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Eine Rede, große Hitze und Michelle: Obama hält Berlin in Atem

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Seit Tagen ist es Thema in Berlin: Bald kommt er endlich, der US-Präsident. (Foto: dpa)

Seit Tagen ist es Thema in Berlin: Bald kommt er endlich, der US-Präsident.

Seit Tagen ist es Thema in Berlin: Bald kommt er endlich, der US-Präsident.

Zum ersten Mal, seit Barack Obama erster Mann der USA ist, reist er nach Deutschland. Aus Nordirland ...

... schwebt die "Air Force One" in Berlin-Tegel ein. Der Hochsicherheitskoloss ...

... dreht eine Schleife und kommt auf dem Rollfeld zum Stehen.

Die Tür geht auf. Und da ist er: Barack Obama und seine Tochter Sasha treten ins gleißende Abendlicht Berlins.

Ein kurzes Winken, ein smartes Lächeln, ...

... eben noch den deutschen Außenminister Guido Westerwelle geherzt und ...

... den roten Teppich abgeschritten. Und ...

... schon ist "The Beast" erreicht - die gepanzerte Limousine, mit der der US-Präsident üblicherweise unterwegs ist.

Das geht alles reichlich schnell, was der Tatsache geschuldet ist, dass Obama keinen Staatsbesuch, sondern einen Arbeitsbesuch macht. Der Unterschied ist: Für einen Staatsbesuch braucht es eine Einladung von Präsident Joachim Gauck. Obama ist aber von Kanzlerin Angela Merkel eingeladen worden.

Und so ist das Spektakel in Tegel rasch vorüber, der rote Teppich wird wieder eingerollt.

Obama sorgt dagegen in der Berliner City jetzt erst so richtig für Aufsehen. Mit einem riesigen Fahrzeugtross im Schlepptau geht es ins Zentrum.

Auf der Straße des 17. Juni entlang ...

... bis zum Brandenburger Tor, wo er eine von vielen heiß erwartete Rede halten wird, und von da aus zum Potsdamer Platz.

Überall säumen Schaulustige den Weg, um einen kurzen Blick auf die Präsidentenlimousine zu erhaschen. Unter den Argusaugen der Polizei bewegt sich die Kolonne durch die Stadt.

Besonders die Schlafstätte der Obamas, das Hotel "Ritz Carlton", ist unter schärfster Beobachtung. Scharfschützen sind positioniert. Nur sie dürften sehen, was den Augen der meisten Neugierigen verborgen bleibt: Nämlich, ...

... wie die Präsidentenlimousine von hinten an das "Ritz Carlton" heranfährt und die Obamas ablädt. Die Präsidentenfamilie wird ein wenig Schlaf gut gebrauchen können: Es steht ihnen ein langer Tag bevor.

Als sich der Tag in Berlin in eine laue Sommernacht verwandelt, die Berliner in die Freiluftbars strömen, ...

... bleiben die Obamas außen vor. Vor allem die Töchter Malia und Sasha hätten sicher gerne etwas Berliner Luft geschnuppert. Die Sicherheitskräfte, 8000 Polizisten sollen im Einsatz sein, hätten dann aber alle Hände voll zu tun. So wird es aber eine ruhige Nacht am Potsdamer Platz.

Menschen, die dem US-Präsidenten etwas Böses wollen, haben hier sowieso keine Chance. Die Polizei ist mit schwerem Gerät vor Ort, um alle Eventualitäten auszuschließen. Und so erwacht ein friedlicher Tag, der mit viel Programm für die Obamas vollgepackt ist.

Nach einer Fitnesseinheit im hoteleigenen Sportraum empfängt der US-Präsident Mitarbeiter der hiesigen Botschaft sowie in Berlin lebende US-Amerikaner zum Frühstück. 600 Menschen sollen bewirtet werden, heißt es.

Dann teilen sich die Obamas auf. Vater Barack hat schließlich zu arbeiten in Berlin. Mutter Michelle und die Töchter Malia und Sasha nutzen die freien Stunden dagegen für ein bisschen Sightseeing.

