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Politik

40 Jahre Führer der Revolution: Muammar al-Gaddafi

 
40 Jahre Führer der Revolution: Muammar al-Gaddafi

Tony Blair besuchte ihn 2004, ...

... kurz darauf kam Gerhard Schröder zu Besuch ins Beduinenzelt.

Auch der damalige französische Staatschef Jacques Chirac ließ sich noch im selben Jahr in Libyen blicken.

Und für Russland ist Libyen schon lange ein attraktiver Geschäftspartner: Moskau erließ dem nordafrikanischen Land 2008 Schulden in Höhe von 4,5 Milliarden US-Dollar, im Gegenzug wurden milliardenschwere Verträge für russische Firmen abgeschlossen.

Zuletzt lobte Silvio Berlusconi ihn in den höchsten Tönen beim Staatsbesuch in Italien; in der Zusammenarbeit mit Libyen erhofft er sich eine Eindämmung der Einwanderung nach Italien.

Muammar al-Gaddafi wird von vielen Staatschefs und Investoren umworben.

Der Grund ist nicht nur, dass Libyen wegen seines Ölreichtums zu den wohlhabendsten Nationen Nordafrikas gehört.

Auch bietet sich Gaddafi dem Westen mittlerweile als Partner im Kampf gegen den Terrorismus an, ...

... und als Bollwerk gegen Migranten, die aus afrikanischen Ländern über Libyen nach Europa kommen wollen.

Er selbst bezeichnet sich gerne als "König von Afrika". Irgendwie passend also, dass er Anfang 2009 zum Vorsitzenden der Afrikanischen Union gewählt wurde.

Wo er hinkommt, sorgt er für Aufsehen - der libysche Machthaber stiehlt jedem die Show. Seine Outfits trägt der Beduine in jeder erdenklichen Farbe.

Ob rot, ...

... gelb, ...

... blau, ...

... oder lila - er sorgt dafür, dass niemand ihn übersieht.

Aber nicht nur durch seine Kleidung fällt der Revolutionsführer auf, sondern auch durch seine etwas exzentrischen Angewohnheiten.

Auf Reisen ist zum Beispiel immer sein Zelt mit dabei. Gaddafi lässt sich nicht von Luxushotels locken und besteht darauf, in seinem eigenen Beduinenzelt schlafen zu dürfen.

Da wird dann auch schon mal im Garten des Kreml in Moskau gegrillt. Natürlich immer bewacht ...

... von seinen Leibwächterinnen. Und manchmal reist auch ein weibliches ...

... Kamel mit, damit es zum Frühstück frische Stutenmilch gibt.

Doch so amüsant sein Auftreten auch scheinen mag und so begehrt er offenbar zurzeit ist: Muammad al-Gaddafi war nicht immer so beliebt.

Erst in den letzten Jahren haben sich die Beziehungen zwischen Libyen und den Vereinten Nationen entspannt.

Jahrzehntelang war Libyen wegen seiner Unterstützung des internationalen Terrorismus isoliert, die USA sprachen lange von einem "Schurkenstaat", und Libyen stand auf der US-Terrorliste.

Warum? Wir blicken zurück.

Am 1. September 1969 führt Muammar al-Gaddafi in Libyen einen erfolgreichen und unblutigen Militärputsch durch. Schon bei dieser Aktion wird die exzentrische Natur des Revolutionsführers deutlich: Er fährt mit solch einem babyblauen VW-Käfer vor dem Schloss des Königs vor...

... und erklärt den Monarchen Idris Al-Sanussi (im Bild), der zu dieser Zeit aus gesundheitlichen Gründen im Ausland war, kurzerhand für abgesetzt. Libyen deklariert er zur "islamischen Republik". Von diesem Zeitpunkt an liegt die Macht im Land in den Händen Gaddafis: Er ernennt sich zum Staatsoberhaupt und bezeichnet sich fortan als "Revolutionsführer".

Gaddafi beginnt in den Folgejahren, Libyen in einen sozialistischen Staat umzuwandeln. Größere Privatunternehmen enteignet er, Ausländer verweist er des Landes. (Im Bild: Gaddafi 1970 in Tripolis.)

Wie auch sein großes Vorbild, der ägyptische Präsident Gamal Abdel Nasser (im Bild), bemüht er sich um eine Union aller arabischen Staaten. Schon Anfang der 70er Jahre strebt er eine Staatsunion mit Ägypten und Syrien, später auch mit Tunesien an. Die Projekte scheitern - nicht zuletzt an Gaddafis Führungsanspruch.

Der Revolutionsführer schafft eine Art "islamischen Sozialismus". Alleinige Quelle des Rechts im libyschen Staat ist bis heute der Koran.

Weil der Libyer den nördlichen Wüstenstreifen des Tschad beansprucht, marschieren 1977 libysche Truppen über die Grenze.

