Bilderserie

Wahlprogramme in Miniatur: Parteien basteln ihr Wunderland

Von Diana Sierpinski

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Wenn Sie nach ermüdenden TV-Duellen, ... (Foto: dpa)

Wenn Sie nach ermüdenden TV-Duellen, ...

Wenn Sie nach ermüdenden TV-Duellen, ...

... ungebetener Wahlplakatbombardierung und ...

... schwerverdaulicher Nachtlektüre immer noch keinen blassen Schimmer haben, von welcher Zukunft die Parteien träumen, dann könnte diese Bilderserie für den erhofften Durchblick sorgen.

Denn: Dem Angebot, die Welt einmal so zu formen, wie es im Wahlprogramm steht, konnte keine der sechs großen Parteien widerstehen. Auch wenn es sich dabei nicht um die große, weite, echte Welt handelt - ...

... sondern nur um einen Quadratmeter Modelland, bereitgestellt vom Miniatur Wunderland in Hamburg.

Nach 4000 Arbeitsstunden ist die Welt nun so, wie sie den Parteien gefällt.

So stellt sich die CDU ihr Utopia vor: Deutschland eingebunden in Europa. Stadt- und Landleben sind kein Widerspruch.

Der Polizist mit Migrationshintergrund steht für eine gelungene Integration und ein sicheres Deutschland.

Das Mehrgenerationenhaus Konrad soll Jung und Alt gleichermaßen ein Gefühl von Zugehörigkeit und Heimat suggerieren. Bezahlbare Mieten sind natürlich inklusive.

Die Staatsverschuldung ist im Ideal-Deutschland der CDU auf null gesunken. Und es werden auch keine neuen Schulden gemacht.

Die Menschen im konservativen Wunderland sind gesellige Zeitgenossen. Vor einer Kirche feiern sie gemeinsam ein Erntedankfest.

Und so sieht es im SPD-Utopia aus: Nach 150 Jahren Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit gehört 2013 auch die Schwesterlichkeit dazu.

Der Kampf um Gerechtigkeit wird hier verdeutlicht: Ein riesiges Sparschwein steht für sicheres Sparen für den Normalbürger - das Roulette symbolisiert die Zockerbank, bei dem der Spieler für seine Verluste selber einstehen muss.

Finanz-Heuschrecken haben im SPD-Wunderland keine Chance.

Die Multikulti-Hochzeit steht für Frieden, Völkerverständigung und Toleranz.

Eines der Lieblingsdetails der SPD ist die Bildungstreppe, mit der man seine Lebensbedingungen verbessern kann.

Familien sollen im SPD-Utopia wieder durchatmen können.

Hier wird die Kluft, die die Gesellschaft in arm und reich teilt, dargestellt. Doch die Miniatur-Menschen im SPD-Utopia sind dabei, den Graben zu überwinden. Sie spannen Seile und bauen eine Brücke aus Bildung und Gleichberechtigung.

Steueroasen soll es mit der SPD nicht mehr geben.

Zum grünen Wunderland gehört eine Versorgung aus 100 Prozent erneuerbarer Energie.

Die Kinder werden bei den Grünen in Ganztagsschulen geschickt, idealerweise findet der Unterricht auf dem Balkon statt. Vor dem Schulgebäude lädt ein Markt zum Verweilen ein.

Im grünen Wunderland haben die Tiere viel Platz und sind glücklich.

Im grünen Utopia gibt es Mindestlohnfabriken, ...

... Rüstungs- und Waffenfabriken werden dagegen abgewickelt.

Eine NPD-Parteizentrale beschädigt die Grünen-Utopie, steht für Intoleranz und Menschenfeindlichkeit.

Genau wie der große Koalitionspartner CDU will auch die FDP es schaffen, die Staatsschulden auf null zu senken. In ihrem Wunderland ist dies bereits gelungen, wie das Denkmal auf dem Marktplatz zeigt.

In der liberalen Welt ist das Geld sicher. Die Bekämpfung der Inflation sei vor allen Dingen eine soziale Aufgabe.

Aus dem geschlossenem Arbeitsamt wird bei der FDP ein Start-Up-Center. In ihrem Utopia herrscht Vollbeschäftigung. Jungunternehmern soll mit guten Ideen der Weg in die Selbstständigkeit geebnet werden.

Im Dahrendorf-Gymnasium gibt es Chancen für alle.

In der Kita "Freiraum" können sich die Kleinsten im Utopia der FDP austoben. Sie ist 24 Stunden geöffnet - so soll den Eltern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtert werden.

Nicht Mietpreisbremsen sorgen dafür, dass die Mieten niedrig bleiben. Im FDP-Utopia wird auf Miet-Neubau gesetzt.

Überwachungskameras werden im Wunderland der Liberalen abgeschraubt.

Noch dürfen Homosexuelle kein Blut spenden, da sie zur Risikogruppe gezählt werden. Gleichgeschlechtliche Paare dürfen keine Kinder adoptieren. Beides will die FDP ändern.

Zwar ist die CSU eine eigenständige Partei im Bundestag, sie setzt in ihrem Utopia aber auf bayerische Themen. Hier zum Beispiel auf ein schuldenfreies Bayern.

Die CSU präsentiert ihre Vorstellung vom Unternehmen der Zukunft: Jeder Mensch soll eine Arbeit haben, von der er leben kann. Auch die Jugendarbeitslosigkeit will die Partei weiter bekämpfen, kein Auszubildender soll ohne Abschluss bleiben.

Die Szene mit den berittenen Polizisten steht für die innere Sicherheit in Deutschland. Dem aufmerksamen Betrachter fällt der Horst-Seehofer-Weg ins Auge.

Im Wunderland der CSU soll die Energiewende sicher und bezahlbar geschafft werden. Dafür steht die Biogasanlage im Modell. Diese ist idyllisch an einem See gelegen und macht dadurch auch auf das Thema Naturschutz aufmerksam.

Im Utopia der Linken gibt es zwei Orte: Die eine Seite soll zeigen, wie die Linken sich eine Idealwelt vorstellen. Auf der anderen Seite ist ein Horrorszenario zu sehen.

In "Fiesbaden" sind die Menschen unfrei und ...

... werden rund um die Uhr vom Staat überwacht, ohne davon zu wissen. Die Überwachungszentrale ist der Mittelpunkt der Stadt.

Die Überwachungskameras werden von den Insassen des Gefängnisses hergestellt.

In diesem Wohnblock in "Fiesbaden" leben ausschließlich Hartz-IV-Empfänger.

In "Wiesbaden" sieht die Welt dagegen ganz anders aus.

Hier ist die Einheit von Mensch und Natur wieder hergestellt.

Im Rudolf-Bahro-Institut wird sozial-ökologisch geforscht.

Der Kindergarten im Linken-Utopia ist ein modernes Gebäude, das in die Natur integriert wurde. Inklusion ist hier selbstverständlich.

Utopia wurde von den Brüdern Frederik und Gerrit Braun erdacht. Sie starteten das Projekt bereits im Juni 2009 - als die Wahlbeteiligung bei der Europawahl auf ein Rekordtief absackte. Ihre Idee, einen anderen, kurzweiligen Zugang zu Politik und Wahlprogramme zu schaffen, dürfte aufgegangen sein.

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