Bilderserie

Der Intellektuelle auf dem Stuhl Petri: Papst Benedikt XVI. gibt Amt auf

Bild 2 von 62
Papst Bendikt, der Sechzehnte - der Mann, der einem großen deutschen Boulevardblatt die Schlagzeile "Wir sind Papst" bescherte - gibt sein Amt auf. (Foto: Reuters)

Papst Bendikt, der Sechzehnte - der Mann, der einem großen deutschen Boulevardblatt die Schlagzeile "Wir sind Papst" bescherte - gibt sein Amt auf.

Es ist eine Botschaft, die die Katholische Kirche in ihren Grundfesten erschüttert: ...

Papst Bendikt, der Sechzehnte - der Mann, der einem großen deutschen Boulevardblatt die Schlagzeile "Wir sind Papst" bescherte - gibt sein Amt auf.

Das Pontifakt des mittlerweile 85-jährigen Papstes soll am 28. Februar um genau 20.00 Uhr enden, wie das Oberhaupt der katholischen Christen überrraschend mitteilt.

Im Vatikan geht damit die Ära Josef Ratinger nach nicht ganz acht Jahren zu Ende: Gesundheitliche Gründe zwingen den Deutschen zu seiner aufsehenerregenden Entscheidung: ...

"Nachdem ich wiederholt mein Gewissen vor Gott geprüft habe, bin ich zur Gewissheit gelangt, dass meine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben", erklärt Benedikt.

Rückblick: Ins Amt gewählt wird Kardinal Joseph Ratzinger am 19. April 2005. Die Entscheidung seiner Glaubensbrüder bestimmt ihn zum 265. Papst auf dem Stuhle Petri. Zum ersten Mal seit fast 500 Jahren steht damit wieder ein Deutscher an der Spitze der katholischen Kirche.

Ratzinger nimmt den Namen Benedikt XVI an. Damit bezieht er sich sowohl auf Benedikt von Nursia, auf den das Benediktinische Mönchtum zurückgeht, als auch auf Benedikt XV, der im Ersten Weltkrieg als "Friedenspapst" bekannt wurde.

Als der Intellektuelle Papst wird, ist bereits wahrscheinlich, dass er nicht die Popularität seines Vorgängers Johannes Paul II. erreichen wird.

Womit allerdings kaum einer rechnet: Unter Benedikt wird die katholische Kirche von Skandalen erschüttert, sein Pontifikat wird von heftigen Kontroversen geprägt.

Die katholische Kirche scheint sich in einer Dauerkrise zu befinden. Noch immer ringt sie mit dem Widerspruch zwischen Tradition und Moderne.

Benedikt sieht sich hierbei als Bewahrer, nicht als Reformer.

Vor seiner Wahl zum Papst stand Benedikt der Glaubenskongregation vor. 1981 hatte ihn Papst Johannes Paul II. zum Präfekten jener Vatikan-Behörde gemacht, die für den Schutz der "Glaubens- und Sittenlehre" zuständig ist.

Ratzinger schreibt zahlreiche Bücher. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie Religion ihren Platz in einer modernen, säkularen Welt findet.

Benedikts Antwort geht in die Richtung, die "Übertreibungen" des Zweiten Vatikanischen Konzils einzudämmen. Dort waren in den 1960er Jahren Reformen eingeleitet worden.

Dabei gilt Ratzinger zunächst als fortschrittlicher Theologe. Er studierte von 1946 bis 1951 Katholische Theologie und Philosophie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Freising und wird danach zum Priester geweiht.

Mit gerade einmal 30 Jahren beginnt Ratzinger in Freising, Dogmatik zu lehren. Dann erhält er einen Ruf nach Bonn, wo er von 1959 bis 1963 Ordinarius für Fundamentaltheologie ist.

Er ist ein Professor mit Leib und Seele. Nach einer Station in Münster folgt die Lehrtätigkeit in Tübingen, danach an der Universität Regensburg.

