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Seit 1919, seit einem entsprechenden Beschluss des Staatenausschusses der Weimarer Nationalversammlung, sind Schwarz, Rot und Gold die offiziellen Farben der deutschen Nationalflagge. Warum gerade diese Farben?
Anders als häufig angenommen, hat Schwarz-Rot-Gold seine Wurzel nicht im Wappen der mittelalterlichen deutschen Kaiser. Deren Farben waren Schwarz und Gold.
Auch bei der Flagge gilt: Am Anfang stand Napoleon. In den Befreiungskriegen gegen das napoleonische Frankreich ...
... bildet sich das Lützower Freikorps.
Mit Zustimmung des preußischen Königs hatte Major Ludwig Adolph Wilhelm Freiherr von Lützow seine Truppen zusammengestellt. Für die Uniform seiner Soldaten wählte er die Farbe Schwarz.
Die Rockaufschläge waren rot, die Knöpfe gelb. Ein politisches Bekenntnis war diese Farbkombination nicht. Noch nicht.
Die Lützow'schen Freikorps werden zu einem Symbol für den deutschen Einheitsgedanken, der sich vor allem gegen Frankreich richtet. Der Anteil der Studenten in den Freikorps ist besonders hoch.
Sie sind frustriert, als 1815 auf dem Wiener Kongress nicht ein deutsches Reich, sondern nur ein Deutscher Bund gegründet wird.
Als Studenten sich 1815 in Jena zur ersten Burschenschaft zusammenschließen, wählen sie Schwarz-Rot-Gold zu ihren Farben. Sie denken dabei an die Lützow'schen Freiheitskämpfer.
Auch anderswo bilden sich Burschenschaften, auch ihre Farben sind Schwarz-Rot-Gold. Für Mitte Oktober 1817 laden die Jenaer ihre Kommilitonen auf die Wartburg nahe Eisenach ein.
Das Wartburgfest wird ein großer Erfolg: 500 Studenten aus elf Universitäten kommen. Doch auch die Fürsten werden aufmerksam. Ihnen schmeckt der Freiheitsdrang der Studenten nicht.
Als der Student Karl Ludwig Sand am 23. März 1819 den konservativen Schriftsteller August von Kotzebue ermordet, werden die Burschenschaften verboten.
Zensur und politische Lethargie kennzeichnen die folgenden Jahre, den "Vormärz". Doch angespornt durch die Julirevolution von 1830 in Frankreich, ...
... in deren Verlauf der "Bürgerkönig" Louis Philippe von Orléans an die Macht kommt, ...
... laden zwei Verleger 1832 zum Hambacher Fest. Während auf der Wartburg die Studenten unter sich geblieben waren und "nur" die Einheit des Landes verlangt hatten, ...
... fordern auf Schloss Hambach Vertreter aller Schichten Freiheit, Mitbestimmung und eben auch die Einheit Deutschlands. Die Farben der Hambacher Fahne: schwarz, rot und gold.
Diese Fahne weht auch 16 Jahre später über den Barrikaden in Berlin.
Während andere Fürsten in der Märzrevolution von 1848 zunächst zu Zugeständnissen bereit sind, schickt der preußische König Friedrich Wilhelm IV. seine Soldaten nach Berlin.
Die Berliner Bürger siegen: Am 19. März zieht der König seine Soldaten aus der Stadt ab.
1848 trägt die "Germania" schwarz-rot-gold.
Unter diesen Farben treffen sich auch die Abgeordneten aus allen deutschen Ländern in der Frankfurter Paulskirche.
Der "Deutsche Bundestag" - die Versammlung der Gesandten der Einzelstaaten des Deutschen Bundes - hatte bereits am 9. März Schwarz-Rot-Gold zu den Bundesfarben erklärt.
Doch während die Abgeordneten in Frankfurt debattieren, ...
... bereiten die Fürsten den Gegenschlag vor. Am 2. September 1850 wird die schwarz-rot-goldene Flagge von der Paulskirche geholt.
Für den Preußen Bismarck sind Schwarz-Rot-Gold die Farben des Aufruhrs. Seine Farben sind Schwarz und Weiß, die Farben Preußens.
Im Krieg von 1866 kämpfen die Gegner Preußens - Österreicher und Verbände des Deutschen Bundes - unter den Farben Schwarz-Rot-Gold. Und verlieren.
