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Der nächste US-Präsident?: Nichts schadet Donald Trump

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Rein sprachlich ist Donald Trump ein Extremist. (Foto: REUTERS)

Rein sprachlich ist Donald Trump ein Extremist.

Rein sprachlich ist Donald Trump ein Extremist.

Den rechtskonservativen Moderator Glenn Beck – der nicht Trump, sondern dessen Konkurrenten Ted Cruz unterstützt – nennt er "dumm wie einen Stein".

Und er nennt ihn "erfolglos" – aus Trumps Sicht das härtestmögliche Urteil.

Überhaupt, seine Kritiker. "Ihr seid total ineffektiv, schon seit Jahren!"

"Total" ist eines von Trumps Lieblingswörtern.

Wenn er über sich selbst spricht, können die Superlative nicht bombastisch genug sein. "Ich werde der großartigste Arbeitsplätze schaffende Präsident der amerikanischen Geschichte sein", verkündet "The Donald", nein: Er posaunt solche Sätze hinaus.

Ungewöhnlich an Trumps Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner ist: Der Immobilienmogul, der seine Lippen häufig auf eine seltsame Art schürzt und dann unbeweglich stehen lässt, kann sagen, was er will – es schadet ihm nicht.

Nachdem er im Juni 2015 seine Bewerbung offiziell verkündet hatte, erschienen zahllose Berichte mit dem Tenor: Dieser eine Spruch war einer zu viel, über den wird er stolpern.

Falsch. Nichts schadet Trump.

Nicht mal seine Frisur.

In seiner Bewerbungsrede hatte er Mexikaner als Vergewaltiger bezeichnet, ...

... über die Fox-News-Moderatorin Megyn Kelly (die ihn mit kritischen Fragen genervt hatte) sagte er, ihr sei das Blut "woraus auch immer" gelaufen, ...

... im Dezember forderte er ein "totales und vollständiges" Einreiseverbot für Moslems ...

... und nahm dankend ein Lob des russischen Präsidenten Wladimir Putin entgegen (der in den USA sonst keine so gute Presse hat).

Zu diesem Zeitpunkt glaubte niemand mehr, Trump könne sich mit seinen Sprüchen selbst schaden.

Er selbst schon gar nicht.

Bei einem Wahlkampfauftritt in Iowa sagte Trump: "Ich könnte mitten auf der Fifth Avenue (in New York) stehen und jemanden erschießen und ich würde keine Wähler verlieren." Möglich.

Sicher ist: Kein anderer real existierender Kandidat könnte einen solchen Unsinn erzählen und trotzdem in den landesweiten Umfragen vorne liegen.

Bei einem Wahlkampfauftritt in New Hampshire nannte er seinen Mitbewerber Ted Cruz eine "Pussy" – wobei er später darauf bestand, ihn nicht so genannt zu haben. Er habe lediglich wiederholt, was eine Frau im Publikum gerufen habe.

Sein Wahlkampf beschränkt sich auf zwei Losungen: Amerika ist kaputt, nur er kann das Land wieder "great" machen.

In Iowa kam er zwar nur auf den zweiten Platz. Aber in den landesweiten Umfragen unter republikanischen Wählern und Parteimitgliedern, die in den Vorwahlen ja entscheiden, wer Präsidentschaftskandidat ihrer Partei wird, liegt Trump so weit vorn, dass es schwerfällt, nicht das Wort "uneinholbar" zu verwenden.

In Iowa war Trumps erzkonservativer Rivale Ted Cruz überraschend auf den ersten Platz gekommen.

Trump lag gut drei Punkte hinter Cruz. Am Wahlabend klang er ungewöhnlich zurückhaltend. Er beschimpfte weder seine Mitbewerber noch die Wähler, sondern zeigte sich "geehrt", den zweiten Platz erreicht zu haben.

Am Tag danach war er wieder der Alte: Er warf Cruz vor, den Wahlsieg gestohlen zu haben – Cruz' Wahlkampfteam hatte verbreitet, dass Ben Carson aus dem Rennen aussteigen würde.

In den landesweiten Umfragen liegt Cruz noch immer deutlich hinter Trump, und auch in New Hampshire holte der Milliardär wie erwartet den Sieg.

Die sogenannten Establishment-Kandidaten spielen kaum eine Rolle: Senator Marco Rubio, der in New Hampshire nur das Mittelfeld erreichte, führt ihre Riege in den Umfragen derzeit mit gut 13 Prozent an, Tendenz fallend.

Völlig abgeschlagen ist der frühere Gouverneur von Florida, Jeb Bush, den Trump mit Vorliebe einen "totalen Verlierer" nennt. In New Hampshire erreichte er rund 11 Prozent - für seine Verhältnis ein gutes Ergebnis.

Die Zersplitterung des republikanischens Kandidatenfeldes ist sein großer Vorteil: Rubio, Bush und die anderen "Establishment-Kandidaten" kämpfen eher gegeneinander als gegen Trump.

Dazu kommt eine Atmosphäre der Wut, die diesen Wahlkampf prägt. Trumps Trick sei, "dass er nicht über Politik spricht, sondern über Gefühle", sagte der US-Soziologe Michael Kimmel n-tv.de. "Das funktioniert, weil die meisten Leute sich nicht für Politik interessieren." Der Vorteil ist, dass Fakten bei Gefühlen keine Rolle spielen.

Zum Beispiel dieses Faktum: Trump tut so, als vertrete er die einfachen Bürger, die weißen Kleinstädter im amerikanischen Hinterland. Er selbst jedoch ist Immobilienmogul, Sohn eines Millionärs, Milliardär, New Yorker.

Und eine "TV-Persönlichkeit". Von 2004 bis 2015 moderierte er die TV-Show "The Apprentice", in dem Kandidaten sich für einen Job in einem von Trumps Unternehmen bewerben konnten.

Wer scheiterte, wurde von dem Milliardär mit den Worten "you're fired" abgewiesen. Die meisten Kandidaten, die von Trump gefeuert wurden, dürften sich wie auf dem Schafott gefühlt haben.

Seine aggressiven Sprüche waren für die Wähler in den USA also keine Überraschung, im Gegenteil.

Dass diese Überraschung noch kommt, ist nicht ausgeschlossen: Wenn Trump den Vorwahlkampf der Republikaner gewinnt, muss er sich den Wählern der Mitte zuwenden, wenn er eine Chance haben will, Präsident zu werden.

Das könnte ihm sogar gelingen, flexibel genug ist er: Als Parteispender hat Trump in der Vergangenheit sowohl Republikaner als auch Demokraten unterstützt.

Der ehemalige Kongressabgeordnete Chris Shays kann Trump zwar nicht leiden, glaubt aber dennoch, dass er reale Chancen hat.

"Ich kann mir vorstellen, dass er die Nominierung gewinnt", sagte Shays einer amerikanischen Lokalzeitung über den Mann mit dem krummen Daumen.

"Ich kann mir sogar vorstellen, dass er das Weiße Haus gewinnt, aber ich kann ihn mir nicht als Präsidenten der Vereinigten Staaten vorstellen. Sehen Sie den Unterschied?"

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