Seit 1919, seit einem entsprechenden Beschluss des Staatenausschusses der Weimarer Nationalversammlung, sind Schwarz, Rot und Gold die offiziellen Farben der deutschen Nationalflagge. Warum gerade diese Farben?Bild 1 von 55 Anders als häufig angenommen, hat Schwarz-Rot-Gold seine Wurzel nicht im Wappen der mittelalterlichen deutschen Kaiser. Deren Farben waren Schwarz und Gold.Bild 2 von 55 Auch bei der Flagge gilt: Am Anfang stand Napoleon. In den Befreiungskriegen gegen das napoleonische Frankreich ...Bild 3 von 55 ... bildet sich das Lützower Freikorps.Bild 4 von 55 Mit Zustimmung des preußischen Königs hatte Major Ludwig Adolph Wilhelm Freiherr von Lützow seine Truppen zusammengestellt. Für die Uniform seiner Soldaten wählte er die Farbe Schwarz.Bild 5 von 55 Die Rockaufschläge waren rot, die Knöpfe gelb. Ein politisches Bekenntnis war diese Farbkombination nicht. Noch nicht.Bild 6 von 55 Die Lützow'schen Freikorps werden zu einem Symbol für den deutschen Einheitsgedanken, der sich vor allem gegen Frankreich richtet. Der Anteil der Studenten in den Freikorps ist besonders hoch.Bild 7 von 55 Sie sind frustriert, als 1815 auf dem Wiener Kongress nicht ein deutsches Reich, sondern nur ein Deutscher Bund gegründet wird.Bild 8 von 55 Als Studenten sich 1815 in Jena zur ersten Burschenschaft zusammenschließen, wählen sie Schwarz-Rot-Gold zu ihren Farben. Sie denken dabei an die Lützow'schen Freiheitskämpfer.Bild 9 von 55 Auch anderswo bilden sich Burschenschaften, auch ihre Farben sind Schwarz-Rot-Gold. Für Mitte Oktober 1817 laden die Jenaer ihre Kommilitonen auf die Wartburg nahe Eisenach ein.Bild 10 von 55 Das Wartburgfest wird ein großer Erfolg: 500 Studenten aus elf Universitäten kommen. Doch auch die Fürsten werden aufmerksam. Ihnen schmeckt der Freiheitsdrang der Studenten nicht.Bild 11 von 55 Als der Student Karl Ludwig Sand am 23. März 1819 den konservativen Schriftsteller August von Kotzebue ermordet, werden die Burschenschaften verboten.Bild 12 von 55 Zensur und politische Lethargie kennzeichnen die folgenden Jahre, den "Vormärz". Doch angespornt durch die Julirevolution von 1830 in Frankreich, ...Bild 13 von 55 ... in deren Verlauf der "Bürgerkönig" Louis Philippe von Orléans an die Macht kommt, ...Bild 14 von 55 ... laden zwei Verleger 1832 zum Hambacher Fest. Während auf der Wartburg die Studenten unter sich geblieben waren und "nur" die Einheit des Landes verlangt hatten, ...Bild 15 von 55 ... fordern auf Schloss Hambach Vertreter aller Schichten Freiheit, Mitbestimmung und eben auch die Einheit Deutschlands. Die Farben der Hambacher Fahne: schwarz, rot und gold.Bild 16 von 55 Diese Fahne weht auch 16 Jahre später über den Barrikaden in Berlin.Bild 17 von 55 Während andere Fürsten in der Märzrevolution von 1848 zunächst zu Zugeständnissen bereit sind, schickt der preußische König Friedrich Wilhelm IV. seine Soldaten nach Berlin.Bild 18 von 55 Die Berliner Bürger siegen: Am 19. März zieht der König seine Soldaten aus der Stadt ab.Bild 19 von 55 1848 trägt die "Germania" schwarz-rot-gold.Bild 20 von 55 Unter diesen Farben treffen sich auch die Abgeordneten aus allen deutschen Ländern in der Frankfurter Paulskirche.Bild 21 von 55 Der "Deutsche Bundestag" - die Versammlung der Gesandten der Einzelstaaten des Deutschen Bundes - hatte bereits am 9. März Schwarz-Rot-Gold zu den Bundesfarben erklärt.Bild 22 von 55 Doch während die Abgeordneten in Frankfurt debattieren, ...Bild 23 von 55 ... bereiten die Fürsten den Gegenschlag vor. Am 2. September 1850 wird die schwarz-rot-goldene Flagge von der Paulskirche geholt.Bild 24 von 55 Für den Preußen Bismarck sind Schwarz-Rot-Gold die Farben des Aufruhrs. Seine Farben sind Schwarz und Weiß, die Farben Preußens.Bild 25 von 55 Im Krieg von 1866 kämpfen die Gegner Preußens - Österreicher und Verbände des Deutschen Bundes - unter den Farben Schwarz-Rot-Gold. Und verlieren.Bild 26 von 55 Preußen siegt auch 1870/71 gegen Frankreich. Vor