Prägend für Ratzingers Biografie ist die Teilnahme am Zweiten Vatikanischen Konzil im Jahre 1962. Dieses war von Papst Johannes XXIII. einberufen worden, um Reformen in der katholischen Kirche einleiten zu können

Ratzinger ist Berater des Kölner Kardinals Joseph Frings. Am Ende der ersten Sitzungsperiode wird er zum offiziellen Konzilstheologen ernannt.

Nach Ende des Konzils 1965 - hier Papst Paul VI. - ist Ratzinger in Kirchenkreisen bekannt.

Im März 1977 ernennt ihn Paul VI. zum Erzbischof von München und Freising. Im Mai empfängt Ratzinger die Bischofsweihe. Als Bischofs-Motto wählt er "Mitarbeiter der Wahrheit".

Den Abschied von der Hochschule nennt Ratzinger später eine schwierige Entscheidung: "Mit der Bischofsweihe beginnt auf dem Weg meines Lebens die Gegenwart."

Im Konsistorium vom 27. Juni 1977 ernennt Papst Paul VI. Erzbischof Ratzinger zum Kardinalpriester.

Am 17. Oktober 1978 wird der Pole Karol Wojtyla zum Papst gewählt. Er gibt sich den Namen Johannes Paul II. Unter dem neuen Kirchenoberhaupt wächst der Einfluss von Joseph Kardinal Ratzinger.

Danach folgt der Ruf aus Rom. Der Papst ernennt Kardinal Ratzinger im November 1981 zum Präfekten der Glaubenskongregation und zum Präsidenten der Päpstlichen Bibelkommission und der Internationalen Theologenkommission.

Im Februar 1982 verzichtet Ratzinger auf die Leitung der Erzdiözese München und Freising und geht für immer in die Ewige Stadt.

Während der Einfluss Ratzingers im Vatikan stetig wächst, festigt sich in Deutschland das Bild vom konservativen "Panzerkardinal".

Er wendet sich gegen die vor allem in Lateinamerika tätigen Befreiungstheologen. Später erzwingt er den Ausstieg der deutschen katholischen Kirche aus der Schwangeren-Konfliktberatung.

Eigentlich will Joseph Ratzinger weiter Kardinal bleiben, Vorträge zu wichtigen theologischen Fragen halten und publizieren.

Doch es soll alles anders kommen.

Am 2. April 2005 stirbt Papst Johannes Paul II. nach langer, schwerer Krankheit im Alter von 84 Jahren.

Ratzinger wird sein Nachfolger.

"Ich habe mit tiefer Überzeugung zum Herrn gesagt: Tu' mir dies nicht an", bekannte Ratzinger kurz nach seiner Wahl zum neuen Papst Benedikt XVI.

Benedikt steht für einen Katholizismus, der Konservative und Orthodoxe bestärkt. Er ist überzeugt, dass dieser Weg der katholischen Kirche den Fortbestand in einer säkularen Welt sichert.

Vor diesem Hintergrund kommt er in der Regel den Konservativen und nicht den Reformern entgegen.

An der rigiden Sexualmoral und Ablehnung von Homosexualität hält der Papst ebenso fest wie am Zölibat.

In einigen Fällen dreht Benedikt das Rad des Zweiten Vatikanischen Konzils sogar zurück: Mit der Wiederzulassung der sogenannten tridentinischen Messe in lateinischer Sprache erfüllt er eine langjährige Forderung von Traditionalisten.

Zu der tridentischen Liturgie gehört auch eine Neufassung der Karfreitagsfürbitte für die Juden: "Lasst uns auch beten für die Juden. Dass unser Gott und Herr ihre Herzen erleuchtete, damit sie Jesus Christus erkennen, den Heiland aller Menschen".

Bei vielen Juden stößt dies auf Empörung, sie sehen die Fürbitte als Aufruf zur Missionierung.

Der alte Ritus wird allerdings nur in einigen wenigen Kirchen gefeiert. In den anderen Karfreitagmessen werden Juden weiterhin als Brüder bezeichnet, zu denen Gott zuerst gesprochen habe.

Benedikt steht für den Dialog mit dem Judentum. Er räumt mit dem klassischen antisemtischen Vorurteil auf, die Juden seien kollektiv schuld am Tode Jesu.

