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"Er kann Obama nicht schlagen": Romney verliert die Schlacht

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Eigentlich sah es so aus, als würde dieser Wahlkampf ein Spaziergang für Präsident Barack Obama. (Foto: REUTERS)

Eigentlich sah es so aus, als würde dieser Wahlkampf ein Spaziergang für Präsident Barack Obama.

Eigentlich sah es so aus, als würde dieser Wahlkampf ein Spaziergang für Präsident Barack Obama.

Als Bewerber für die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner traten Politiker an, die allesamt leicht zu schlagen schienen.

Zum Beispiel Rick Santorum, ein christlicher Fundamentalist, der mit Vorliebe über Homosexualität spricht.

Zum Beispiel Michele Bachmann, eine radikale "Tea Party"-Politikerin, in deren Weltsicht Obama die USA geradewegs in den Sozialismus führt.

Zum Beispiel Newt Gingrich, der Wiedergänger aus den 1990er Jahren, als er Sprecher des Repräsentantenhauses war und den damaligen Präsidenten Bill Clinton wegen seiner Affäre mit Monica Lewinsky aus dem Amt jagen wollte - bis herauskam, dass er selbst einer außerehelichen Affäre nachging.

Zum Beispiel Rick Perry, der Gouverneur von Texas, der sich als Macher inszenierte, dann aber in einer TV-Debatte nicht mehr wusste, welches Ministerium er eigentlich abschaffen wollte (es war das Energieministerium). Nach drei missglückten Versuchen beendete er seine Aufzählung mit einem "Ooops" und wurde so zum Youtube-Lacher.

Und schließlich Mitt Romney, gegen den drei Dinge sprachen, die normalerweise jeweils genügt hätten, um ihn als Bewerber unmöglich zu machen:

Unter den Republikanern galt Romney als zu wenig konservativ, ...

... unter den Wählern insgesamt galt er als "Flip-Flopper", als Wendehals, ...

... und dann ist er auch noch Mormone - Anhänger einer Religion also, die viele Christen bestenfalls am Rande des Christentums einordnen würden.

Doch am Ende setzte Romney sich durch - wohl nicht, weil er der beste, sondern der am wenigsten schlechte Kandidat war.

Denn auch in den USA werden Wahlen in der Mitte gewonnen. Das sprach für Romney: Bei moderaten Wählern schneidet er gut ab, nur eingefleischte Konservative vermissen feste Grundsätze und politische Standhaftigkeit.

Seine ungewöhnlich große Flexibilität warfen ihm seine Gegner im Vorwahlkampf und im Wahlkampf ausführlich vor. Ein Beispiel: Als Gouverneur von Massachusetts setzte er eine Gesundheitsreform durch, die der späteren Reform von Obama ziemlich ähnelt.

Heute sagt Romney, er werde "Obamacare" abschaffen, wenn er Präsident ist. Ein Zugeständnis an die "Tea Party" und Konservativen bei den Republikanern.

Ähnlich flexibel verhält Romney sich bei anderen Themen. Zudem wirkt der 65-Jährige häufig steif, er hat Schwierigkeiten in der direkten Kommunikation mit Menschen.

Bei diesem Defizit wollte ihm seine Frau Ann helfen, die auf dem Nominierungsparteitag der Republikaner fast ein bisschen zu ausführlich darüber sprach, was für ein guter Mensch ihr Mitt doch sei.

Denn Romney hat mit dem Image eines kaltherzigen Reichen zu kämpfen, der nichts von den Sorgen der "einfachen Leute" versteht.

Dieses Image schien noch einmal starken Auftrieb zu nehmen, als der Mitschnitt einer Rede auftauchte, in der Romney Obamas Anhänger als "Opfer" bezeichnete, die als Wähler für ihn ohnehin verloren seien - seinen eigenen Worten nach immerhin 47 Prozent der US-Amerikaner.

Bevor Romney sich auf die Politik verlegte, war er in den 80er Jahren in der (Finanz-)Wirtschaft höchst erfolgreich, verdiente als Unternehmensberater und Investor Millionen.

Romney ist einer der Gründer der Private-Equity-Gesellschaft Bain Capital.

Sein Vermögen wird auf umgerechnet mehr als 160 Millionen Euro geschätzt. (Dieses Bild zeigt seine Frau, die während einer TV-Debatte eine Armbanduhr in der Hand hält.)

Geboren wurde Romney am 12. März 1947 in Detroit - in der Autostadt also, die er 2008 auf dem Höhepunkt der Krise in die Pleite schicken wollte.

Anders als Obama hatte Romney den sprichwörtlichen silbernen Löffel im Mund: Sein Vater war der frühere Gouverneur des Bundesstaates Michigan, George Romney.

