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Mittwoch, 19. August 2015

Der inszenierte Präsident: "Super-Putin" taucht ab

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Es ist Sommer in Russland und Präsident Wladimir Putin macht einen Ausflug. (Foto: imago/ITAR-TASS)

Es ist Sommer in Russland und Präsident Wladimir Putin macht einen Ausflug.

Es ist Sommer in Russland und Präsident Wladimir Putin macht einen Ausflug.

Bei einem sorgsam inszenierten Besuch auf der Krim stürzt sich der Kreml-Chef ins Abenteuer und ...

... taucht ab.

Der Staatschef unternimmt einen Tauchgang mit einem Mini-U-Boot, um ein Schiffswrack vor der Küste der von Russland annektierten Schwarzmeer-Halbinsel zu inspizieren.

83 Meter sinkt die Unterwasserkapsel mit ihm an Bord Richtung Meeresgrund.

Das sei "eine ziemlich beachtliche Tiefe", sagt Putin nach dem Tauchgang im Fernsehen: "Es war interessant."

Putin präsentiert sich immer wieder gern als wagemutiger "Action-Man".

So unternahm er bereits im Sommer 2013 einen ähnlichen Ausflug. Damals war an den Finnischen Meerbusen gereist. Dort liegt ebenfalls ein Schiffswrack - wie geschaffen für einen Auftritt als "Super-Putin".

Er besteigt eine Unterseekapsel ...

... und lässt sich in James-Bond-Manier auf den Meeresboden bringen.

Freilich hat Putin vorher dafür gesorgt, dass Staatsfernsehen wie etliche Fotografen und Reporter mit dabei sind, wenn er seine waghalsige Unternehmung durchführt.

Auf Biker-Treffen lässt sich Putin gerne blicken, umgibt sich mit dem Geruch von Benzin und heißem Gummi.

Dass er dabei allerdings jeweils ...

... auf drei Räder angewiesen ist, lässt dann doch an seiner Sattelfestigkeit zweifeln.

All das kann dem von ihm so eifrig gepflegten Image des hammerharten Mannes kaum etwas anhaben. Vor allen Dingen, weil er auch Bilder wie diese zu produzieren weiß.

Dabei gibt es auch den zarten Putin. Etwa wenn er ans russische Eismeer eilt, um ...

... Eisbären zu vermessen.

Oder wenn er in einem Nationalpark bei Moskau die Aufzucht der dort beheimateten Elchkälber höchstpersönlich in die Hand nimmt.

Und wenn der Tierfreund Putin tatkräftig mit anpackt, ...

... bedrohte Walarten zu pflegen, dann lässt er anderntags ...

... keinen Zweifel daran, wer höchstpersönlich dafür sorgen kann, dass die Tiere ...

... unter Betäubung in die Auffangstationen gebracht werden können.

Putin nutzt gerne Termine, die zunächst nichts mit Schießeisen zu tun haben, um seine Liebe zu Waffen zu zeigen. Ein Besuch von behinderten Wintersportlern dient dann dazu, ...

... wie nebenbei auch zu beweisen, dass Putin mit dem Biathlon-Gewehr zielsicher ist.

Er lässt sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit einer Waffe ablichten, so wie hier im April 2012 beim Besuch einer Forschungseinrichtung der russischen Eisenbahngesellschaft. Worauf er da zielt, bleibt unklar.

Späße über den knallharten Kreml-Regenten empfehlen sich im Übrigen nicht. Putin soll einmal gesagt haben: "Wer uns beleidigt, lebt keine drei Tage mehr." Das ist zwar nicht verbrieft, doch man ist geneigt, an die Drohung des Politikers, der für einen nicht eben zimperlichen Umgang mit Oppositionellen bekannt ist, zu glauben.

In kaum einer anderen Pose fühlt sich der Mann, der ...

... wegen seiner nur 1,70 Meter Körpergröße oft verspottet wird, größer.

Überhaupt: Putin, der Pferdeflüsterer.

Nun mag mancher ahnen, dass Putin nicht auf dem Rücken seines Pferdes nach Sibirien gekommen ist, doch ...

... dass er den Großteil der Strecke mit dem Auto zurückgelegt hat, nur um sich auf dem Gaul ablichten zu lassen, ist arm. Ein paar Meter mehr, als für die Fotos nötig gewesen sind, hätte man ihm schon zugetraut.

Und wenn Putin von einer Astgabel aus den Blick über die Weiten der Tundra schweifen lässt, ...

... zeigt sich erst beim zweiten Hingucken, dass er dafür nicht schwindelfrei zu sein braucht.

