Bilderserie
Freitag, 06. Oktober 2017

Preis an Anti-Atomwaffen-Kämpfer: Nobel-Komitee setzt Zeichen im Nordkoreakonflikt

Bild 1 von 102
Es sind unsichere Zeiten, in denen der diesjährige Friedensnobelpreisträger verkündet wird. Mit US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Diktator Kim Jong Un stehen sich zwei Männer anscheinend unerbittlich gegenüber. Was sie eint, ist die nukleare Option. (Foto: dpa)

Es sind unsichere Zeiten, in denen der diesjährige Friedensnobelpreisträger verkündet wird. Mit US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Diktator Kim Jong Un stehen sich zwei Männer anscheinend unerbittlich gegenüber. Was sie eint, ist die nukleare Option.

Es sind unsichere Zeiten, in denen der diesjährige Friedensnobelpreisträger verkündet wird. Mit US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Diktator Kim Jong Un stehen sich zwei Männer anscheinend unerbittlich gegenüber. Was sie eint, ist die nukleare Option.

Die USA sind Atommacht, Nordkoreas Nuklearprogramm ist ebenfalls fortgeschritten. "Wir leben in einer Welt, in der das Risiko eines Atomwaffeneinsatzes größer ist als seit langer Zeit", erklärte die Vorsitzende des norwegischen Nobelpreiskomitees, Berit Reiss-Andersen. Da ist es folgerichtig, dass die Ehrung 2017 an ...

... Ican, das steht für die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen, geht. Die Graswurzelbewegung ICAN wurde 2007 in Wien gegründet und ist inzwischen in mehr als 100 Ländern aktiv.

ICAN-Chefin Beatrice Fihn nutzt die erste Aufmerksamkeit des Preises für eine Botschaft an Trump und Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un: "Der Besitz von Atomwaffen ist illegal, die Entwicklung von Atomwaffen ist illegal: Sie müssen das beenden", sagt sie.

Der Friedensnobelpreis wird immer am 10. Dezember, dem Todestag des schwedischen Erfinders Alfred Nobel, in Oslo ausgegeben. Zur Vergabe heißt es in dessen Testament:

"Ein Teil demjenigen oder derjenigen, der oder die am meisten oder besten für die Verbrüderung der Völker gewirkt hat und für die Abschaffung oder Verminderung der stehenden Heere sowie für die Bildung und Austragung von Friedenskongressen."

Die Entscheidungen, die ein fünfköpfiges, vom norwegischen Parlament ernanntes Komitee trifft, ...

... sind nicht immer unumstritten. (Im Bild Norwegens König Harald bei der Verleihung 1998)

Da der Preis auch an Personen oder Organisationen vergeben werden kann, die noch an einem laufenden Friedensprozess beteiligt sind, gelten manche Verleihungen im Rückblick durchaus als fraglich.

Allerdings kann der Preis im Nachhinein nicht mehr aberkannt werden.

Vorschläge können Mitglieder der Komission, frühere Preisträger, jedes Mitglied einer Regierung oder des Internationalen Gerichtshof in Den Haag ...

... sowie Professoren der Fachrichtungen Sozialwissenschaft, Geschichte, Philosophie, Recht und Theologie und die Leiter von Friedensforschungsinstituten und ähnlichen Organisationen einreichen.

Im vergangenen Jahr ging der Preis an Kolumbiens Präsidenten Juan Manuel Santos.

Santos wurde wegen seines Engagements für den Friedensprozess in seinem Land ausgezeichnet. Er hatte ein Abkommen mit dem Chef der linken Farc-Guerilla, Rodrigo Londono Echeverri geschlossen, ...

... was allerdings die kolumbianische Bevölkerung mit knapper Mehrheit ablehnte.

Dabei hatten mehr als fünf Jahrzehnte Krieg in dem Land mehr als 220.000 Menschen das Leben gekostet. Millionen Menschen wurden vertrieben.

2015 ging der Preis an das tunesische Quartett für den nationalen Dialog. Genauer an: Wided Bouchmaoui, Houcine Abassi, Abdessattar ben Moussa und Mohamed Fadhel Mahmoud.

Als das Land am Rande des Bürgerkriegs gestanden habe, habe das Quartett einen "alternativen, friedlichen politischen Prozess etabliert", lautete die Begründung damals.

2014 wurden die pakistanische Menschenrechtsaktivistin Malala Yousafzay ...

... und der indische Kinderrechtsaktivisten Kailash Satyarthi (l.) ausgezeichnet. Damit setzte das Komitee ein klares Signal zur Stärkung von Kinderrechten.

Die zum Zeitpunkt der Preisverleihung 17-jährige Malala ist die bisher mit Abstand jüngste Trägerin des Nobelpreises. Sie war 2012 wegen ihres Einsatzes für Schulbildung für Mädchen von Taliban-Kämpfern auf dem Weg zur Schule in den Kopf geschossen und schwer verletzt worden. Trotz des Attentats setzte sie ihren Kampf fort.

