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"Ich bin Christus überlegen": Robert Mugabe, der greise Herrscher Simbabwes

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Robert Mugabe hat einst erklärt, er werde Simbabwe bis zu seinem 100. Geburtstag regieren. (Foto: ASSOCIATED PRESS)

Robert Mugabe hat einst erklärt, er werde Simbabwe bis zu seinem 100. Geburtstag regieren.

Robert Mugabe hat einst erklärt, er werde Simbabwe bis zu seinem 100. Geburtstag regieren.

Fast scheint es, als sollte er recht behalten.

Seit mehr als 35 Jahren führt Mugabe das Land, 2013 wurde er unter zweifelhaften Umständen für fünf Jahre wiedergewählt.

Dank einer Verfassungsänderung könnte er im Amt bleiben, bis er 99 Jahre alt ist.

Von seiner Mission gibt er sich überzeugt.

Es sei "Gottes Wille", dass er so lange lebe, sagte er.

Am 21. Februar wurde er 93 Jahre alt - damit ist er das weltweit älteste Staatsoberhaupt.

An diesem Samstag nun folgt die prunkvolle Feier für den Dauerherrscher.

An den Ruhestand denkt Mugabe nicht: Ein Amtsverzicht käme nur in Frage, wenn seine Partei Zanu-PF ihn dazu auffordern würde, sagt er.

Lange Sprechpausen begleiten das Interview, zwischendurch fallen Mugabe sogar die Augen zu.

Für den Westen ist der 93-Jährige längst zum Paria geworden.

In Simbabwes Nachbarländern gilt er allerdings als Stabilitätsgarant, ...

... und im eigenen Land ist seine Machtposition ungefährdet.

In einem einstündigen Fernsehinterview erklärt er: "Wenn ich das Gefühl habe, dass ich es nicht mehr kann, dann würde ich das meiner Partei sagen, damit sie mich ablösen kann. Im Moment kann ich das aber noch nicht sagen."

Und für die meisten seiner Landsleute ist Mugabe immer noch der Freiheitskämpfer, der das einstige Südrhodesien vor mehr als drei Jahrzehnten von der britischen Kolonialherrschaft befreite.

Lange wurde er mit Nelson Mandela verglichen.

Wie der im Dezember 2013 verstorbene südafrikanische Anti-Apartheidsheld kämpfte er gegen die Rassentrennung.

Wie er verbrachte Mugabe Jahre im Gefängnis, wo er mehrere Diplome erwarb.

Und wie Mandela wusste der strenggläubige Katholik, Lehrer und Marxist wichtige Unterstützer für sich zu gewinnen.

1980 gewann seine Zanu-Partei überraschend die Parlamentswahl, und Mugabe wurde Regierungschef der neuen Republik Simbabwe. In seinen ersten Jahren als mächtiger Mann in Harare gab es Grund zur Hoffnung.

Der einstige Musterschüler, der ab dem zehnten Lebensjahr ohne seinen Vater aufwuchs, verwandelte Rhodesien in ein wirtschaftlich und gesellschaftlich vorwärtsgewandtes Simbabwe.

Er setzte sich für ein friedliches Zusammenleben von Schwarz und Weiß ein.

Gleichzeitig verbesserte er die Lage der schwarzen Bevölkerung.

Die Lebenserwartung stieg dank eines verbesserten Gesundheitswesens von 56 auf 64 Jahre, die Kindersterblichkeit sank.

Auch Simbabwes Bildungssystem wurde im Ausland hochgelobt.

Für ausländische Investoren war das südafrikanische Land attraktiv.

Dabei übersahen viele, dass Mugabe schon damals brutal gegen seine Opponenten vorging.

1982 ließ er die Anhänger seines Widersachers und einstigen Mitstreiters Joshua Nkomo unbarmherzig verfolgen, bei Massakern in der Provinz Matabeleland wurden zwischen 10.000 und 20.000 Angehörige der Ndebele getötet, die Nkomo unterstützt hatten.

Fünf Jahre später wurde Mugabe Präsident.

Zunehmend trieb er sein Land in den Ruin. Einen Tiefpunkt markierte die Landreform aus dem Jahr 2000, die zur oft gewaltsamen Enteignung Tausender weißer Farmer führte.

Mugabe ließ sie vertreiben und ihr Land an schwarze Landsleute verteilen, die damit auf Anhieb oft nicht zu wirtschaften wussten.

Eine atemraubende Inflationsrate und eine Massenabwanderung ausgebildeter Fachkräfte nach Südafrika waren die Folge.

Aus dem einstigen Brotkorb der Region wurde ein Bittsteller, ausländische Sanktionen verschlimmerten die Lage.

Mugabe selbst stilisierte sich zum Symbol des Nationalstolzes. Bei seinen Auftritten mangelte es nie an Tiraden gegen die westlichen Gegner, allen voran die Briten.

Damit sammelte er Punkte bei Staaten, die dem Westen ebenfalls feindlich gegenüber stehen.

Stimmung für sich machte Mugabe auch mit Verunglimpfungen von Schwulen. Diese seien "schlimmer als Schweine und Hunde". Er selbst heiratet 1996 erneut: ...

Grace Mugabe, ehemals Sekretärin ihres Mannes und 42 Jahre jünger. Spekulationen zufolge will sie das Präsidentenamt übernehmen.

Ihr Mann soll diplomatischen Quellen zufolge seit Jahren an Prostatakrebs leiden. Mugabe weist entsprechende Gerüchte aber zurück.

Dass er sich häufig zu Behandlungen in Singapur aufhält, erklärt sein Sprecher mit Grauem Star.

Es gibt keine Anzeichen, dass Mugabe doch irgendwann die Lust am Herrschen verliert.

Sein Alter bedeute nichts, sagte er einst der "New York Times". Grace Mugabe beteuerte zuletzt, dass ihr Mann zur Wahl 2018 antreten werde - lebendig oder tot.

Schon seit Längerem reagiert der Greis auf alle Nachfragen zu diesem Thema mit sehr eigenwilligem Humor.

"Ich bin schon oft gestorben, deshalb bin ich Christus überlegen. Er ist nur einmal gestorben und wieder auferstanden", witzelt der Katholik.

Zumindest in den gleichgeschalteten Staatsmedien braucht er keine Kritik zu fürchten.

Trotzdem geht es dem Land schlecht: Millionen Simbabwer leiden unter Hunger und Armut.

Die wenigen Exporterlöse für Diamanten oder Tabak kommen vor allem der kleinen Schicht um den Clan Mugabes zugute.

Der Autokrat will die Wirtschaft trotz schlechter Erfahrungen weiter verstaatlichen.

Und trotz des Massenelends in seinem Land lässt er sich nicht an rauschenden Feiern hindern: ...

... Immerhin zwei Millionen Dollar soll das Fest zu seinem 93. Geburtstag an diesem Samstag kosten. (sba, lsc)

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