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Politik

Geteilte Unabhängigkeit: Pakistan und Indien

 
Pakistan und Indien feierten ihre Unabhängigkeit.

Pakistan und Indien feierten ihre Unabhängigkeit.

Vor 60 Jahren, in der Nacht vom 14. auf den 15. August 1947, entließen die Briten beide Staaten in die Selbstständigkeit.

Grün, die Farbe des Propheten Mohammed, symbolisiert die Mehrheit der Moslems in Pakistan. Die weiße Fläche steht für die drei Prozent der Bevölkerung mit anderem Glauben.

Der Halbmond steht für Fortschritt, der weiße Stern für Licht und Wissen.

Pakistan feierte seine Unabhängigkeit schon am 14. August und grenzt sich so vom Nachbarn ab.

In Neu Delhi wurde Indiens Trikolore am 15. August gehisst. Der Indische Nationalkongress machte die Flagge bereits 1921 zu seinem inoffiziellen Symbol. Die Farben Safranrot, Weiß und Grün stehen für die religiösen Gruppen in Indien: Hindus und Moslems ...

... und Andersgläubige dazwischen. In der Mitte der Nationalflagge prangt das Rad des Gesetzes. Das ursprüngliche Chakra sollte Indiens wirtschaftliche und später seine politische Unabhängigkeit symbolisieren.

Mitte des 20. Jahrhunderts bildeten Indien, Pakistan und Bangladesch gemeinsam Britisch-Indien.

Der britische Einfluss hat die Länder geprägt.

Zu Kolonialzeiten wurde das Amt des indischen Vizekönigs von einem Briten bekleidet.

Der letzte Amtsinhaber war Admiral Earl Louis Mountbatten. Am 24. März 1947 wurde er ernannt.

Bereits am 21. Juni 1948 nahmen Lady und Earl Mountbatten Abschied und verließen Neu Delhi und das unabhängige Indien wieder.

Jawaharlal Nehru, auch Pandit Nehru genannt, wird wenig später erster indischer Premierminister. Der Politiker hat seine Schul- und Universitätsausbildung in England absolviert und bekleidet das Amt des Regierungschefs bis 1964.

"Vor vielen Jahren haben wir mit dem Schicksal ein Abkommen getroffen", erklärt Nehru anlässlich der ersten Unabhängigkeitsfeier. "Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, da wir gefordert sind, unser Versprechen ohne Wenn und Aber einzulösen."

Und er fährt fort: "Punkt zwölf Uhr, um Mitternacht, wenn der Rest der Welt schläft, wird Indien zu Licht und Freiheit erwachen." Doch die Freude der Feierlichkeiten wird bald getrübt.

Konflikte zwischen den ethnischen Gruppen Britisch-Indiens, zwischen Hindus, Sikhs und Moslems spitzen sich immer weiter zu. Bereits 1946 war es zu Gewaltausbrüchen gekommen.

Im Sommer 1946 hatte der Kongresspolitiker Mohammed Ali Jinnah die Moslems in Britisch-Indien aufgerufen, sich für einen eigenen Staat, für Pakistan, einzusetzen. Doch die Aktion läuft aus dem Ruder. Tausende verlieren bei den Ausschreitungen ihr Leben.

Dabei hatte der Pazifist und Freiheitskämpfer Mahatma Gandhi anfangs noch gehofft, Sikhs, Hindus und Moslems könnten friedlich in einem gemeinsamen Staat zusammenleben.

Gandhi kämpft seit den dreißiger Jahren unermüdlich für die Unabhängigkeit seiner Heimat - ohne Gewaltanwendung.

Zu Fuß marschiert er quer durch das Land bis zum Meer, wo er eigenhändig Salz gewinnt - ein Privileg der Briten.

Mit dem Marsch will er auf die Unrechtmäßigkeit der britischen Vorherrschaft in Indien Aufmerksam machen. Die Welt schaut zu, auch bei den Kolonialherren zeigt der friedliche Protest schließlich Wirkung.

Nehru kämpft an seiner Seite für Indiens Unabhängigkeit. Beide landen zwischenzeitlich im Gefängnis, aber am Ende krönt der Erfolg ihren Einsatz. Dennoch: Die Hoffnung auf ein friedliches Nebeneinander der Religionen wird enttäuscht.

Vielmehr bestätigt sich die Sorge, die religiösen Konflikte zwischen Hindus und Sikhs auf der einen, Moslems auf der anderen Seite könnten durch die Teilung Britisch-Indiens eskalieren.

Die ehemalige Provinz Punjab im Norden Britisch-Indiens wird zwischen Pakistan und Indien aufgeteilt. Die Trennungslinie verläuft zwischen den wichtigsten Städten der Region, Lahore und Amritsar.

Auch 60 Jahre nach der Teilung Punjabs leidet die Bevölkerung der Region noch immer unter den Folgen der damaligen Entscheidung, wie die folgenden Bilder aus dem Dezember 2001 belegen:

Schon 1947 sind die Menschen gezwungen, ihre Heimat zu verlassen, sich getrennt nach religiöser Zugehörigkeit in den neuen Staaten anzusiedeln.