Der 60-jährige Inder Satyarthi ist in der Öffentlichkeit weniger bekannt. Er engagiert sich seit Langem mit friedlichen Protestaktionen gegen die Ausbeutung von Kindern und trug dazu bei, dass die Rechte von Kindern in internationalen Konventionen festgeschrieben wurden.

2013 erhielt die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) den Preis. Die Organisation setze sich intensiv dafür ein, die Massenvernichtungswaffen zu zerstören, hieß es in der Begründung.

2012 wurde die Europäische Union ausgezeichnet. Die EU habe dabei geholfen, Frieden und die Demokratie in Europa voranzubringen, begründete das Nobelkomitee damals die Entscheidung.

2011 erhielten den Preis drei Frauen: Liberias Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf, ...

... die liberianische Menschenrechtlerin Leymah Gbowee ...

... und Tawakkul Karman aus dem Jemen. Das Nobelkomitee begründete die Entscheidung mit dem erfolgreichen Einsatz der beiden Frauen aus Liberia zur Beendigung des Bürgerkrieges. Karman gilt als eines der bekanntesten Gesichter der Protestbewegung im Jemen.

Der Friedensnobelpreis 2010 ging an den chinesischen Dissidenten und Schriftsteller Liu Xiaobo.

Zum großen Ärger Pekings, das im Dezember 2009 Liu zu elf Jahren Haft verurteilt hatte und prompt mit einem "Konfuzius-Friedenspreis" reagierte.

Oslo würdigte Lius langen und gewaltfreien Kampf für die grundlegenden Menschenrechte in China.

Nicht unumstritten war 2009 die Preisverleihung an US-Präsident Barack Obama. Immerhin entsandte er am 1. Dezember 2009 noch 30.000 zusätzliche US-Soldaten nach Afghanistan.

Das Nobelpreis-Komitee würdigte ihn jedoch für seine außergewöhnlichen Bemühungen, die internationale Diplomatie und die Zusammenarbeit zwischen den Völkern zu stärken.

Ein Jahr zuvor wurde Martti Ahtisaari ausgezeichnet.

Der finnische Diplomat hatte jahrzehntelang in Konflikten vermittelt.

Der Friedensnobelpreis 2007 ging an den früheren US-Vizepräsidenten Al Gore ...

... und den UN-Klimarat.

Gore und die Einrichtung der Vereinten Nationen wurden für ihren Einsatz zur weltweiten Mobilisierung gegen eine drohende Klimakatastrophe ausgezeichnet.

2006 wurde so Muhammed Yunus, ein bangladeschischer Wirtschaftswissenschaftler, und die von ihm gegründete Bank geehrt ...

... für die Förderung wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung von unten.

2005: Die internationale Atomenergieorganisation IAEO und ihr Generalsekreitär, Mohammed el-Baradei, ...

... für ihren Einsatz gegen den militärischen Missbrauch von Atomenergie sowie die sichere Nutzung der Atomenergie für zivile Zwecke.

2004: Wangari Muta Maathai aus Kenia.

Sie wurde für ihren Einsatz zu nachhaltiger Entwicklung, Demokratie und Frieden ausgezeichnet. Erstmals wurde dabei die Bedeutung des Umweltschutzes für den Weltfrieden hervorgehoben.

2003: Die Iranerin Schirin Ebadi für ihren unerschrockenen Einsatz für Demokratie und Menschenrechte.

Die Juristin, die als erste Frau im Iran zur Richterin ernannt wurde, erhielt als erste muslimische Frau den Friedensnobelpreis.

2002: Jimmy Carter, ehemaliger US-Präsident, für seine Bemühungen ...

... um friedliche Lösungen in internationalen Konflikten.

2001: Die Vereinten Nationen ....

... und Generalsekretär Kofi Annan.

2000: Kim Dae Jung, südkoreanischer Präsident, für sein Versöhnungswerk mit dem kommunistischen Nordkorea.

1999: "Ärzte ohne Grenzen" ...

... für ihren humanitären Einsatz in aller Welt.

1998: John Hume (l) und David Trimble (r), nordirische Politiker, für ihre Leistungen im Friedensprozess in Nordirland. (Im Bild mit dem damaligen britischen Premier Tony Blair)

1997: Jody Williams, Koordinatorin der internationalen Kampagne zum Verbot von Landminen, ....

... für ihren Einsatz gegen Antipersonenminen.

1996: Carlos Filipe Ximenes Belo (l), katholischer Bischof, und José Ramos-Horta (r) für ihre Bemühungen um eine friedliche Lösung des Osttimor-Konflikts.

1995: Joseph Rotblat und seine Pugwash-Bewegung für ihr Engagement gegen Atomwaffenversuche und die Abschaffung von Atomwaffen.

