| SA | 9° / 23° |
| SO | 12° / 22° |
Zum Anhalter Bahnhof ist es nicht weit, er ist nur eine S-Bahn-Station vom Potsdamer Platz entfernt.
Im Berlin des Nazi-Regimes wurden am Anhalter Bahnhof Tausende Menschen zusammengetrieben, in Güterwaggons gesperrt ...
... und in die Konzentrations- und Vernichtungslager gefahren.
Im Zwischengeschoss des unterirdischen Bahnhofs Potsdamer Platz wird am 23. Januar eine Wanderausstellung zur Rolle der Deutschen Reichsbahn bei den Deportationen von drei Millionen Juden, Sinti und Roma eröffnet.
Der Titel: "Sonderzüge in den Tod".
Die historischen Fakten sind weitgehend erforscht. Über die Orte der Ausstellung hatte es aber mehr als zwei Jahre lang eine Auseinandersetzung gegeben.
Die deutsch-französische Journalistin Beate Klarsfeld wollte ihr eigenes Projekt über das Schicksal jüdischer Kinder, die von Frankreich nach Auschwitz transportiert wurden, in deutschen Bahnhöfen zeigen.
Dagegen wehrte sich Bahnchef Helmut Mehdorn. Das Thema sei "viel zu ernst, als dass man sich brötchenkauend und in Eile auf dem Weg zum Zug damit beschäftigen kann", argumentierte Mehdorn noch Ende 2006.
Nun wird es aber doch so gemacht. Nachdem sich Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) eingeschaltet hatte, einigten sich die Bahn und Klarsfeld auf ein gemeinsames Konzept.
"Wir sind zum Ehepaar Klarsfeld nach Paris gefahren, das Treffen dort brachte die Verständigung", berichtet die Konzernhistorikerin der Deutschen Bahn, Susanne Kill.
Sie erarbeitete das Konzept der Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Centrum Judaicum und dem Deutschen Technikmuseum in Berlin.
Die Grundlage bildet die Dauerausstellung, die im Nürnberger Bahnmuseum zur Reichsbahn im Nationalsozialismus zu sehen ist.
Serge und Beate Klarsfeld steuerten Fotos und Biografien von deportierten jüdischen Kindern aus Frankreich bei.
Beate Klarsfeld wird eine der Rednerinnen bei der Eröffnung sein.
Die Dokumentation mache deutlich, dass die Verschleppung der Menschen vor allem in den Jahren 1940 bis 1945 "vor aller Augen stattfand", sagt die Historikerin Kill.
In Berlin seien die verhafteten Juden "zu Fuß durch die Stadt gegangen".
Aber in dem Unrechtsstaat sei "das Wegschauen angesagt" gewesen. So gebe es von den Deportationen auch nur wenige Fotos, etwa von SS-Leuten.
Zu sehen sind diese Dokumente auf 40 Stellwänden, über Kopfhörer sind außerdem die Berichte von Zeitzeugen zu hören.
An jedem Ort werden auf Tafeln "Menschen dieser Stadt" vorgestellt.
In Berlin ist es Gert Rosenthal. Der Zehnjährige wurde 1942 vom Güterbahnhof Moabit nach Lettland verschleppt und dort umgebracht.
Sein Bruder Hans überlebte den Krieg. Er versteckte sich bis 1945 in einer Berliner Laubenkolonie.
Später wurde er ein bekannter Entertainer im deutschen Fernsehen.
Bis zum 11. Februar 2008 bleibt die Ausstellung am Potsdamer Platz, wo auch die Deutsche Bahn ihren Sitz hat.
Dann wird sie in mindestens acht anderen Bahnhöfen gezeigt, darunter Frankfurt am Main, Münster, München, Halle und Stuttgart. (Text: Bernd Röder / Bilder: AP, dpa)
Die Daten werden nur zum Versenden der Nachricht benutzt und nicht gespeichert.
Bitte überprüfen Sie Ihre Angaben.