Und wenn der russische Machtmensch angelt, ...

... dann scheint es nur so, als habe Putin nie etwas anderes getan. Vielmehr ...

... ist schnell jemand an seiner Seite, wenn sich die Schnur verheddert hat.

Mehrere solcher Abenteuer-Trips unternimmt Putin. Dass nicht alles gar so heroisch abläuft, wie es scheint, beweist freilich schon die Existenz dieser Fotos. Ganz alleine ist Putin eben nicht unterwegs.

Der Naturbursche streift an den Ufern kristallklarer Flüsse entlang, ...

... nimmt ein erfrischendes Bad im eiskalten Wasser.

Legende sind diese Aufnahmen: Der Kreml-Chef, oben ohne, bewaffnet mit einer Flinte in den einsamen Weiten der sibirischen Region Tuwa unterwegs.

Putin produziert immer wieder solche Situationen, in denen er als Held dasteht, es jedoch nie ganz klar ist, ob nicht alles erstunken und erlogen ist. So etwa auch im August 2008, als Putin gemeinsam mit einem TV-Team in einem sibirischen Nationalpark unterwegs ist, befreit sich - so die Legende - ein wilder Tiger aus einer von Park-Rangern gestellten Falle. Putin reagiert heldenhaft. Er greift sich ein Betäubungsgewehr, zielt kühl, drückt ab und erwischt das Raubtier, bevor die Journalisten zu Schaden kommen.

Während das Tier einschläft, flüstert ihm der harte Kerl mit dem weichen Kern die Worte "Auf Wiedersehen" ist Ohr. So die Version der Agentur Interfax. Jahre später behaupten Putin-Kritiker: Der Tiger damals heißt Serga und kommt aus dem Zoo von Chabarowsk.

Nach der Begegnung mit dem Staatsmann habe man Serga wieder zurück in den Tierpark gebracht. Doch den Ausflug habe die Katze nicht überlebt. Die verträgliche Dosis für ein Tier dieser Größe sei um das Dreifache überschritten gewesen.

Im August 2011 taucht er vor der Taman-Halbinsel im Süden Russlands in die Tiefe, um die Ruinen der antiken griechischen Stadt Phanagoria zu begutachten.

Als er wieder auftaucht, reckt er stolz zwei alte Vasen in die Kameras und ruft: "Ein Schatz!" Was er in den Händen hält, sind wertvolle Exemplare und 1500 Jahre alt. Putin, der Schatzsucher. Wundervolle Schlagzeilen. Doch manch einer wundert sich über den Zufall. Später räumt ein Sprecher ein: Die Amphoren waren zuvor am Meeresboden abgelegt worden, damit Putin sich als Archäologe gerieren kann.

Der Ex-KGB-Mann im Kreml gibt sich gerne als kerniger Abenteurer, als sportlicher Macher, der mit harten Bandagen kämpfen kann.

Dabei ist Putin stets bemüht darum, das große Opfer hervorzuheben, das er für sein Volk bringt.

Hach, der Ärmste. Dasselbe Schicksal muss auch sein Intimus und heutige Ministerpräsident Russlands, Medwedew, Jahre lang erleiden. Dabei bemüht sich Medwedew in dieser Zeit ebenfalls, volksnah und tatkräftig zu wirken.

Kaum einer kann das allerdings so gut wie Putin.

Auch wenn das mal nach hinten losgehen kann.

"Es ist mein Schicksal, Präsident zu sein. Ich bin nicht frei", klagt er.

Staatschef zu sein, ist in den Augen Putins nichts, was man sich aussuchen kann.

Über seine erste Amtszeit sagt er einmal: "Die ganzen acht Jahre habe ich wie ein Sklave von morgens bis abends geschuftet."

Bereitwillig und öffentlichkeitswirksam gibt Putin gerne Tipps an die Jugend weiter - egal, ob im Gi, der traditionellen Bekleidung von Judokas, ...

... oder in seiner Berufsbekleidung.

Denn Putin ist Dan-Träger, oder für Laien: Er bindet sich den schwarzen Gürtel um den Leib, bevor er auf die Matte tritt.

Die Botschaft: Wer versucht, ihn aufs Kreuz zu legen, wird selbst aufs Kreuz gelegt.

Doch genug der Späße über den Mann, für den die Kampfkunst Judo "nicht nur ein Sport, sondern eine ganze Lebensphilosophie" ist.

Wem solche Bilder nicht behagen, sollte sich besser daran gewöhnen: Putin ist noch bis 2018 Präsident Russlands. Mindestens. Sofern er sich dann nicht noch einmal zur Wahl stellt.

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