Bilderserie

Sieg über das Fernsehen: Mit sechs Leicas auf Kennedys Fersen

Bild 1 von 15
Der Besuch von US-Präsident John F. Kennedy im Juni 1963 in Deutschland ist ein diplomatischer Balanceakt: Sowohl der greise Bundeskanzler Konrad Adenauer als auch Berlins Regierender Bürgermeister Willy Brandt wollen den Besuch für ihre Zwecke nutzen. (Foto: Ulrich Mack)

Der Besuch von US-Präsident John F. Kennedy im Juni 1963 in Deutschland ist ein diplomatischer Balanceakt: Sowohl der greise Bundeskanzler Konrad Adenauer als auch Berlins Regierender Bürgermeister Willy Brandt wollen den Besuch für ihre Zwecke nutzen.

Der Besuch von US-Präsident John F. Kennedy im Juni 1963 in Deutschland ist ein diplomatischer Balanceakt: Sowohl der greise Bundeskanzler Konrad Adenauer als auch Berlins Regierender Bürgermeister Willy Brandt wollen den Besuch für ihre Zwecke nutzen.

Kennedy hingegen will der Bundesrepublik signalisieren, dass die USA sie nicht im Stich lassen werden - und zugleich ein Zeichen gegen die französische Bündnispolitik setzen. Frankreichs Präsident Charles de Gaulle setzt eher auf Europa als auf das transatlantische Bündnis. Kennedy will sicherstellen, dass die Bundesrepublik diesem Kurs nicht folgt.

Und Kennedy will für seinen Plan einer Entspannungspolitik mit der Sowjetunion werben. Brandt hat er dabei auf seiner Seite, Adenauer nicht.

Vier Tage ist Kennedy in Deutschland, seine erste Station ist Köln, Adenauers Heimatstadt. Dort schließt er eine Rede mit dem (nicht ganz korrekten) Karnevalsgruß "Köln Alaaf".

Der 28-jährige Fotograf Ulrich Mack ist von Anfang an dabei. In Köln macht er dieses Foto. Kennedy habe ein Bad in der Menge genommen, das sei in Deutschland bis dahin unbekannt gewesen. Die Frau auf dem Bild, sagt Mack im Interview mit n-tv.de, "wollte ihn aufklären, was der amerikanische Präsident zu denken hat". Seltsam? Mack winkt ab. "Aber nein, das ist deutsch. Eine Lehrerin, glaube ich, war das."

Am Montag spricht Kennedy in Bonn mit Adenauer und einigen Ministern, trifft außerdem Bundespräsident Heinrich Lübke (M.).

Am Dienstag geht es im Hubschrauber nach Hanau, wo Kennedy auf dem amerikanischen Luftwaffenstützpunkt eine Parade von Nato-Soldaten abnimmt. Begleitet wird er an diesem Tag von Wirtschaftsminister Ludwig Erhard. Es ist bereits abgemacht, dass Erhard im Herbst Kanzler werden soll - auch wenn Adenauer nicht viel von Erhard hält.

In Frankfurt spricht Kennedy vor geschätzt einer Million Menschen auf dem Römerberg sowie vor geladenen Gästen in der Paulskirche.

Dann, am Mittwoch, fliegt Kennedy nach Berlin. Es ist der Höhepunkt seiner Reise durch Deutschland. Im offenen Wagen fahren sie in der Frontstadt nun zu dritt: Kennedy, Adenauer und Brandt.

Die Stimmung auf den Straßen und bei Kennedy ist gelöst. "Am Anfang der Reise hatte er sich noch etwas distanziert gegeben", sagt Ulrich Mack. "Ich habe erlebt, wie er immer weicher, immer zugänglicher wurde."

Über seine Fotos sagt Mack, die seien nur entstanden, "weil ich versuchte, diesen ganzen Fernsehrummel zu besiegen. Das ist mir gelungen".

"Zum einen haben die Fernsehleute den Fotografen einfach den Platz weggenommen. Jedes Fernsehteam bestand aus drei Mann, da blieb nicht viel Raum für die Fotografen. Ich war allein, aber ich hatte sechs Leicas mit festen Brennweiten."

Doch Mack meint auch die Konkurrenz zwischen Fernsehen und Presse, die es schon damals gegeben habe. Ihm ist das neue Medium Fernsehen zu schnell, zu oberflächlich. "Ich hielt die alle für krank", sagt er über die Fernsehleute. "Das ist doch wie schlechte Musik: Zum einen Ohr rein, zum anderen Ohr raus. Gehalten hat davon nichts."

Auch die Presse ist schnelllebiger geworden. Von Macks Bildern erscheinen nur sechs Stück, das Titelbild der "Quick" zeigt schon nicht mehr Kennedy, sondern die persische Ex-Kaiserin Soraya. Macks Bilder lagern im Keller. Zum 50. Jahrestag des Kennedy-Besuchs veröffentlicht der Hirmer-Verlag einen Bildband, der die Fotos versammelt.

Alle Fotos dieser Bilderserie stammen aus dem Band. Das Interesse an dem Buch sowie an der Ausstellung der Bilder in Berlin, Köln und München ist groß. "Das ist für mich die Hauptsache", sagt Mack, "dass das nicht ganz vergebens war."

weitere Bilderserien