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Manchmal muss man eingefahrene Gleise mal wieder verlassen, etwas ganz anders machen.
Ein Aufbruch zu neuen Horizonten eben. In der Politik kann man dann in die Wirtschaft gehen oder die Partei wechseln.
Und das passiert immer wieder.
Einer der prominentesten Parteiflüchtlinge der Vergangenheit brachte es später noch zu Ruhm und Ehren.
Gustav Heinemann lehnte den Wiederbewaffnungskurs Konrad Adenauers ab und trat aus der CDU aus.
Zunächst gründete er die Gesamtdeutsche Volkspartei, fünf Jahre später trat er dann jedoch der SPD bei und wurde ein sozialdemokratischer Bundespräsident.
Erich Mende kehrte der FDP 1970 den Rücken zu. Der ehemalige Parteichef ging zur CDU. Als Vertreter des nationalliberalen Flügels war er bei den Liberalen zuletzt isoliert.
Ein Jahr zuvor hatten die Liberalen Zuwachs bekommen. Der spätere Vizekanzler unter Helmut Kohl, Jürgen Möllemann, kam von der CDU.
In den 1980-er Jahren büßte die FDP einige prominente Mitglieder ein, als die Freidemokraten die sozial-liberale Koalition zugunsten der Union platzen ließen.
Unter anderem tauschten Ingrid Matthäus-Meier ...
... und Günter Verheugen ihr FDP-Parteibuch gegen eines der SPD.
Geschadet hat es beiden nicht. Matthäus-Meier war lange die Finanzexpertin der Sozialdemokraten, bevor sie 2005 auf dem SPD-Ticket Vorstandsvorsitzende der KfW-Bankengruppe wurde.
Verheugen brachte es mit der Erfahrung eines FDP-Generalsekretärs zunächst zum SPD-Bundesgeschäftsführer.
Später war er Staatsminister im Auswärtigen Amt, bis ihn Deutschland als EU-Kommissar nach Brüssel entsandte. Dort ist er inzwischen Kommissionsvizepräsident.
Zugang bekam die SPD aber auch von den Grünen. Otto Schily galt schon bei den Grünen als "bürgerlicher Außenseiter".
Als er 1989 auch noch fürchten musste, sein Bundestagsmandat zu verlieren, nahm er das SPD-Angebot eines sicheren Listenplatzes an und wechselte die Partei.
Nach dem Sieg von SPD und Grünen bei der Bundestagswahl 1998 wurde Schily Bundesinnenminister, für die SPD.
Die Genossen haben mit einem früheren Parteivorsitzenden allerdings auch den möglicherweise spektakulärsten Überläufer zu bieten.
Oskar Lafontaine galt lange als einer der profiliertesten Sozialdemokraten, 13 Jahre lang war er saarländischer Ministerpräsident.
1995 putscht er den glücklosen Rudolf Scharping an der Parteispitze weg und wird selbst SPD-Vorsitzender. Drei Jahre später beim Sieg von Rot-Grün wird er Bundesfinanzminister.
Doch die Männerfreundschaft mit Gerhard Schröder hält der Hierarchie zwischen Kanzler und Minister nicht stand. Nach 186 Tagen tritt Lafontaine zurück.
Nach fast 40 Jahren Mitgliedschaft tritt er 2005 aus der SPD aus und tritt der Linkspartei bei, deren Chef er inzwischen ist.
Es geht aber auch hier in die andere Richtung. Angela Marquardt saß vier Jahre für die PDS im Bundestag.
Vor wenigen Tagen erklärte die 36-Jährige, die der PDS 2003 den Rücken kehrte, ihren Beitritt zur SPD. Aber sie sei "keine Überläuferin", sagt sie.
Die Linke war im vergangenen Jahr allerdings ein beliebtes Ziel bei den politischen Überläufern.
SPD-Mitglied Rudolf Dreßler dachte wegen der Wandlung seiner Partei nur laut über einen Austritt nach. Eine Abwanderung nach links ist ihm inzwischen aber nicht mehr geheuer.
Gabriele Pauli hat ihren Abschied aus der CSU bereits vollzogen.
Nicht weil sie nicht CSU-Chefin geworden ist, sondern weil die Partei sie schlecht behandelt hat.
Allerdings scheint die Parteirebellin bei anderen Parteien nicht sehr gefragt zu sein. Die Freien Wähler waren ursprünglich interessiert, aber nach dem Lack-Auftritt in der Presse sind die Werbungen leiser geworden.
Vielleicht melden sich die Grünen ja noch.
Die haben jedenfalls Oswald Metzger verloren. Metzger hatte gesagt, Sozialhilfeempfänger sähen "ihren Lebenssinn darin, Kohlehydrate oder Alkohol in sich hinein zu stopfen, vor dem Fernseher zu sitzen und das Gleiche den eigenen Kindern angedeihen zu lassen".
Das fand bei seinen Parteifreunden kein gutes Echo. Auf dem Parteitag schrieben sie ihm ins Stammbuch, er solle nicht gehen, aber in sich gehen.
Da ging er lieber. Seitdem lieferten sich FDP ...
... und CDU ein Kopf-an-Kopf-Rennen um das potentielle Neumitglied Metzger.
Nun geht er zur CDU. Angesichts der nach Hamburg diskutierten Perspektive für schwarz-grüne Bündnisse nur konsequent.
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