Gegen halb zehn ist das Holocaust-Mahnmal für andere Gäste gesperrt.

Die Präsidentenfamilie schreitet durch das labyrinthartige Stelenfeld. Der Besuch ist Michelle eine Herzensangelegenheit.

Sie interessiert sich sehr für Geschichte und will später noch die Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße besichtigen. An ihrer Seite ist auch Obamas Halbschwester Auma.

Ortswechsel: Etwa zur selben Zeit stehen sich die Soldaten im Park des Schloss Bellevue die Beine in den Bauch.

Hier wird US-Präsident Obama erwartet, Präsident Joachim Gauck soll ihn empfangen. Und schon jetzt herrschen hier tropenartige Temperaturen. Für die Uniformierten ist das wie für die wartende Presse eine echte körperliche Herausforderung.

Und dann geht wieder alles ganz schnell. "The Beast" fährt vor. Präsident schüttelt die Hand von "The President". Ein Winken für die Fotografen, ...

... ein freundschaftliches Lächeln unter Kollegen.

Obama trägt sich ins Gästebuch ein - mit links, wie immer.

Dann führt Gauck Obama in den Park des Schlosses Bellevue, wo ...

... die beiden die Ehrenformation, die bei solchen Gelegenheiten üblich ist, abschreiten.

Der Pflichtteil ist erledigt, jetzt geht es ab zu etwas lebendigeren Gästen.

Schüler der John-F.-Kennedy-School in Steglitz sind gekommen und schwenken fröhlich deutsche und US-amerikanische Fähnchen.

Obama nimmt sich Zeit und plauscht ein wenig mit den Kindern, die eine bilinguale und bikulturelle Erziehung genießen.

Es ist das "kleine Bad in der Menge", das wohl einzige seines Besuchs. Am Brandenburger Tor wird es dazu keine Gelegenheit geben. Dort sind nur geladene Gäste zugegen. Der US-Präsident ist jedenfalls in seinem Element, ...

... ehe er sich den etwas ernsteren Dingen zuwendet. Gauck führt Obama in ein Arbeitszimmer, wo sich die beiden besprechen wollen.

Kameras haben hier leider nur zu Beginn Zutritt. Dann müssen die Journalisten raus.

Nach etwa einer Dreiviertelstunde ist der Besuch zu Ende. Die beiden haben sich offenbar angeregt unterhalten: Obama war länger hier als es geplant. "The Beast" rauscht weiter durch das sommerliche Berlin.

Währenddessen an der Straße des 17. Juni im Herzen Berlins: Aktivistinnen von Femen ziehen blank - zum Unmut der anwesenden Polizisten.

Unter Protest werden die Frauen, die den Besuch Obamas zum Anlass nehmen, auf ihre Sache aufmerksam zu machen, abgeführt.

Auf ihren Körper haben sie "Obama Help" geschrieben.

Doch der ist fernab der Szene in seiner Limousine unterwegs.

Obama wird im Kanzleramt von der in frischem Orange gekleideten Kanzlerin Angela Merkel in Empfang genommen. Jetzt wird es ernst.

Denn Obama ist nicht nur gekommen, um Nettigkeiten auszutauschen und ...

... in Deutschland Freundschaften zu pflegen.

Jetzt kommen die harten Themen auf den Tisch: transatlantische Freihandelszone, Atomabrüstung, Prism. Nicht alle diese Angelegenheiten sind zwischen den beiden Staatsleuten unstrittig. 75 Minuten sind angesetzt, bevor es vor die Presse geht.

Während die beiden Staatschefs im klimatisierten Kanzleramt tagen, bedeutet der Besuch Obamas für viele Berliner vor allem eines: Stau. Das liegt auch daran, dass ...

... Obamas Familie in der Zwischenzeit weiter auf Besichtigungstour ist. Gemeinsam mit dem Kanzlerinnengatten Joachim Sauer ...

... gibt es eine weitere Nachhilfestunde in deutscher Geschichte. Die Reisegruppe Obama ist nach einem Stopp am Checkpoint Charlie an die Bernauer Straße am nördlichen Rand des Stadtzentrums gefahren.