Hindus und Sikhs überqueren die neue Grenze in östliche Richtung, ...

... Moslems machen sich auf den Weg in in den Westen der Region.

Rund 15 Millionen Menschen sind auf der Flucht.

Es bleibt nicht bei Protesten.

Bald drohen viele Gebiete im Bürgerkrieg zu versinken.

Hunderttausende verlieren ihr Leben.

Mit einem Hungerstreik will Gandhi die Führer der aufständischen Hindus und Moslems dazu bewegen, Frieden zu schließen.

Er riskiert dabei sein Leben, mit Erfolg. Das Morden hört auf, und der Mahatma nimmt wieder Nahrung zu sich.

1948 soll Gandhi für seinen gewaltfreien Protest den Friedensnobelpreis erhalten. Doch er nimmt die Auszeichnung nie entgegen. Am 30. Januar fällt er dem Attentat eines nationalistischen Hindus zum Opfer.

Die politische Situation zwischen Pakistan und Indien ist bis heute gespannt.

Auf zwischenmenschlicher Ebene sind die Beziehungen zwischen Indern und Pakistanern entspannter. Freundschaften sind keine Seltenheit.

Doch die Zivilbevölkerung leidet unter dem politischen Konflikt. Als dieser sich im Winter 2001 zuspitzt, ...

... schließt Indien die Grenze zwischen Lahore und Amritsar.

Zug- und Busverbindungen werden eingestellt.

Erst 2003 werden die Grenzen wieder geöffnet.

Die Situation in der Himalaya-Region Kaschmir, nördlich von Punjab, ist bis heute nicht geklärt und Auslöser für kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Pakistan und Indien.

Beide Staaten erheben Anspruch auf das Gebiet, in dem mehrheitlich Moslems leben, ...

... aber auch eine einflussreiche hinduistische Minderheit und Anhänger des buddhistischen Glaubens. Die Vereinten Nationen befassen sich in regelmäßigen Abständen mit dem Problemfall Kaschmir.

Besonders die Tatsache, dass sich Pakistan 1998 zur Atommacht aufgeschwungen hat, verschärft die Situation.

Indien führte 1974 erstmals Atomtests durch. Seit 2005 unterstützen die USA Indiens Nuklearforschung. Die jüngste Vereinbarung zwischen Indiens Premierminister Manmohan Singh und US-Präsident Bush bezieht sich auf die zivile Nutzung von Nuklearenergie.

Kernenergie soll die Energieversorgung des Landes und seiner 1,1 Milliarden Einwohner sichern.

Indien ist die wählerstärkste Demokratie der Welt. Und das System scheint zu funktionieren.

Laut Shashi Tharoor, einem Buchautor und früheren Unter-Generalsekretär der Vereinten Nationen, machen besonders die Armen von ihrem Wahlrecht Gebrauch.

"Weil sie wissen, dass ihre Stimme einen Unterschied macht", so der Autor.

Indiens Wirtschaftswachstum liegt bei acht Prozent.

Aber der Wohlstand kommt nicht bei allen an.

Regierungsangaben zufolge leben knapp 80 Prozent der indischen Bevölkerung von weniger als einem halben Dollar täglich.

Rund ein Prozent der indischen Bevölkerung sind Millionäre.

In Deutschland punktet das Land mit IT-Experten ...

... dem Traum von Bollywood und ...

... freundlichen Call-Girls und -Boys.

Auf der anderen Seite der 60 Jahre alten Grenze ist die Lage angespannt.

Islamisten gewinnen in Pakistan an Boden. Sie besetzen Gotteshäuser wie die Rote Moschee in der Hauptstadt Islamabad und verüben Anschläge. Der Militär- und Staatschef Musharraf gerät zunehmend in Bedrängnis.

Seit seinem Putsch im Jahr 1999 gegen die demokratisch gewählte Führung steht Pervez Musharraf an der Spitze Pakistans. Im Herbst 2007 soll das alte Parlament den Armeechef im Amt des Präsidenten bestätigen.

Will er Staatschef bleiben, muss es ihm gelingen, die radikal-islamischen Rebellen unter Kontrolle zu bringen. Sie verschanzen sich in den nordwestlichen Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan und stehen in Kontakt zum Terrornetzwerk El Kaida.

Die pakistanische Bevölkerung feiert den 61. Unabhängigkeitstag unter dem Bildnis des Landesvaters Jinnah. Der Politiker gehörte dem Nationalkongress Britisch-Indiens seit 1896 an und vertrat einen gemäßigten Islam.

In einer Rede kurz vor dem Unabhängigkeitstag im August 1947 äußerte Jinnah seine Hoffnung: "In diesem Staat Pakistan seid ihr frei."

"Frei, in eure Tempel oder Moscheen oder in andere Gebetsstätten zu gehen."

"Welcher Religion, Kaste oder Konfession ihr auch angehören mögt, ist nicht Sache des Staates."

"Im Laufe der Zeit werden Hindus aufhören, Hindus zu sein und Muslime aufhören, Muslime zu sein - nicht im religiösen Sinne, sondern im politischen Sinn als Bürger eines Staates." (Alle Bilder AP, dpa)

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