Der Physiker warnte später zunehmend vor den "modernen Gefahren", die die Menschheit bedrohen. Dazu zählte er Überbevölkerung, Nahrungsmittelverknappung und Krankheiten.

Höchst umstritten war die Entscheidung von 1994.

Jassir Arafat, Vorsitzender der palästinensischen Befreiungsorganisation, wurde zusammen mit ...

.... Schimon Peres, dem israelischen Außenminister und ....

... Jizchak Rabin, dem später ermordeten israelischen Ministerpräsidenten für die Rolle im Nahost-Friedensprozess ausgezeichnet.

Nach wie vor ist allerdings in der Region kein Frieden in Sicht.

1993: Frederik de Klerk, südafrikanischer Präsident, ...

... und Nelson Mandela, Präsident des Afrikanischen Nationalkongress ANC, ...

... für ihre Bemühungen um die Überwindung der Apartheid.

1992: Rigoberta Menchu, guatemaltekische Bürgerrechtlerin ...

... und Vorkämpferin für die Rechte der Indios.

1991: Aung San Suu Kyi, birmanische Oppositionspolitikerin, für ihren gewaltfreien Kampf um Demokratie.

Ihre Söhne nahmen den Preis in ihrem Namen an, da sie befürchtete, dass ihr die Wiedereinreise nach Birma verweigert würde, falls sie selbst zur Preisverleihung reiste. Suu Kyi stand jahrelang unter Hausarrest.

1990: Michail Gorbatschow für seinen Beitrag zur Beendigung des Kalten Krieges.

Gorbatschows Bemühungen führten unter anderem zu weitreichenden Abrüstungsabkommen mit den USA ...

... und ermöglichten nicht zuletzt auch die Wiedervereinigung der Deutschen.

1989: Der Dalai Lama für seinen gewaltlosen Einsatz zur Befreiung Tibets.

1988: Die Friedenstruppen der Vereinten Nationen.

1987: Oscar Arias (im Bild mit seiner Frau Margarita Penon), Präsident von Costa Rica, für die Ausarbeitung eines Plans zur Überwindung der Guerillakriege in Mittelamerika.

1986: Elie Wiesel, amerikanischer Schriftsteller ...

... und Überlebender des Holocaust. (Im Bild gemeinsam mit Lech Walesa 1988 in Ausschwitz-Birkenau)

1985: Internationale Vereinigung der Ärzte zur Verhinderung eines Atomkrieges (IPPNW).

1984: Bischof Desmond Tutu, Vorkämpfer gegen die Rassentrennung in Südafrika. (Im Bild mit Nelson Mandelas Tochter Zindzi)

1983: Lech Walesa, damaliger Führer der polnischen Gewerkschaft "Solidarität".

1982: Alva Myrdal aus Schweden zusammen mit Alfonso Garcia Robles aus Mexiko für ihre Bemühungen um weltweite Abrüstung.

1981: UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR).

1980: Adolfo Perez Esquivel, Menschenrechtsaktivist aus Argentinien.

1979: Mutter Teresa, Ordensschwester in Kalkutta, für ihren Einsatz für die Armen.

1978: Menachem Begin, Ministerpräsident Israels und ...

1978: ... Anwar el Sadat, ägyptischer Staatspräsident, (im Bild die israelische Grenze im Visier) ....

... für ihre Initiative für den Friedensvertrag zwischen Israel und Ägypten.

1977: Amnesty International, Menschenrechtsorganisation.

1976: Betty Williams und ...

... Mairead Corrigan, Mitbegründerinnen einer Frauenfriedensgruppe in Nordirland.

1975: Andrej Sacharow, sowjetischer Physiker und Menschenrechtsaktivist.

Die sowjetische Regierung verbot ihm, zur Verleihung nach Oslo zu reisen. Den Preis nahm seine Frau Jelena Bonner entgegen.

1974: Eisaku Sato, ehemaliger japanischer Ministerpräsident und Streiter gegen Atomwaffen, sowie ...

... Sean MacBride, Irland, UN-Kommissar für Namibia.

Höchst umstritten die Preisverleihung von 1973: Henry Kissinger, US-Außenminister, und ...

... der Außenminister von Nordvietnam, Le Duc Tho, der den Preis nicht annahm, wurden ausgezeichnet für ...

... das Waffenstillstandsabkommen zur Beendigung des Vietnamkrieges. 1972 wurde der Preis nicht verliehen.

1971: Willy Brandt, deutscher Bundeskanzler, ...

... für die Entwicklung der Entspannungspolitik zwischen Ost und West. Brandt war der letzte Deutsche, der bislang mit dem Friedensnobelpreis geehrt wurde.

Die ersten Preisträger waren übrigens 1901 der Gründer des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, Henry Dunant ...

... und der Gründer "Französischen Gesellschaft der Friedensfreunde", Frédéric Passy.

weitere Bilderserien