Benedikt ist der erste Papst, der in Deutschland eine Synagoge betritt. In Köln erteilt er Antisemitismus eine deutliche Absage und betont die gemeinsamen Wurzeln von Christen und Juden.

Außerdem nimmt er an einem jüdischen Totengebet für die im Holocaust ermordeten Kölner Juden teil.

2006 besucht Benedikt das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz.

"An diesem Ort des Grauens, einer Anhäufung von Verbrechen gegen Gott und den Menschen ohne Parallele in der Geschichte ist der Papst, der aus Deutschland kommt, hier, um die Gnade der Versöhnung zu erbitten“, sagt Benedikt.

Vor diesem Hintergrund sorgt die Affäre um den Holocaust-Leugner Richard Williamson für viel Unverständnis.

Benedikt geht es bei dieser Entscheidung um die Einheit der Kirche.

Sie hatten sich 1988 ohne Zustimmung des damaligen Papstes weihen lassen. Sie dürfen nunmehr wieder die Sakramente empfangen, ihr Amt aber nicht ausführen.

Der Papst verlangt, Williamson müsse seine Aussagen widerrufen. Zugleich verurteilt er jede Form der Holocaust-Leugnung. "Der leise Gestus der Barmherzigkeit erschien plötzlich als etwas ganz anderes: als Absage an die christlich-jüdische Versöhnung", schreibt er den Bischöfen der katholischen Kirche.

Für Irritationen sorgt Benedikt auch, als er im September 2006 auf einer Reise nach Deutschland in Regensburg den byzantinischen Kaiser Manuel II. zitiert. Der hatte gesagt, der Prophet Mohammed habe "nur Schlechtes und Inhumanes" gebracht.

Nach Protesten in der islamischen Welt bedauert der Papst, mit dem Zitat religiöse Gefühle verletzt zu haben, und spricht von einem "Missverständnis". Zugleich verstärkt er den Dialog des Vatikans mit Muslimen.

Doch es ist vor allem der Missbrauchsskandal, der den Vatikan in eine tiefe Krise stürzt.

Die über mehrere Kontinente rollende Enthüllungswelle offenbart nicht nur zahlreiche Missbrauchsfälle. Katholische Würdenträger haben überdies Taten verschleiert, um das Ansehen der Kirche nicht zu beschädigen. Die Vorwürfe reichen in die höchsten Kreise des Vatikans, bis hin zu Benedikt selbst.

Die Katholische Kirche reagiert langsam. Doch Benedikt findet später deutliche Worte: Sünden innerhalb der Kirche seien die größte Bedrohung für die Institution. Die Kirche habe weder schnell noch entschlossen genug reagiert.

Benedikt ruft die Kirche zu Reinigung auf, trifft sich mit Missbrauchsopfern und bittet um Vergebung.

Benedikt steht nicht nur für das Gespräch mit Juden und Muslimen, sondern auch für den innerchristlichen Dialog. Dabei fallen vor allem die Bemühungen auf, sich den orthodoxen Kirchen anzunähern.

Die Annäherung zum Protestantismus stockt dagegen. Das liegt nicht nur daran, dass Benedikt die Einzigartigkeit der römisch-katholischen Kirche betont, sondern auch an theologischen und weltanschaulichen Fragen.

Der Weg zu einem gemeinsamen Abendmahl ist damit noch weit.

Doch was sich Gläubige wünschen, ist für Benedikt kein Maßstab. Der Papst verfolgt vor allem zwei Ziele: Die christlichen Kirchen zu vereinigen und die katholische Kirche im 21. Jahrhundert zu erhalten.

Benedikt ist davon überzeugt, hierbei den richtigen Weg zu gehen.

Mit seinem Rückzug aus dem Amt schlägt er in der jahrtausendealten Geschichte des Papsttums ein neues Kapitel auf: Er ist erst der zweite Papst überhaupt, der den Weg des Rücktritts wählt.

Wer sein Nachfolger wird, ist vollkommen offen. Sicher ist nur: Er wird der Katholischen Kirche seinen Stempel aufdrücken. (Text: jga/wne/mmo)

weitere Bilderserien