Preußen siegt auch 1870/71 gegen Frankreich. Vor Paris wird eine schwarz-weiß-rote Fahne gehisst, die Fahne des (preußischen) norddeutschen Bundes. König Wilhelm von Preußen lässt sich in Versailles zum deutschen Kaiser proklamieren.
Die neue Fahne ist Bismarcks Erfindung: Schwarz-Weiß für den größten Staat im norddeutschen Bund, Rot-Weiß für die kleinen Hansestädte. Oder für das alte Brandenburg, ganz wie man wollte.
Mit Gründung des Deutschen Reiches, dem Österreich nicht angehört, ...
... wird die Fahne des norddeutschen Bundes zur Reichsflagge. Damit wird Schwarz-Weiß-Rot auch für die Bevölkerung zum Symbol der nationalen Identität. Lediglich "Reichsfeinde" wie Sozialdemokraten und Demokraten sehen darin die Fahne der Unterdrückung.
Als jedoch 1914 der Erste Weltkrieg ausbricht, werden auch Sozialdemokraten und Liberale vom "Augusterlebnis" mitgerissen. Auch sie versammeln sich unter der schwarz-weiß-roten Fahne.
Kaiser Wilhelm II. erklärt: "Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche."
Mit Begeisterung ziehen die jungen Männer in einen Krieg, ...
... in dem zehn Millionen Menschen sterben.
Nach dem Krieg ist Schwarz-Weiß-Rot in den Augen von Liberalen und Sozialdemokraten endgültig diskreditiert. Der Aufruf zur Nationalversammlung ist bereits schwarz-rot-gold.
Die Nationalversammlung in Weimar beschließt, ...
... Schwarz-Rot-Gold zu den "Reichsfarben" zu machen. Das ist allerdings nur ein Teil eines Kompromisses, der typisch ist für die Weimarer Republik.
Schwarz-Weiß-Rot bleibt in der "Handelsflagge" erhalten.
Als dritte Fahne gibt es noch die "Reichskriegsflagge". Auch sie stellt Schwarz-Rot-Gold nur verschämt in eine Ecke.
Der Streit um die Farben markiert die Spaltung der Republik. Mit Schwarz-Weiß-Rot identifizieren sich die Deutschnationalen, die Republik und Demokratie ablehnen.
So auch Hindenburg. 1926 erlässt der neu gewählte Reichspräsident eine Verordnung, die den außereuropäischen Vertretungen befiehlt, neben der Reichs- auch die Handelsflagge zu zeigen.
Schwarz-Rot-Gold sind die Farben der Verteidiger der Republik. Im "Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold" schließen sie sich zusammen: Sozialdemokraten, Gewerkschaftler, Zentrums- und DDP-Mitglieder - die alten "Reichsfeinde".
Die Nazis haben eine eigene Fahne. Darin übernehmen sie die Grundfarbe des Kommunismus, ...
... vor allem jedoch die Farben des Kaiserreichs: Schwarz, Weiß und Rot.
Doch die Anlehnung an die alte Fahne ist aufgesetzt. Nach der Machtübernahme der Nazis verschwindet Schwarz-Weiß-Rot. Hitler macht die Hakenkreuzfahne zur alleinigen Reichsflagge.
Nach dem Zusammenbruch des Nationalsozialismus entscheidet sich der Parlamentarische Rat in Westdeutschland für Schwarz-Rot-Gold - eines der wenigen Symbole Deutschlands, das nicht diskreditiert ist.
Die so genannte Bundesdienstflagge trägt außerdem das Staatswappen der Bundesrepublik Deutschland.
Auch die DDR wählt Schwarz-Rot-Gold zu ihren Farben, ergänzt die Fahne jedoch um einen Ährenkranz mit Hammer und Zirkel. Dies soll die Einheit von Bauern, Arbeitern und "Intelligenz" symbolisieren.
Die Demonstranten des 17. Juli 1953 allerdings tragen Fahnen ohne Hammer, Zirkel und Ähren. Sie fordern Freiheit und Einheit.
Auch 1989 werden schwarz-rot-goldene Fahnen getragen. Zunächst nicht so viele, ...
... dann immer mehr.
Seither hat sich der Umgang der Deutschen mit ihrer Flagge merklich entspannt.
Konservative Fahnenfreunde dürften gelegentlich Probleme mit dieser schwarzrotgoldenen Lockerheit haben.
Denn Respekt vor der Flagge ...
... ist trotz alledem nicht die Regel.
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