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Wo die US-Megabombe niederging: Spezialeinheit erreicht die Einschlagstelle

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Gefährliche Mission im Osten Afghanistans: In den unwirtlichen Bergen unweit der pakistanischen Grenze geht die  afghanische Armee gegen Anhänger des "Islamischen Staates" vor, unterstützt durch massive Bombardements der US-Luftwaffe. (Foto: REUTERS)

Gefährliche Mission im Osten Afghanistans: In den unwirtlichen Bergen unweit der pakistanischen Grenze geht die afghanische Armee gegen Anhänger des "Islamischen Staates" vor, unterstützt durch massive Bombardements der US-Luftwaffe.

Gefährliche Mission im Osten Afghanistans: In den unwirtlichen Bergen unweit der pakistanischen Grenze geht die afghanische Armee gegen Anhänger des "Islamischen Staates" vor, unterstützt durch massive Bombardements der US-Luftwaffe.

Dort, in der Provinz Nangarhar, kommt am 13. April unter anderem auch die schwerste konventionelle Waffe aus dem US-Arsenal zum Einsatz: Erstmals überhaupt zündet das US-Militär unter Gefechtsbedingungen eine sogenannte "Mother of all Bombs" ("Mutter aller Bomben").

Der Sprengkörper vom Typ GBU-43 ist knapp 10 Meter lang und rund 9,5 Tonnen schwer. In einer Hülle aus Stahl fallen hier bei einem Test rund achteinhalb Tonnen hochbrisanter Militärsprengstoff dem Erdboden entgegen.

Die "Massive Ordnance Air Blast"-Bombe (kurz: Moab) ist zu groß für herkömmliche Bomber: Ein viermotoriger Militärfrachter der US-Luftwaffe (Archivbild) muss den überschweren Sprengsatz ins Zielgebiet transportieren.

Die heikle Aufgabe übernimmt nach US-Angaben eine Maschine vom Typ C-130J "Hercules" (Archivbild). Es ist der erste "scharfe" Abwurf einer Moab-Bombe - mit beträchtlichen Risiken für die Besatzung und die Zivilbevölkerung am Boden.

Im Zielgebiet kreist die Hercules in großer Höhe über einem abgelegenen Hochtal. Dann zieht ein Bremsfallschirm den GPS-gesteuerten Sprengstoffbehälter über die Heckklappe ins Freie. (Archivbild)

Ziel des US-Luftangriffs war die Zerstörung ausgedehnter Tunnelanlagen der IS-Kämpfer. Aus großer Höhe verfolgen US-Beobachter die Wirkung ihrer Waffe. (Hier Infrarotaufnahmen vom Einsatzort unmittelbar vor dem Einschlag)

Die US-Monsterbombe explodiert mit gewaltiger Wucht: Schwarz steht in der Infrarotaufnahme für die enorme Hitze, die bei der Zündung der tonnenschweren Sprengladung entsteht.

Die Druckwelle ist für Menschen am Boden im weiten Umkreis tödlich. Der Feuerball scheint das Tal beinahe komplett auszufüllen.

Ein riesiger Rauchpilz steigt über der Abwurfstelle auf. War der Einsatz angemessen? Zunächst ist unklar, wie viele Menschen bei der Explosion ums Leben gekommen sind.

Die afghanischen Behörden sprechen später von mindestens 94 getöteten IS-Kämpfern.

Exakte Informationen zu den Auswirkungen des Bombenabwurfs fehlen. Lokale Kräfte liefern in den Tagen nach dem Abwurf ungenaue Angaben. Die afghanische Regierung schickt schließlich einen Spähtrupp aus, der die Lage vor Ort erkunden soll.

Ein schwer bewaffneter Konvoi der afghanischen Streitkräfte macht sich auf den Weg ins Zielgebiet.

Bei den Soldaten handelt es sich um Mitglieder der "Afghan Special Forces", einer mit US-Waffen und Material ausgerüsteten Spezialeinheit der afghanischen Streitkräfte.

Unter dem Schutz ihrer gepanzerten Humvee-Fahrzeuge arbeiten sich die Männer bis in das abgelegene Tal in den Bergen vor, wo die riesige Bombe explodierte.

Der Einsatz ist hochgefährlich: Hinter jeder Wegbiegung könnten versprengte Kämpfer des IS auf die Kundschafter der Kabuler Regierung lauern.

Mit den Waffen im Anschlag nähern sich die Spezialsoldaten der Abwurfstelle. Ihre Vorsicht ist angebracht: Sie betreten eine Region, die US-Militärs als wichtiges Rückzugsgebiet des "Islamischen Staats" in Afghanistan bezeichnen.

In dem Tal im Achin-Distrikt sollen sich ausgebaute Stellungen der Dschihadisten befinden. Niemand weiß, wie viele IS-Kämpfer den US-Angriff überlebt haben.

Schließlich erreichen die Regierungssoldaten - begleitet von Medienvertretern - die Stelle, an der die Bombe explodierte: ...

... Verkohlte Baumstümpfe und umhergewirbelte Mauertrümmer zeugen von der Höllengewalt des US-Angriffs.

Sprachlos blicken die afghanischen Einsatzkräfte auf das ungewöhnliche Ausmaß der Zerstörung. Einzelne Strukturen scheinen den Einschlag fast unbeschädigt überstanden zu haben.

Einen eng umgrenzten Bombenkrater gibt es offenbar nicht.

Der Grund: Um die Wirkung der Druckwelle zu erhöhen, dürfte der Zünder der US-Bombe wenige Meter über dem Erdboden ausgelöst haben.

Im Umfeld entdecken die Soldaten unzerstörte Teile des Höhlensystems, in dem sich die IS-Kämpfer verborgen haben sollen.

Von hier aus hätten die "Daesh", wie IS-Anhänger im arabischen Raum auch genannt werden, Anschläge auf Regierungstruppen vorbereitet, heißt es aus Kabul.

Tatsächlich findet der Aufklärungstrupp vergleichsweise gut ausgebaute Stollen, die teils sogar mit elektrischem Licht ausgestattet waren.

Die Explosion der Moab-Bombe habe drei unterirdische Tunnel sowie die dort gelagerten Waffen und Munition zerstört, fasst der US-Oberbefehlshaber in Afghanistan, General John Nicholson, das Ergebnis zusammen. Zivilisten seien bei dem Einsatz nicht zu Schaden gekommen.

Beendet ist der Einsatz im Osten Afghanistans durch diesen einzelnen Luftschlag jedoch noch lange nicht: Das US-Militär muss bei Patrouillen in der Region weiter mit Überfällen durch militante Islamisten rechnen.

Der Abwurf der Moab-Bombe war damit wohl nicht viel mehr als eine Demonstration militärischer Schlagkraft. Früheren US-Angaben zufolge sind in der Provinz Nagarhar noch bis zu 800 IS-Kämpfer aktiv.

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