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Seit 16 Jahren gibt es wieder ein Deutschland. Die Macht ist gut verteilt: Wir haben die erste Bundeskanzlerin - und die kommt aus dem Osten des Landes. Wir haben wieder einen deutschen Papst, der kommt aus Bayern. Das liegt bekanntlich im Westen.
Wir haben allerdings immer noch über vier Millionen Arbeitslose, und die vom "Kanzler der Einheit" Helmut Kohl ...
... euphorisch prophezeiten "blühenden Landschaften" ...
... lassen im Osten in großen Teilen immer noch auf sich warten.
Wir haben allerdings auch große individuelle Freiheiten, wenn sie auch manchmal schwer wiegen, weil man etwas dafür tun muss. Deutschland könne nur glücklich werden, wenn der Aufbau in den neuen Ländern in Ost und West ernst genommen werde, sagte Merkel anlässlich des Tags der Deutschen Einheit.
"Diese Aufgabe ist nicht nur eine Aufgabe der Menschen in den neuen Ländern. Sie ist eine Aufgabe für alle Deutschen."
Merkel räumt ein, dass die Arbeitslosigkeit im Osten immer noch doppelt so hoch ist wie im Westen und viele Jugendliche Schwierigkeiten bei der Lehrstellensuche haben.
Sie verweist aber auch auf Verbesserungen ...
... etwa beim Umweltschutz ...
... und beim Erhalt von Kulturgütern. Darüber hinaus habe die deutsche Einheit gezeigt, dass Veränderungen wie die friedliche Revolution von 1989 etwas Positives sein könnten.
Für die kontinuierliche Unterstützung von kulturellen Spitzeneinrichtungen in Ostdeutschland kommen jährlich 33 Millionen Euro aus dem Etat von Kulturstaatsminister Bernd Naumann.
"Wer heute mit offenen Augen durch Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen unterwegs ist, sieht tatsächlich auch blühende Landschaften. Städte wie Dresden, Leipzig oder Erfurt erstrahlen in neuem, altem Glanz und zeugen von einer sich entwickelnden Bürgerkultur."
Die gemeinsame kulturelle Identität hat die Deutschen in beiden Staaten ...
... auch in der Zeit der Teilung ...
... verbunden.
Dennoch bleibt viel zu tun, ...
... und manches bleibt auf der Strecke.
Es sind Fehler gemacht worden, und so manches wurde dem Osten "übergestülpt".
Polikliniken wurden abgeschafft, die später von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt gelobt wurden. Selbst um den "grünen Pfeil" entbrannte Streit, der jedoch überlebt hat und sich auch im Westen breit macht.
Abitur im 12. Schuljahr - seit Jahren ein Diskussionsthema. In der DDR war das eine Selbstverständlichkeit.
Allerdings dürfte sich auch mancher "Wessi" darüber wundern, dass im Osten heutzutage die Straßen und Autobahnen ...
... zum Teil besser als im Westen sind. Aber es gibt halt einen Solidarpakt für den Aufbau Ost. Übrigens entrichtet auch jeder "Ossi" seinen "Soli" in diesen Topf.
Am ehemaligen innerdeutschen Grenzübergang Marienborn erinnert eine Informationstafel an die Teilung Deutschlands. Auch auf anderen Autobahnen werden Tafeln mit der Aufschrift "Ehemalige innerdeutsche Grenze 1945-1990" aufgestellt.
Denn 16 Jahre nach der Wiedervereinigung ist kaum noch sichtbar, wo früher "Grenzgebiet" war.
Viele Menschen verloren beim Versuch, die Trennung zu überwinden, ihr Leben.
Im Berliner Stadtgebiet ...
... dokumentiert eine rote Line auf der Straße, wo einst die "Mauer" stand.
Das Zusammenwachsen erweist sich zugegebenermaßen als schwieriger als eigentlich gedacht.
Die großen Unterschiede seien aber inzwischen Geschichte, so der damalige westdeutsche Chefunterhändler beim Einigungsvertrag und heutige Innenminister Wolfgang Schäuble.
"So schlecht sind wir gar nicht. Das hat die Fußballweltmeisterschaft eindrucksvoll gezeigt.
Also: Hören wir auf zu jammern."
Trotz aller erreichten Erfolge erwartet der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee, für Ostdeutschland aber noch eine lange Durststrecke:
"In 15 bis 20 Jahren, so weit würde ich den Zeitraum schon stecken, könnte es möglich sein, dass wir mindestens in weiten Teilen der neuen Bundesländer eine selbsttragende Wirtschaft haben."
"Wir brauchen nach wie vor eine große Solidarität, ...
... um die Folgen des Zweiten Weltkrieges und der darauf folgenden Zeit bis 1989 zu kompensieren."
Für viele ist der 3. Oktober ein Tag zum Feiern, für viele aber nicht. Nach Einschätzung von Kanzlerin Merkel hat sich für die allermeisten Bundesbürger das Leben seit 1990 zum Guten verändert und deshalb ist für sie dieser Tag ein Grund zum Feiern.
Zwei Drittel der Menschen in Deutschland allerdings sehen das anders. Laut einer Umfrage haben 68 Prozent keinen persönlichen Anlass, diesen Tag zu feiern.
Eine Abschaffung als Feiertag stößt allerdings auf breite Ablehnung: 80 Prozent wollen den 3. Oktober weiterhin arbeitsfrei haben.
Ost- und Westdeutsche kommen sich allmählich näher. 15 Prozent der Deutschen sehen eine erhebliche Annäherung, für 70 Prozent sind "Ossis" und "Wessis" zumindest etwas näher zusammengerückt.
Jeder zweite Deutsche hat Freunde und Bekannte im jeweils anderen Landesteil gefunden. Besonders gut sind die Kontakte in der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen.
Die Unterteilung in Ost und West spielt für immer weniger Deutsche eine Rolle. So geben 54 Prozent an, eine solche Unterscheidung sei für sie kein Thema mehr. Für nur elf Prozent spielt die Differenzierung noch eine große Rolle.
In der Bundeshauptstadt halten dagegen nur 38 Prozent die Wiedervereinigung für verwirklicht - darunter meist junge Berliner. Vier von fünf Ost-Berlinern geben an, Kontakte in den Westen zu haben. Umgekehrt liegt die Quote etwas niedriger.
Seit der Wiedervereinigung sind mehr als drei Millionen Mitarbeiter im öffentlichen Dienst auf eine eventuelle Stasi-Tätigkeit überprüft worden.
Die Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, stellt klar, dass die DDR-Bürger kein Volk von Spitzeln und Verrätern waren. "Weniger als ein Prozent der Bevölkerung hat andere Menschen ausgespäht."
Nach einer Untersuchung der Universität Leipzig sind nur 27 Prozent der Ostdeutschen mit den demokratischen Institutionen im Land zufrieden. In den alten Bundesländern war immerhin jeder zweite davon überzeugt, dass die Demokratie gut funktioniert.
Das Vertrauen in politische Parteien, Bundestag und Bundesregierung hat damit einen neuen Tiefstand erreicht. Der Arbeit von Justiz, Polizei und Bundesverfassungsgericht trauen die Menschen noch am ehesten.
Nach Ansicht des Präsidenten der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger, kommt Deutschland bei der inneren Einheit zwar voran, aber: "Entscheidend ist aber, dass wir immer noch ein vereintes Deutschland mit unterschiedlichen Mentalitäten sind." (Alle Fotos dpa)
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