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Montag, 22. Mai 2017

Der mit dem Säbel tanzt: Trump lächelt sich durch den Nahen Osten

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Erstes Problem: Trumps Verhältnis zur islamischen Welt ist gespalten (hier mit Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi). Beim Besuch in Saudi-Arabien merkt man davon jedoch nichts. (Foto: AP)

Erstes Problem: Trumps Verhältnis zur islamischen Welt ist gespalten (hier mit Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi). Beim Besuch in Saudi-Arabien merkt man davon jedoch nichts.

US-Präsident Donald Trump ist zu Besuch im Nahen Osten. Gleich zu Beginn versucht er, Probleme unter den Teppich zu kehren - doch sie bleiben sichtbar.

Erstes Problem: Trumps Verhältnis zur islamischen Welt ist gespalten (hier mit Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi). Beim Besuch in Saudi-Arabien merkt man davon jedoch nichts.

Kurz nach seinem Amtsantritt hatte der Republikaner ein Einreiseverbot für Menschen aus überwiegend muslimischen Ländern erlassen. Nun lächelt er solche Unstimmigkeiten aber weg.

In einer Ansprache rief Trump stattdessen die islamische Welt zum gemeinsamen Kampf gegen den Terrorismus auf.

Dieser werde "nicht zwischen verschiedenen Religionen, verschiedenen Glaubensgemeinschaften oder verschiedenen Zivilisationen" geführt, sondern sei "ein Kampf zwischen Gut und Böse", sagte er in Riad.

"Jagt sie aus euren Andachtsstätten, jagt sie aus euren Gemeinden, jagt sie aus eurem Heiligen Land und jagt sie von dieser Erde", ermahnte Trump in Hinblick auf die Bedrohung durch Terroristen.

Zweites Problem: Trump versucht mit Rüstungsdeals das angeschlagene Verhältnis zu Saudi-Arabien und Bahrain wiederzubeleben, das unter seinen Amtsvorgänger Barack Obama gelitten hatte. Doch mehr Waffen in der Region führen nicht unbedingt zu mehr Frieden.

Demnach liefern die USA 19 Kampfflugzeuge vom Typ F-16 nach Bahrain aus. Obama hatte dies wegen Menschenrechtsverletzungen in dem Land verweigert.

Für die Aufrüstung muss Bahrains König Hamad bin Isa Al Khalifa fünf Milliarden Dollar an die US-Regierung zahlen.

Ein noch größeres Geschäft hat der US-Präsident mit König Salman, dem Staatsoberhaupt der Saudis, gemacht: ...

... 110 Milliarden Dollar will das Land für US-Waffen zahlen. Über zehn Jahre sollen die Ausgaben für militärische Ausrüstung aus den USA dann auf 350 Milliarden Dollar steigen.

Auf Twitter bezeichnete Regierungssprecher Sean Spicer das Waffenabkommen als "größten einzelnen Rüstungsdeal der US-Geschichte".

Drittes Problem: In seiner Rede griff Trump den Iran scharf an. Dieser nehme bei der Finanzierung und Unterstützung militanter Gruppen eine zentrale Position ein. Seit Jahrzehnten habe der Iran den Terror und Konflikte zwischen den Religionsgemeinschaften angefacht, sagte der US-Präsident. Saudi-Arabien blieb hingegen von Kritik verschont.

Das dürfte Trumps Gastgeber, König Salman, gefallen haben. Er hatte zuvor gesagt: "Das iranische Regime ist die Speerspitze des weltweiten Terrorismus."

Neben dem Iran ging Trump auch Syrien hart an: Mit der Unterstützung des Irans habe Syriens Präsident Baschar al-Assad unaussprechliche Verbrechen begangen, sagte er in seiner Rede.

Eine Antwort auf Trumps Äußerungen (hier mit dem Kronprinzen von Abu Dhabi) ließ nicht lange auf sich warten. Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif sagte angesichts des milliardenschweren Rüstungsdeals, man frage sich, ob das Außenpolitik sei oder es nur darum gehe, das Königreich "zu melken".

