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Der republikanische US-Präsidentschaftskandidat John McCain zieht mit einer Frau an seiner Seite ins Rennen um das Weiße Haus:
Die Gouverneurin von Alaska, Sarah Palin, gilt als politische Reformerin, ist aber landesweit kaum bekannt.
Niemand hatte sie ernsthaft auf der Kandidatenliste für das Vizeamt an der Seite McCains.
Doch Alaskas Gouverneurin bringt Eigenschaften mit, die McCain durchaus helfen können:
Die Mutter von fünf Kindern gilt als stramm konservativ, ...
... ist strikte Abtreibungsgegnerin und auf Lebenszeit Mitglied der Waffenlobby NRA, was bei der republikanischen Basis gut ankommt.
Gott und Schusswaffen - das gehört im Herzen Amerikas oft zusammen.
Und sie bringt eine für diese Wählergruppe überzeugende persönliche Geschichte mit, hat sie sich doch für ihr fünftes Kind entschieden, ...
... obwohl sie wusste, dass es mit dem Down-Syndrom zur Welt kommen und behindert sein würde.
Zugleich genießt die erste weibliche Gouverneurin Alaskas zumindest bei Konservativen einen Ruf als Reformerin und Kämpferin gegen Korruption. Den ebenso großen wie dünn besiedelten Staat im äußersten Nordwesten regiert sie allerdings erst seit 2006.
Als zupackend gilt Sarah Palin auch: Ihren Spitznamen "Sarah Barracuda", den sie wegen ihrer aggressiven Spielweise im Basketball-Team an der Highschool bekam, benutzen politische Gegner noch heute. (Palin, rechts im Bild, mit Schwester und Bruder.)
Sie geht in der Wildnis ihres Bundesstaates jagen, ...
... fischen und ...
... läuft Langstrecken-Rennen.
Mitte der 80er Jahre gewann Palin einen Schönheitswettbewerb. "Sie sieht immer noch großartig aus", schrieb unlängst die konservative Polit-Webseite realclearpolitics.com. "Und höllisch schlau ist sie auch."
Eine Mischung, die sie bei den Menschen in Alaska höchst beliebt macht: Palin kommt auf Popularitätswerte von um die 80 Prozent.
Sarah Palin ist nicht nur die derzeit populärste Gouverneurin, sondern mit gerade einmal 44 Jahren auch eine der jüngsten des Landes.
Nicht nur das macht sie für McCain zu einer attraktiven Vizepräsidentschaftskandidatin.
Auch die Tatsache, mit einer Frau anzutreten, ...
... die fünffache Mutter ist, ...
... könnte manche Stimme von enttäuschten Wählerinnen Hillary Clintons aus dem Vorwahlkampf der Demokraten ins Lager der Republikaner bringen.
Zudem hat sie sich als Bürgermeisterin der Schlafstadt Wasilla nahe Anchorage - sie wurde im Alter von 32 Jahren in ihr erstes politisches Amt gewählt - ...
... einen Namen als effiziente Managerin gemacht, die sowohl die Interessen der Wirtschaft wie der Einwohner vertrat.
1964 im US-Staat Idaho geboren, ...
... zog ihre Familie nach Alaska, als Sarah Palin noch ein Kleinkind war.
Sie studierte Journalismus und Politikwissenschaften.
In ihrer Heimatstadt wurde Palin Bürgermeisterin, dann übernahm sie den Posten der Ethikbeauftragten von Alaskas Öl- und Gaskommission, die die Ausbeutung der Bodenschätze verwaltet.
Umweltschützer kritisieren ihre Unterstützung für mehr Öl-Bohrungen und ihren Widerstand dagegen, den Eisbären auf die Liste der bedrohten Arten zu setzen.
Von Wasilla aus trat sie vor gut zwei Jahren auf die nationale Bühne. Sie trat als populäre Außenseiterin gegen das Parteiestablishment der Republikaner in Gestalt des amtierenden Gouverneurs Frank Murkowski an - ...
... und besiegte ihn in den Vorwahlen überzeugend. Die eigentlichen Wahlen im November 2006 waren nur noch eine Formsache.
Sarah Palin sieht sich selbst als sozial engagierte Republikanerin.
Sie investierte die Rekordsumme von fünf Milliarden Dollar in die Erneuerung des Bildungssystems von Alaska, ...
... schuf einen staatlichen Hilfsfond für verarmte Pensionäre und gründete einen Umweltrat, um neue Klimastrategien für Alaska zu beraten.
Als John McCain sie zu seiner Vize-Kandidatin ernannte, war sie jedoch ein "unbeschriebenes Blatt", so das Magazin "Time".
Jetzt kommen täglich neue pikante Details ans Licht, die vielleicht nicht an ihrer Qualifikation, jedoch stark an McCains Entscheidung zweifeln lassen. Ganz offensichtlich fiel die Wahl überhastet, ohne genaue Erkundigungen über Palin abzuwarten.
Da ist zum einen die Nachricht von der Schwangerschaft ihrer 17-jährigen Tochter Bristol (hier mit ihrem kleinen Bruder Trig).
Zudem hieß es, als Bürgermeisterin sei sie fast ihres Amtes enthoben worden.
Auch soll sie früher mal der Alaskan Independence Party (AIP) angehört haben, die sich für die Sezession Alaskas engagiert.
Dies scheint falsch zu sein - später hieß es, ihr Mann sei Mitglied dieser Partei gewesen. Dass Todd Palin vor zwei Jahrzehnten wegen Trunkenheit am Steuer festgenommen wurde, ist da nur eine Nebensache.
Die berüchtigte "Brücke nach Nirgendwo" - ein 220-Millionen-Dollar-Bauprojekt in Südost-Alaska, das McCain gerne als Symbol staatlicher Verschwendung zitiert - habe sie nicht bekämpft, wie sie behauptet, sondern lange unterstützt.
Dann wurde bekannt, dass sich Palin wegen einer Untersuchung des Parlaments zu einem möglichen Machtmissbrauch einen Anwalt genommen hat.
Ein offenes Geheimnis ist, dass McCains Wunschkandidat jemand anders war - jemand, der das exakte Gegenteil von Sarah Palin darstellt:
Der Ex-Demokrat Joe Lieberman, der vor acht Jahren Al Gores Vize-Kandidat war. Lieberman hat allerdings eine ganze Reihe von Nachteilen, von denen sein Alter und seine liberale Haltung zur Abtreibung die größten sind.
Palin ist jung und lehnt Abtreibungen rigoros ab - ob sie jedoch McCain den erhofften Rückenwind bringen wird, bleibt abzuwarten. Tut sie es nicht, war es in jedem Fall sein Fehler.
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