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Mehr als eine Armee: Ohne Militär geht in Ägypten nichts

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Es sind nicht nur die Waffen, die sie so mächtig machen. (Foto: REUTERS)

Es sind nicht nur die Waffen, die sie so mächtig machen.

Es sind nicht nur die Waffen, die sie so mächtig machen.

Das ägyptische Militär ist mehr als nur eine einfache Armee.

Es ist die mächtigste Einrichtung des Landes und hat den größten Einfluss in der neueren politischen und sozialen Geschichte.

Der Militärputsch der Offiziere von 1952 zwang König Faruk zum Abdanken und beendete die fast 150-jährige Erbfolge in der ägyptischen Politik.

Danach kamen alle vier Präsidenten bis zum Amtsantritt von Mohammed Mursi aus den Reihen der Armee. Faktisch hatte man also seit 1952 eine Militärherrschaft.

Seitdem verfügt das Militär über viele Privilegien für seine Mitglieder. Generäle im Ruhestand erhalten wichtige Posten als Minister, Behördenchef, Gouverneur oder Bürgermeister.

Der Militärhaushalt ist im ägyptischen Parlament tabu. Geschätzte sechs Milliarden Dollar gibt das Land pro Jahr für seine Streitkräfte aus.

Als Empfänger von jährlich 1,5 Milliarden Dollar US-Militärhilfe ist das Militär in den vergangenen Jahren unter die Unternehmer gegangen und …

… profitiert in den Branchen Bau, Straßenbau und Lebensmittelproduktion von lukrativen Staatsaufträgen.

Als größtem Arbeitgeber gehören der Armee Fabriken, Hotels und Krankenhäuser.

Auch im Tourismus mischt das Militär mit.

Auch Husni Mubarak war - wie seine Vorgänger - Offizier, bevor er ins höchste Staatsamt kam.

Mubarak nutzte das am Ende allerdings wenig. Im arabischen Frühling 2011 galt die Armee als Bollwerk der Demonstranten gegen die brutalen übergriffe der Sicherheitskräfte.

Zu Beginn der Proteste verhielt sich die Armee zunächst noch abwartend.

Doch nach schweren Straßenschlachten mit vielen Toten und Verletzten stellte sie sich schließlich - als Hüter der Ordnung - zwischen Anhänger und Gegner Mubaraks.

Auf dem zentralen Tahrir-Platz in Kairo gingen Soldaten mit Kalaschnikow-Gewehren zwischen den Fronten in Stellung.

Als die ersten Panzer auffuhren, brandete Jubel auf.

Viele Demonstranten sahen die Soldaten als Schutz, ...

... sie überreichten Blumen, legten ihnen den Arm um die Schulter.

Ohne Unterstützung des Militärs hätte sich Mubarak allerdings auch nicht so lange halten können.

Während der Proteste kam es offenbar zu einer schleichenden Entfremdung zwischen den Soldaten und ihrem Oberkommandierenden.

Am Ende verstand die Militärführung Mubarak mit seinem Festklammern am Präsidentenamt nicht mehr.

So war es zuletzt das Militär, das dem Druck der Straße nachgab und Mubarak aus dem Amt drängte.

Das Vertrauen zum Militär ist auch in diesen Tagen groß.

Auf dem mit Hunderttausend Demonstranten gefüllten Tahrir-Platz brandete am vergangenen Montag Jubel auf, als ...

... sich das Militär nach tagelangem Schweigen mit einem Ultimatum zu Wort meldete.

Innerhalb von 48 Stunden sollten die Konfliktparteien eine Lösung finden, sonst würde die Armee das Heft des Handelns in die Hand nehmen.

Als Mursi sich weigerte, sah sich das Militär zum Handeln gezwungen: Der Präsident wurde entmachtet, eine Technokraten-Regierung unter dem Präsidenten des Verfassungsgerichts, Adli Mansur, übernimmt.

Als die Armee nach dem Sturz Mubaraks mit dem Militärrat regierte, entzündete sich auch an ihrer Rolle immer wieder heftiger Protest.

Die Opposition befürchtete damals, dass die Generäle ihre Macht nicht mehr abgeben würden. Nach der Amtsübernahme Mursis entmachtete der Islamist auch die alte Armeeführung.

Mursi hob damals Abdel Fattah al-Sisi ins Amt des Verteidigungsministers.

Ein Jahr später ist ...

... Al-Sisi der Überbringer politischen Endes von Mursi.

Fest steht: Ohne, oder gar gegen die Armee geht auch in naher Zukunft nichts in Ägypten.

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