Im Jemen gab es wie üblich Proteste gegen den Besuch eines US-Präsidenten im Nahen Osten. Zuvor hatte Trump das Land im Zusammenhang mit dem Iran scharf angegriffen: ...

... "Der Iran finanziert, bewaffnet und bildet Terroristen, Söldner und andere extremistische Gruppen aus", sagte er. Dies gelte vom Libanon über den Irak bis hin zum Jemen.

Viertes Problem - nur eine Lappalie: 2009 hatte Trump seinen Amtsvorgänger verbal attackiert, weil ...

... Obama sich vor dem saudi-arabischen König verbeugt hatte.

Damals twitterte Trump: "Obama verbeugte sich in aller Öffentlichkeit vor dem saudischen König - und trotzdem bezweifeln die Demokraten noch die diplomatischen Fähigkeiten von Mitt Romney."

Obwohl Trump es sichtlich vermeiden wollte, musste auch er vor König Salman in die Knie gehen - und machte einen Knicks.

Um eine Medaille für seine Verdienste um die Vertiefung der diplomatischen Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und den USA zu empfangen, beugte sich Trump leicht vor. "Eher eine Kniebeuge als eine Verbeugung", beschrieb ein Twitter-Nutzer die Situation.

Fünftes Problem: Trump widerspricht sich selbst in der Kopftuch-Frage. Begleitet wird der US-Präsident bei seiner Reise von Tochter Ivanka Trump, Schwiegersohn Jared Kushner und ...

... Ehefrau Melania Trump, die sich in Kleiderangelegenheiten zwar bedeckt hielten, eine selbst aufgestellte Regel jedoch missachteten: ...

... 2015 kritisierte Trump Michelle Obama beim Besuch in Saudi-Arabien: ...

... "Viele sagen, es sei wunderbar gewesen, dass Frau Obama sich geweigert habe, ein Kopftuch in Saudi-Arabien zu tragen, aber sie wurden beleidigt. Wir haben genug Feinde", twitterte der Immobilientycoon damals.

Melania Trump bedeckte ihr Haar allerdings auch nicht.

Blogger Schudscha Rabbani twitterte: "Da ich in Saudi-Arabien gelebt habe, weiß ich, dass Melania öffentlich ausgepeitscht und ihr Kopf rasiert worden wäre, wenn sie nicht Frau Trump oder die First Lady wäre."

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel trug bei ihrem Besuch in dem Land Ende April kein Kopftuch. Dennoch gilt es dort als anstößiges Verhalten.

Dass Präsidententochter Ivanka kein Kopftuch trug, war unproblematisch. Sie eroberte die Herzen vieler Saudis: ...

... "Wir sollten unsere Beziehungen mit Trump verbessern und seiner Tochter viele Investitionen garantieren, damit sie unser Land häufiger besucht", schrieb der arabisch-sprachige Blogger Rakan al-Atibi auf Twitter.

"Zum ersten Mal sehe ich eine richtige Frau", twitterte ein weiterer Nutzer. Andere machten der dreifachen Mutter wiederum Heiratsanträge.

Sechstes Problem: Trumps Tanzeinlage mit dem traditionellen Säbel. Sie brachte ihm Kritik statt Heiratsanträge ein.

Mit einem breiten Grinsen tanzte der Republikaner gemeinsam mit dem Hofstaat zu Trommelklängen und lächelte ...

... die Menschenrechtsverletzungen und das aggressive Verhalten der Saudis weg.

Als Nächstes führt Trumps Reise ihn nach Israel und Palästina, wo er sich für ...

... Entspannung im anhaltenden Nahost-Konflikt einsetzen will.

Als erster amtierender US-Präsident wird Trump die im Judentum heilige Klagemauer in Jerusalem besuchen - jedoch ohne Israels Präsidenten Benjamin Netanjahu.

Zudem stehen Gespräche Netanjahu (im Bild) und Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas an.

Trump vertritt die Ansicht, mit seiner Hilfe könne der Nahost-Konflikts beigelegt werden.

Wie ihm das gelingen soll - obwohl auch seine Vorgänger sich daran versucht haben - ließ der US-Präsident offen. (lsc)

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