Hier stehen noch Reste der Berliner Mauer, die die Stadt jahrzehntelang trennte.

Zum Gedenken an die Mauertoten hinterlassen Michelle, Malia und Sasha Blumen.

Unterdessen ein paar Kilometer südlich im Berliner Regierungsviertel. Im Kanzleramt sind Obama und Merkel noch immer zugange. Auch hier ...

... stehen auf den Dächern Sniper bereit, um einzuschreiten, sollte sich jemand dem US-Präsidenten ohne Erlaubnis nähern.

Kanzlerin Angela Merkel hat dagegen die Lizenz zum Anfassen. Als die beiden aus ihrer Besprechung kommen, wirken sie nicht eben so, als hätten sie sich überworfen.

In der folgenden Pressekonferenz üben sich die transatlantischen Partner denn auch in Harmonie.

Treffen von Journalisten mit Obama können durchaus unterhaltsam sein, so auch dieses.

Zunächst zeigt sich Obama von den in Deutschland herrschenden Temperaturen beeindruckt und gönnt sich einen erfrischenden Schluck.

Doch schon sind Obama und Merkel bei den ernsten Themen.

Das Überwachungsprogramm Prism, mit dem der US-Geheimdienst auch deutsche E-Mail-Konten kontrolliert, trübt das Verhältnis der Länder. Obama versichert: Hier werden nicht wahllos Mail-Konten gescannt. Vielmehr gehe es um Leben und Tod, und dafür würden mit Prism wohldosiert Informationen gewonnen.

Kanzlerin Merkel stellt noch einmal den deutschen Standpunkt klar: Es muss alles im Verhältnis bleiben, so die Sprachregelung.

Sonst geht es um die Brennpunkte der internationalen Politik: Afghanistan, Syrien, Freihandel, Drohnenangriffe - die laut Obama nicht von deutschen Boden aus gesteuert werden.

Nach getaner Arbeit gehen die Staatsleute erst einmal in die Mittagspause - doch zuvor geht es hier noch einmal um ein Thema, das auch an anderer Stelle eine Rolle spielt.

Das US-Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba. Aktivisten von Amnesty International fordern den US-Präsidenten dazu auf, sein Versprechen umzusetzen und das Lager zu schließen.

Obama sagt dazu: "Ich möchte weiterhin Guantanamo schließen, es ist jedoch schwerer gewesen, als ich hoffte. Es gab wesentlichen Widerstand seitens des Kongresses und bei einzelnen Fragen brauche ich die Zustimmung des Kongresses."

Derweil am Pariser Platz, vor dem Brandenburger Tor. Vor der historischen Kulisse sammeln sich - aus Sicherheitsgründen schon seit Stunden - die geladenen Gäste der Rede Obamas.

Wohl dem, der an eine Kopfbedeckung gedacht hat.

So wie etwa Verteidigungsminister Thomas de Maizière oder ...

... Bundestagspräsident Norbert Lammert.

Denn ausgerechnet heute erreichen die Temperaturen absolute Rekordstände. Das Thermometer zeigt deutlich über 30 Grad an - im Schatten.

In der Sonne ist es da noch viel heißer.

Neuköllns Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky hat deswegen seinen Besuch schon abgesagt. Er hält die Hitze einfach nicht durch, glaubt er. Die, die gekommen sind, sind da aus anderem Holz geschnitzt.

Unter ihnen ist etwa auch Deutschlands Basketball-Star Dirk "Dirkules" Nowitzki.

Lumpen lassen sich da auch nicht Außenminister Guido Westerwelle und Ex-Präsident Richard von Weizsäcker.

So entsteht auf dem Pariser Platz dann doch so etwas wie Fanmeilen-Stimmung.

Gestandene Ministerinnen und Minister ...

... fiebern dem US-Präsidenten entgegen wie Teenager einem Popstar.

Und damit es den Wartenden nicht langweilig wird, sorgt Geiger David Garrett für die musikalische Untermalung.

