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Die Kanzler wechselten, die Koalitionen änderten die Farbe. Eine aber erlebte die gesamte Regierungszeit der SPD seit 1998 mit:
Heidemarie Wieczorek-Zeul war elf Jahre lang Ministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Nun muss sich die 66-Jährige von der Macht verabschieden. Bundespräsident Horst Köhler überreichte der "Roten Heidi" und ...
... allen anderen Ministern in einer feierlichen Stunde im Schloss Bellevue ihre Entlassungsurkunden.
Während die Ministerinnen und Minister von CDU und CSU alle auch der neuen schwarz-gelben Bundesregierung angehören - wenn auch teilweise in anderen Ressorts - bereiten sich die bisherigen SPD-Bundesminister auf neue Aufgaben vor.
Der gescheiterte Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier ist neuer Chef der arg dezimierten Bundestagsfraktion und führt nun die Opposition im Bundestag. Vor allem aber muss der 53-Jährige versuchen, die unterschiedlichen Flügel seiner Fraktion auf eine Linie zu bringen.
Die Zahl der Abgeordneten schrumpfte nach der Wahl von 222 auf 146.
Als Konsequenz aus dem Debakel verzichtet Steinmeier auch auf seinen Posten als SPD-Vize.
Auf den bisherigen Bundesumweltminister wartet viel Arbeit: Sigmar Gabriel soll als neuer SPD-Chef den Niedergang der Partei aufhalten und eine Wende zum Besseren einleiten.
Der 50-Jährige tritt Mitte November die Nachfolge von Franz Müntefering an. Dann will die Partei zunächst das desaströse Wahlergebnis aufarbeiten, das viele Genossen auf eigene Reformprojekte wie Hartz IV zurückführen. Im Bundestag gehört der Niedersachse zu den wenigen SPD-Abgeordneten mit Direktmandat.
Ex-Arbeitsminister Olaf Scholz soll Gabriels Stellvertreter werden. Zudem steuert der 51-Jährige mit dem SPD-Vorsitz in Hamburg ein zweites hohes Parteiamt an – und lauert im Wartestand auf mehr.
Seinen Hut nimmt hingegen Peer Steinbrück. Als einfacher Abgeordneter wird der bisherige Bundesfinanzminister künftig dem Parlament angehören. Er wollte keinen Posten in der Fraktionsführung und auch sein Amt als Parteivize gibt Steinbrück ab, um Platz für Jüngere zu machen.
Das ist ein beachtlicher Verzicht, denn während der Krise hatte sich Steinbrück als Politmanager auch international viel Ansehen erworben. Wie es beruflich weitergeht, wollte Steinbrück noch nicht verraten. "Die Spekulationen, es gebe fantastische Angebote aus der Wirtschaft, sind alle Schall und Rauch."
Auch die wegen der Nutzung ihres Dienstwagens im Spanien-Urlaub politisch angeschlagene Ex-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt muss ihren Posten aufgeben.
Schmidt will nun ihr Mandat im Bundestag wahrnehmen und sich von der SPD auch in Ausschüsse entsenden lassen – keinesfalls aber in den Gesundheitsausschuss, wie sie verkünden ließ.
Die ehemalige Justizministerin Brigitte Zypries konnte ihr Direktmandat in ihrem Wahlkreis in Darmstadt mit einem hauchdünnen Vorsprung verteidigen.
Die 55-Jährige wird sich nach sieben Jahren als Ministerin auch im Bundestag auf ihrem Fachgebiet betätigen: Sie ist die neue Justiziarin der SPD-Bundestagsfraktion.
Als einfacher Abgeordneter macht Wolfgang Tiefensee weiter. Der bisherige Verkehrsminister und Beauftragter für die neuen Bundesländer kam nur noch über die Landesliste wieder in den Bundestag.
Neben seiner Tätigkeit als Abgeordneter will sich der 54-Jährige künftig wieder mehr in seiner sächsischen Heimat engagieren. Die SPD habe ein so bitteres Ergebnis bekommen, dass vor Ort jetzt "Graswurzel- und Kärrnerarbeit" nötig sei.
Im Bundestag will sich Tiefensee nicht weiter um Verkehr und Bau kümmern. Ein ungeschriebenes Gesetz besage, dass ein Ex-Minister nicht in den Ausschuss des Ressorts geht, wo er vorher Minister war.
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