Paris wird eine schwarz-weiß-rote Fahne gehisst, die Fahne des (preußischen) norddeutschen Bundes. König Wilhelm von Preußen lässt sich in Versailles zum deutschen Kaiser proklamieren.Bild 27 von 55 Die neue Fahne ist Bismarcks Erfindung: Schwarz-Weiß für den größten Staat im norddeutschen Bund, Rot-Weiß für die kleinen Hansestädte. Oder für das alte Brandenburg, ganz wie man wollte.Bild 28 von 55 Mit Gründung des Deutschen Reiches, dem Österreich nicht angehört, ...Bild 29 von 55 ... wird die Fahne des norddeutschen Bundes zur Reichsflagge. Damit wird Schwarz-Weiß-Rot auch für die Bevölkerung zum Symbol der nationalen Identität. Lediglich "Reichsfeinde" wie Sozialdemokraten und Demokraten sehen darin die Fahne der Unterdrückung.Bild 30 von 55 Als jedoch 1914 der Erste Weltkrieg ausbricht, werden auch Sozialdemokraten und Liberale vom "Augusterlebnis" mitgerissen. Auch sie versammeln sich unter der schwarz-weiß-roten Fahne.Bild 31 von 55 Kaiser Wilhelm II. erklärt: "Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche."Bild 32 von 55 Mit Begeisterung ziehen die jungen Männer in einen Krieg, ...Bild 33 von 55 ... in dem zehn Millionen Menschen sterben.Bild 34 von 55 Nach dem Krieg ist Schwarz-Weiß-Rot in den Augen von Liberalen und Sozialdemokraten endgültig diskreditiert. Der Aufruf zur Nationalversammlung ist bereits schwarz-rot-gold.Bild 35 von 55 Die Nationalversammlung in Weimar beschließt, ...Bild 36 von 55 ... Schwarz-Rot-Gold zu den "Reichsfarben" zu machen. Das ist allerdings nur ein Teil eines Kompromisses, der typisch ist für die Weimarer Republik.Bild 37 von 55 Schwarz-Weiß-Rot bleibt in der "Handelsflagge" erhalten.Bild 38 von 55 Als dritte Fahne gibt es noch die "Reichskriegsflagge". Auch sie stellt Schwarz-Rot-Gold nur verschämt in eine Ecke.Bild 39 von 55 Der Streit um die Farben markiert die Spaltung der Republik. Mit Schwarz-Weiß-Rot identifizieren sich die Deutschnationalen, die Republik und Demokratie ablehnen.Bild 40 von 55 So auch Hindenburg. 1926 erlässt der neu gewählte Reichspräsident eine Verordnung, die den außereuropäischen Vertretungen befiehlt, neben der Reichs- auch die Handelsflagge zu zeigen.Bild 41 von 55 Schwarz-Rot-Gold sind die Farben der Verteidiger der Republik. Im "Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold" schließen sie sich zusammen: Sozialdemokraten, Gewerkschaftler, Zentrums- und DDP-Mitglieder - die alten "Reichsfeinde".Bild 42 von 55 Die Nazis haben eine eigene Fahne. Darin übernehmen sie die Grundfarbe des Kommunismus, ...Bild 43 von 55 ... vor allem jedoch die Farben des Kaiserreichs: Schwarz, Weiß und Rot.Bild 44 von 55 Doch die Anlehnung an die alte Fahne ist aufgesetzt. Nach der Machtübernahme der Nazis verschwindet Schwarz-Weiß-Rot. Hitler macht die Hakenkreuzfahne zur alleinigen Reichsflagge.Bild 45 von 55 Nach dem Zusammenbruch des Nationalsozialismus entscheidet sich der Parlamentarische Rat in Westdeutschland für Schwarz-Rot-Gold - eines der wenigen Symbole Deutschlands, das nicht diskreditiert ist.Bild 46 von 55 Die so genannte Bundesdienstflagge trägt außerdem das Staatswappen der Bundesrepublik Deutschland.Bild 47 von 55 Auch die DDR wählt Schwarz-Rot-Gold zu ihren Farben, ergänzt die Fahne jedoch um einen Ährenkranz mit Hammer und Zirkel. Dies soll die Einheit von Bauern, Arbeitern und "Intelligenz" symbolisieren.Bild 48 von 55 Die Demonstranten des 17. Juli 1953 allerdings tragen Fahnen ohne Hammer, Zirkel und Ähren. Sie fordern Freiheit und Einheit.Bild 49 von 55 Auch 1989 werden schwarz-rot-goldene Fahnen getragen. Zunächst nicht so viele, ...Bild 50 von 55 ... dann immer mehr.Bild 51 von 55 Seither hat sich der Umgang der Deutschen mit ihrer Flagge merklich entspannt.Bild 52 von 55 Konservative Fahnenfreunde dürften gelegentlich Probleme mit dieser schwarzrotgoldenen Lockerheit haben.Bild 53 von 55 Denn Respekt vor der Flagge ...Bild 54 von 55 ... ist trotz alledem nicht die Regel.Bild 55 von 55