderheitsregierung bildete, zog sich Rüttgers aus der ersten Reihe der Politik zurück.

Nachfolger als CDU-Landeschef wurde Röttgen, der dieses Amt nun auch wieder abgibt. Bei der Wahl am Sonntag kandidierte Rüttgers nicht mehr für den Düsseldorfer Landtag. Er arbeitet mittlerweile unter anderem für eine Anwaltskanzlei.

Ole von Beust: Im Juli 2010 verkündete der damalige Hamburger Bürgermeister seinen Rückzug vom Regierungsamt - und leitete damit indirekt das Ende des schwarz-grünen Bündnisses in der Hansestadt ein.

Drei Monate nach seinem Rückzug aus der Politik kündigten die Hamburger Grünen ihr Bündnis mit der CDU auf. Bei der Wahl im Februar 2011 holte die SPD die absolute Mehrheit.

Peter Müller: Der langjährige Saar-Ministerpräsident wurde Ende 2011 zum Richter am Bundesverfassungsgericht gewählt. Müller war es nach herben Stimmenverlusten nach der saarländischen Landtagswahl im Jahr 2009 noch gelungen, eine Jamaika-Koalition aus CDU, FDP und Grünen zu bilden.

Doch seine Nachfolgerin Annegret Kramp-Karrenbauer kündigte das Bündnis Anfang des Jahres auf und steht nach vorgezogenen Neuwahlen nun an der Spitze einer Großen Koalition aus CDU und SPD.

Christian Wulff: Aufstieg und Fall lagen selten dichter beieinander als bei dem früheren Bundespräsidenten. Bis zu seiner Wahl zum Präsidenten im Juni 2010 galt Wulff als aussichtsreicher Kronprinz der Union. Als langjähriger niedersächsischer Ministerpräsident wurde Wulff immer wieder für höhere Ämter gehandelt.

Nur 20 Monate nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten folgte im Februar der tiefe Sturz, als Wulff nach wochenlangen Debatten um mögliche Vorteilsnahme zurücktrat.

Karl-Theodor zu Guttenberg: Der CSU-Politiker war Deutschlands beliebtester Politiker und wurde als größter Hoffnungsträger der Union gehandelt. Doch dann stürzte Guttenberg über seine Doktorarbeit. Ende Februar 2011 erkannte die Universität Bayreuth Guttenberg den Doktortitel ab, kurz darauf trat der CSU-Politiker als Verteidigungsminister zurück.

Trotz der Affäre wurde schon bald wieder über sein Comeback spekuliert. Anfang dieses Jahres erklärte Guttenberg dann, er strebe keine Rückkehr zur Bundestagswahl 2013 an und ziehe sich längerfristig aus der Öffentlichkeit zurück.

Und nun also Röttgen: Erst vor anderthalb Jahren setzt sich der Bundesumweltminister als CDU-Chef in NRW durch. Dass er in dem Bundesland ernsthafte Interessen verfolgte, wollten schon damals viele nicht glauben.

Eher sollte der Landesverband als Machtbasis für Röttgen im Bund herhalten. Bei der vorgezogenen Wahl sah sich Röttgen gezwungen, zu kandidieren, verpatzte aber den Wahlkampf, fuhr herbe Verluste ein und trat umgehend vom Amt des Landesvorsitzenden wieder zurück.

Nur drei Tage später ist er auch als Bundesminister nicht mehr haltbar. Zu schwer lastet seine Wahlniederlage auf die Bundespolitik.

Kanzlerin Merkel wirft ihn einfach raus und besetzt das Amt des Umweltministers mit einem ihrer letzten Gefolgsleute.

Mit Peter Altmaier, bisher parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag.

Inoffiziell gilt er als Merkels "Twitter-Minister".

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