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Sonntag, 06. Dezember 2009

Der "Marktgraf" der FDP: Otto Graf Lambsdorff

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Noch vor wenigen Wochen warnte der frühere Bundeswirtschaftsminister die schwarz-gelbe Bundesregierung vor einem "Schuldenrausch". (Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Noch vor wenigen Wochen warnte der frühere Bundeswirtschaftsminister die schwarz-gelbe Bundesregierung vor einem "Schuldenrausch".

Noch vor wenigen Wochen warnte der frühere Bundeswirtschaftsminister die schwarz-gelbe Bundesregierung vor einem "Schuldenrausch".

Zwei Wochen vor seinem 83. Geburtstag ist der FDP-Ehrenvorsitzende in einem Bonner Krankenhaus gestorben.

Lambsdorff war ein Markenzeichen der Freidemokraten.

Als unbedingter Verfechter der freien Marktwirtschaft und scharfer Analytiker mit markiger Rhetorik genoss er hohes Ansehen über die Parteigrenzen hinweg (Bundespräsident Johannes Rau gratuliert Lambsdorff bei der Verleihung des Großkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, 2000).

"Zwischen Bismarck und Erhard" wurde der FDP-Politiker angesiedelt - wegen seiner preußischen Härte, …

… gepaart mit liberalem Bekenntnis zur freien Marktwirtschaft.

Sein langjähriger Spitzname "Marktgraf" wurde zu einer Art Ehrentitel.

In der deutschen Regierungsgeschichte ist Lambsdorffs Name mit der "Wende" von der sozial-liberalen Regierung Helmut Schmidts (Lambsdorff nach der Probeabstimmung der FDP-Fraktion, in der sich eine Mehrheit für das Konstruktive Misstrauensvotum gegen SPD-Kanzler Schmidt ausspricht) ...

… zur CDU/CSU/FDP-Koalition von Helmut Kohl verbunden. (v.l.: Kohl, Lambsdorff, seine Frau Alexandra, Ex-FDP-Chef Wolfgang Gerhardt, Kohls Ehefrau Maike Richter und Guido Westerwelle)

Lambsdorff, von 1977 bis 1984 Chef des Wirtschaftsressorts, schrieb damals einen Text, …

… in dem er einen Kurswechsel in der Wirtschaftspolitik mit drastischen Einschnitten bei den Sozialleistungen forderte (mit dem ehemaligen Außenminister Hans-Dietrich Genscher).

Das "Lambsdorff-Papier" läutete 1982 den Koalitionswechsel der FDP von der SPD zur Union ein.

In den 80er Jahren überschattete die Flick-Parteispendenaffäre die Karriere des langjährigen Bundestagsabgeordneten Lambsdorff (Friedrich Karl Flick mit einem Rechtsberater auf dem Weg zu einer Verhandlung vor dem Landesgericht in Bonn).

Lambsdorff wurde 1987 zu einer Geldstrafe verurteilt.

Dem Ansehen in seiner Partei schadete das nicht. Von 1988 bis 1993 war er FDP-Bundesvorsitzender.

Auch danach blieb der Kaufmannssohn aus westfälischem Adel kantig. (Ministerpräsident Jürgen Rüttgers verleiht Lambsdorff 2006 in Bonn den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen)

SPD-Kanzler Gerhard Schröder beauftragte 1999 den FDP-Mann, die Verhandlungen über die Entschädigung von NS-Zwangsarbeitern zu führen.

Das Verhandlungsgeschick Lambsdorffs in den diffizilen Gesprächen mit Anwälten und Verbänden der Opfer fand hohe Anerkennung (hier mit Stuart Eizenstat, dem Unterhändler der US-Regierung).

Die internationalen Verbindungen, die Lambsdorff auch als Vorsitzender der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung hatte, halfen ihm dabei (Lambsdorff mit dem Dalai Lama - die Friedrich-Naumann-Stiftung berät auch das tibetische Exil-Parlament in Indien).

Als Lambsdorff den Stiftungsvorsitz im April 2006 an Wolfgang Gerhardt abgab, hielt der frühere US-amerikanische Außenminister Henry Kissinger im Reichstaggebäude die Laudatio auf seinen Freund.

Ganz verschwinden wird der Name Lambsdorff aber auch nach dem Tod des FDP-Ehrenvorsitzenden nicht aus der Politik: Alexander Graf Lambsdorff, ein Neffe des "Marktgrafen", ist seit 2004 Europaabgeordneter der FDP.

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