Trotz eines Waffenstillstandes, den die beiden Länder 1987 vereinbaren, ziehen sich Gaddafis Soldaten erst 1994 aus dem Tschad zurück.

1979, zehn Jahre nach dem Putsch, tritt Muammar al-Gaddafi von allen seinen Staatsämtern zurück. Offiziell übernimmt nun eine so genannte "Allgemeine Volkskonferenz" die Legislative im Land.

Der eigentliche Machthaber bleibt aber der Revolutionsführer.

Gaddafi führt sein Land nach und nach immer mehr in die außenpolitische Isolation. Libyen wird vor allem in den 80er und 90er Jahren immer wieder verdächtigt, an Terroranschlägen beteiligt gewesen zu sein.

Nach einer Attentatsserie, unter anderem auf die Berliner Diskothek "La Belle" im Jahr 1984, ...

... verhängen die USA unter ihrem damaligen Präsidenten Ronald Reagan 1986 einen Wirtschaftsboykott gegen das nordafrikanische Land. Aber nicht nur das.

Die Vereinigten Staaten fliegen Vergeltungsschläge und bombardieren mutmaßliche Wohnsitze Gaddafis in Tripolis und Banghazi. Dabei stirbt Gaddafis Adoptivtochter ...

... im damaligen Präsidentenpalast. Noch heute ist die Ruine als Erinnerung an das Bombardement in Tripolis zu sehen.

1988 explodiert ein Flugzeug der PanAm über dem schottischen Lockerbie. Dabei kommen 270 Menschen ums Leben; die Spuren führen zu Gaddafis Geheimdienst.

Auf Druck der USA schließen sich die Vereinten Nationen 1992 dem Wirtschaftsboykott an. Trotz reicher Erdölvorkommen leidet das Land sehr unter den Sanktionen.

Gaddafi gilt als Terrorist. Die Beziehungen zum Westen sind zerrüttet.

Ende der 90er Jahre allerdings beginnt Libyen sich um eine Verbesserung des Verhältnisses zu bemühen. 1999 liefert Gaddafi zwei Tatverdächtige des Lockerbie-Attentates aus; die UN stellen daraufhin ihre Sanktionen wieder ein.

Im Jahr 2000 vermittelt Libyen erfolgreich bei einer Geiselnahme durch islamische Terroristen auf den Philippinen (im Bild Gaddafis Sohn Saif al-Islam Gaddafi), wodurch auch westliche Gefangene freikommen.

Nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 distanziert sich Gaddafi öffentlich von Al-Kaida und verurteilt die Anschläge. Der Grund ist offensichtlich: In der Zeit nach dem 11. September ist es nicht gerade ratsam, ins Visier der USA zu geraten.

Zunehmend bemüht sich Libyen nun um Anerkennung und vollzieht eine 180-Grad-Wende in der Außenpolitik.

Im Dezember 2003 verkündet Gaddafi, dass Libyen Massenvernichtungswaffen entwickeln wollte.

Gleichzeitig erklärt er den Stopp des Programms - und sammelt jede Menge Bonuspunkte im Westen.

Zudem übernimmt Gaddafi nun die Verantwortung für den Lockerbie-Anschlag von 1988 und verspricht hohe Entschädigungszahlungen an die Hinterbliebenen der Opfer. Nun werden auch die restlichen Embargomaßnahmen gegen das Land aufgehoben.

Die Isolation ist gebrochen.

Doch trotz aller Offenheit gegenüber dem Westen ist die Lage in Libyen selbst alles andere als "westlich". Menschenrechte im eigenen Land sind ein Fremdwort für Gaddafi. Jeder politische Widerstand wird im Keim erstickt ...

... und Häftlinge werden jahrelang ohne Anklage fesgehalten. Nach Angaben von Amnesty International, die 2004 erstmals wieder in Gefängnisse im Land durften, sind die Haftbedingungen katastrophal: Viele sitzen dort ohne Kontakt zur Außenwelt, oft gelten sie für ihre Angehörigen einfach als "vermisst".

Ehemalige Insassen berichten von täglichen Elektroschocks, Schlägen und abgerichteten Hunden, die sie zu Geständissen zwingen sollten. Es verwundert also nicht, dass die Libyer Angst vor den eigenen "Sicherheitskräften" haben.

Die augenscheinliche Rehabilitierung des Revolutionsführers ist also durchaus kritisch zu betrachten. Er war, ist und bleibt ein Diktator, der sein Land auch gnadenlos als solcher führt.

Vor allem die Zusammenarbeit Libyens mit Europa in der Flüchtlingspolitik sollte angesichts der unmenschlichen Zustände in dem nordafrikanischen Land zu Denken geben. So kann man am Ende über Gaddafi nur sagen: ...

... Man weiß nicht so recht, ...

... was man von ihm halten soll. (Text: Fabian Maysenhölder)

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