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Politik

Amigos, Weißwürste und der Schrecken der Weinkönigin: Poltern und Trinken am Aschermittwoch

 
Amigos, Weißwürste und der Schrecken der Weinkönigin: Poltern und Trinken am Aschermittwoch

Es ist Aschermittwoch, ...

... und für viele beginnt nun eine Zeit der Einkehr und des Fastens.

Für andere wiederum geht es jetzt noch einmal richtig los.

Blaskapellen scheppern, ...

... Affen werden aufgefahren ...

... und es ist klar: ...

Am politischen Aschermittwoch muss am frühen Morgen schon Bier getrunken werden, ...

... viel Bier, ...

... wenn man nicht blass aussehen will.

Aber es geht noch um mehr: Jeder Politiker, der etwas auf sich hält, muss auch poltern, was das Zeug hält, und möglichst markige Sprüche heraushauen.

Bei der CSU geht es allerdings in diesem Jahr etwas lahm zu.

Der Grund: CSU-Chef Horst Seehofer übt sich gerade als Interims-Präsident und hält sich, der Würde seines kurzzeitigen Amtes entsprechend, mit den gewohnten Angriffen auf Berlin und die Welt zurück. Immerhin darf er doch noch öffentlich über seinen Aufstieg staunen: ...

... "Für einen, der angeblich nicht weiß, was er will, eine ganz schöne Karriere. Auf deutscher Ebene fehlt nur noch ein Amt von Bedeutung - aber dazu habe ich noch genug Zeit."

Und er stellt klar: Der Aschermittwoch ist eigentlich eine Erfindung der CSU. "Wir sind das Original und alle anderen sind Plagiate."

Ungewohnt staatstragend und wie ein Elder Statesman gibt sich auch Edmund Stoiber, der Vorgänger von Seehofer, den nun die Parteibasis umjubelt. Und auch er erklärt noch einmal den Aschermittwoch: "Der politische Aschermittwoch ist keine Fortsetzung des Faschings, keine bayerische Folklore."

Und er erklärt die Rolle der Bayern, indem er sich selbst zitiert: "Notfalls müssen die Bayern die letzten Preußen in Deutschland sein."

"Ich hab immer alles gegeben und ich kann nur hoffen, lieber Franz-Josef, dass du zufrieden warst."

Für die Abteilung Attacke ist auf diesem Aschermittwoch CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt zuständig.

"Ich habe schon erklärt: Sigmar Gabriel ist übergewichtig und unterbegabt", sagte er. "Das war untertrieben. Gabriel ist ein übler Foulspieler."

Übergewicht kann man FDP-Chef Philipp Rösler nicht vorwerfen. Er sonnt sich noch immer in seinem Erfolg vom Sonntag, als er sich erfolgreich für die Nominierung Joachim Gaucks zum Bundespräsidenten einsetzte und damit die Kanzlerin zum Toben brachte.

Nun tönt er, ob zu Griechenland oder generell: "Wir werden uns nicht länger erpressen lassen."

Und weiter: "Wer sich selbst zum Weißwürstchen macht, darf sich nicht wundern, dass er als solches verspeist wird."

Grünen-Bundestagsfraktionschefin Renate Künast sieht die FDP mehr in der Würstchenrolle und bezeichnet Rösler als "absoluten Ausfall". "Er ist der größte Bremser aller Zeiten."

FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle nennt Künast den "Schrecken aller Weinköniginnen". "Die werden immer alle von ihm geküsst und wissen gar nicht, wie sie schnell genug wegkommen".

Keine Angst vor Brüderle hat Günen-Chefin Claudia Roth, die eher dem Bier zugeneigt ist.

Sie ergreift die Gelegenheit, um noch einmal den zurückgetreten Präsidenten Christian Wulff zu attackieren: "Es war wirklich ein würdeloses Klammerspiel, das wir in den letzten Wochen erlebt haben".

Bayerns Grünen-Fraktionschefin Margarete Bause spottet über den plötzlichen Zuspruch der CSU für Gauck. "Eingeknickt sind sie, von Einsicht keine Spur".

Und sie übt sich im Reimen: "Da wundert sich der Wetterhahn, wie schnell der Horst sich drehen kann."

Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht im mecklenburg-vorpommerschen Demmin - und attackiert vor allem die SPD in Nordrhein-Westfalen. Schulden machen sei der falsche Weg.

"Arbeitsplätze in der Wirtschaft bringen Steuergelder, Arbeitsplätze beim Staat kosten Steuergelder", so die CDU-Vorsitzende. Allerdings ist dies nur ein kleiner Teil ihrer Rede.

Das sichtbare Engagement Merkels ist vor allem ihrem flammenden Plädoyer geschuldet: "Wir wissen, wir können es in Deutschland nicht mehr allein schaffen. Deshalb ist Europa unsere Zukunft."

SPD-Chef Sigmar Gabriel bleibt bei gewohnter politischer Prosa: Die Regierung solle "mal ein bisschen demütiger werden".

"Die benehmen sich wie eine Praktikanten-Initiative - aber wenn man das sagt, hat man schon Angst, dass man die Praktikanten beleidigt."

Kanzlerin Angela Merkel habe solche Leute in Amt und Würden gebracht wie Wulff, "der sich wie ein Amigo benimmt, der das Land sich selbst und der CDU zur Beute macht".

Die Suche nach einem Nachfolger Wulffs sagte er: "Das hatte Karnevalistenqualität."

Fast so wie der politische Aschermittwoch.

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