Als junger Mann ging Romney Junior als Mormonen-Missionar für zwei Jahre nach Frankreich (das Bild zeigt ihn 1969 mit seinen Eltern und seiner Verlobten Ann, die er später heiratete).

1994 bewarb Romney sich um einen Sitz im US-Senat. Er unterlag - allerdings mit einem achtbaren Ergebnis, zumal gegen das demokratische Urgestein Edward Kennedy.

Landesweit bekannt und populär wurde Romney, als er 2002 die Olympischen Winterspiele in Salt Lake City organisierte.

Noch im selben Jahr schafft er es, zum Gouverneur des Bundesstaats Massachusetts gewählt zu werden, einer demokratischen Hochburg.

2008 bewarb er sich zum ersten Mal um die republikanische Präsidentschaftskandidatur, spielte in den Vorwahlen aber keine nennenswerte Rolle.

Privat ist Romney so solide, wie ein republikanischer Politiker sein sollte: ...

... seit fast 45 Jahren mutmaßlich glücklich, auf jeden Fall skandalfrei verheiratet, ...

... fünf Söhne (sie heißen Tagg, Matt, Josh, Ben und Craig) ...

... und 18 Enkelkinder.

Als Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten suchte Romney sich mit Paul Ryan einen konservativen Fiskalpolitiker aus. Ryan ist ein radikaler Verfechter der republikanischen Ideologie des kleinen Staates.

Neben der Drosselung der Staatsausgaben legten Romney und Ryan ihren Schwerpunkt im Wahlkampf auf die Wirtschaftspolitik. Romney argumentierte, sein Erfolg als Unternehmer gebe ihm die Fähigkeit, Präsident zu sein.

Obama wirft er wirtschaftliches Versagen vor. Vier weitere Jahre unter einem Präsidenten Obama würden so schlecht wie die vergangenen vier Jahre, sagt Romney.

Dieses Argument hat nicht wenige Wähler überzeugt - am Ende wurde der Wahlkampf zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen. Dies lag jedoch nicht nur an Romney, ...

... sondern auch an Obama und seinem Ausfall in der ersten TV-Debatte.

Schließlich konnte Romney sogar auf dem Feld der Außenpolitik punkten - eigentlich nicht seine Stärke, wie seine Reise nach England gezeigt hatte, ...

... wo er von den Briten recht kühl empfangen wurde, nachdem er ihnen zuvor in einem Interview bescheinigt hatte, die Olympischen Spiele stümperhaft vorbereitet zu haben.

In der letzten TV-Debatte dann warf Romney Obama einen Mangel an Führung vor. Als Beispiel verwies er auf unentschiedene Äußerungen des Weißen Hauses nach dem Anschlag auf der US-Konsulat im libyschen Bengasi.

Sein außenpolitisches Credo: "Das 21. Jahrhundert kann und muss ein amerikanisches Jahrhundert sein."

Für seine konservativen Freunde ist das ein klarer Hinweis: "Project for the New American Century" heißt ein Think Tank, der nach den Anschlägen vom 11. September 2001 großen Einfluss auf die amerikanische Außenpolitik gewann.

Ob im Atomkonflikt mit dem Iran, dem Bürgerkrieg in Syrien oder im Streit mit China: Obama trete zu zaghaft und zu weich auf, kritisiert Romney.

Allerdings wurde sein Wahlkampf durch Wirbelsturm "Sandy" jäh gestoppt: Romney fand sich im Schatten eines Präsidenten wieder, der die Niederungen des Wahlkampfes verließ und sich um die Sorgen der unwettergeschädigten Amerikaner kümmerte.

Jetzt hat Romney verloren. Nun dürften sich all jene bestätigt fühlen, die es schon immer wussten: ...

Seine Gegner aus dem Vorwahlkampf, die Romney am Ende natürlich alle brav unterstützten.

Zum Beispiel Newt Gingrich, der Romney vor nicht allzu langer Zeit einen Lügner schimpfte.

Zum Beispiel Rick Santorum, der Romney den "schlechtesten Republikaner" nannte, der gegen Obama antreten könnte.

Zum Beispiel Rick Perry, der Romney vorwarf, bei seinem Unternehmen Bain Capital einen "Geier-Kapitalismus" praktiziert zu haben.

Zum Beispiel Michele Bachmann, die Romney als "Chamäleon" und als Kandidaten des "big government" bezeichnete - letzteres ist aus Sicht der "Tea Party" ein wirklich schlimmes Schimpfwort.

Im Vorwahlkampf sagte Bachmann über Romney: "Er kann Obama nicht schlagen".

Sie behielt recht.

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