Schließlich fährt er vor, der US-Präsident, von dem die Menschen ein flammendes Bekenntnis zur deutsch-amerikanischen Freundschaft erhoffen.

Da ist er: der US-Präsident am Brandenburger Tor.

Er wird von der jubelnden Menge empfangen.

Noch einen kräftigen Schluck nehmen und dann ...

.. geht es los mit den Reden. Nach Begrüßung durch den Regierenden Bürgermeister Berlins, Klaus Wowereit, ...

... spricht Kanzlern Angela Merkel. "Ich heiße dich willkommen bei Freunden", sagt sie und übergibt das Wort an den Gast, dem die Hitze sichtlich zusetzt.

Unerbittlich bretzelt die Sonne auf die anwesenden Häupter nieder.

Und so nimmt Obama Merkels Diktum vom Besuch bei Freunden beim Wort: Unter Freunden könne man schließlich etwas informeller werden und das Sakko ablegen. Spricht's, tut's und fordert die Anwesenden dazu auf, es ihm gleich zu tun.

Und hinter zentimeterdickem Panzerglas legt Obama los. Er spricht von transatlantischer Freundschaft und von der Symbolik der Stadt Berlin.

Er spart aber auch die Themen nicht aus, die strittig sind: Erneut verteidigt Obama die Prism-Methoden des US-Geheimdiensts.

Auch ein Bekenntnis, sich weiter um die Schließung von Guantánamo zu bemühen, gibt Obama wieder ab.

Viel Neues sagt er jedoch nicht: allenfalls seine Willensbekundung, die Zahl der Atomsprengköpfe um bis zu ein Drittel reduzieren zu wollen, könnte hier geltend gemacht werden.

Ein Signal zwar nur, jedoch eines, das sich viele Menschen wünschten: ein Signal des Friedens.

Doch wer denkt, Obama könne nach der Rede noch ein Bad in der Menge nehmen, irrt: Der nächste Termin wartet bereits.

40 Minuten spricht der demokratische US-Präsident mit dem SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück, der die Rede ebenfalls in praller Sonne verfolgte.

Nach Angaben eines SPD-Sprechers zeigt Obama dabei seine Sympathie für die Europäer. Demnach sage Obama jedem Europäer, den er treffe: "Wir mögen euch noch immer."

Am Abend steht dann noch das Dinner auf Schloss Charlottenburg an, zu dem Kanzlerin Merkel und ihr Mann Joachim Sauer empfangen. Das Abendessen in der Orangerie soll der feierliche Schlusspunkt des Besuchs sein.

Michelle Obama erscheint in einem schulterfreien Abendkleid zum Dinner, die Kanzlerin trägt Blazer zu Hose, die Herren Smoking. Nach der herzlichen Begrüßung mit Wangenkuss verschwinden die Vier im Schloss.

Geladen sind aber auch Vertreter aus Politik, Kultur, Sport und Wirtschaft, etwa Basketball-Superstar Dirk Nowitzki - schließlich ist Obama Basketball-Fan.

Für die Verköstigung sorgt Tim Raue, der deutsche Spezialitäten zubereitet.

Bevor es jedoch ans Essen geht, bringen Merkel und Obama noch Trinksprüche aus und stoßen an.

Merkel nennt dabei die deutsch-amerikanische Freundschaft eine wichtige Grundlage zur Lösung globaler Sicherheits-, Umwelt- und Wirtschaftsprobleme. "Die Freundschaft zwischen unseren Ländern ist eng und sie ist unverbrüchlich", so die Kanzlerin.

Diese Freundschaft verhindert freilich nicht, dass der Präsident bereits am Abend wieder in die USA zurückkehrt. Das Flugzeug steht auf dem Flughafen Tegel bereit.

Mit etwas Verzögerung betritt schließlich der Präsident mit seiner Frau die "Air Force One". Sie drehen sich noch einmal um und winken Berlin zum Abschied zu.

Dann hebt die Präsidentenmaschine ab und der Besuch Obamas in Berlin ist beendet.

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